MusicManiac Top 10

MusicManiac Top 10 - Ramones Album Ranking

Es ist soweit, die Top 10 melden sich nach viermonatiger Pause zurück! Und weil Zurückkommen immer schwierig ist, die Fähigkeiten zur sauberen Listenerstellung nach einem wechselhaften Sommer mehr als eingerostet sind, lassen wir es heute lieber kurz und knackig, aber keineswegs ruhig angehen. Wer eignet sich - vor allem nach dem opulenten Eurovision-Geschwurbel - dafür besser, als die Urväter des (Pop-)Punk, deren LPs in knapp zwanzig Jahren und fast ebenso vielen Alben nur eine einzige Richtung kannten, nämlich geradeaus? Richtig, niemand. Und nachdem hier bei den letzten Interpreten-Rankings überwiegend den Songs gefrönt wurde, bleiben wir vorerst direkt bei besagten LPs. Es geht los mit den zehn besten Studioalben der Ramones, laut und direkt, wie wir es von den Jungs aus Queens und mir gewohnt sind. Und damit das obligatorische Hey ho, let's go!

 

erstellt am: 08.09.2017


 

10.

 

¡Adiós Amigos!

 

1995

Ramones - Adios Amigos

Mit der letzten Scheibe vor der endgültigen Resignation startet der Reigen und für nicht wenige stellt ¡Adiós Amigos! die schwächste im bandeigenen Kanon dar. Wie ich schon in der entsprechenden Rezension mehrmals kundgetan habe, ist der große Trumpf des Abschiedswerkes Daniel Reys exzellente Produktion, die endlich wieder alles aus Johnnys Gitarre herausholt und den muffigen Sound der 80er endgültig vergessen lässt. In Kombination mit späten Klassikern wie dem Tom Waits-Cover I Don't Want To Grow Up und den beiden Joey-Kompositionen Life's A Gas und She Talks To Rainbows bereitet die vierzehnte und letzte LP den alternden Punk-Dinos tatsächlich einen würdigen Abschied.

 

Überragender Track: I Don't Wanna Grow Up


 

9.

 

Brain Drain


1989

Ramones - Brain Drain

Noch so ein unterschätztes Schmuckstück, dem seine schlechte Reputation alles andere als gerecht wird. Der Ton wurde noch einmal rauer, der Umgang innerhalb der Band war ohnehin schon grenzwertig. Bassist Dee Dee verabschiedete sich für eine lächerliche kleine Solokarriere als Rapper, ist auf Brain Drain praktisch nur mehr auf einem einzigen Track wirklich präsent. Mit dem gleichnamigen Beitrag für die Stephen King-Verfilmung "Pet Sematary" hat die LP einen der größten Tracks der eigenen 80er zu Buche stehen, daneben explodiert die Band zumindest auf einigen der elf übrigen Nummern. Ein düsterer Lichtblick inmitten einer schwierigen Phase, auf die nachher noch eingegangen wird.

 

Überragender Track: Pet Sematary


 

8.

Ramones -

Die legendäre Zusammenarbeit mit Starproduzent Phil Spector hielt alles bereit, was die eigenartige Konstellation versprach. Spector wollte schon länger mit den falschen Brüdern zusammenarbeiten, die Ramones endlich in den Charts nach oben. Dickeres Budget, breiterer Sound, ein Joey-Soloausflug mit Streichern (Baby, I Love You) und eine brodelnde Gerüchteküche über Spector und seine Waffe bzw. die Frage, ob er die Band im Wahn kurzzeitig als Geiseln hielt, machen End Of The Century gemeinsam mit seinen für die Gruppe besten Chartsplatzierungen (#44 in den USA) zu einer der bekanntesten Ramones-LPs. Ein Umstand, dem das Album dank etlicher großer Kompositionen nur gerecht wird.

 

Überragender Track: Chinese Rock


 

7.

