MusicManiac Top 10

MusicManiac Top 10 - Die besten Songwriter

Heute mal eine Disziplin im Mittelpunkt, die sich seit Ewigkeiten allergrößter Beliebtheit erfreut, das Songwriting. Wer hat nicht schon einmal versucht, ein paar nette Worte aneinanderzureihen, um die eigenen Gefühle, Erlebnisse oder grundsätzliche Impressionen auszudrücken? Dazu noch eine passende Melodie gesummt, schon hat man eine Songskizze. Heute widme ich jenen zehn Songschreibern einige Zeilen, die mich in meinem Heranwachsen am meisten geprägt und mich mit ihren Liedern am längsten beschäftigt haben. So bedanke ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bei meiner Vertretung vom letzten Mal und hebe den Vorhang für die wortgewandtesten, poetischsten Virtuosen, die je ihre Visionen zu Papier gebracht haben.


 

10.

George Harrison, Foto: AP
Quelle: americansongwriter.com; 01.10.2014; Foto: AP Images

 

George Harrison

 

Wie überraschend, ein Beatle in einer Bestenliste - und langweilig. Stimmt natürlich, fehlen darf mein persönlicher Lieblingsbeatle George allerdings nicht, wenn es darum geht, aus dem riesigen Pool an Textern zu fischen. Bereits bei den Pilzköpfen hatte der im Gegensatz zu seinen Kollegen in der Öffentlichkeit gemäßigte Harrison geniale Momente. Nicht nur seine charakteristische Slide-Guitar auf den Aufnahmen der Fab Four ist umwerfend, auch Songs wie While My Guitar Gently Weeps, Taxman oder If I Needed Someone legen Zeugnis darüber ab, dass die Band nicht nur eine Two-Man-Show war, mit dem Gitarristen und Songwriter immer eine mächtig heiße Aktie auf seine Chancen brannte - diese auch weitestgehend zu nutzen wusste. Auch nach seiner Zeit bei den Beatles war er immer wieder für den einen oder anderen Top-Song gut, selbst als seine Alben immer mäßiger wurden.

 

Überragende Kompositionen: I Need You (Beatles); Something (Beatles); Run Of The Mill


 

9.

 

Morrissey/Marr

 

Was Paul McCartney und John Lennon für die Sechziger bedeuteten, waren Stephen Patrick Morrissey und Johnny Marr für die Achtziger. Mit den Smiths, die sich mit R.E.M. ein erbittertes Duell um den Titel 'Beste Band der 80s' liefern, erreichten sie in kurzer Zeit einen Status, der ihnen auf ewig Ruhm sichern wird. Während der aktiven Phase der Gruppe von 1982 bis 1987 agierte das Duo in konstanter Hochform. Morrissey schrieb die Lyrics, während Marr die passende Musik beisteuerte. Auch heute noch werfen viele Texte der Smiths Fragezeichen auf, zwischen Exzentrik, Humor und Dramatik finden sich praktisch keine Fehlgriffe. Seit der Trennung ihrer Band haben Marr und sein kongenialer Ex-Partner kaum ein Wort gewechselt, bis heute scheiterten zahlreiche Versuche, die Smiths wieder aus ihrer Inaktivität zu bugsieren. Vier Studioalben und zahlreiche großartige Songs, an denen wir uns niemals satt hören werden, bleiben allerdings.

 

Überragende Kompositionen: William, It Was Really Nothing; Bigmouth Strikes Again; There Is A Light That Never Goes Out

Morrissey & Johnny Marr
Quelle: ocm.com

 

8.

