A MusicManiac's Top 500 Songs

Nach fast acht Jahren als MusicManiac und noch ein paar mehr der Beschäftigung mit Musik wird es Zeit für einen unzureichenden Versuch eines musikalischen Fazits. Natürlich kommt es, typisch für diesen MusicManiac, in ausufernder Listenform und kürt die verwegene Zahl der 500 als beste befundenen, liebgewonnensten und geschätztesten Songs.
Das eher irrsinnige Ausmaß der Liste, die stilistische Bandbreite der Songs darin und die Wankelmütigkeit im Urteil sorgen dafür, dass auch alle Sorgfalt bei der Erstellung nichts daran ändert, dass sie weder vollständig, noch für mich als Ersteller ultimativ zufriedenstellend oder richtig wirkt. Um den Titel der Liste und ihre Aussagekraft noch weiter zu untergraben, sei auch gleich angemerkt, dass sich unter viele, viele wirkliche Songs auch einige klassische Kompositionen und Soundtrackstücke mischen und ihren wohlverdienten Platz bekommen.

 

Deswegen sei gesagt, dass man diese Liste schon ein bisschen, aber tunlichst nicht zu ernst nehmen darf, sondern man viel eher ein bisschen stöbern, die Musik genießen, Spaß haben, überrascht sein, sich wundern sollte. Für Aufregung, Fragen zu meinem Geisteszustand, Beschwerden über die einen Songs und Jubelstürme wegen anderer ist aber natürlich trotzdem immer in den Kommentaren Platz.

Also dann, rein in die unendliche Liste!

 

500 - 476 | 475 - 451 | 450 - 426 | 425 - 401 | 400-376 | 375 - 351 | 350 - 326 | 325 - 301 | 300 - 276 | 275 - 251
250 - 226 | 225 - 201 | 200 - 176 | 175 - 151 | 150 - 126 | 125 - 101 | 100 - 76 | 75 - 51 | 50 - 26 | 25 - 1


500.

 

Life Support Addiction

 

Refused

 

Songs To Fan The Flames Of Discontent
1996

Es entsprach eher nicht den Erwartungen, dass eine der zumindest nachträglich am meisten mit Lob überschütteten Hardcore-Bands der 90er aus Schweden kommen sollte. Passiert ist es dennoch und auch wenn der Ruhm, der Refused nach ihrer zwischenzeitlichen Trennung zuteil werden sollte, eher ihrer dritten LP geschuldet ist, haben sie sich nicht lumpen lassen und auch davor schon verdammt starken Punk geboten. Entsprechend wuchtig ist der Einstieg in die Liste mit einem Track, der auf dem zweiten Album der Band, trotz dessen weniger uniformen und durchgehend lärmenden Sounds im Vergleich zum Debüt, fast ein wenig untergehen kann inmitten all der unablässigen eindringlichen Härteeinlagen. Nichtsdestotrotz ist Life Support Addiction der Höhepunkt ihrer sehr geradlinigen Frühphase und damit ein Genuss für alle, die etwas mit lautstarkem, kompromisslosem Punk anzufangen wissen.

499.

 

Dangerous

 

The xx

 

I See You
2017

Ebenfalls anfänglich verdammt uniform unterwegs und damit fast schon auf dem Weg, in einer fast lethargischen Ereignislosigkeit zu versanden, konnte das britische Trio mit dem vielsagenden Namen auf Album #3 diesem Schicksal sehr erfolgreich entfliehen. Lieben gelernt hat man sie deswegen nicht wirklich, weil das mit dem Gesang immer noch so eine Sache ist, das Gemisch aus Indie und Dream Pop hier, Dance und Electronica da, eher selten dynamisch und mehrdimensional gewirkt hat. Mit Dangerous ist aber aus heiterem Himmel genau das passiert und das eigentlich so melancholische und verträumte Trio plötzlich mit funkigem Unterton daherkam, unter Führung von Jamie xx eine ideale Mischung aus flüchtig-leichtem Soundmix und durchdringender Tanzbarkeit gelungen ist.

498.

