Bloodhound Gang - Hooray For Boobies

 

Hooray For Boobies

 

Bloodhound Gang

Veröffentlichungsdatum: 29.02.2000

 

Rating: 5.5 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 13.09.2014


Zwischen 90er-Rap und 80er-Metal mit dem Wort 'Infantilität' in ganz großen Lettern geschrieben.

 

Der 12-Jährige in uns allen gehört gefüttert. Eigentlich ja nicht, aber die Verwendungszwecke für ein Bloodhound Gang-Album sind naturgemäß beschränkt und wer außer der zwischen unbeschwerter Kindheit und biederer Erwachsenenwelt stehenden Hormonschleuder könnte schon etwas mit dem hier anfangen? Viele offensichtlich, immerhin gab's anno dazumal Millionenverkäufe. Also nehmen wir doch einmal an, da wären talentierte Musiker am Werk, es würde künstlerisch Wertvolles zusammengeklöppelt werden und hinter dem fragwürdigen Titel nur eine Allegorie für die Sinnlichkeit stehen....

Nachdem wir die Traumwelt wieder verlassen haben, bleibt einem nur der ungetrübte Blick auf eine LP voll von Dummheiten und auf die schockierende Wahrheit, dass man ebendie auch ganz gut finden kann.

 

Ja, was heißt. Großartig mitunter. Ob das nun wirklich an den Dummheiten liegt, es bleibt auch nach Jahren der Sensibilisierung für Humor direkt aus der Kloschüssel eher fragwürdig. Die Konsequenz, mit der die Band das hier vorantreibt, ist so gleichzeitig beeindruckend und peinlich. Um aber dem großartigen Part die Ehre zu geben, die Kombination aus vom edukativen Standpunkt bedenklichen Zeilen und dem an die unerfreuliche Episode des Hair Metal erinnernden Sound erscheint mitunter in helleren Farben als gedacht. Vor allem dann, wenn die Konzentration auf Letzteres gelegt wird, so zum Beispiel im Opener I Hope You Die ein erfreulich aggressiver Ton angeschlagen und für wiederholenswerte Minuten gesorgt wird. Dort greifen der simple Beat, der ähnlich einfach gestrickte Riff und der eigenwillige Rap von Frontmann Jimmy Pop in beachtlicher Manier. Dass dabei eine nicht von jeglichem Schmunzeln befreite Hasstirade vom Stapel gelassen wird, soll auch nicht zum Nachteil sein.

 

Ein fast in die Irre führender thematischer Ausreißer. Denn vielfach heißt's eigentlich nur Sex, Sex, Sex. Three Point One Four, Yummy Down On This oder die für jedermann zum Kotzen überspielte Hitsingle The Bad Touch, sie alle behandeln das für die Band wohl Wichtigste, was das Leben zu bieten hat. Vorerst bleibt man mit The Inevitable Return Of The Great White Dope aber in der richtigen Spur. Dümmlich-witzige Introspektion heißt die Devise und während einem Jimmy Pop so eben ganz einfach seine Lebensgeschichte darlegt, matchen sich im Hintergrund die starken Drums und die im Positiven eher spärlich eingesetzte Elektronik darum, was denn nun als besser in Erinnerung bleibt. Eine Rumpfinstrumentierung, die aber ziemlich ins Schwarze trifft und sich perfekt mit dem Rap ergänzt. Erdiger, aber nicht weniger hörenswert präsentiert sich das Härte-Duo aus Magna Cum Nada und The Association-Cover Along Comes Mary. Metal-Riffs von Lüpüs Thünder hört man doch äußerst gerne, wie sich herausstellt. Die geradlinige Art hilft, so werden die Minuten kurzweilig, zu einer lockeren Übung in Alt Rock der härteren Sorte mit mehr als ordentlicher Performance an allen Fronten, fehlenden textlichen Entgleisungen und der Erkenntnis, dass die Bloodhound Gang ihre Hausaufgaben in diesem Felde eindeutig gemacht hat.

 

Dem stellt sich die Front peinlicher Ausrutscher entgegen, die früh beginnt und letztlich auch spät aufhört, insgesamt dem guten Teil der LP selbstbewusst Paroli bietet. Yummy Down On This kann sich zwar kurz als gelungene Parodie auf so manchen 90er-Schock-Rocker verkaufen, endet aber in vergleichsweise harter Monotonie und unerfreulich stupiden Sex-Anspielungen die mit den Zeilen "Ouch, it won't reach my mouth / If I could do it myself I'd probably never leave the house" ausreichend beschrieben scheinen. Ähnlich entbehrliche Songs hat man hier leider zu oft zu verkraften. Right Turn Clyde ist banale Beat-meets-Keyboard-Nummer, kann aber weder mit Pink Floyd-Parodie, noch mit Abflug ins Opern-Genre punkten, versinkt in einer zunehmend schwierigen Langeweile. Gegenteiliges versaut Mope, in dem es Falco, Frankie Goes To Hollywood und Metallica fröhlich miteinander versuchen, allerdings auch zusammen gen Nirvana reiten. Zu viel Gutes in einem Song scheint das Problem zu sein, denn der ständige Soundwechsel, mitsamt Pac Man- und Homer Simpson-Gastspiel, wirkt, als würde man mal kurz durchs Fernsehprogramm zappen und dabei von unterschiedlichsten Eindrücken erdrückt werden. Wirklicher Tiefpunkt ist aber die Trucker-Verarsche A Lap Dance Is So Much Better When The Stripper Is Crying. Der Titel bekommt massig Punkte, der Refrain vielleicht auch, aber insgesamt ist es eine Zumutung aus peinlichen Elektronik-Bruchstücken, die sich durch Ereignislosigkeit und den IQ vermindernden Zeilen auszeichnet.

 

Gut, dass am Horizont ein einsamer Retter wartet. Mit dem knackigen The Ballad Of Chasey Lain hat sich Jimmy Pop wohl doch ein Denkmal, wenn auch ein sehr kleines, geschaffen. Eine grandiose Ode an seinen Lieblings-Pornostar, durchwegs in Briefform und mit alles andere als jugendfreien Zeilen, aber eben doch auch mit einer im Großen und Ganzen eindrucksvoll gelungenen Kombination des gesamten Repertoires. Der pubertäre Humor der Band findet hier seine Vollendung, die Rhythm Section bietet starke Minuten und der smoothe Riff macht sich gut als entspanntere Abwechslung zu den härteren Momenten der Band.

 

Das lässt den Schluss zu, dass sich hinter den ach so idiotischen Jungs aus Pennsylvania, wenn schon keine ernstzunehmenden erwachsenen Menschen, dann doch wenigstens ordentliche Musiker verbergen. Man muss ihnen aber auch sagen, selbst schuld, dass das nicht jeder sieht. Denn hier paaren sich Anflüge von Genialität mit ebenso offensichtlichen grenzdebilen Merkwürdigkeiten, was dann im Gesamtbild schon fast schizophrene Züge annimmt. Vielleicht ist sie aber auch einfach zu schwer, die Prüfung, aus dem miesem Mainstream-Metal der 80er und der ganz eigenen Version von 90er-Rap durchgehend lobenswertes Material zu basteln. Zumindest für diese Dummköpfe ist es auf Albumlänge eine Mission Impossible. Wer also im CD-Player keine Verwendung für "Hooray For Boobies" hat, der kann die LP ja noch immer für den wackligen Tisch zweckentfremden. Ein verschmerzbarer Verlust ist es allemal.