A MusicManiac's Top 500 Songs

Nach fast acht Jahren als MusicManiac und noch ein paar mehr der Beschäftigung mit Musik wird es Zeit für einen unzureichenden Versuch eines musikalischen Fazits. Natürlich kommt es, typisch für diesen MusicManiac, in ausufernder Listenform und kürt die verwegene Zahl der 500 als beste befundenen, liebgewonnensten und geschätztesten Songs.
Das eher irrsinnige Ausmaß der Liste, die stilistische Bandbreite der Songs darin und die Wankelmütigkeit im Urteil sorgen dafür, dass auch alle Sorgfalt bei der Erstellung nichts daran ändert, dass sie weder vollständig, noch für mich als Ersteller ultimativ zufriedenstellend oder richtig wirkt. Um den Titel der Liste und ihre Aussagekraft noch weiter zu untergraben, sei auch gleich angemerkt, dass sich unter viele, viele wirkliche Songs auch einige klassische Kompositionen und Soundtrackstücke mischen und ihren wohlverdienten Platz bekommen.

 

Deswegen sei gesagt, dass man diese Liste schon ein bisschen, aber tunlichst nicht zu ernst nehmen darf, sondern man viel eher ein bisschen stöbern, die Musik genießen, Spaß haben, überrascht sein, sich wundern sollte. Für Aufregung, Fragen zu meinem Geisteszustand, Beschwerden über die einen Songs und Jubelstürme wegen anderer ist aber natürlich trotzdem immer in den Kommentaren Platz.

Also dann, rein in Part 11 der unendlichen Liste!

 

500 - 476 | 475 - 451 | 450 - 426 | 425 - 401 | 400-376 | 375 - 351 | 350 - 326 | 325 - 301 | 300 - 276 | 275 - 251
250 - 226 |
225 - 201 | 200 - 176 | 175 - 151 | 150 - 126 | 125 - 101 | 100 - 76 | 75 - 51 | 50 - 26 | 25 - 1


250.

 

The End

 

The Doors

 

The Doors
1967

Die wohl bedeutendsten und auf verdammt schwierig zu verarbeitende Art eindrucksvollsten Minuten, die Jim Morrison und die Seinen der Nachwelt hinterlassen haben. So ganz zu durchblicken ist das ausgedehnte Epos ja in Wahrheit nicht, was allein schon darin begründet liegt, dass Morrison selbst nicht so ganz wusste, was er sagen wollte. Und deswegen ist The End auch zu Anfang eine atmosphärische Abschiedsballade, die alsbald in sphärischen Orgelklängen von Ray Manzarek in Richtung Psychedelic Rock schreitet, mit von Ravi Shankar inspirierten Gitarrenpassagen eine noch faszinierendere Aura als ohnehin schon aufbaut und mittendrin noch einen bis zum Exzess durchanalysierte Spoken-Word-Part Morrisons einbaut. Der prägt sich insbesondere deswegen ein, weil Morrison auf dem Weg zum Gitarren- und Drum-Klimax kurz vorm ruhigen Ausklang selbst in manisches Geschrei ausbricht. Die Einzelteile klingen aber so niedergeschrieben nach weniger als das Gesamtkunstwerk, das unverschämt viele Einflüsse kombiniert und daraus ein unendlich stimmungsvolles Monument von einem Song ergibt.

249.

 

Hong Kong

 

Gorillaz

 

Help: A Day In The Life
2005

Damon Albarn hatte es als Mastermind der Gorillaz zwar ohnehin nie mit der stilistischen Einheitlichkeit. Auf die regulären Alben hat dann, dem Wunsch nach einer zumindest rudimentären Einheitlichkeit und der qualitativen Auslese geschuldet, aber doch nicht alles gepasst. Hong Kong ist definitiv kein Qualitätsmangel zum Verhängnis geworden, sondern womöglich eher der Ursprung als Song für die Charity-LP Help: A Day In The Life. Deswegen durfte es dann nur auf Compilation D-Sides drauf, was schade ist, weil somit die Bekanntheit eines der zweifelsfrei schönsten und formvollendetsten Songs aus Albarns Feder gelitten hat. Eröffnet von einem wunderschönen, langgezogenen Intro, das von der chinesischen Guzheng dominiert wird, ist es dank dieses instrumentalen Akzents, des behänden Arrangements und Albarns erstklassiger Darbietung ein gefühlvoller Höhepunkt seiner Karriere.