 

Dead Bodies Everywhere

 

KoRn

 

Follow The Leader
1998

An der Vorfront eines Massenphänomens, das um die Jahrtausendwende zuerst die Welt erobert und sie alsbald nur mehr genervt hat, standen relativ früh KoRn, die gehörig dazu beigetragen haben, überhaupt erst zu definieren, was Nu Metal einmal sein sollte. Gleichzeitig blieben die US-Amerikaner insbesondere in den 90ern gehörig eigen, waren dank ihrer Industrial-Anleihen, des drückend düsteren Bass und Jonathan Davis' exzentrischer Darbietungen als Sänger dazu in der Lage, mitsamt der krachenden Gitarrenwände die eine oder andere beinahe gruselige Szenerie zu schaffen. Auf Dead Bodies Everywhere und damit einem ihrer härtesten Tracks ist das vom Titel weg mit am eindringlichsten gelungen, während die Hip-Hop- und Funk-Anleihen dafür sorgen, dass all das trotzdem ziemlich im Ohr hängen bleibt.

497.

 

Rabbia E Tarantella

 

Ennio Morricone

 

Allonsanfàn
1974

Der Großmeister der Filmmusik darf hier nicht fehlen, wird auch mehr als diesen einen Auftritt haben. Als erstes kommt allerdings jene Komposition dran, die einem 2009 "Inglorious Basterds" versüßt hat, eigentlich aber schon Jahrzehnte früher entstanden ist. Ihrem Namen nach an der Tarantella angelehnt, ist es nicht viel mehr als ein beständig wuchtig trabendes Klavier, unterstützt von kratzigen Cello- und Kontrabass-Klängen und irgendwann überschattet von einer  zunehmend voluminöser werdenden Streicher-Armada, die mitsamt Trommeln und schrillen Bläsern das Ganze zu einem hymnischen und doch irgendwie verschrobenen Marsch werden lässt.

496.

 

Twenty Four Hours

 

Joy Division

 

Closer
1980

Der eine oder andere Interpret in dieser Liste wird so oft auftauchen, dass sich schon fast ein eigenes Album aus den Einträgen in dieser Liste machen ließe. Dass Joy Division da dazu gehören, wird MusicManiac-Kenner weniger überraschen. Das zweite und zugleich letzte Studioalbum der Band ist immerhin ein beispielloses Meisterwerk, das in der hiesigen Rezension schon hinreichend angehimmelt wurde. Deswegen sei nur gesagt, dass auch der hypnotisch galoppierende Bass von Twenty Four Hours sich einreiht in die Songs dieser LP, die einen nur immer weiter in die bedrückende, hoffnungslose Düsternis treiben. Über die bizarr animierende Dynamik dieses Songs, der dennoch dank des kargen Klangs und Ian Curtis' grausam wirkungsvollem, tiefem Gesang nichts an positiver Atmosphäre mitbringt, lässt sich eben nur Gutes sagen.

495.

 

Why Bother?

 

Weezer

 

Pinkerton
1996

Sie sind ein einziges Kuriosum und das weniger ihrer Musik wegen, sondern eher wegen der singulären Großartigkeit, die "Pinkerton" im mittlerweile ausufernden Kanon Weezers darstellt. Begeistern können sie zumindest mich abseits davon selten, beinahe nie, und doch ist da dieses eine Album, das von einer legendären Güte ist. Weil es genauso eigenwillig und herrlich verschroben ist wie das Debüt, dabei aber mit seinem verrohten, impulsiven Stil, den Anleihen am Punk und der unkaschierten Emotion in der einen oder anderen Minute auch auf einer ganz anderen Ebene wirkt. Why Bother? mag da nur bedingt aussagekräftig sein, ist musikalisch ein Überbleibsel der Lockerheit, deswegen endlos unterhaltsam und eingängig, letztlich aber auch deswegen ein Volltreffer, weil aus dem Text gleichzeitig eine fast kindische, romantisch-gekränkte Verzweiflung spricht, die treffender nicht sein könnte.

494.

 

Snake Mountain Blues

 

Townes Van Zandt

 

Our Mother The Mountain
1969

Als einer der ungekrönten Könige der einsamen Melancholie hat Townes Van Zandt, vollkommen unbeachtet von der Welt, Ende der 60er und Anfang der 70er einige Alben in die Welt entlassen, die mit erstklassigen Kompositionen fast vollgestopft sind. Snake Mountain Blues ist eine davon, beispielhaft für zumindest eine Facette von ihm als dem Western nahe, rustikal galoppierende, aber instrumental spärliche Vorstellung. Noch wichtiger für den mustergültigen Van-Zandt-Song ist aber die unnachahmliche, gleichzeitig emotionale und dann doch wieder ungerührt das Schicksal hinnehmende Art, auf die der Texaner seine Geschichten erzählt.