Paul Simon
Quelle: commons.wikimedia.com; Foto: Nationaal Archief

 

Paul Simon

 

Das treffendste Beispiel dafür, warum wahre Größe nichts mit jener des Körpers zu tun hat, stellt in diesem Ranking der 1,60 Mann Paul Simon dar; seineszeichen kreativer Kopf und Songwriter, zudem aber auch eifersüchtige und von Komplexen geplagte kleinere Hälfte des Duos Simon & Garfunkel. Dabei hatte der um wenige Tage ältere Simon auch genügend gesangliche Argumente, um sich aus dem Schatten der Engelsstimme seines Partners zu wagen. Auf seine Kappe gehen neben den wundervollen Folk-Pop-Nummern des Duos auch noch zahlreiche starke Kompositionen, die bis zum letzten Studioalbum von 2011 reichen. Während Garfunkel sich in den Folgejahren der Trennung in sukzessiver Erfolgslosigkeit wähnte und nach dem Selbstmord seiner Partnerin in Depressionen verlor, erlebte Simon auch Solo eine Karriere von Weltformat, die ihm letztlich einen verdienten Platz in dieser Liste zukommen lässt.

 

Überragende Kompositionen: America (Simon & Garfunkel); The Boxer (Simon & Garfunkel); American Tune


 

7.

 

Peter Gabriel

 

Der nächste, der die ersten Schritte nicht allein bewältigen wollte. Als Frontmann von den britischen Proggöttern Genesis erreichte Peter Gabriel Mitte der Siebziger Weltruhm, ehe er am kreativen Zenit der Bandkarriere seinen Rücktritt erklärte. Was folgte, waren eine experimentelle Phase und schließlich der kommerzielle Höhepunkt im 1986 erschienen So. Über die Gesamtheit seiner außergewöhnlichen Laufbahn blieb Gabriel sein Sinn für kreative Texte und innovative Arrangements, auch wenn für die fantasievollen Epen der Genesis-Ära später kein Platz mehr war. Seine Bühnenangst verbarg der charismatische Sonderling einst hinter Tonnen von Make-Up, extravaganten Kostümen und fiktiven Figuren, in die er schlüpfen konnte. Wer sich mit der Diskographie seiner Ex-Band und seinen frühen Soloalben beschäftigt, wird schnell erkennen, dass mehr in ihm steckt als nur seine erfolgreichste Single und Steckenpferd Sledgehammer.

 

Überragende Kompositionen: Watcher Of The Skies; Dancing With The Moonlit Knight; The Carpet Crawlers (alle Genesis)

Peter Gabriel
Quelle: flickr.com; Foto: Jean-Luc Orlin

 

6.

Nick Drake
Quelle: thebestmusicyouhaveneverheard.com; 20.05.2013

 

Nick Drake

 

Der Urvater des modernen Singer-Songwriters, das Vorbild jedes Folksters. Wo Nick Drake draufsteht, da ist garantiert Qualität drin. Seine lediglich drei LPs genießen heute Legendenstatus, über die Güte seiner songwriterischen Kompetenzen gibt es keine zwei Meinungen. Seine vergebliche Suche nach Glück und Lebenssinn reflektierte er in seinen melancholischen, später tief depressiven Songs. Auch ließ der Brite seine Einflüsse aus der britischen Literatur einfließen, die poetischen Lyrics, die sich zwischen getrübter Romantik und Vergänglichkeit bewegen, lassen sich teilweise nur schwer deuten. Drake starb schließlich an den Folgen seiner anhaltenden Depressionen mit einer Überdosis an Antidepressiva. Seit seinem Tod 1974 sprossen unzählige begabte Songwriter aus Großbritannien aus dem Boden, keiner konnte allerdings an die bemerkenswerten Meisterwerke des großen Vorbilds anknüpfen.

 

Überragende Kompositionen: Cello Song; Northern Sky; Pink Moon


 

5.

 

Colin Meloy

 

Der mit Abstand jüngste der vorgestellten Künstler kommt aus Montana und führt die beste, derzeit aktive Band - The Decemberists - an. Mit diesen erlebte der talentierte Multiinstrumentalist turbulente Jahre, die ihn vom anfänglichen Indie-Rock über Folk, Country und sogar Prog-Rock hinwegspülten. Neben den immer üppiger werdenden Arrangements stachen als Markenzeichen der Band schnell Meloys charismatische Stimme und allem voran seine erzählerischen Texte hervor. Diese eigenwilligen Geschichten reichen von düsteren Wiegenliedern, einem elfminütigen Racheepos und einer konzeptuellen Rockoper über eine schwierige Liebschaft (The Hazards Of Love) hin zu luftig lockeren Countrynummern. Mittlerweile hat Meloy Kinderbücher geschrieben, einige Solo-EPs aufgenommen und kürzlich erst ein erfolgreiches Bandcomeback gefeiert - was für ein Mann.