248.

 

Steh Auf

 

Lindemann

 

F & M
2019

Gerade, als man nicht mehr nur begonnen, sondern sich bereits mit dem Zustand angefreundet hat, daran zu zweifeln, dass Till Lindemann noch einmal etwas wirklich Lohnendes fabrizieren würde, kam mit F & M ein Album, das diese Skepsis dem Rammstein-Frontmann gegenüber eigentlich in bester Form einzuzementieren wusste. Wäre da nicht dieser eine Song! Steh Auf ist der einsame Gipfel von Lindemanns Kollaboration mit Peter Tägtgren, verabschiedet sich netterweise von der zuvor ausgetesteten englischen Sprache. Stattdessen breitet sich über dem herrlich knöchernen, harten Rock in all seiner Melodiearmut ein Till Lindemann aus, der in seiner Muttersprache zu alter Stärke erwacht und den wuchtigen Refrain zum Wirkungsvollsten macht, was mit seiner Stimme seit einer Dekade angestellt wurde.

247.

 

Rumour Has It

 

Adele

 

21
2011

Fernab der ihr in die stimmliche Wiege gelegten Klavierballade hat Adele auf ihrer zweiten, die weltweiten Charts in Beschlag nehmenden LP auch einen Song anzubieten gehabt, der sich seine Emotionen auf ganz anderer Ebene gesucht hat. Die Abrechnung mit dem gerüchtestreuenden und selbige glaubenden Umfeld gerät zu einem erstklassigen Ohrwurm und einem mächtigen Footstomper, der sich irgendwo zwischen Blues, Soul und einem Hauch von Motown und Rock'n'Roll ausbreitet. Und dabei wird mit Humor und Angriffigkeit genauso punktet wie mit einer Adele, die sich im höheren Tempo und mit etwas Wut im Bauch genauso gut, wenn nicht sogar besser anhört als in ihren dramatischsten Momenten.

246.

 

Bigmouth Strikes Again

 

The Smiths

 

The Queen Is Dead
1986

Zwar fällt die Wahl naturgemäß schwer, dennoch kann man sich fast nicht von der Idee lösen, in Bigmouth Strikes Again die ultimative Ausformung des Marr'schen Jangle Pop zu erkennen. Mit einem unwiderstehlichen Drive, einer nach zehn Sekunden bereits zum Niederknien einladenden Hook und absolut glänzenden Gitarrenausritten in klassischster Rock'n'Roll-Manier ist alles da, was man sich vom britischen Helden der sechs Saiten nur wünschen könnte. Dass nebenher Mike Joyce insbesondere in der Bridge aufdreht, hinter Morrissey ein zweiter Morrissey mit unnatürlich hochgeschraubter Stimme für einen grotesken gesanglichen Akzent sorgt und man mit absurden Zeilen konfrontiert wird, die sich am Ende doch irgendwie zu einem Schlag gegen die britische Presse summieren, ist da fast schon Nebensache und doch alles Baustein in diesem großen musikalischen Bauwerk.

245.

 

For No One

 

The Beatles

 

Revolver
1966

Im so reichhaltigen Fundus romantischer und mitunter abseitig kitschiger Anwandlungen des Paul McCartney darf für etwas wie For No One ein besonderer Ehrenplatz nicht fehlen. Selten einmal hat eine Komposition des Briten so formvollendet und dank Dominanz des Clavichords und des einsamen Horns auf so wunderbar verschrobene Art schön geklungen, wie es diese schafft. Gleichzeitig ist es ein verdammt wehmütiger Moment, der sich ohne schmalzige Zeilen und stattdessen in bitterer Klarheit dem Ende der gemeinsamen Liebe widmet. Da kann man schwer nein sagen, wenn einem ein solch makelloses Stück Baroque Pop serviert wird.

