AC/DC - Back In Black

 

Back In Black

 

AC/DC

Veröffentlichungsdatum: 21.07.1980

 

Rating: 7 / 10

von Kristoffer Leitgeb & Mathias Haden, 21.02.2014


1980 heißt's "alles ist anders" und doch bleibt Vieles beim Alten.

 

Bon Scott ist tot, lang lebe Brian Johnson. Die 80er brachten den Aussie-Rockern einen Umbruch, wie er markanter kaum sein könnte. Nicht musikalisch, wohlgemerkt, denn AC/DC bleibt auf ewig AC/DC. Und das bedeutet geradlinigen Hard Rock in feinster Manier, also doch alles wie gehabt.

 

Da muss man dann doch den Zeigefinger erheben. So reibungslos wie ein Jahr vorher läuft das Werkl nämlich nicht mehr für die Klischee-Rocker. Sie verkörpern immer noch Sex, Drugs & Rock'n'Roll, sie haben immer noch Riff-Maestro Angus Young in ihren Reihen und sogar die neue Reibeisenstimme von Johnson weiß meistens zu gefallen. Trotzdem, "Back In Black" ist nicht "Highway To Hell". Was nicht heißt, dass da nicht genug ordentliches Songmaterial herauskommt. Klassiker wie Hells Bells, das mit seinem genialen, von Glockengeläut begleiteten Intro dort ansetzt, wo Highway To Hell aufhört, Back In Black oder die Rock-Hymne Rock'n'Roll Ain't Noise Pollution, all das weiß schon zu gefallen, bringt weiterhin stärkste Riffs und Ohrwurm-Fähigkeiten.

 

Nichtsdestotrotz fehlt es dem Album an der Dynamik, die den Vorgänger ausgezeichnet hat. Für ihren Pseudo-Metal-Sound opfern die Australier zu oft das nötige Tempo, machen so gerade den oben genannten einen kleinen Strich durch die Rechnung. Dazu "Mutt" Langes Produktion, die diesmal leider glatter und deswegen weniger lebendig wirkt. Und, kaum zu glauben, auch Brian Johnson ist nur selten so perfekt eingebettet in die Musik wie in What Do You Do For Money, Honey oder Back In Black. So bleibt dann der einzige Track, der wirklich zu einer der Top-Nummern der Band zählt, You Shook Me All Night Long, kurzweilig wie's nur geht, dazu mit dem nötigen Speed und einem von Youngs besten Riffs. Abseits davon wirkt die Musik keineswegs schwach, aber eben doch schwächer als auf dem Vorgänger. Shoot To Thrill oder Have A Drink On Me schaffen's da als Filler nicht das Gesamtbild zu verstärken, wie das If You Want Blood oder Girls Got Rhythm gelungen ist.

 

Während aber die Musik durch die Bank doch hohes, wenn auch nicht schwindelerregendes Niveau erreicht, sind es vor allem auch die Texte, die einem das Hörvergnügen nehmen. Die Band versteift sich nämlich etwas zu viel auf Part 1 der Rock-Triade, den Sex. Allen voran Given The Dog A Bone und Let Me Put My Love Into You sind einem da ein Dorn im Auge, werfen mit Zeilen a la "Let me cut your cake with my knife" und "She's blowing me crazy / 'til my ammunition is dry / She's using her head again" einen großen Schatten auf die Musik im Hintergrund. Lediglich in What Do You Do For Money, Honey bekommt das Thema den nötigen Humor mit und wird so sympathischer.

 

Okay, vielleicht zu viel des Schlechten. Denn letztlich bleibt doch vieles beim Alten, soll heißen: Die Stärke der Songs ist nicht von der Hand zu weisen. "Back In Black" ist also kein großer Misserfolg, lediglich ein markanter Schritt in Richtung Zweitklassigkeit, der das Album vor allem mit den 50 Mio. verkauften Einheiten im Hintergrund etwas enttäuschend wirken lässt. Trotz allem gibt's noch immer genug Gitarrenarbeit vom Feinsten und so manch mehr als kurzweilige Minute zu hören.