493.

 

Another One Bites The Dust

 

Queen

 

The Game
1980

Ein schwieriges Kapitel der Musikgeschichte, weil der eine oder andere geniale Streich von Freddie Mercury und den Seinen in so viel Theatralik, Exzentrik und mitunter schlichtem Kitsch untergegangen ist, dass man ihn eigentlich nicht mehr erkennen konnte. Vielfach waren deswegen jene Songs die effektivsten, die sich auf das Wesentliche zu besinnen wussten und sich mit Pomp, Glanz und Glorie zurückgehalten haben. Another One Bites The Dust ist genau ein solcher Moment, erdacht von Bassist John Deacon und dementsprechend mit göttlicher Bassline gesegnet, die den Song zum mit Abstand funkigsten Stück macht, das der Band je ausgekommen ist. Und weil man sich rundherum dafür entschieden hat, die Drums und Riffs so trocken wie möglich klingen zu lassen, lediglich Mercury eine gewohnt mitreißende und wirklich erstklassige Darbietung liefern durfte, wurde daraus einer der einsamen Höhepunkt der Bandgeschichte.

492.

 

Mama

 

My Chemical Romance

 

The Black Parade
2006

Passend zur Theatralik tanzen ein paar US-Amerikaner an, die zur Mitte der 00er-Jahre die Rock Opera wieder aufleben ließen, nachdem Green Days das kurz zuvor bereits getan hatten. Zum müden Plagiat wurde das bei My Chemical Romance dennoch nicht, weil Frontmann Gerard Way und seine Kollegen erstens weit eher wussten, wie man Inszenierung bis an die äußersten Grenzen ausreizt, und sich zweitens auf fast ungesunde Art thematisch mit dem Tod spielten. Mama passt da gut ins Bild als Erzählung vom Soldaten, der dem Tode nahe ein Ständchen an seine Mutter anstimmt, das eine verzweifelte Entschuldigung sein soll und dann doch das drohende Ende mit fast feierlichem Ton besingt, mit irgendwo zwischen Klezmer und Polka angesiedeltem Rhythmus unbequem skurril anmutet.

491.

 

Nimrod's Son

 

Pixies

 

Come On Pilgrim
1987

Gesegnet mit allem, was dieser Band zu ihrem heute legendären Status verholfen hat, ist Nimrod's Son ein sehr frühes Glanzstück für die Pixies. Selbstverständlich, wie es sich für die Truppe gehört, angereichert mit ein bisschen biblischen Hintergrundinfos und Anspielungen auf fragwürdige sexuelle Beziehungen, ist es schon textlich zum Wegbrechen. Den vollen Erfolg rundet aber noch eher die Musik ab, die einen in rasantem Galopp mit locker-flockigen Riffs und mit geschmeidigem Bass mitreißt, irgendwo zwischen Punk und einem dreckigen Bastard des Surf Rock daheim ist. Zum Drüberstreuen noch Black Francis' schon damals vollendete Fähigkeit, ansatzlos zwischen sanften Höhen, hingerotztem Genuschel und manischem Kreischen hin und her zu wechseln, und es wurde auf höllisch gute Art zur Legendenbildung beigetragen.

490.

 

The Boxer

 

Simon & Garfunkel

 

Bridge Over Troubled Water
1970

Es wird noch auffallen, dass ich entgegen der Fachwelt eher kein allzu gewaltiger Bewunderer des Spätwerks dieser beiden Herren bin, sondern sehr eindeutig ihre zweite und dritte LP bevorzuge. Nichtsdestotrotz haben auch die späteren Alben mit ihren markanteren stilistischen Eigenheiten Dinge zu bieten, die einfach nur beeindruckend sind. Paradebeispiel dafür ist The Boxer, dessen einsames Lamento selbstverständlich auf diesen unerreichten Harmoniegesang der beiden bauen kann. Vor allem aber bringt es diesen einzigartigen Refrain mit, der nicht einmal wirklich irgendwelche Wörter braucht und musikalisch auch nicht mit viel mehr daherkommen muss als einem knüppelharten, hinter den Akustikgitarren und später den Streichern verhallenden Drumbeat, der so viel Reverb mitbringt, dass er fast wie eine Explosion klingt. Das toppt man schwer.

