Papa Roach - The Connection

 

The Connection

 

Papa Roach

Veröffentlichungsdatum: 02.10.2012

 

Rating: 4.5 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 31.10.2014


The Good, The Bad And The Ugly. Die Amerikaner zeigen im harten Elektronik-Rock wirklich all ihre Seiten.

 

Gut, Papa Roach gehen ja eigentlich so ziemlich jedem am Hintern vorbei. Nicht nur, dass nichts nennenswert Gutes von ihnen kommt. Die bieten nicht einmal genug Angriffsfläche, um einmal genüsslich über sie herzuziehen. Viel zu durchschnittlich und uninteressant war da die Arbeit der letzten Jahre. Aber abgesehen davon, dass man schon mal zufällig über einen guten Track von ihnen stolpern kann, gibt es eben doch zwei Dinge, die den akribischen Musik-Interessierten hellhörig werden lassen könnten. Zum einen ergibt sich eine beinahe dezent sadistische Freude, diesen komplett im Nichts versunkenen Bands beim Strampeln gegen das Ersaufen zuzusehen. Zum anderen gibt einem "The Connection" dann noch die Gelegenheit, eine Uraltfloskel hier einmal auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. Denn hier soll das Vorwerk der Band zusammengefasst, eben connected werden. Ob das so gut ist...

 

Grund #3 hab ich aber bis jetzt verschwiegen. Der musste erstmal aufgehoben werden. Tatsache ist nämlich, auf der erwähnten Suche nach wertvollem Material der Band stößt der Reviewschreiberling auf Silence Is The Enemy und ist einmal etwas überrascht ob der Unmittelbarkeit und des Entertainment-Faktors des Tracks. Dort wird in aller Güte auch gleich die Neuerung der Platte umschrieben. Denn die Elektronik-Welle ist auch an Frontmann Jacoby Shaddix nicht vorbeigegangen und so gesellt sich zu den harten Riffs ein markant-eingängiger Keyboard-Part, der einem kaum aus dem Ohr verschwindet. Perfekt unterstützt von Schwachsinns-Mitsing-Refrain und dem Dynamischsten an Drums, was das Quartett je vorzuweisen hatte, ergibt das ein unerwartetes Bandhighlight zum Air-Drummen und Mitschreien. Dass nach diesem unplanmäßigen Einstieg in die LP mit Still Swingin' der eigentliche Opener in ähnlich energetischer Manier abgehandelt wird, verstärkt da positive Tendenzen nur. Mit alles andere als störendem Dubstep-Breakdown und dem Comeback vom rappenden Shaddix sind die Eröffnungsminuten so schon aktiver als so manch vorheriges Album in seiner Gesamtheit.

 

Bis dahin hat man kurz das Gefühl, man würde sich auf Seiten der Kalifornier wirklich nur die besten Eindrücke der Karriere herauspicken, um sie hier erfolgreich zu adaptieren. Zum einen eine Rückkehr zu Nu-Metal mit mehr Elektronik, zum anderen straight-forward Rock mit Keyboard. So lässt es sich hören! Diese aufkeimende Sympathie findet ein recht brutales Ende, wenn nur einmal die guten Minuten abgehandelt sind. Mit Before I Die bemüht Shaddix einmal mehr sein nicht vorhandenes Gespür für harte Balladen, das dank eines unkoordinierten Kraftaktes im Refrain und banaler Elektronik dazwischen nie mehr als alte Abneigung auslöst. Über textliche Tiefe wollen wir in solchen üblicherweise emotional angehauchten Momenten gar nicht sprechen, die gehörte sowieso nie so richtig zum Repertoire. Höchstens die gute, alte Unbedenklichkeit strahlen die Lyrics in diesem Fall aus. Weder gut, noch schlecht, ganz einfach dem 'beim einen Ohr rein, beim anderen wieder raus'-Prinzip huldigend.

 

Ähnlich ergeht es jenen Versuchen, die an die geradlinige Härte von "Getting Away With Murder" anknüpfen wollen. Das Album, das mit Softie-Ballade Scars den größten Hit bereithielt, eignet sich aber schon selbst kaum als großes Entertainment. Die Wiederauferstehung dieses Sounds gerät in Songs wie Wish You Never Met Me oder Not That Beautiful zur gewohnt durchschnittlichen Darbietung. Allemal mit passablen Riffs, aber weder die wenigstens nur moderat eingesetzte Elektronik, noch die störrischen Strukturen können da für positive Erinnerungswerte sorgen. Auf ähnliche Art läuft dann insgesamt schon einmal mehr als ein Drittel des Albums an einem vorbei. Tatsächlich die perfekte Beschreibung einer Band, die auf Albumlänge nie viel mehr als das Passable erreicht hat.

 

Zur Ehrenrettung der von Industrial Metal geformten Tage der Band schreitet dann eher zaghaft Where Did The Angels Go heran. Dort ist vor allem dank Keyboard und knusprigem Riff wieder von lebhafter Musik die Rede, wenn man auch weiterhin besser weghört, wenn Shaddix neben seine depressiven Messages auch fragwürdig theatralische Zeilen einbaut:

 

"Everyday I wake up and I fall from grace

Every move I make has got me stuck in the darkest place

I pray for mercy but I love the fear

I should've listened while the angels were living here"

 

Weit geradliniger und daher auch bald zum Albumfavoriten gerät Breathe You In. Als Liebesgeständnis der ziemlich anderen Art entpuppt sich der Song als großartige Vereinigung der trockenen Härte und eingängigen Melodien, die sich auch früher immer mal wieder gezeigt haben. Dank einer vergleichsweise starken, weil tatsächlich einmal emotionalen, gesanglichen Performance und des nimmermüden Gitarristen Jerry Horton wird der hier einzige elektronikfreie Song zum wohl Besten, was die Band bisher zusammengebracht hat.

 

Wen überrascht es wirklich, es folgt auch direkt der Tiefpunkt der Karriere. Mit Leader Of The Broken Hearts versucht man auf eine grässliche Art einem faden U2-Abklatsch mit Synthesizern beizukommen. Ehrlich, dagegen ist Linkin Parks Shadow Of The Day große Kunst. In einer Welle von billigem, eingeschlafenem Sound und Zeilen, die tatsächlich auch Bono schwer fallen würden, geht man als Hörer sehr, sehr schnell baden. Um einer wie üblich durchschnittlichen Papa Roach-Platte aber noch einen Drall nach unten zu geben, darf sich Closer As Far As I Remember in fast deckungsgleicher Manier als unwürdiger Abschluss beweisen. Defensiv bis zum Letzten, wird diesmal mit mehr Härte einerseits, gänzlich computergenerierten Strophen andererseits vergeblich nach Lösungen gesucht.

 

Die anfangs aufgeworfenen Fragen lassen sich zwar beantworten - 1. In der Bedeutungslosigkeit schwimmt man mit dem Strom, 2. Der Karriere-Überblick gelingt so halbwegs -, dafür ergibt sich ein anderes Mysterium, das einem aber wiederum nicht nur diese Kalifornier präsentieren. Wie schafft man es, gleichzeitig das Beste und Schlechteste der Karriere auf eine Platte zu packen und dabei nicht zu merken, dass man wohl eher mehr von ersterem machen sollte? Muss doch wem auffallen, oder? Tut's letztendlich eh, wenn das Album aber erst einmal bei mir angelangt ist, ist es dafür naturgemäß zu spät. Es ist eine erwartbare Fortsetzung einer allzu unspektakulären Karriere, die nur selten das Potenzial zeigt, das da irgendwo stecken muss. Dann aber wenigstens ordentlich.