244.

 

One Summer's Day

 

Joe Hisaishi

 

Sen To Chihiro No Kamikakushi
2001

Höchstwahrscheinlich ist es die bedeutendste, weil weithin bekannteste Komposition des Joe Hisaishi, die er für Hayao Miyazakis Meisterwerk Sen To Chihiro No Kamikakushi zusammen mit einem grenzenlos atmosphärischen, harmonischen und wunderschönen Soundtrack geschaffen hat. Zu seinem besten Werk reicht es deswegen zwar nicht zwingend, diese berührende, simple Klaviermelodie mitsamt der einsetzenden Streicher ist aber eine dermaßen großartige Eröffnung und in ihrer emotionalen Ambivalenz und Vielschichtigkeit so herausragend, dass man kein Wort der Kritik findet. Wohl könnte man selbiges über den musikalisch vergleichsweise abenteuerlich und ausschweifend geratenden Abschluss verlieren. Aber lassen wir das, er stört nicht weiter.

243.

 

Mouth For War

 

Pantera

 

Vulgar Display Of Power
1992

Nicht immer können sich Künstler aussuchen, was denn nun ihr Signature Song wird, mit dem man sie am ehesten verbindet. Zwangsläufig ist es auch nicht zwingend der beste. Im Falle von Pantera hat man jedoch gleich in zweierlei Hinsicht eine eher vorteilhafte Situation. Nicht nur, dass ungeklärt bleibt, ob denn nun Walk, Cemetery Gates, I'm Broken oder doch Mouth For War als Flaggschiff des Kanons der Band herhalten muss. Bei letzterem wäre noch dazu der Fall gegeben, dass man damit den zündendsten Track der Band auch gleich erwischt. Als Eröffnung des gewaltigen Vulgar Display Of Power dessen Doktrin der unbarmherzigen, kompromisslosen Härte und Wucht folgend, ist es im besten Sinne ein Charakterstück der Band, das sich trotz eines kurzen, manischen Solos von Dimebag Darrell gröbere Ausritte spart und stattdessen alle Vorzüge von Pantera in unaufhaltsam dahinmarschierende vier Minuten gießt.

242.

 

Meine Freiheit, Deine Freiheit

 

Georg Kreisler & Barbara Peters

 

Taubenvergiften Für Fortgeschrittene
1983

Gut möglich, dass das hier das ungewöhnlichste Exemplar in dieser Top 500 ist. Umso größer ist jedoch die Wertschätzung für diese knapp zwei Minuten und ihren primären Urheber Georg Kreisler, der als einer der wertvollsten Liedermacher Österreichs in die Geschichte eingehen soll. Dem klassischen Kabarett entstammend, war der in Wien geborene und durch das Nazi-Regime in die USA vertriebene Kreisler Zeit seines Lebens dem Humor aber auch oft genug der pointierten, eindeutig positionierten politischen Kritik verpflichtet. Während also Taubenvergiften oder die Telefonbuch-Polka als komödiantische Perlen bestehen, ließ der bekennende Anarchist an anderen Stellen und insbesondere mit Barbara Peters in späteren Jahren  kein gutes Haar an der bestehenden Gesellschaftsordnung, am Großen und Kleinen in der Welt. Das eindrucksvollste Ergebnis letzterer Seite ist Meine Freiheit, Deine Freiheit, eine außergewöhnlich treffende, heute mehr denn je gültige und in ihrer Hintergründigkeit begnadete Abrechnung mit dem Kapitalismus, der Politik und der Unfreiheit des Einzelnen.

241.