489.

 

Heavy Seas Of Love

 

Damon Albarn

 

Everyday Robots
2014

Nach Jahrzehnten der Arbeit mit Blur an Britpop und Alt Rock, als Mastermind der Gorillaz an Trip Hop, Electronica, Hip-Hop und so ziemlich allem anderen und einem Haufen weiterer Projekte, war der plötzliche Soloausritt von Damon Albarn eine eindrucksvoll zurückgenommene, melancholische, fast einsame Geschichte. Die Ironie will es, dass darauf ausgerechnet das musikalisch weniger hineinpassende, optimistische Finale am besten klingt. Unter tatkräftiger Mithilfe von Brian Eno und dem Leystone City Mission Choir wurde daraus ein unendlich friedlicher, wohliger Abschluss, der fast einen Hauch von Reggae, jedenfalls aber einen Schuss Reggae mitbringt und sich ansonsten mit gemächlichen Klavierpassagen und ein bisschen akustischer Gitarre begnügt. Und weil da eben nicht nur Albarn von seinem sonst so tonlosen, lakonischen Gesang Abstand nimmt, plötzlich lebendig und animiert klingt, sondern dazu noch ein wunderbarer Chor und der Enos tiefe Stimme unter die Arme greifen, wird daraus eine herrlich friedliche Hymne.

488.

 

The Stranger Song

 

Leonard Cohen

 

Songs Of Leonard Cohen
1967

Ganz weit da vorne, in der ersten Reihe der Singer-Songwriter, die die 60er hervorgebracht haben, sitzt mit Leonard Cohen einer, der einem zumindest genauso viel Genuss wie Schwierigkeiten beschert. Immer schon genauso sehr Poet wie Musiker, sind viele seiner Songs so gedankenschwer, vielsagend und reich an textlichen Gustostückerln, dass zumindest ich den Eindruck habe, man kann ihm sehr gut hinterherhecheln, während man ihm zuhört. Das war von offensichtlich von Anfang an so, denn schon das Debüt ist eigentlich Cohen at his best, voll mit einiger seiner gefeiertsten Kompositionen. Der Stranger Song gehört da mit Sicherheit auch dazu, ist auch ein erstklassiges Beispiel für das, was Cohen in seinen frühen Jahren ausgemacht hat. Emotional vielschichtig, irgendwo zwischen Entfremdung, Verlust, Liebe und ihrer vielen mysteriösen Seiten, ist Cohens wenig kunstvoller Gesang wohl genau das, was es braucht, um die hypnotische Melodie an der Gitarre ideal zu komplettieren. Einfach ideal, um einen in seinen Bann zu ziehen und die Zahnräder im Hirn ordentlich rattern zu lassen.

487.

 

West Coast

 

Lana Del Rey

 

Ultraviolence
2014

Schon weiter oben war von einem schwierigen Kapitel der Musikgeschichte die Rede, hier ist ein noch eines. Lana Del Rey ist eigentlich noch viel schlimmer, eine der mühsamsten Personalien der modernen Popwelt seit ihrem Durchbruch vor bald einem Jahrzehnt schon einen ziemlich ordentlichen Abdruck in dieser hinterlassen hat. Selten, wirklich verdammt selten auch zu Recht, wie ich persönlich finde. Während aber ihr emotionsloses, einschläfernd lethargisches Gesinge über einem mäßiges Amalgam aus Dream Pop, Hip Hop und theatralischer Inszenierung meistens eher nervt als irgendetwas auslöst, war ihre zweite LP ein bewusst grauer, düsterer Hoffnungsschimmer. Dort wurden ihre Schwächen zu unerwarteten Stärken und die Leadsingle zu ihrem bisweilen herausragendsten Moment, der sich in einer psychedelischen, unheilschwangeren, schleppenden Schwere, deren trockene Riffs und unablässigen Soundschwaden eine auf unerklärliche Art hypnotische, faszinierende Wirkung haben.

