MusicManiac Top 10

MusicManiac Top 10 - Die besten Debütalben

Aller Anfang ist schwer. Nicht selten versauten Künstler ihre ersten Zusammenstellungen unter den verschiedensten Umständen. Andere wiederum legten einen fulminanten Einstand ein, an den sie in ihren Karrieren niemals wieder anknüpfen konnten. Zur ersten MusicManiac Top 10 nehme ich mir zu gegebenem Anlass die gelungensten Debüts zur Brust und gebe eine kleine Einsicht in meine persönlichen Favoriten. Da in diesem breiten Pool die Auswahl aber keinesfalls eine leichte darstellt, ersuche ich wie immer, persönliche Meinungen und auch eigene Toplisten zum Besten zu geben!


 

10.

 

Up the Bracket

 

The Libertines

2002

The Libertines - Up The Bracket

Mit den zwei charismatischen Frontmännern Carl Barât und Pete Doherty und ihren dynamischen Live-Auftritten avancierten die vier Briten im Nu zu den führenden Acts der Garage-Rock-Szene der frühen 2000er auf der Insel. Ihr Debüt Up The Bracket schlug mit seiner rauen Energie und der funktionierenden Songwriterpartnerschaft zwischen den beiden eigenwilligen Leadern auf Anhieb ein wie eine Bombe, lieferte u.a. die mittlerweile kultische verehrte Hymne Time For Heroes und trug maßgeblich zum Revival der britischen Musikszene bei.

 

Überragender Track: Time For Heroes


 

9.

 

Music From Big Pink

 

The Band
1968

The Band - Music From Big Pink

Als Begleitband des großen Bob Dylan erregten die Kanadier, zunächst noch unter dem Namen 'The Hawks', zum ersten Mal ein wenig Aufmerksamkeit. Aufgenommen in einem großen, rosafarbenen Haus, dem das Album seinen Namen verdankt, schrieben die talentierten Musiker den Großteil des Albums, der Rest stammt von Dylan. Obwohl es trotz Kapazundern wie The Weight (das wenig später für den Film 'Easy Rider' verwendet wurde), Chest Fever oder dem Klassiker Long Black Veil nicht zum erhofften Kassenschlager wurde, steht die LP heute für eine wundervoll homogene Mischung aus Folk, Country und sogar Elementen der klassischen Musik.

 

Überragender Track: Chest Fever


 

8.

 

Is This It

 

The Strokes
2001

The Strokes - Is This It

Auch auf der anderen Seite des Atlantiks saß man Anfang des Milleniums nicht faul auf seinem Hintern. Keiner anderen Band gelang es wie diesem amerikanischen Quintett, sein Faible für die 60er und 70er so erfolgreich auf die eigene Musik umzumünzen und aus der breiten Masse nachhaltig herauszustechen. Mit Instant-Classics wie Last Nite, Someday oder Hard To Explain schuf die Band um Julian Casablancas zwar ein Album für die Ewigkeit, sich selbst aber einen künstlerischen Anspruch, an dem die Folgealben aber stets mehr oder weniger kläglich scheiterten.

 

Überragender Track: Hard To Explain


 

7.

Wu-Tang Clan - Enter The Wu-Tang (36 Chambers)

Zu einer Zeit, als Grunge die amerikanische Musikszene dominierte und sich der allmähliche Aufstieg des Pop-Punk abzeichnete, befand sich auch der Hip-Hop in der Blüte seiner Zeit, in seinen sogenannten 'goldenen Jahren'. Mit einer Mischung aus fetzigen Beats, bis dato einzigartiger Produktion mit Samples aus Martial Arts-Filmen und den knallharten Texten seiner brillanten Texter Raekwon, Ghostface Killah, GZA und co. entwickelte sich das Album über Nacht zu einem der einflussreichsten seiner Zeit. Hits wie Protect Ya Neck oder C.R.E.A.M. wirkten als Karrieresprungbretter für seine einzelnen Mitglieder.

 

Überragender Track: Wu-Tang: 7th Chamber


 

6.

 

Ramones

 

Ramones
1976

Ramones - Ramones

Kein Debütalbum war so einflussreich wie jenes der vier falschen Brüder. Als Trotzreaktion auf die aktuelle Musikszene mit pompösen Arrangements brachten die New Yorker im Alleingang den Rock 'n' Roll wieder dahin zurück, wo er hingehört. Kurz, laut und auf den Punkt gebracht. Dass das Quartett zwar mehr Bands beeinflusste als jede andere außer den Beatles und selbst die wesentlich erfolgreicheren Genrekollegen von den Sex Pistols oder The Clash ohne die Punkurväter wohl nie aus ihren Schatten getreten wären, täuscht nicht darüber hinweg, dass die Ramones selbst zu Lebzeiten niemals viele Platten absetzen konnten. Auch das bahnbrechende Debüt mit ihrem bekanntesten Song Blitzkrieg Bop und anderen Knallern wie Judy Is A Punk, 53rd & 3rd oder dem beatlesquen I Wanna Be Your Boyfriend verkaufte sich nicht.

 

Überragender Track: Judy Is A Punk


 

5.