 

K-Rating: 7.5 / 10

 


Nur wenige Monate nach Bon Scotts Ableben finden die Australier wieder in die Spur.

 

Es tut nichts zur Sache, was für eine Meinung man zu den Australiern innehat. Keine andere Band wird je wieder so von einem Tod eines Mitglieds profitieren können, keine andere Hard Rock-Band nach ihnen wieder dermaßen erfolgreich werden. Mutierte Vorgänger Highway To Hell bereits zum Millionenseller, so reiht sich das siebte Album mit 50 Millionen verkaufter Einheiten unter die Top Ten der meistverkauften aller Zeiten. Besonders bemerkenswert, wenn man wirklich auf jedem Longplayer dieselbe Nummer abzieht und seine Fans trotzdem - so scheint es - niemals langweilt. Respekt dafür!

 

Unter all den verschiedenen Aspekten, unter denen man einer unsympathischen Band wie AC/DC Anerkennung entgegenbringen muss, sticht aber eine ganz besonders hervor. Innerhalb von fünf Monaten einen prägnanten Sänger mit einem perfekten Nachfolger zu kompensieren, eine komplette LP einzuspielen und sogar zu veröffentlichen... Wow! Man könnte natürlich auch spekulieren, dass die Gebrüder Young und Co. vom Ableben ihres Kompanions nicht ganz so bedrückt waren wie etwa Led Zeppelin später im selben Jahr, aber sei es drum. Wie ein Phönix aus der Asche aufzusteigen, beachtlich.

 

Das gilt allerdings nur für den unveränderten Stil der Band. Ansonsten ist hier immer noch eine Band am Werk, die mit biederem Cock Rock und einem fürchterlichen Krächzer unterwegs ist, um alte Knacker in Wallungen zu bringen. Angus Young ist, wie mein Kollege bereits erfolgreich hervorhob, auf seiner Gitarre nach wie vor unantastbar, in seinen lächerlichen Klamotten aber wie immer gleichermaßen Clown wie ernst zu nehmender Musiker. Seine kraftvollen Riffs spult der aber trotzdem grandios runter, sei es im packenden Titeltrack, im Kultopener Hells Bells oder dem Highlight des Albums, dem hymnischen You Shook Me All Night Long.

 

Wenn man den großen Pluspunkt Young aber aus dem Spiel lässt, bleibt wie auf jeder LP der Band nicht mehr viel Euphorie. Die Rythm Section macht ihren Job ordentlich, hält sich aber wieder vornehm im Hintergrund. Der neue Sänger Brian Johnson erledigt seinen Job besser, als man das als AC/DC-Fan Anfang des Jahres erwarten durfte. Primär sind es die Tracks, denen es am nötigen Biss fehlt. Die Produktion spielt hier tatsächlich auch einen wichtigen Faktor, vom schmutzigen Rock 'n' Roll des Vorgängers bleibt nicht mehr allzu viel übrig.

Trotzdem ist das Gros des Materials nur marginal schwächer als auf Highway To Hell, bereits auf diesem mischten sich lahme Nummern wie Love Hungry Man unter anspruchsvolle Rocker. So ist es auch diesmal, nun heißen die überflüssigen Füller Given The Dog A Bone oder - so leid es mir tut Kumpel - What Do You Do For Money Honey.

 

Bon Scott ist tot, lang lebe Angus Young. So sollte es eigentlich heißen. Ohne den exzentrischen Gitarrenvirtuosen würde beim Gebotenen nie Spannung aufkommen oder etwas ansatzweise so unterhalten wie es bei einigen Tracks der Fall ist. So bleibt das erfolgreichste Album der Aussies zwar ein netter Zeitvertreib, aber keine musikalische Offenbarung. Ein Credo, das dank der Gleichförmigkeit wohl auch für das beste Werk im breiten Katalog gilt.

 

M-Rating: 6.5 / 10