MusicManiac Top 10

MusicManiac Top 10 - Die besten Singles 2000 - 2009

Als Kind der frühen Neunziger kann ich natürlich nicht leugnen, meine größten Schritte in Bezug auf die musikalische Sozialisation in der folgenden Dekade, den Noughties oder Nullerjahren, getätigt zu haben. Aus diesem Grund bietet es sich an, diesem Jahrzehnt mal wieder ordentlich Respekt zu zollen. Besonders Singles und alles, was ich anno dazumals auf MTV und Konsorten aufschnappen konnte, sollten sich langfristig einprägen und meine musikalischen Pfade drastisch beeinflussen. Aber genug der tranigen Selbstbeweihräucherung, hier kommen meine liebsten Singles des letzten Jahrzehnts; enjoy!


10.

 

Idioteque

 

Radiohead

2000

 

Als einziger Radiohead-Song, der mir außer Respekt noch so etwas wie Emotionen abringen kann, steht Idioteque in meinem kleinen Radiohead-Kosmos auf einsamen Posten - in dieser Liste aber alles andere als deplatziert. Der Song erzeugt durch den metallischen Beat und die Elektronik-Samples eine triste Kälte, die die Endzeitstimmung des nicht ganz eindeutigen Textes perfekt wiederspiegelt. Dazu kommt Yorkes diesmal nahezu perfekter Gesang - doch eine Seltenheit bei ihm. Und auch wenn mir da einige womöglich vehement widersprechen möchten, behaupte ich einfach mal geradeheraus: Besser haben es die exzentrischen Kritikerlieblinge auch in keiner anderen Dekade hinbekommen und werden wenige Chancen bekommen, sich noch einmal selbst zu übertreffen.


 

9.

 

Pagan Poetry

 

Björk
2001

 

Springen wir aus dem UK etwas gen Nordwesten, bietet sich uns in Island mit der nicht minder exzentrischen Björk ein ähnliches Bild. So fasziniert man von ihrem musikalischen Output auch sein kann, so schwer offenbaren sich für Alben wie Medúlla und die folgenden experimentellen Exzesse irgendwelche weitreichenderen Gefühle. Mit Pagan Poetry, das bereits mit seinen flimmernden Elektronikspielereien geheimnisvoll eröffnet wird, gelingt ihr dementgegen aber genau das. Während sich die toll produzierte musikalische Landschaft zwischen funkelnden Harfenklängen und dröhnendem Bass ausgezeichnet an Björk ausdrucksstärkste gesangliche Leistung schmiegt, können zusätzlich noch der schemenhafte Text und sein kontroverses Musikvideo für weitere Akzente sorgen. Mein Tipp: Genießen, am besten nachts!


 

8.

 

Hard To Explain

 

The Strokes
2001

 

Bleiben wir doch gleich im Jahr 2001 und wenden uns westlicheren Gefilden zu, in denen im Sommer noch ein tückisches Gefühl der Sicherheit in der Luft liegt. Die Strokes kamen, sahen und siegten als großer Vorläufer der folgenden Revival-Welle. Is This It wurde zu einem der stärksten Alben seiner Generation, die Singles taten ihr Übriges, um der Band schon in jungen Jahren dezenten Legendenstatus bei den Medien zu sichern. Die beeindruckendste dieser muss Hard To Explain sein, das mit seinem unwiderstehlichen Gitarrensound und dem für's Debüt charaktieristischen, verzerrten Gesang von Frontmann Julian Casablancas stellvertretend für den Albumklang und überhaupt für die Aufbruchsstimmung nach dem Millennium steht.


 

7.

 

O Valencia!

 

The Decemberists
2006

 

Die Decemberists aus Portland, Oregon hätten genügend Argumente, diese Liste richtig aufzumischen. Als nicht gerade Singles-affine Truppe verpassen sie es aber, mehr als nur das großartige O Valencia in den Ring zu werfen. Dieses kleine Schmuckstück trägt indes alle Charakteristika in sich, die Colin Meloy und seine Konsorten so unwiderstehlich machen. Mit stampfendem, mitreißendem Beat und jangelnden Gitarren wird ein Fundament gelegt, über dem eine 'Romeo & Julia'-eske Geschichte in Meloys typisch packendem Erzählstil vorgetragen und in seinen Refrains das beeindruckende Verständnis für hymnische Mitsingnummern widergespiegelt wird. Zu guter Letzt lässt die Julia dieser Geschichte ihr Leben, die Liebe für dieses meisterliche Schauspiel bleibt aber auf ewig bestehen.