 

Remember To Forget

 

Chris Beer

 

Anytime Soon
2020

Dem musikalisch und atmosphärisch bunten Lion In The Sun folgte bei Chris Beer ein Album, das sich zwar sicherlich nicht in Trübsal oder Dunkelheit zu verlieren drohte, das aber weit eher der Ruhe, den organischen Klängen und der Melancholie verpflichtet war. Im Zentrum dessen steht mit Remember To Forget ein Lied, das trotz und gerade wegen seiner Einfachheit, der wenigen verlorenen Worte und des Mangels an Glanz, Prunk oder jeglicher anderer musikalischer Extravaganz großen Eindruck hinterlässt.

240.

 

Total Eclipse

 

Klaus Nomi

 

Klaus Nomi
1981

Unter den doch gar nicht so seltenen musikalischen Unikaten gibt es dann doch wieder solche, die noch einmal extra herauszustechen wissen und in ihrer grenzenlosen Eigenheit kaum noch fassbar sind. Klaus Nomi war ein solcher Fall, der sich von New Yorker Szenebühnen aus und durch Mithilfe von David Bowie mit seiner gewaltigen Countertenorstimme ins Rampenlicht gesungen hat. Der Deutsche wirkte visuell wie ein Außerirdischer, kreidebleich geschminkt und meist in seinen eckigen Tuxedo gepackt, dazu mit einer roboterhaften Bewegungssteife gesegnet. All das war eine perfekte Akzentuierung des jede Konventionen sprengenden Sounds, den er erarbeitete. In funkigen Post-Disco- und New-Wave-Songs dominierte neben schillernden Synthesizern die exzentrische, operettenhafte Stimmgewalt Nomis, die noch dazu mit einer herrlich abgehackten, urdeutschen Aussprache gepaart wurde. Ein einzigartiges Stück Musikgeschichte im besten Sinne, das nirgendwo so gut zur Geltung gekommen ist wie in Total Eclipse.

239.

 

Tears Dry On Their Own

 

Amy Winehouse

 

Back To Black
2006

Es wäre sehr schön gewesen, ein bisschen mehr von Amy Winehouse' imposanter, rauchig-erdiger Stimme und der darin versteckten Extraportion Soul zu hören zu bekommen, als es letztlich möglich war. Nichtsdestotrotz hat die Britin der Nachwelt einige erstklassige Stücke hinterlassen, deren Reminiszenzen auf den Soul und Motown der 60er unwiderstehlich werden konnten, wenn sie richtig gerieten. Am deutlichsten bekommt man das bei Tears Dry On Their Own zu spüren, das mit seiner Interpolation von Ain't No Mountain High Enough so sehr in die Zeit der großen Vorbilder eintaucht wie sonst nichts in ihrem Kanon. Entsprechend herrlich ist ihre gesangliche Performance und das lockere Drumherum auch anzuhören.

238.

 

I'm Not In Love

 

Talking Heads

 

More Songs About Buildings And Food
1978

Dieser Riff! Kaum einmal wird im Zusammenhang mit der zweiten LP der Talking Heads, die die anarchisch-eigenwillige Band unter die Fittiche von Brian Eno brachte, von I'm Not In Love gesprochen. Andere Songs stehen weit eher im Fokus, weil sie eine ruhigere, nachdenklichere Seite der Band zeigen, puristischer dem Funk frönen oder melodisch sauberer sind. Doch nichts davon reicht an die unbändige Energie, die unaufhaltsame Lawine heran, die Tina Weymouths Bass, Chris Frantz' Drums und der herausragende Paarlauf der Gitarren in den Strophen dieses Tracks bilden. Man vergibt sogar den unverfroren stotternden Refrain bei all dem, was einem drumherum in so feiner Manier geboten wird.

237.