 

Funeral

 

Arcade Fire
2004

Arcade Fire - Funeral

Wenn es eine Band gab, die in den letzten 15 Jahren für Ausrufezeichen sorgen konnte, dann ohne Zweifel dieses mittlerweile sechsköpfige Ensemble aus Kanada. Eine fähige Truppe an beschlagenen Musikern und ein Frontmann, der bereit ist, für jeden seiner Songs zu sterben, zeichnen deren Werke und besonders das Debüt aus. Selten zuvor verschwammen die Grenzen zwischen Realität und Erzählung so sehr wie auf Funeral. Leadsänger Win Butler erschafft eine fiktive Bühne, auf der er während des Albums verharrt und die großartige Kompositionen wie Rebellion (Lies) oder die vier Neighborhood-Tracks tun ihr Übriges und tragen maßgeblich zu einem ungebremsten Vergnügen bei.

 

Überragender Track: Neighborhood #1 (Tunnels)


 

4.

 

GP

 

Gram Parsons
1973

Gram Parsons - GP

Nach zwei schwierigen Jahren die auf seinen Rauswurf bei den Flying Burrito Brothers folgten, meldete sich der Country-Rock Pionier eindrucksvoll mit einem Debüt zurück, das man in dieser Form nicht erwarten konnte. Parsons spielt sein Verständnis für Countrymusik in feinster Manier aus und schreibt Texte, die jenen der gestandenen Klassiker, derer er sich annimmt, in nichts nachstehen. Neben dem großartigen Input eines Haufens namhafter Sessionmusiker markiert GP auch den Anfang der Karriere einer jungen Sängerin namens Emmylou Harris, die sich als sehr fähige Duettpartnerin erweist, diese Veranlagung aber freilich erst am Nachfolgewerk vollständig unter Beweis stellen kann.

 

Überragender Track: Kiss the Children


 

3.

 

Murmur

 

R.E.M.
1983

R.E.M. - Murmur

Heute als eine der größten Bands aller Zeiten angesehen, begann die Karriere für die Kultrocker auf dem kleinen I.R.S. Label eher bescheiden. Trotz Lobpreisungen seitens der Kritiker blieben die Verkaufszahlen unter den Erwartungen. Das Quartett konnte sich allerdings erfolgreich gegen gängige Rockelemente wie Synthesizer wehren und schuf so ein Meisterwerk, dem man die Dekade nicht sofort anhört. Frontmann Michael Stipes charakteristisches Genuschel, Peter Bucks Byrds-beeinflusster Jingle Jangle-Pop und die kollektiv rätselhaften Texte geben schon hier am Einstiegswerk die Marschroute für spätere Glanztaten aus und Radio Free Europe entwickelte sich zum ersten Hit.

 

Überragender Track: Sitting Still


 

2.

 

The Velvet Underground & Nico

 

The Velvet Underground
1967

The Velvet Underground - The Velvet Underground & Nico

Kaum ein Albumcover ist auch nach fast 50 Jahren so präsent wie jenes der Underground, kaum eines der einflussreichen Sechziger Alben wurde bei Erscheinung so wenig gehört. Mittlerweile reiben sich die Menschen beim Namen Velvet Underground freudig die Hände, die LP gilt ohnehin als frei von jeglichen Zweifeln. Damals waren die Visionäre um Lou Reed aber alles andere als präsent, weder ihre frühen Avantgarde-Versuche, noch ihre späteren, offensichtlichen Chartsbemühungen erreichten die Leute. Ihr grandioses Debüt vereint diese beiden Welten, liefert mit Sunday Morning als Opener einen zugänglichen Popsong, vergrault mit Closer European Son aber Liebhaber hübscher Melodien.

 

Überragender Track: The Black Angel's Death Song


 

1.

 

The Gilded Palace Of Sin

 

The Flying Burrito Brothers
1969

The Flying Burrito Brothers - The Gilded Palace Of Sin

Nach einem kurzen Intermezzo bei den Byrds gründete Gram Parsons mit einem weiteren Ex-Byrd, Chris Hillman, die legendäre Country-Rock-Band und für eine kurze Zeit erstrahlte ein großer Stern am Musikhimmel. Innerhalb weniger Monate schrieben sich die Songs fast von selbst und wunderbare Kompositionen wie Sin City oder Wheels erblickten das Licht der Welt, dazu gesellten sich noch zwei Cover aus dem Soul und R&B Bereich. The Gilded Palace of Sin stellt das Ergebnis einer fruchtbaren Zusammenarbeit und einer kollektiven Meisterleistung dar. Den Burritos gelingt es auf beeindruckende Weise, Countrymusik mit kosmischen Klängen (es lebe die Fuzzbox) zu vereinen und so Parsons Vision von Cosmic American Music - und überdies noch meine Vision eines perfekten Debütalbums - zu realisieren. Wer diese LP noch nicht in seinen Reihen hat, der ist selbst Schuld an seinem begrenzten Horizont.

 

Überragender Track: Sin City


Schlusswort:

Die ganze Sache auf zehn Alben zu reduzieren war nicht einfach, unzählige andere musste ich mit Tränen in den Augen aus der finalen Liste verbannen. Close but no cigar: The Clash, Nick Drake, Oasis, Drake, Joy Division, Television, Raekwon, GZA, Emmylou Harris, Vampire Weekend, The Doors, The Smiths, N.W.A. u.v.m.

Abschließend möchte ich mich noch bei jedem Einzelnen fürs Lesen bedanken. Es ist schön zu sehen, dass sich immer wieder Leute hierher verirren, um an unseren - im aktuellen Fall meinen - Gedanken teilzuhaben. Ich hoffe, wir sehen uns bei den Kommentaren wieder!

 

Mathias Haden