 

6.

 

Gold Digger (feat. Jamie Foxx)

 

Kanye West
2005

 

Die große Zuneigung für Hip-Hop und Black Music im Allgemeinen drückt diese Liste nur sehr bedingt aus, mit dem perfekt produzierten Gold Digger hält es immerhin eine Reminiszenz aus alten Tagen parat, in denen nichts über Nas, Kanye und den Wu-Tang Clan ging. Wie könnte man auch nicht dahinschmachten, wenn Jamie Foxx in seiner souligsten Stimme ohne Hintergrundbeschallung zum Auftakt ansetzt und West sich in der Folge zu einem grandiosen Beat und Foxx' immerwiederkehrenden Interpolation von Ray Charles' I Got A Woman die Seele aus dem Leib rappt. Und auch wenn der Erfolg dem größenwahnsinnigen Amerikaner in Zukunft immer wieder recht geben sollte, nie war er auf drei Minuten konzentriert so genial wie auf dieser Perle.


 

5.

 

Fluorescent Adolescent

 

Arctic Monkeys
2007

 

Wir alle erinnern uns an den Einstieg der Arctic Monkeys, als die Kritiker uns deren Debüt über Nacht als wichtigstes britisches Album seit den Beatles verkaufen wollten. Der Trubel hielt trotz bis heute nachhallendem Anklang für die erste LP nicht lange an, bereits der Nachfolger Favourite Worst Nightmare wurde nach kurz aufflammenden Lobpreisungen rasch wieder vergessen - und das zu Unrecht. Nicht nur, dass es in meinen Augen das beste Album der Band ist, auch hat es mit dem unvergleichlichen Fluorescent Adolescent, dessen scharfen Wortwitz, sein bittersüßer Text über die Schattenseiten des Erwachsenwerdens und sein kraftvolles Zusammenspiel auf allen Ebenen überzeugen kann, einen Song für die Ewigkeit. Auch hier gilt jedenfalls: wer nicht nur den halben Spaß erleben möchte, dem sei an dieser Stelle unbedingt zum zugehörigen Video geraten.


 

4.

 

Do You Realize??

 

The Flaming Lips
2002

 

Heute verbreiten Wayne Coyne und seine Flaming Lips mit ihrer Veröffentlichungs- und Experimentierwut Angst und Schrecken, Anfang des frischen Jahrtausends übte man sich allerdings noch in Geduld und ausgeklügelten Konzepten. Do You Realize?? wurde mit seiner vielseitigen Instrumentation und seinen romantischen, aber nie ins Kitschige driftenden Lyrics zum großen Lichtblick einer bemerkenswerten, aber durchaus wechselhaften Karriere und zur Hommage an den verstorbenen Vater Coynes.

 

"And instead of saying all of your goodbyes / Let them know you realize that life goes fast / It's hard to make the good things last / You realize the sun doesn't go down / It's just an illusion caused by the world spinning round" - und man nimmt ihm jedes Wort bedenkenlos ab.


 

3.

 

Neighborhoods #1 (Tunnels)

 

Arcade Fire
2004

 

Wie könnten Arcade Fire auch in einer ernstzunehmenden Top-Liste fehlen, die sich mit den Zweitausendern auseinandersetzt. Die Frage war eher, welches Stück den Sprung unter die finalen 10 schaffen würde. So schwer die Frage in der Theorie auch zu klingen vermag, so einfach die Beantwortung meinerseits. Keine andere 45 der Band berührt so wie der Auftakt zur vierteiligen Neighborhood-Reihe. Mit den ersten Takten seiner eröffnenden Piano-Sequenz nimmt der Track gefangen, eh man sich in seinen röhrenden Gitarren, seinem treibenden Beat und in Win Butlers hypnotisch einnehmenden Gesang komplett verliert. Bis zu seinem viel zu frühen Abgang nach fünf Minuten bleibt er auf der Höhe, bietet alle Facetten einer beschlagenen, aber hungrigen, jungen Band und letztlich ein Vermächtnis der tollen, vergangenen Dekade.