 

Ada

 

The National

 

Boxer
2007

The National hatten nun zu Zeiten ihres weithin gefeierten vierten Studioalbums keine Probleme mehr, überzeugend zu musizieren und atmosphärisch kraftvolle Kompositionen zu formen. Trotzdem kann es helfen, bei dieser Aufgabe ein bisschen Unterstützung zu bekommen. Auf Ada findet sich solche in Form des oft nicht weniger von Kritikern bejubelten Sufjan Stevens, der inmitten der dahinrollenden Gitarre, des Banjo, der majestätischen Bläser und Matt Berningers in tiefer Ruhe brillierender Stimme erstklassige Akzente am Klavier setzt. Das Ergebnis ist ein musikalisches Meisterwerk, nicht wegen irgendwelcher ekstatischer Momente oder ausufernder Exzentrik, sondern wegen dieser perfekten Harmonie und dem Wort Schönheit so umfassend gerecht werdenden Ganzen, das hier zusammenfindet.

236.

 

I Shot The Sheriff

 

The Wailers

 

Burnin'
1973

Zusammen mit dem militanten Get Up, Stand Up ein zweiköpfiges Aushängeschild des letzten Wailers-Albums vor dem Ausstieg von Bunny Wailer und Peter Tosh, ist I Shot The Sheriff eines der nicht gerade seltenen Mahnmale für Bob Marleys unermessliches musikalisches Gefühl. Denn die Botschaft, die Kritik an der willkürlichen Polizeigewalt und der Unterdrückung in Jamaika, ist nicht weniger prägnant und angriffig als jene von Get Up, Stand Up, sie manifestiert sich aber in einem fast schon entspannt klingenden Reggae-Song. Und so bekommt man dann beides, ein gewichtiges Statement, das noch dazu nicht beim Protest Halt macht, sondern die Hoffnungs- und Aussichtslosigkeit aus Sicht der Bevölkerung genauso einfängt, und eine der geschmeidigsten musikalischen Darbietungen, die die Wailers je zu bieten hatten.

235.

 

From The Morning

 

Nick Drake

 

Pink Moon
1972

Auf Pink Moon ist es schon fast ein Ausbund des hemmungslosen Optimismus, den man mit From The Morning zu hören bekommt. Nicht, dass die Zeilen nicht bei entsprechender Lesart auch eine gewisse Todessehnsucht und Erlösung durch das Ende erahnen lassen könnten. Im Kern ist es aber ein von Anspannung, Traurigkeit und Einsamkeit losgelöster, heller Moment, in dem Drake auf unnachahmliche Art die Schönheit des Lebens und vor allem die vielen Möglichkeiten, die es bietet und die es zu nutzen gilt, besingt. Kaum jemanden würde man das eher singen hören wollen als Drake, der mit seiner Gitarre die schönsten Melodien und mit seiner Stimme neben düsterer Depression auch den ausdauerndsten Seelenfrieden fabrizieren konnte.

234.

 

When The Sun Goes Down

 

Arctic Monkeys

 

Whatever People Say I Am, That's What I'm Not
2006

Das Feld der Kompositionen rund um die weite Welt der Prostitution ist womöglich ein umkämpfteres, als es zumindest mir bewusst wäre. Jedenfalls haben die Arctic Monkeys auf diesem Gebiet mit When The Sun Goes Down eine Großtat vollbracht, die nach dem fast unschuldig klingenden Beginn in melodisch-punkigen Rock feinster Ausprägung mündet und dort mit einem eindrucksvollen Verbund aus göttlicher Bassline, wuchtigen Drums und knackig-kratzigen, mitunter dickwandigen Riffs punktet. All das wäre weit weniger wert, würde sich inmitten dessen nicht Alex Turner in der damals so brillant zur Schau gestelten Kunst im Höchsttempo vorgetragener, bissig-humorvoller Beobachtungen üben. Nachdem der das aber auch ohne Abstriche macht, ist ein Klassiker der Briten geschaffen.

233.

