The Monkees - Good Times!

 

Good Times!

 

The Monkees

Veröffentlichungsdatum: 27.05.2016

 

Rating: 6.5 / 10

von Mathias Haden, 05.11.2016


Zum 50er-Jubiläum ein Comeback der besseren Art - und das trotz Rivers Cuomo.

 

Es hat schon seine zahlreichen Gründe, warum Sixties-Bands in ihre geliebten Sechziger gehören. Oftmals ideologisch festgefahren in der goldenen Ära des Pop, ist zumeist spätestens in den 80ern Schluss mit lustig, bevor nur mehr die tollkühnsten Acts es wagen, LPs unter eigenem Namen herauszubringen und nur die unbelehrbarsten unter den Fans diese Entscheidung auch noch mit roten, blauen und grünen Lappen unterstützen. Andere erkennen die Zeichen der Zeit und setzen rechtzeitig einen Schlussstrich... nur um sich mit einer nicht selten vom Geld motivierten Absicht Jahre später wieder zu reformieren, ein Comeback-Album einzuspielen und der Fortüne einer ausgedehnten Tournee entgegenzulachen. Die verbliebenen Monkees a.k.a. Micky Dolenz und Peter Tork kennen dieses Schicksal nur allzu gut, immerhin wurde gemeinsam mit dem 2012 verstorbenen Davy Jones und zumeist ohne den desinteressierten Mike Nesmith nicht nur eine Rückkehr gefeiert. Sowohl in den 80ern als Trio, als auch im folgenden Jahrzehnt mit dem nach wie vor desinteressierten Nesmith im Gepäck sollten Comeback-LPs erscheinen. Über die Qualität dieser sollten alle beteiligten Herrschaften jedoch lieber den Mantel des Schweigens hüllen.

 

Einem, dem das mittlerweile herzlich egal sein dürfte, ist der verstorbene Jones. Nach seinem überraschenden Tod fanden sich die übrigen drei Mitglieder rasch zu einer Tour zusammen, ehe erste Gerüchte über eine neue Platte zum 50. Geburtstag der Band laut wurden. Erinnerungen wurden wach an die letzten Machwerke und so wurde das schließlich im Sommer veröffentlichte, zwölfte Album der LP natürlich mit Argwohn abgewartet.
Zumindest von mir, denn die Kritiker sind stets nachsichtig, wenn es um Koryphäen aus den Sixties geht, erhoben das passend als Good Times! betitelte Album kurzerhand zum Besten des Quartetts. Und mit einem vertretenen Titel namens Birth Of An Accidental Hipster war auch klar, dass selbst Pitchfork nicht zum großen Spielverderber werden würde.

 

Warum ein derart betitelter Track überhaupt den Weg auf eine Monkees-Platte finden konnte, ist im Nu und ohne den Verweis auf Ramones-artige Selbstironie passiert: Neben den Bandmitgliedern und den für die Band obligatorischen Neil Diamond- und Goffin/King-Nummern sind einige Songwriter der jüngeren Garde zur Hilfe geeilt. So finden sich in den Credits Namen wie Noel Gallagher und Paul Weller (für besagten Song verantwortlich), Death Cab for Cuties Ben Gibbard (Me & Magdalena) oder Rivers Cuomo (She Makes Me Laugh). Von letzterem hätten Nahestehende aus dem Monkees-Dunstkreis wohl vehement abgeraten, doch ist sein Beitrag gar nicht so übel geraten. Einige Zeilen mussten umgeschrieben werden, da es dem Weezer-Frontnerd wohl unverständlich war, dass 70-jährige Großväter, in diesem Fall Micky Dolenz, nicht immer wie Teenager klingen wollen. Zeilen wie "We'll have a dinner date tonight / And play some scrabble with the guys / And wear our pink party hats / Maybe I should take her on safari?" hat der Kasper aber dennoch erfolgreich durchbringen können.

 

Dass die LP trotz des Zutuns aus den eigenartigsten Richtungen kompakt und dem Zeitgeist entsprechend ausgefallen ist, verdankt Good Times! seinem Produzenten, Fountains of Wayne-Bassisten Adam Schlesinger. Der holt den 60s-typischen Sound der Pop-Rock-Band ins aktuelle Jahrtausend, recycelt Aufnahmen von damals, um sie von den beteiligten Herrschaften neu vertonen und bespielen zu lassen. Lediglich Davy Jones wird die Chance geboten, sich posthum ein letztes Mal von seiner besten Seite zu zeigen, sein Love To Love stammt wie einige andere aus den Jahren 1967/68, wurde im Gegensatz zu anderen Stücken aber nur marginal aufgemotzt. Die Gitarren jangeln hie und da, leichte, sonnige Rhythmen durchströmen das Album mit mehr Energie als auf den letzten beiden vereint. Der repräsentative Monkee bleibt Dolenz, der vor allem dem schwungvollen You Bring The Summer, das wie ein besserer und nicht ganz so hölzern produzierter Beach Boys-Song aus den 80ern klingt, seinen Stempel aufdrückt, nicht zuletzt wieder die meisten Cuts singen darf. Auch der von Natur aus skeptische Michael Nesmith hat seine Momente. Zwar ist seine Stimme im Vergleich mit Dolenz' nicht mehr ganz so leicht wiederzuerkennen, doch gefällt die brüchige Note, besonders auf der Gibbard-Komposition Me & Magdalena, der schönsten Ballade der LP. Auf seinem I Know What I Know klingt er zwar ungesund rührselig, doch bringt sein Auftritt an der Seite von Dolenz am exzentrisch schwelenden Birth Of An Accidental Hipster, das man erfreulicherweise keineswegs mit seinem Titel in Verbindung bringen kann, ein paar zusätzliche Punkte.

 

Und weil auch Kollege Peter Tork mit I Wasn't Born To Follow eine zurückgelehnte, aber beherzte Darbietung liefert, ist die Reunion mit dem passenden Titel Good Times! auf jeden Fall eine erfolgreiche und gleichermaßen erfreuliche. Wie auf jeder einzelnen Monkees-Platte ist auch hier genug Platz für Banalitäten wie den stampfenden Closer I Was There (And I'm Told I Had A Good Time) oder dem allzu unpassend produzierten Our Own World samt schräger Backgroundvocals und käsig röhrenden Gitarren, gestört hat das aber auch schon vor 50 Jahren kein Schwein. Insofern kann man zu diesem ordentlichen, unter gegebenen Umständen auch sinnvollen Comeback- und/oder Abschiedsalbum nur gratulieren. Es könnte ja so viel schlechter sein.