Green Day - 39/Smooth

 

39/Smooth

 

Green Day

Veröffentlichungsdatum: 13.04.1990

 

Rating: 3.5 / 10

von Mathias Haden, 01.03.2015


Unbedeutende Debüt-LP, welche die Erfolgsformel der Gruppe immerhin schon ganz gut innehat.

 

Wow, die gibt es ja schon seit Ewigkeiten. Aber mal ehrlich, wer hatte Green Day 1990 oder gar 1986 - im Jahre ihrer Gründung - bereits auf dem Schirm. Das mäßige Kerplunk in Ehren, kennen wir doch alle die große Erfolgsstory, die erst mit dem dritten Stück Dookie ins Rollen kam und der Band neben viel Kies auch einen Kredit einspielte, den noch nicht einmal die 2012er Albumtrilogie aufbrauchen konnte. Als das Trio Billie Joe Armstrong, Mike Dirnt und der erste Drummer John Kiffmeyer (was für ein Name) in wenigen Tagen ihr Debüt 39/Smooth einspielte, konnte man von solch einer Zukunft nicht einmal träumen. Zum Übergang der 80ern in die 90er-Jahre war Punk nicht gerade das populärste Gut am Musikhimmel, deutete noch nichts auf die bevorstehende Welle hin, die uns schließlich Bands wie The Offspring oder Blink-182 bescherte. Heute ist das Debüt der Amis längst out of print, dafür findet sich die Compilation 1,039 Smoothed Out Slappy Hours, die die LP noch um die ersten beiden EPs ergänzt, in den Läden.

 

Wenig überraschend findet sich schon hier all das weitestgehend, was uns über das gesamte Neunzigerschaffen der Band begleitet. Eingängige Riffs, Mitsingrefrains und - wie könnte es auch anders sein - die üblich pubertären Themen der Langeweile, Drogenkonsum, Jugend und Liebe. Und auch wenn Billie Joe noch nicht ganz bei der Stimme angekommen ist, unter der man ihn heute kennt, ist seine Gesangsart und Rhythmik bereits unverkennbar.

Erinnern muss ich an dieser Stelle an einen Satz aus dem gemeinsamen Insomniac-Review: "Ein flotter Einstiegstrack und schon sind die ersten Zweifel beseitigt". In diesem Fall heißt der frühe Hoffnungsträger der LP At The Library und wäre auch auf Dookie oder besagtem Album nicht aufgefallen - zumindest nicht negativ. Auch mit den folgenden Don’t Leave Me, mit seinen jangelnden Gitarren, und dem von Kiffmeyer geschriebenen I Was There bleibt die Stimmung noch einigermaßen aufrecht.

Die größten Unterschiede zu den nachfolgenden, wesentlich prominenteren Alben finden sich in Produktion und textlicher Versiertheit - sofern man diese dem Trio überhaupt attestieren könnte. Aber Songzeilen wie:

 

"Laying in my bed, I think I'm in left field

I picture someone, I think it's you

You're standing so damn close my body begins to swell

Why does one and one make two?"

 

aus dem bandnamensgebenden Green Day stinken doch zum Himmel. Viel besser wird es allerdings auch nicht mehr, wie Songzeilen aus dem juvenilen 16 und dem erleuchtenden Road To Acceptance eindrucksvoll belegen:

 

"Every time I look in my past

I always wish I was there

I wish my youth would forever last

Why are these times so unfair?"

 

&

 

"It's just like a brain

When it goes insane

We feel the same pain"

 

Ihr seht schon wo das hinführt, bleiben wir deshalb lieber bei der Musik. Wie gesagt gibt es hier wenig Überraschendes, sofern man schon einmal einen Track der Band gehört hat. Der Grundton ist vielleicht etwas härter als einige Jahre danach, insgesamt klingt das Gehörte aber besser produziert, als man sich das von einem Minilabel wie Lookout! erwarten könnte. Das Bemerkenswerteste an der Sache ist eigentlich die Erkenntnis, dass Bassist Mike Dirnt hier schon einen durchaus ordentlichen Job macht, auch Drummer Kiffmeyer wirkt nicht gerade, als hätte er zum ersten Mal zwei Sticks in der Hand.

Dafür scheint das Wort 'Abwechslung' für die drei ein großes Fremdwort zu sein. Praktisch jede Nummer beginnt gleich und folgt denselben Dreiakkorddabfolgen. Lediglich das hallend atmosphärische Rest ist ein bisschen weniger dynamisch als die anderen, bereitet allerdings auch nicht zwangsläufig mehr Freude.

So spielt sich die Band durch die Blaupause späterer Erfolge, ohne allerdings einen einzig wirklich guten Track rauszuhauen. Am nächsten kommen noch die ersten drei Titel, danach ist Ende im Gelände. Selbst der mit Abstand meistgespielte Track der LP, Publikumsliebling Going to Pasalacqua, beginnt trotz einem starken Dirnt am Bass recht schnell zu langweilen, zu den stärksten Tracks auf dem Debüt darf man ihn dennoch getrost zählen.

 

Und am Ende steht man mal wieder vor der gleichen Frage: Wie bewerte ich dieses Green Day-Album, das eigentlich nicht viel anders macht als die besseren LPs der Band? In diesem Fall machen es einem die Kalifornier immerhin wesentlich leichter als sonst. Die Songs sind zwar eingängig und fallen vom technischen Aspekt her weitestgehend nicht sonderlich ab, dafür haben sich selbst für Billie Joes Verhältnisse unglaublich nervige Texte und viel Schund auf das Album geschummelt. Was bleibt sind jedenfalls dreißig poppige Punkminuten, die selten weh tun - wenn, dann aber richtig - und die Erkenntnis, dass man im Falle des Besitzes von 39/Smooth wohl noch genug andere LPs der Band im Schrank stehen haben sollte, die gar nicht viel anders machen - nur viel besser sind.

 

Anspiel-Tipps:

- At The Library

- I Was There