 

Riverside

 

Agnes Obel

 

Philharmonics
2010

Die Dänin Agnes Obel hat sich insbesondere in ihren frühen Jahren als Meisterin neoklassischer, majestätischer und doch intimer, atmosphärischer Musik erwiesen. Riverside verkörpert all das, ist in einem Wort wunderschön und dabei zu gleichen Teilen ein Ausbund endloser Friedlichkeit und unheilvoller Ruhe. Die übereinander gelegten Gesangsspuren Obels und ihre gleichzeitig sanfte, aber doch irgendwie emotionsarme Stimme tragen dazu genauso bei wie die gänzlich dem Klavier überlassene Szenerie, die sich darin übt, auf elegante Art beklemmend zu wirken.

232.

 

Like A Pen

 

The Knife

 

Silent Shout
2006

Das schwedische Duo von The Knife hat sich über die Jahre ihres Bestehens zunehmend als Meister elektronischer Experimente gefallen, sodass man oft genug damit beschäftigt war, die gängigen Muster des Synth Pop, von Techno, Trip Hop und so manch anderem zu beugen und zu brechen. Like A Pen macht genau das und beeindruckt da vor allem mit seinem göttlichen Intro, in dem sich über dem wuchtig pulsierenden Beat unterschiedlichste Elektronik-Sounds die Hand geben, hektisch ineinanderfließen und schließlich doch in einer schrägen Synth-Hook eine dominante Note finden. Was folgt, ist an Dynamik kaum zu überbieten, vor allem aber auch dank der manipulierten Stimme von Karin Dreijer und der vielschichtigen Elektronikbauten ein irgendwie unwirkliches Erlebnis.

231.

 

Junge Roemer

 

Falco

 

Junge Roemer
1984

Nach dem Erfolg des Debüts und weiter mit Produzent Robert Ponger auf einem kreativen Hoch, das mit dem nötigen Selbstbewusstsein umgesetzt wurde, ist Falco mit Junge Roemer etwas gelungen, das wohl ähnlich viele fragende Gesichter wie begeisterte Befürworter gefunden hat. Entsprechend schwierig war die kommerzielle Entwicklung, während das Album Jahrzehnte später wohl die beste Nachrede unter allen Werken Falcos genießt. Während die Erhebung des Albums zum zeitlosen Meisterwerk in meinen Augen verdammt streitbar ist, führt kein Weg daran vorbei, die gleichnamige Leadsingle als einen Triumph des Österreichers anzuerkennen. Musikalisch und textlich wurden neue Wege beschritten, Falcos dreisprachiger Auftritt war in seiner Ausdrucksstärke genauso punktgenau wie vielschichtig und damit das perfekte Gegenstück zu einem Sound, der erfolgreich zwischen funkigen Riffs, Disco-Flair und einem eleganten Hauch klassischer Einflüsse tänzelte, deswegen genauso ruhelos wie perfekt inszeniert wirkt.

230.

 

Come As You Are

 

Nirvana

 

Nevermind
1991

Auf einem Album, dessen die Musikwelt nachhaltig formender und definierender Status nur bedingt mit der Güte seiner Songs korreliert, wirkt nahezu jeder Track so, als hätte er unter anderen Vorsätzen besser klingen können. Unter anderem, weil wenige Jahre später mit einem gewissen In Utero die eigentliche Meisterleistung von Nirvana das Licht der Welt erblickte. Nevermind kommt da klanglich nicht heran, darf sich aber dennoch einzelner Höhepunkte rühmen, die keiner missen sollte. Am hellsten erstrahlt dabei Come As You Are, das zwar natürlich genauso von Dave Grohl und Kurt Cobains Stimme geprägt ist wie jeder Song der Band, selbstverständlich aber von seinem unwiderstehlichen, dem Effektpedal geschuldeten, dahinschwebenden Gitarrensound lebt. Der fasziniert innerhalb weniger Sekunden und dominiert netterweise alle Strophen und ein seltenes Cobain-Solo, das die raueren Töne aus dem Refrain ideal mit dem Main Riff des Songs kombiniert.

229.