 

Pleasant Dreams


1981

Ramones - Pleasant Dreams

Die logische Entwicklung der Ramones-Go-Pop-Entwicklung um die 80er-Wende, mit dem nächsten, aus kommerzieller Sicht vermeintlich vielversprechenden Produzenten Graham Gouldman von 10cc. Zur Freude von Joey, der seine Genre-Affinität und Vorliebe für die Pop-Tunes der 60er vermehrt ausleben konnte und zum Unmut von Johnny, der die Band gerne in Richtung härterem Punk und Hard Rock (zurück)geführt hätte und auf Pleasant Dreams nur die zweite Geige spielt. Die stets mit inneren Spannungen kämpfenden Ramones sahen sich zum ersten Mal mit heftigen Querelen und irreversiblen Problemen konfrontiert, den Tracks um Joeys angeblich persönliche Abrechnung mit Johnny, The KKK Took My Baby Away, merkt man das freilich nicht an, nur den erstmals aufgesplitterten Credits.

 

Überragender Track: It's Not My Place (In the 9 to 5 World)


 

6.

 

Subterranean Jungle


1983

Ramones - Subterranean Jungle

Obwohl die meisten Leute davon überzeugt sind, dass es mit den Ramones nach den ersten vier, höchstens fünf Alben endgültig vorbei war, hier gleich der nächste chronologische Schritt. Johnny war nach den softeren Jahren dabei, die Kontrolle zurückzuerobern und Marky, der nach den rühmlichen ersten drei LPs das Amt des Drummers von Tommy übernommen hatte, war kurz davor, für eine mehrjährige Entzugspause zwangsverabschiedet zu werden. Subterranean Jungle mag für seinen schalen Sound nicht zu Unrecht kritisiert werden, öffnet man sich diesem eigenartigen Hybriden zwischen hartem Rock, psychedelischen Cover-Ausflügen und den eigenen Wurzeln, wird man mit einer der stärksten Veröffentlichung der Band und des Jahres 1983 belohnt.

 

Überragender Track: My-My Kind Of Girl


 

5.

 

Road To Ruin

 
1978

Ramones - Road To Ruin

Der Vorläufer für das Punkband-sells-out-Märchen hat mit den Jahren eine Reputation aufgebaut, der das Album fast untrennbar mit seinen drei Vorgängern verbindet. Ganz so stark ist Road To Ruin dann aber doch deutlich nicht, einerseits haben sich erstmals eindeutige Filler zwischen Kapazunder wie I Wanna Be Sedated oder Don't Come Close gemischt, andererseits bremst der poppig produzierte Sound die sonst so dynamische Band aus. Was bleibt, ist ein feines Album zwischen Pop und Punk, das einen Umbruch im eigenen Schaffen markiert, gleichzeitig aber auch das Ende einer enorm produktiven Studiophase bedeutet. It's A Long Way Back To Germany, bemerkt Joey am gleichnamigen Closer - wie recht er doch hatte...

 

Überragender Track: I Wanna Be Sedated


 

4.

 

Too Tough To Die


1984

Ramones - Too Tough To Die

Obwohl das erste Quartett an Ramones-LPs nicht unrechtmäßig als Essenz der Kunst der Band angesehen wird, drängt sich hier doch ein Highlight aus der schwierigen mittleren Phase in das vorderste Feld. Für die Pop-affinen Freunde der frühen Jahre ist die von Tommy Ramone produzierte Platte tendenziell eher nichts, gerade der überwiegend reduzierte, brachiale Sound ist aber der große Trumpf dieses Karriere-Highlights. In Zeiten von Hardcore-Punk und wüsten Metal-Riffs waren die Ramones zwar plötzlich wieder am Zahn der Zeit, ihr charakteristischer Sound spülte die vier aber erneut in höchst eigene Gewässer, in denen richtige Chartserfolge weiterhin ein feuchter Traum blieben. Und hey, mit Durango 95 gibt es sogar das einzige auf Vinyl gepresste Instrumental.

 

Überragender Track: Chasing The Night


 

3.