 

2.

 

Can't Stand Me Now

 

The Libertines
2004

 

Während wir gespannt dem angekündigten, ersten Album seit der unvermeidlichen Trennung des ungleichen Frontmannduos Carl Barât und Pete Doherty entgegenfiebern, haben die letzte LP und sein herausragender Opener und Lead-Single Can't Stand Me Now bereits über zehn Jahre am Buckel. Freilich eine lange Zeit, aber indes keine, in denen die Nummer auch nur ein Körnchen Staub angesetzt oder etwas von seiner dynamischen Energie eingebüßt hätte. Mit seinem direkten Einstieg mit furiosen Gitarren und ordentlich Dampf in Verbindung mit seinem über die Beziehung der beiden Exzentriker verfassten Text steht dieser heute (hoffentlich) für die definitive Libertines-Hymne: "Cornered the boy kicked out at the world / The world kicked back a lot fucking harder".


 

1.

 

Welcome To The Black Parade

 

My Chemical Romance
2006

 

Surprise Surprise. Bei einer Zusammenstellung, die mit verschrobener Ästhetik beginnt, sich irgendwo in den breiten Sphären des ungeliebten Indie-Begriffs ausbreitet und nur einmal zwischendurch einen Ausflug Richtung Hip-Hop unternimmt, dominiert schließlich eine 45, die böse Zungen gemeinsam mit den LPs der Band seit jeher als Emo abstempeln? Hell yeah, muss die Antwort hier lauten. Denn ganz egal, wie komplex Thom Yorke und seine Kumpels von Radiohead ihre Songstrukturen ausweiten, wie Kanye West auch aus dem perfektesten Beat ein Meisterwerk formt oder wie oft Win Butler und Colin Meloy auf ihren imaginären Bühnen dahinraffen, letzten Endes läuft es immer wieder auf diese eine Single hinaus. Diese eine, die dich in eine bessere Zeit zurückbringt, der du gar nicht genug danken kannst, dass sie zur richtigen Zeit am rechten Ort zugegen war und die immer einen besonderen Platz in deinem Herz genießen wird. Denn dann, wenn ein sanftes Piano zum Auftakt jegliche Aufmerksamkeit an sich zieht, diese schließlich an einen unhaltbaren Protagonisten und einen mitreißenden Marschkapellen-Sound abgibt und schließlich alles in einen überwältigen Sog mündet, dann, ja dann, fühle ich mich sicher und geborgen in meiner unzerstörbaren Illusion der perfekten Beschallung. Emo may be dead, but good music won't die! Zumindest dann nicht, wenn Singles wie Welcome To The Black Parade in meinem Gedächtnis weiterhin zu verharren gedenken.


Schlusswort:

Man kann sich schon denken, wie unglaublich schwierig, gleichzeitig aber erfrischend herausfordernd sich eine auf zehn Stücke komprimierte Auswahl an Singles eines ganzen Jahrzehnts gestalten konnte. Hier jetzt noch ein paar 'Close but no cigar'-Stücke, die ich wie immer nicht vorenthalten möchte: Rebellion (Lies) und Intervention (beide Arcade Fire), Know Your Onion! (The Shins), Y Control (Yeah Yeah Yeahs), 16 Military Wives (The Decemberists), Jesus Of Suburbia (Green Day), Helena (My Chemical Romance), Albion (Babyshambles), The New Year (Death Cab for Cutie), Like Toy Soldiers, Stan (beide Eminem) und noch viel viel mehr.

Danke für's Lesen, hoffentlich sehen wir uns schon bald mal wieder im Kommentarbereich mit Anregungen, eigenen Ansichten und vielleicht sogar eigens erstellten Top-Listen zu diesem Thema. Cheers Leute, peace and out!

 

Mathias Haden, Noughties-Aficionado