Kaiser Chiefs - Employment

 

Employment

 

Kaiser Chiefs

Veröffentlichungsdatum: 07.03.2005

 

Rating: 6.5 / 10

von Mathias Haden, 21.03.2015


Brave Leistung zum Auftakt, dem relativ schnell die Puste ausgeht.

 

Manche Albumtitel passen wie die Faust aufs Auge. Am besten in Bezug auf den Inhalt der Platte, wie bei Roots der Everly Brothers oder auf eine unangenehme Weise auch bei Hooray For Boobies der Bloodhound Gang. Andere nehmen immerhin Bezug auf’s Albumcover oder umgekehrt - wir erinnern uns da gerne an Millie Jackson’s Back To The S**t, das der Kollege in der benachbarten Disziplin aufs Korn genommen hat, oder auch an Back In Black von AC/DC und seiner Vorlage, dem weißen Beatles-Album, vielleicht auch noch an Neil Youngs On The Beach - die Liste ist lang. Andere jedenfalls - und darauf will ich hier hinaus - passen weder zum einen, noch zum anderen, sind im schlimmsten Fall sogar nicht einmal auf skurrile Art und Weise humorvoll. Möglicherweise tue ich den Briten von den Kaiser Chiefs aber Unrecht und missverstehe hier einfachste Zusammenhänge, aber ein Debütalbum mit dem fragwürdigen Namen Employment zu versehen, entzieht sich jeglichem Verständnis meinerseits.

Wie auch immer, begraben wir das Kriegsbeil mit den Namensgebern und widmen uns lieber dem Inhalt einer LP, die auf der Insel immerhin sechs Mal Platin einhamstern konnte.

 

Rasch wird ersichtlich, dass es sich bei den Kaiser Chiefs um eine dieser Revival-Bands handelt, die Anfang des Jahrtausends auf den Fersen der Strokes aus dem Boden sprossen und Unheil verbreiteten. Wie viele andere ihrer Kollegen ließ sich auch dieses fünfköpfige Ensemble von New Wave und Punk beeinflussen, zudem hört man ebenfalls, dass augenscheinlich auch genug Rock außerhalb dieses Terrains als Inspirationsquelle dienen durfte - besonders ersteres merkt man den elf Tracks aber sofort an, bleiben wir also gleich dort. Direkt mit dem mutigen Opener Everyday I Love You Less And Less sprudeln die Synthesizer nur so wie aus einer 80er-Jukebox heraus und erinnern an uns an die gute Seite der polarisierenden Dekade. Der insgesamt aber recht punkige Auftakt geht mit seinem erfrischend hohen Tempo sofort zur Sache, lässt bereits mit seinen zynisch anmutenden, einleitenden Worten aufhorchen:

 

"Everyday I love you less and less

It's clear to see that you've become obsessed

I got to get this message to the press

That everyday I love you less and less"

 

…eine gute Art und Weise, eine neue Karriere einzuläuten, nachdem man unter altem Namen (Parva) keinen Erfolg zu finden vermochte. Überhaupt machen die Engländer anfangs vieles richtig, was man vom späteren Werdegang (Ruby, brrrrrrrrrr…) nur allzu selten behaupten kann. Weiter vom Punk nascht das Quintett mit Hit-Single I Predict A Riot. Dieses clevere kleine Rock-Kleinod macht auch zehn Jahre nach dem Erscheinen noch Spaß, überzeugt mit seinem tollen Bassintro, seiner unheilvollen Stimmung und der kraftvollen Gruppendynamik. Letztere soll die Band um Sänger Ricky Wilson auch die folgenden Minuten behalten: zwischen mitreißendem Rock in Form von Oh My God und smoothem, melodienreichen Pop von You Can Have It All machen die fünf auf der ersten Hälfte vieles - wenn auch nicht alles - richtig, nur um auf der zweiten den berühmtberüchtigten Qualitätseinbruch zu erleben.

 

Besonders frech wird es, wenn Wilson ein bisschen zu übermütig wird und seinen Namensvettern Carl, Dennis und vor allem Brian Wilson von den Beach Boys nacheifert und deren grandioses Caroline, No mit einem Caroline, Yes kontert. Dass der mitunter auch bedingt durch seine mühsamen Ooooh Ohhhh-Chants nicht ganz an den anvisierten Song herankommt, nun ihr wisst schon. Born To Be A Dancer ist trotz vielversprechendem Beginn mit gutem Bass und einem ordentlichen Rhythmus nur ein geradliniger, eigentlich fader Rocker, der die aufkeimende Ideenlosigkeit in der zweiten Halbzeit ganz gut einfängt. Wirklich gut wird es dann auch nicht mehr. Immerhin startet das vergleichsweise ruhige What Did I Ever Give You? in seiner bedrohlichen Atmosphäre wieder mehr als ordentlich, um sich im Folgenden wieder zu einem nichtssagendem Mix zwischen Rock und Pop aufzuplustern, auch das düstere Time Honoured Tradition legt einen erfreulichen Start hin - kann aber erneut nicht entsprechend nachlegen.

 

Als eine der verspäteten Antworten auf die Revival-Horden der frühen Noughties probieren es die Kaiser Chiefs zumindest in kommerzieller Sicht höchst erfolgreich, mit frechen 80er Reminiszenzen und tollkühnen Pop-Melodien an die großen Helden unser Zeit, die Strokes oder die Libertines, heranzukommen. Dies gelingt zwar in keiner Minute auf ihrem braven Debüt Employment, doch macht das englische Quartett besonders in den ersten Minuten ordentlich Meter. Schließlich wird man nicht nur von allmählich einsetzender Ideenlosigkeit heimgesucht, sondern bringt es nicht mal mehr fertig, einen starken Auftakt sicher ins Ziel zu bringen. Somit bleiben uns von einer sehr britischen Dreiviertelstunde einige starke Nummern, eine Handvoll feiner Ansätze und in erster Instanz auch die Gewissheit, dass die Kaiser Chiefs irgendwann einmal nicht ganz so unerträglich waren, wie es später der Fall werden sollte.