 

Leave Home


1977

Ramones - Leave Home

Wer ernsthaft gedacht hatte, hier würde am Ende nicht das Karriere einleitende Trio, stattdessen etwa das liebevoll zusammengestellte Cover-Album Acid Eaters stehen, der möge bitte jetzt sprechen oder für immer den Schlapfen halten! Leave Home, neben den beiden jede ernstzunehmende Bestenliste bereichernden Wunderwerken immer ein wenig stiefmütterlich behandelt, steht besagten in beinahe nichts nach. Der Sound ist schon einen Hauch dynamischer als am Debüt, nur hat die LP im direkten Vergleich zu den zeitlich umschließenden Platten insgesamt das schwächste Songmaterial. Wirklich streiten lässt sich aber ohnehin nur über das dezent geschmacksverirrte Artwork, der Rest lässt tatsächlich keine Wünsche offen.

 

Überragender Track: Swallow My Pride


 

2.

 

Ramones


1976

Ramones - Ramones

Wie schon beim letzten großen Albumranking (R.E.M.) muss sich auch diesmal ein großes Debüt mit dem zweiten Platz zufrieden geben. Mit minimalem Budget und lediglich in einer Woche eingespielt, vereint das Album bereits all das, was das Quartett in den kommenden Jahren perfektionieren und damit abertausende Bands nachhaltig beeinflussen sollte. In einem Kanal rumpelt Dee Dees treibender Bass, im anderen röhrt Johnnys Gitarre einen trockenen Riff nach dem anderen. Der wahre Star ist aber das Kollektiv, weder aus der Band, noch aus dem Songmaterial sticht irgendwas merklich heraus. Das einzige Manko, dem das Album minimale Abzüge zu verdanken hat, ist - wie schon im entsprechenden Review hinreichend betont - die fehlende Dynamik im Klangbild, die besonders den Gitarrensound in seiner Wirkung beeinträchtigt.

 

Überragender Track: I Wanna Be Your Boyfriend


 

1.

Ramones - Rocket To Russia

Wer in den vergangenen Wochen mal einen Blick hier vorbeigeschaut hat, wird um meine Zuneigung zu diesem epochalen Manifest seiner Zeit ja nur bestens Bescheid wissen. Allen anderen sei gesagt: Das hier ist der heilige Gral der Punk-Musik und ein Triumph in jeglichem ästhetischen Belangen. Angefangen bei der todschicken Kombination aus Schwarz und Rosa über Einflüsse aus Surf-Rock und Bubblegum-Pop und die durch eine zurückhaltendere Produktion endgültig entfesselten Gitarrenriffs hin zu unsterblichen Hymnen wie Sheena Is A Punk Rocker, meinem persönlichen Favoriten Cretin Hop oder dem brachialen Feuerwerk Teenage Lobotomy, Johnnys heißesten zwei Minuten. Für einen tieferen Einblick in die ausnahmslos erfreulichen Meriten sei auch hier auf die beiliegende Kritik hingewiesen, die wie gesagt noch brandfrisch ist und aus der die lodernde Passion herausflammt wie aus einem aktiven Vulkan.

 

Überragender Track: Sheena Is A Punk Rocker


Schlusswort:

So schnell wie jede einzelne Ramones-LP, ist auch dieses Ranking schon wieder Geschichte. Apropos: Die Geschichte mit der schwierigen Phase bin ich ja noch schuldig. Eigentlich wollte ich nur den wenigen Leuten, die mit der Band vertraut sind und sich hierher verirrt haben, nicht die Spannung nehmen. Gemeint war die Studiophase von 1986 bis 1993, in der fünf Alben eingespielt wurden, von denen aber eben lediglich Brain Drain vertreten ist. Die übrigen vier und damit die einzigen, die heute nicht genannt wurden, höre ich folgendermaßen: Acid Eaters > Mondo Bizarro > Animal Boy > Halfway To Sanity, obwohl ich natürlich keine missen möchte. Genauso wenig wie euch, jene Leser, die bis hierher durchgehalten haben. Wie immer danke fürs Lesen, jeder noch so abwertende Kommentar zu dieser großartigen Band, einer meiner liebsten überhaupt, wird mit Freude registriert. In diesem Sinne bis zum nächsten Mal, ihr Cretins!

 

Mathias Haden, Bad Bad Brain