486.

 

Madame Oscar

 

Mano Negra

 

King Of Bongo
1991

Weg von der Lethargie, hin zur Hyperaktivität! Niemand steht dafür mehr als das Anarcho-Kollektiv von Mano Negra, das seit langem Vergangenheit ist. Anfang der 90er war man jedoch vorwiegend in Frankreich, Spanien und im lateinamerikanischen Raum eine kultige Institution, tourte durch die abgeschiedenen Lande und fabrizierte Alben, die so vollgepackt waren mit unterschiedlichen Stilen, Stimmungen und Instrumenten, dass man als Hörer kaum mithalten konnte. Manchmal gab es zu viel davon, manchmal zu wenig, hier und da lag man aber genau richtig. So bei Madame Oscar, das mit simplem Antrieb vom Klavier und den Drums weniger an musikalischer Überfrachtung denkt und dennoch hinter der Stimme von Manu Chao die eine oder andere gesangliche Gruppeneinlage, groovig-schrille Bläsereinsätze, ein bisschen Keyboard und ein manisches Ska-Finale zusammenpanscht. Und das sind die Franzosen in ihrer harmlosen Form! Aber eben auch in ihrer besten.

485.

 

Wu-Tang Clan Ain't Nuthing Ta F' Wit

 

Wu-Tang Clan

 

Enter The Wu-Tang (36 Chambers)
1993

Dem Wu-Tang Clan, insbesondere in seiner frühesten Inkarnation, zu begegnen, ist ein einziges Erlebnis. Revolutionär war das Debüt, gezeichnet von RZAs spartanischer Produktion, dem damit verbundenen ungeschönten, trockenen Sound, den Ausschnitten aus Martial Arts Filmen und vor allem einem Kollektiv von gleich neun Rappern. Dementsprechend dynamisch und rastlos war das Ganze, textlich selten tiefgründig, dafür umso mehr aus der Hüfte geschossen und lebhafter. Wer oder was inmitten all dessen wirklich am meisten heraussticht, ist kaum zu sagen, genauso wie es schwerfällt, einen Track zum Favoriten zu küren. Aber so nahe Da Mystery Of Chessboxin' dem auch kommt, ist es am Ende dieses brillante Stück Hip Hop, das den längsten Atem hat.

484.

 

Lady D'Arbanville

 

Cat Stevens

 

Mona Bone Jakon
1970

Nichts könnte falscher sein, als die Behauptung, Cat Stevens hätte bei mir musikalisch irgendeinen größeren Eindruck hinterlassen. Tatsächlich kommt er bei mir eigentlich so überhaupt nicht vor, außer mit diesem einen Song. Der hat dafür diese imposante Fähigkeit, zwar unweigerlich immer wieder ein bisschen in Vergessenheit zu geraten, dann aber doch beim erneuten Anhören sofort wieder unglaublich stimmig und vor allem wie ein gefühlvolles Meisterstück zu wirken. Stevens' samtweiche Stimme ist dafür ohnehin wie gemacht, die unorthodoxe Machart des Songs, der sich zwar grundsätzlich auf klassische Folk-Instrumentation verlässt, gleichzeitig aber mit Latin-Rhythmen kokettiert und ungewöhnliche Keyboard-Sounds einbaut, bildet aber einen großartigen Kontrast. Und so macht die zerbrechliche erste Strophe einen tiefen Eindruck, wird aber gelungen abgelöst von mehr Leben, das den Song von jedem Kitsch fernhält.

483.

 

Save Me

 

Gotye

 

Making Mirrors
2011

Die Experimentierfreude und die Downtempo-Art-Pop-Abenteuer des Wally de Backer, der sich professionell Gotye nannte, sind nicht gerade das ideale musikalische Terrain für meiner einer. Das bedeutet aber nicht, dass der Australo-Belgier nicht hier und da gehörig Eindruck zu machen im Stande wäre. Meist ist das eher ein solcher, der unterhält und Interesse an den musikalischen Ideen weckt. Zumindest im Falle dieses einen Songs gesellte sich zum elektronisch unterstützten Indie Pop, der choralen Unterstützung und diesem leisen Hauch von Worldbeat aber auch eine emotionale Tiefe, die man sonst selten gespürt hätte. Ohne Pomp, ohne Schmalz, dafür mit einer sanftmütigen Ode an die Freundin und deren Hilfe in finsteren Zeiten, die von wohltuend aktiver Musik unterlegt ist. Ein formvollendeter Moment eigentlich.

