Red Hot Chili Peppers - I'm With You

 

I'm With You

 

Red Hot Chili Peppers

Veröffentlichungsdatum: 29.08.2011

 

Rating: 3.5 / 10

von Mathias Haden, 08.11.2013


Die Peppers sind zurück! Mit neuem Gitarristen und ihrem bis dato belanglosesten Werk.

 

Nackte Oberkörper, anbiedernde Körperbewegungen und ein Haufen an sexuellen Anspielungen. Die Rede ist nicht vom FKK-Bereich auf der Donauinsel an einem brütend heißen Sonntagnachmittag, sondern dem Anblick, den die vier Sittenstrolche der amerikanischen Rockband Red Hot Chili Peppers bei ihren Konzerten anbieten. Nun gut, wohl nicht mehr so exzessiv wie früher (Bassist Flea mal ausgenommen). Und eigentlich kann man anno 2011 nicht von 'den' Vieren sprechen, da hat sich in 30 Jahren Bandgeschichte schon einiges getan. Wenigstens sind die charismatischen Leitfiguren in Form von Sänger Anthony Kiedis und Bassist Flea (warum eigentlich dieser lächerliche Spitzname?) noch an Bord, Drummer Chad Smith ist ja auch schon ewig dabei. Abgerundet wird das Quartett noch von Gitarrist und Jungspund (immerhin mehr als 15 Jahre jünger als der Rest) Josh Klinghoffer, der nach dem Abgang von John Frusciante eine große Lücke zu füllen hatte und hier seinen ersten Auftritt als Chilipfeffer erlebt.

 

Die Peppers haben sich im Laufe ihrer langen Karriere eine riesige, treue Fan-Base erarbeitet. Ihre Funk und Rock fusionierenden Alben, besonders die der 90er, gelten heute als Klassiker und auch ihre frühe Arbeit (nicht alles) in den 80ern wird allerorts geschätzt. Nach dem überambitionierten, aber recht ordentlichen Blockbuster Stadium Arcadium ließ sich die Band fünf Jahre Zeit um wieder eine Platte auf den Markt zu werfen. Diese, mittlerweile zehnte, heißt I'm With You und ist einem alten Freund der Band gewidmet, dem Funk. Jedenfalls nähert sich das neue Werk ihm deutlich stärker an als der Alt Rock-Vorgänger.

 

Grundsätzlich war die Rechnung immer so: Die Chilis bleiben ihrem Stil (meistens) mehr oder weniger treu, den Leuten gefällt, was sie hören, und die Alben verkaufen sich wie warme Semmeln. Nun sollte man das umschreiben. Die Band versucht auf ihrem neuesten Werk nämlich gezielt, jeden einzelnen seiner 14 Tracks für Radioairplay zu empfehlen. So nah am Mainstream war die Gruppe nicht einmal mit ihrem Vorgänger, der schon mehr oder weniger in diese Richtung geschielt hat.

 

Josh Klinghoffer ist mit Sicherheit ein talentierter Gitarrist, sonst würde eine renommierte Band wie RHCP nicht um seine Dienste buhlen. Beurteilen kann ich das allerdings nicht aus erster Quelle, auf dem gesamten Album hält sich sein Spiel sehr dezent. Damit bleibt das Meiste an Bassist Flea hängen. Dass der einer der besten seiner Zunft ist, ist bekannt. Trotzdem gelingen ihm bis auf ein paar nette Soli kaum nennenswerte Höhepunkte. Einen solchen hat er allerdings auf Single The Adventures Of Rain Dance Maggie. So hätte es doch weitergehen können. Vielleicht haben ihn die Aufnahmen zu seinem Nebenprojekt Atoms for Piece (mit Radiohead-Frontmann Thom Yorke) zu sehr in Anspruch genommen.

 

Was macht eigentlich Anthony Kiedis? Der trifft seine Töne vielleicht besser als früher, nur jault er mittlerweile emotionslos seine Zeilen runter, dass die Erinnerungen an seine Großtaten auf Californication oder Blood Sugar Sex Magik fast verblassen.

 

Und so plätschert I'm With You eine ganze Stunde lang vor sich hin. Mal mit einem besseren (niemals wirklich gut, besagte Single mal ausgenommen), mal mit einem schlechteren Moment. Den spannendsten bietet vermutlich das kurze Trompetenintermezzo von Studiomusiker Mike Bulger auf Did I Let You Know, das zumindest ein bisschen frischen Spirit verbreitet. Das Interessante an der Sache ist ja, dass keiner der Tracks wirklich unerträglich ist. Weder das mediokre Look Around, noch das zwar ordentlich gespielte, textlich aber traurige Goodbye Hooray ("Hustlers get what they deserve / But it's always half the gate / Good things come to those who wait / Like an expiration date") Hier, und leider wirklich nur hier, zeigt Klinghoffer was er drauf hätte.

 

Wäre ja alles wirklich nicht so tragisch, würde man die Band, die da lustlos drauf los dudelt, nicht schon so lange kennen. Nein, unerträglich ist hier wirklich nichts. Nur so belanglos, das man nicht einmal irgendwelche Gefühle dazu entwickeln kann. Schwache Tracks gibt es aber doch, beispielsweise das fade Even You Brutus? ("She was the cutest thing that I ever did see / A drink in her hand and I don't mean tea"), oder das trotz besserer Instrumentierung anstrengende Factory Of Faith. Und was zum Teufel soll der lächerliche Refrain in Ethiopia!?

 

Allen Widrigkeiten zum Trotz findet sich dann doch noch ein zweiter starker Song in dem breiten Pool. Brendan's Death Song, auf Track Nummer 3, liefert wohl Kiedis' beste Performance und auch Drummer Smith erwacht aus seinem Tiefschlaf. Hier wirken erstmals alle Musiker richtig positioniert und somit lässt sich die für einen Popsong untypisch lange Dauer von über 5 Minuten leicht verschmerzen.

 

Ex-Gitarrist John Frusciante hat mit seinem Abgang eine klaffende Wunde aufgerissen, die der Neue (noch) nicht zu schließen vermag. So bietet das zehnte Album der Amerikaner zwar radiofreundlichen Stadion-Rock, aber der kommt nicht annähernd so gut wie ihre energiegeladenen, musikalischen Ausbrüche zuvor. Dass man auch Nahe am Mainstream ordentliche Musik aufnehmen kann, beweisen ja auch das zweistündige Stadium Arcadium und dessen Vorgänger By The Way.

 

Es ist immer wieder verwunderlich, wie eine Band, die einst Großes vollbracht hat, einmal so einen weichgespülten Kommerz-Einheitsbrei servieren kann. Umso schwerer wiegt der Umstand, dass die Band hier wohl ihr schwächstes Album zusammengefügt hat. Selbst den größten RHCP-Fans wird bzw. muss hier ein Licht aufgehen, dass hier wahrlich nichts Gelungenes abgeliefert wurde. Nicht nur einem objektiven Betrachter wie mir.