 

Lungs

 

Townes Van Zandt

 

Townes Van Zandt
1969

Wenige andere Songs kann man finden, die die Vorliebe von Townes Van Zandt für bittere, hoffnungsarme und triste Szenerien besser illustrieren, als Lungs es schafft. Oft genug als Aufarbeitung der Insulinschocktherapie und damit verbundener Atemprobleme gedeutet, die er aufgrund diagnostizierter manischer Depression in jungen Jahren erdulden musste und aufgrund derer sein Langzeitgedächtnis ausgelöscht wurde, ist es eine Country-Ballade ohne jede spürbare Dramatik. Stattdessen regieren die markanten Akzente der akustischen Gitarre und eine fast lakonische und doch wieder poetische Aura, in der man kaum deuten kann, ob irgendwie noch ein Hauch von Hoffnung zu hören ist.

228.

 

Knots

 

Lisa Hannigan

 

Passenger
2011

Wenn man Lisa Hannigan etwas bescheinigen muss, dann eine Stimme für die Ewigkeit, mit der Großes möglich wäre. Ob sie selbiges in ihrer Zeit nach der Zusammenarbeit mit Damien Rice jemals wirklich geschaffen hat, ist dagegen schon eher zu debattieren. Zumindest bei Knots kann man sich jedoch ziemlich sicher sein, dass trotz der eigenwilligen musikalischen Ausstattung rund um das Banjo ein Volltreffer gelungen ist. Der obsiegt dank des stetig anwachsenden Klangs bei dem sich zuerst angespannte Violinklänge, bald das Klavier, Percussion, ein steter, wuchtiger Beat zum Banjo gesellen und irgendwann mitsamt kurzem Bläsereinsatz zu einem herrlichen Ganzen anschwellen, in dem sich Hannigan mit ihrer rauchig-hellen Stimme behauptet. Ein musikalisches Fest, wenn auch leider ein kurzes.

227.

 

So You Wanna Be A Superhero

 

Carissa's Wierd

 

Songs About Leaving
2002

Spätestens mit ihrem dritten Album hatten Carissa's Wierd die musikalische Verkörperung der Depression zu einer ganz eigenen Kunst erhoben. Fernab von Extravaganz oder jedem Anflug von Kitsch, ist das vorherrschende Merkmal das einer infiniten Freudlosigkeit, einem beinahe apathischen Versinken in den dunkelsten Ecken der Psyche und einer fast schon gespenstischen klanglichen Präsenz. So You Wanna Be A Superhero kreist in genau dieser Form um den Refrain und dessen zentralen Satz "I might be leaving soon", ergibt sich klanglich einer spannungs- und leblosen Szenerie, in der primär der pulsierende Bass dominiert und die gerade wegen ihrer einförmigen Akzentarmut umso tiefere Spuren hinterlässt.

226.

 

Prelude

 

Bernard Herrmann

 

Psycho
1960

Bernard Herrmanns Bedeutung für die moderne Filmmusik kann man gar nicht überschätzen, die seiner Arbeit für Psycho eigentlich genauso wenig. Alfred Hitchcocks Thriller-Meisterwerk lebt neben dem unschlagbaren Hauptdarsteller Anthony Perkins nicht zuletzt auch von Herrmanns Kompositionen. Gleich zu Beginn schafft er es, mit seinem Prelude eine beklemmende, stetig wachsende Anspannung zu vermitteln, die ihresgleichen sucht und in diesen schrillen, gehetzten Streicherpassagen derart wirkmächtig zur Geltung kommt, dass man selbst ohne Bild zum Ton der Atmosphäre des Ganzen kaum entkommen kann.

500 - 476 | 475 - 451 | 450 - 426 | 425 - 401 | 400-376 | 375 - 351 | 350 - 326 | 325 - 301 | 300 - 276 | 275 - 251
250 - 226 |
225 - 201 | 200 - 176 | 175 - 151 | 150 - 126 | 125 - 101 | 100 - 76 | 75 - 51 | 50 - 26 | 25 - 1


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