 

Überragende Kompositionen: The Infanta; The Crane Wife 3; January Hymn (alle Decemberists)

Colin Maloy; Foto: Roger Butterfield
Quelle: flickr.com; Foto: Roger Butterfield

 

4.

Bob Dylan
Quelle: commons.wikimedia.org

 

Bob Dylan

 

Na endlich! Jener Mann, der in keinem Ranking fehlen darf, das sich irgendwie selbst ernst nimmt. Wie könnte man sich dem großen Dylan aber auch verwehren. Diesem Kerl, der gemeinsam mit einigen anderen Legenden Pop- und Unterhaltungsmusik zu dem gemacht hat, was es heute ist. In einer zwar nicht makellosen, aber insgesamt sehr beeindruckenden Karriere brachte es 'His Bobness' auf eine stattliche Ausbeute an tollen Alben, die Gesamtzahl der guten, von ihm geschriebenen Kompositionen kann sich mit den kombinierten der anderen neun Kandidaten sicherlich messen. Unzählige Mythen und Anekdoten, die sich um seine Texte und Songs per se ranken, machen das Entdecken der Dylan'schen Diskographie ungemein spannend und tragen einiges zu dem Stellenwert bei, dem der exzentrische Eigenbrötler zukommt. Noch vor dem oben erwähnten Colin Meloy locker der beste Geschichtenerzähler, den sechzig Jahre Rock 'n' Roll hervorgebracht haben.

 

Überragende Kompositionen: Desolation Row; Lily, Rosemary And The Jack Of Hearts; Black Diamond Bay


 

3.

 

Lennon/McCartney

 

Die einzigen, die Dylan in Sachen Einfluss und medialer Relevanz das Wasser reichen können: das kongeniale Songwriterduo der Beatles. Praktisch alles, was an Pop-Musik heute aus dem Radio tönt, lässt sich irgendwie auf diese fruchtbare Partnerschaft zurückführen. Okay, übertreiben wir's mal nicht. Trotzdem sprechen das überwiegend ausgezeichnete Repertoire und die schönsten Melodien des 20. Jahrhunderts Bände. Egal ob unter Drogeneinfluss, widrigen Umständen oder lustigen Okkasionen; der kreative Motor hinter dem beliebtesten Quartetts lief lange Zeit ohne ins Stocken zu geraten. Mit der zunehmenden Individualisierung der einzelnen Mitglieder und der von Ruhm und Drogenkonsum gezeichneten Entwicklung der jeweiligen Egos endete die einst so unkomplizierte Zusammenarbeit schließlich. Am Papier war weiterhin von Lennon-McCartney zu lesen - auch als man schon lange nicht mehr gemeinsam an den Songs getüftelt hatte. Dennoch, die wohl größte Qual der Wahl dieses Rankings.

 

Überragende Kompositionen: Ticket To Ride; Eleanor Rigby; A Day In The Life

John Lennon & Paul McCartney; Foto: Getty Images
Quelle: mirror.co.uk; Foto: Getty Images

 

2.

