Steaming Satellites - The Mustache Mozart Affaire

 

The Mustache Mozart Affaire

 

Steaming Satellites

Veröffentlichungsdatum: 24.06.2011

 

Rating: 8 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 09.05.2014


Österreichs überfälliger Beitrag zu längst vergangenen Rock-Tagen.

 

Ok, Land der Berge, Land am Strome und so weiter, das war das Land unter dem Land, das mit einem anderen Land einmal die Tschechoslowakei gebildet hat, immer schon. Während sich sicher für viele die Frage stellt, warum irgendein Geisteskranker sich dazu berufen fühlt, in einem Satz fünfmal das Wort Land zu verwenden, bleibt auch die Frage darüber offen, wie das denn mit der Musik so ausschaut. Es gab Mozart und es gab Falco, aber da liegen doch Generationen dazwischen, in denen sich andernorts von Rachmaninoff bis zu den Ramones - und sogar mit anderen Anfangsbuchstaben - einiges abgespielt hat. Unter der Oberfläche war zwar sicher auch in Österreich was los, doch man kann kaum leugnen, dass das Land einen guten Teil der Rockgeschichte verschlafen hat. Zu der Zeit, als der Summer of Love mit allen möglichen Auswüchsen des Rock angefangen hatte, war man hierzulande noch stolz auf Udo Jürgens' Song Contest-Sieg. Es wäre also mal an der Zeit, dieses bisher fehlende Puzzlestück passend einzusetzen. In Salzburg tut man das.

 

Man macht es nur nicht ganz so wie damals. Und dann doch wieder. Denn die Indie-Rocker der Steaming Satellites, sie begnügen sich auf ihrer zweiten LP nicht einfach mit ein paar netten kleinen Gimmicks mit Blickrichtung Classic Rock, es wird mehr. Man checkt irgendwo um das Jahr 1970 ein und findet dort einen Haufen bluesiger Riffs, groovige Drums und Keys, die eigentlich schon ein gutes Zeitl aus der Mode sind. Mixt man diese dankbar angenommenen Erinnerungen an Hendrix, Zeppelin oder The Who mit dem Pop-Gefühl der Kings Of Leon, dann landet man in den Welten von "The Mustache Mozart Affaire". Das ist gut, wirklich gut. Vor allem auch, weil in diesem Cocktail an Einflüssen der eigene erfinderische Drang kaum leidet. Das Ergebnis ist ein Haufen verschiedenster Tracks, der durch nichts unzureichender beschrieben werden könnte, als durch den mäßigen Opener How Dare You?. Die Band hat ihn zwar mit einem Video gewürdigt, doch trotz der eingängigen Keyboard-Melodie, die sich irgendwo zwischen Akkordeon und Elektro-Orgel einfindet, und dem kernigen UK-Akzent von Sänger Max Borchardt wird man mit der hymnischen Einleitung nicht ganz warm. Zu träge läuft das Werkl noch, zu wenig dürfen die Drums machen, zu monoton ist die Sache, um durch die ersten Gitarrenspritzer abgefangen zu werden.

 

Mysteriös wie nur was, dass es ausgerechnet mit dem schwächsten Song losgehen muss, umso bessere Vorzeichen lässt das aber für die Fortsetzung. In der gibt sich die Band betont mehrdimensional. Deswegen ist es auch, aber nicht nur das großartige Gitarrenduo, das die LP bestimmt. Unverzichtbar scheint es trotzdem, schon die aufgeblasenen Claps zu Beginn von Witches wären nichts, würden sie nicht in den smoothen Funk-Spielereien münden, die dann warten. Und während auch der Schlagzeuger die Aktivität für sich entdeckt hat und die Keys sich diesmal nur als scheue Begleiter geben, zeigt Borchardt gleich mal, was stimmlich alles in ihm steckt, wenn er zwischen klarsten Höhen, rauchigem Jaulen und dem sympathischen Zwischendrin manövriert. Es freut also, wenn es mit charakteristischen, spacigen Elektronik-Sounds und fuzzy Gitarrenverzerrungen daherkommt wie Friends oder aber als entspannte Verbeugung vor dem Blues-Rock wie das anfänglich großartige Rifffestival von Spaceships.

 

Um aber den sechs Saiten mal kurz eine Pause zu gönnen, sei endlich auf die stylistischen Ausreißer verwiesen. Das poppige Synthie-Stück The Sea wird dank der starken Percussion und der markanten Hook bald zum favorisierten Ohrwurm, wird auch mit einsetzenden dröhnenden Elektronikwänden um nichts schlechter. Eigenwilliger wird es aber erst mit dem herausstechenden Duo Thought Transference und Sleep. Die Abwechslung fordert eine klare Änderung, sie kommt mit antreibenden Drum-Loops, die den beiden eine unvergleichliche Dynamik verleihen. Ganz dem Titel entsprechend, führt das im ersten zu einer durch schwelende Synthie-Lines verstärken, an der Monotonie vorbeischrammenden Vorstellung, die sich trotz aller Energie noch als schräges Psychedelic-Stück deklariert. Die aggressiven Riffs von Sleep stehen dazu im markigen Kontrast, sorgen für den lautesten Ausbruch, mal von Breakbeat-nahen Rhythmen unterlegt, dann wieder von voluminösem Getrommel. Die Harmonie wahrt die in den Sounds fast versinkende Stimme, die dank der prägnanten Produktion gerade genug aus dem Mittelpunkt gerückt ist, um dem Rest genug Platz zu machen, trotzdem aber nicht gänzlich in Vergessenheit zu geraten.

 

Ein nahender Triumphzug, der vor allem dadurch gebremst wird, dass die Band selbst auf die Bremse steigt. Monorail und Closer Nothing's For Free machen es einem mit dem Genießen nämlich wieder etwas schwieriger. Dort wird trotz genialen Riffs einerseits, ähnlich genialem Trompeten-Einsatz andererseits die Trägheit schon wieder eher zum Programm. Nothing's For Free versucht sich mit monotonem, stapfendem Beat überhaupt gleich darin, den Opener noch einmal in Erinnerung zu rufen, überlebt dank der starken Vocals und einer guten zweiten Hälfte aber besser.

 

Man macht sich also selbst das Leben ein bisschen schwerer als nötig, hat aber davor schon genug Bonuspunkte gesammelt, um diese Schnitzer bald in das Land des Vergessens zu befördern. Was dafür im Gedächtnis bleibt, ist ein erfolgreicher Trip in Vergangenheit und Zukunft zugleich, der sich in starker Gitarrenarbeit, sympathisch unösterreichischem Gesang und einem Haufen toller Hooks manifestiert. All das ist die kurze Zeit, die einem die Band schenkt, ohne jeden Zweifel wert und macht dabei vielleicht den Helden von damals nicht unbedingt Konkurrenz, sorgt aber trotzdem für ein hochwertiges Erinnerungsstück an damals, ohne auf die eigene Note vollkommen zu vergessen. Es ist vielleicht das einzige Mal, dass sich das wirklich sagen lässt: Da lohnt sich Satellitenempfang!

 

Anspiel-Tipps:

- Witches

- Thought Transferance

- The Sea

- Sleep