482.

 

Can You See Me

 

The Jimi Hendrix Experience

 

Are You Experienced?
1967

Der einzig wahre Gott der Gitarre, der selbstverfreilich hier noch öfter ein Plätzchen finden wird. Insbesondere auf dem Debüt seiner Experience war dem Mensch gewordenen Wunder Jimi Hendrix und seiner explosiven, manischen Kunst an den sechs Saiten nicht zu entrinnen und ein Geniestreich folgte dem nächsten. Dass Can You See Me dabei nicht annähernd der größte war, ist bereits Mahnmal der Einzigartigkeit von Hendrix und diesem seinem ersten Album. Es ist aber so nebenbei auch höchstselbst ein erstklassiger Song, dessen großartige Riffs, unbändige Dynamik und für die damalige Zeit revolutionären Sounds ein einziges Fest sind.

481.

 

April Come She Will

 

Simon & Garfunkel

 

Sounds Of Silence
1966

Ja, die beiden sind gleich noch ein zweites Mal hier herinnen. Und während ich so darüber nachdenke, ob es denn klüger gewesen wäre, für eine bessere Aufteilung des Simon'schen und Garfunkel'schen Liedguts zu sorgen, kann man sich ja gleich mal diesem meisterlichen Beispiel ihres frühen Sounds hingeben. Der Einfachheit in dramatischer Form verpflichtet und somit nur auf zwei akustische Gitarren reduziert, ist es ein kleiner, aber umso feinerer Beweis für die unwiderstehliche stimmliche Qualität, die in diesen beiden steckt. Wobei, hier eigentlich nur jener von Art Garfunkel. Dem Harmoniegesang wird zwar kurzzeitig abgeschworen, der Zerbrechlichkeit des Songs spielt das aber nur in die Karten und der gefühlvollen Lyrik von Paul Simon schadet es ebenfalls kein bisschen.

480.

 

Berzerk

 

Eminem

 

The Marshall Mathers LP 2
2013

Er hätte einige andere Kandidaten für die Liste. Manche davon kommen aber auch noch, deswegen darf dieses späte Highlight durchaus auch hier sein. Eminems Karriere ist seit seinem Comeback eigentlich keine spannungsgeladene mehr, sondern geprägt von der Suche nach der Frische und Qualität von anno dazumal. Ganz vereinzelt ist sie noch aufgeblitzt, allerdings so selten, dass es das Kraut kaum fett macht. Immerhin aber bleiben diese einsamen Ausreißer, darunter dieser hier, der deswegen so wohltuend hervorsticht, weil er in seiner erratischen, hyperaktiven, mit Samples, Scratches, dicken Riffs und stampfendem Beat vollgestopften Art endlich mal wieder so lebendig, dynamisch und unterhaltsam daherkommt, wie es verdammt lange nicht passiert ist. Das Ding ist frischer als der Fisch von Verleihnix und kann es sich aufgrund seiner ruhelosen Art, die einem einfach in jeder Sekunde irgendwas bietet, vor allem leisten, inhaltlich höchst mager zu sein und damit dem zu entsprechen, was Eminem seit einem Jahrzehnt eben meist so macht. Nichts zu bemängeln, wenn es wenigstens so sehr Spaß macht.

479.

 

Standing In The Rain

 

Billy Talent

 

Billy Talent
2003

Billy Talent, diese mittlerweile eigentlich längst vergessenen Helden des kanadischen Alt Rock, der zugegebenermaßen kein sonderlich überbevölkertes Terrain ist. Noch bevor die Band unerklärlicherweise in Deutschland, Österreich und sonst eigentlich nirgends unglaublich erfolgreich wurde, war sie eigentlich schon genau das, was sie sein sollte. Eine perfekt harmonische Truppe, die melodischen, dem Hardcore entstiegenden Rock fabrizierte, dabei die eine oder andere pointierte Zeile einbaute und vor allem so sehr ins Ohr ging, dass es fast lästig werden konnte. Eine Eigenschaft allerdings, die sich nicht gleichmäßig auf alle Songs verteilt hat und die jetzt auch nicht überall so ausgeprägt war, dass man sie gleich adeln müsste. Das selbstbetitelte Debüt bot aber zumindest in jedem Fall ein solches Exemplar, das sich dem tristen Schicksal einer Prostituierten widmet, das aber mit so einem bedenklich eingängigen Refrain hinbekommt, dass irgendwie keine schlechte Stimmung aufkommen will.