Gram Parsons; Foto: Robert Altman
Quelle: www.iorr.org; Foto: Robert Altman

 

Gram Parsons

 

Jeder, der hier schon länger als fünf Minuten verbracht hat, wird wissen, welchen Stellenwert Ingram Cecil Connor III, bekannt als Gram Parsons, bei mir genießt. Im Laufe seines kurzen Lebens brachte es Parsons trotz anhaltender Drogen- und Disziplinprobleme auf immerhin sechs beachtliche Studioalben, mit seinen Bands The International Submarine Band, den Byrds, den Flying Burrito Brothers und schließlich noch zwei Solo-LPs mit tollen Begleitmusikern. Kein anderer Künstler verstand Country-Musik so wie Parsons, keinem anderen lag diese so am Herzen, dass er sie nachhaltig verändern musste. Der Country-Rock-Pionier starb mit 26 Jahren viel zu früh an einer Überdosis, als Vermächtnis bleiben uns immerhin ein paar Dutzend großartig gesungener Tracks und einige perfekte Songs, die Parsons auch für dieses Ranking unentbehrlich machen. Dazu verdanken wir ihm auch Emmylou Harris und ein unerschöpfliches Arsenal an Nachahmern, die seine Vision von "Cosmic American Music" im Herzen tragen.

 

Überragende Kompositionen: Hickory Wind (The Byrds); Sin City (The Flying Burrito Brothers); Return Of The Grievous Angel


 

1.

 

Gene Clark

 

Hier ist er also, der verdiente Gewinner. Wer hier nach der dominanten Präsenz der Beatles noch Ringo vermutet hätte, liegt ebenso falsch, wie fruchtlose Bemühungen von FeministInnen, hier noch eine Frau reinzupressen. Stattdessen gibt es mit Gene Clark die unauffälligste der heute gefeierten Personalien und einen großen Triumph für die Byrds, jener Ex-Band, bei der auch gerade erst erwähnter Gram Parsons ein kurzes Gastspiel hat. Warum Clark aber das Rennen macht, ist schnell erklärt. Kein anderer Songwriter fängt Romantik, Nostalgie, Vergänglichkeit und viel Gefühl so ein und kann sie in Songs packen, die zwar träumerisch, aber dennoch urban und realitätsbezogen anmuten. Über die Tiefe seiner lyrischen Expressionen, die der in sehr einfachen Verhältnissen aufgewachsene Clark in seinen Texten aufweist, rätselt man seit jeher vergeblich. Fakt ist allerdings, dass es keinen bessern Songschreiber als Eugene Harold Clark gibt; einem Künstler, dem das Leben in Ruhm und Glanz bis zu seinem Tod nicht wirklich gegönnt war. Diese anhaltende Erfolglosigkeit und der aufgestaute Frust brachten ihm letztlich auch einen zunehmenden Realitätsverlust, seine sporadischer werdenden Werke bürgten aber weiter für hohe Qualität. Unter anspruchsvollen Musikliebhabern genießt er mittlerweile endlich das Ansehen, das er verdient.

 

Überragende Kompositionen: For A Spanish Guitar; I Remember The Railroad; From A Silver Phial

Gene Clark
Quelle: pinterest.com; "The Byrds" by Dyno (Moody) Catalani

Schlusswort:

Das waren sie also, die zehn (eigentlich zwölf) Songwriter, die mich auf unterschiedliche Weisen am meisten beeindrucken. Zehn Genies, die ihre Liebe zur Musik in für mich mittlerweile unabkömmliche Minuten transformieren. Fünf Kandidaten kommen aus den USA, ebenso viele aus Großbritannien. Übrigens bin ich nicht so patriarchalisch, wie diese Zusammenstellung womöglich andeuten könnte; mit Sandy Denny und Neko Case gibt es zwei ernstzunehmende Kandidatinnen im erweiterten Kreis. Trotzdem kann man natürlich wie so oft behaupten, dieses Terrain wäre weitestgehend eine Männerdomäne. So blieben Dutzende an talentierten Songschreibern auf der Strecke; darunter Kapazunder wie Brian Wilson, Neil Young oder Lou Reed. Wer jedenfalls Lust hat, seine eigenen Favoriten zu benennen, ist wieder einmal herzlichst aufgefordert, bei diesem einladenden Thema seinen Senf beizutragen. Ich verharre derweil in vorsichtiger Zurückhaltung und erleichtertem Stolz über die nächste klasse Liste. :)

 

Mathias Haden, poetischer Musiknarr