478.

 

When Doves Cry

 

Prince

 

Purple Rain
1984

Ich bin nun wahrlich keiner, der Prince zu Füßen liegen würde, weil irgendwas an seiner Musik verhindert, dass ich mich im Entferntesten damit identifizieren könnte. Dieses subjektive Problemchen wird vom Pop-Giganz der 80er aber oft genug gekonnt ausgehebelt, weil er einfach so gelungen, interessant und mitreißend musiziert, dass es nicht mehr viel Identifikation braucht. Dieser Mensch war einfach sowohl gesanglich zu herausragend als auch zu gut darin, Kompositionen auf eine unnachahmliche Art zu arrangieren und dabei zu perfektionieren. When Doves Cry zählt da deswegen dazu, weil es ein wahrlich einzigartiges Stück Popmusik ist, das einfach mal komplett auf jeglichen Bass verzichtet und eigentlich nur aus einem nicht endenwollenden Keyboard-Loop besteht, dem ein wuchtiger Beat zur Seite gestellt wird. Dass da da zwischendurch mal die Gitarre in klassischer 80er-Manier einmischt, schwächt das kaum noch ab. Dieser Track ist schräg, auf eine faszinierende und eindringliche Art, wie sie selten vorkommt.

477.

 

While My Guitar Gently Weeps

 

Regina Spektor

 

Kubo And The Two Strings
2016

Begrüßen wir den einzigen Song, der in dieser Liste in zwei verschiedenen Versionen vertreten sein darf. Die erste und deutlich jüngere stammt von Regina Spektor und wurde als Teil des Soundtracks zu "Kubo And The Two Strings" aufgenommen. Spektor nimmt dem Beatles-Song zwar definitiv seine emotionale Wirkung, stellt gleichzeitig aber ihrer beeindruckenden Stimme ein imposant reichhaltiges, wunderbar orchestriertes Arrangement zur Seite, das neben klassischen Streichern und einem monotonen Beat auf ein Arsenal klassisch asiatischer Instrumente setzt. Die werden in keinem Moment dazu gezwungen, über Gebühr miteinander zu konkurrieren, sondern bekommen in vollendeter Harmonie alle die gebotene Aufmerksamkeit, dürfen einander abwechseln und akzentuieren. Und das kann einiges.

476.

 

Lateralus

 

Tool

 

Lateralus
2001

Tool und ihre Songs so wirklich verstanden, durchschaut oder erfolgreich seziert zu haben, ist eine Leistung, die ich mir selbst nicht wirklich zuschreiben würde. Dafür sind so einige Kompositionen der Band zu verwinkelt, zu gezwungen oder auch nicht gezwungen kryptisch und so manch anderes auch noch. Das hat allerdings den von mir oft weniger geschätzten Vorteil, dass ihren besten Songs etwas unwiderstehlich Mysteriöses und Übergroßes anhaftet, was die Band mit ihren ausschweifenden Songlängen und theatralisch-wuchtigen Arrangements auch nicht gerade bombardiert. Da kommt dann schon mal etwas wie Lateralus heraus, das mehr Fragen aufwirft, als es Antworten gibt, gleichzeitig aber ein atmosphärisches Monument ist, das einen über neun Minuten lang immer mehr in irgendwelche Tiefen zieht, die sich nicht so ganz beschreiben lassen. Keine Ahnung, welche Leistung das jetzt genau ist, aber es ist eine ziemlich ordentliche!

500 - 476 | 475 - 451 | 450 - 426 | 425 - 401 | 400-376 | 375 - 351 | 350 - 326 | 325 - 301 | 300 - 276 | 275 - 251
250 - 226 | 225 - 201 | 200 - 176 | 175 - 151 | 150 - 126 | 125 - 101 | 100 - 76 | 75 - 51 | 50 - 26 | 25 - 1