Hurts - Surrender

 

Surrender

 

Hurts

Veröffentlichungsdatum: 09.10.2015

 

Rating: 2 / 10

von Mathias Haden, 09.09.2016


Die selbstverliebten Briten erreichen ein neues Level der opulenten Belanglosigkeit.

 

"I am ready for the rapture
I am reaching for the light
But my heart screams hallelujah
When I hear your battle cry"

 

In Ermangelung an brauchbaren Einleitungen war es mal wieder an der Zeit für mich, den Auftakt dem besprochenen Künstler selbst zu lassen, um ein Statement abgeben zu können. Vielleicht liegt es ja an der spätsommerlichen Müdigkeit in Kombination mit einer rastlosen Nacht, dass der Verriss einer Hurts-Platte nicht den Hauch jener Freude bereitet, die sich bei einem Nickelback-Album immer ausbreitet, aber irgendwas ist faul an der Sache. Und irgendwas ist nach wie vor faul an Hurts. Meine Gründe, dem Duo aus England meine ach so kostbare Zeit und zumindest ein Ohr zu widmen, sind zwar legitim, sorgen aber mitnichten dafür, dass so etwas wie Hörgenuss aufkommt. Eigentlich könnte man den Review somit an dieser Stelle beenden, den beiden Musikern jegliches musikalisches Talent absprechen und direkt zur Tagesordnung übergehen. Aber das wäre langweilig. Und wo nichts herrscht als gähnende Leere, da bietet sich viel Platz für mein pathetisches Gelaber... Okay, wenn sich hier schon diese ideale Überleitung auftut, dann kann ich gleich ein paar Worte über Hurts verlieren. Zuvor lassen wir Theo Hutchcraft und Adam Anderson diese Ehre aber noch selbst zuteilwerden:

 

"I don't need a god to tell me that I'm wrong
I don't need hell to make me scared of love
I don't need a symphony to sing my song
'Cause there's a choir of angels deep inside my lungs"

 

Die aufgeblasenen Worte, die diese Rezension eröffnen und ihr direkt einen widerwärtigen Beigeschmack auf den Weg geben, sind übrigens auch die ersten, die man auf dem dritten Album der Briten zu hören bekommt. Das heißt, wenn man den überladenen Gospelchor im Intro so gekonnt ignorieren kann wie ich. Das Stück heißt Some Kind Of Heaven, beheimatet im Übrigen auch noch die schwülstigen Textzeilen, die den letzten Absatz beschließen und offeriert eine kaum erträgliche Mischung aus yeah-yeah-yeah-Hooks, monotonen Beats und Synthesizern, so frisch wie die Luft in Fritzls Keller. Dass dieses Machwerk als Lead-Single veröffentlicht wurde, verstehe wer will - oder wer den Rest von Surrender nicht gehört hat. Denn viel drängt sich beim heiteren Konglomerat aus Kitsch, Pathos und biederer Elektronik nicht auf. Den größten Fortschritt hat das Duo dahingehend gemacht, den geneigten Zuhörer nicht mehr mit Spieldauern von etwa 50 Minuten zur Verzweiflung zu bringen. So dauert das Stand heute neueste Album erträglichere 33 Minuten - zum selben Preis, versteht sich. Und dieser Preis lässt sich nicht nur auf seine monetäre Seite reduzieren. Es kostet nämlich durchaus Nerven und viel Flüssigkeit (Angstschweiß), den präpotenten Briten dabei zuzuhören, wie sie sich auf einem von jeglicher Substanz befreiten Track wie Nothing Will Be Bigger Than Us mit quälendem Europop-Beat auf die eigene Schulter klopfen.

 

Es soll ja nicht wenige Leute geben, die den Stimmen der beiden einiges abgewinnen können. Hier liegt vermutlich auch der Hund begraben, denn die geben mir überhaupt nichts und wirken nur wie ein weiteres Instrument in der atmungsunfähigen, zähen Kitschsynthmasse. Nicht umsonst sticht Lights als Highlight heraus, weil es sich einige Sekunden einem lässigen Funk-Beat hingeben kann, ehe der angeblich melancholische, in meinen Ohren mit Emotionen nichts am Hut habende Gesang wieder einsetzt und sich das Stück wieder in den üblichen Plattitüden verläuft. Umso erfreulicher, dass am Ende mit Wish zwar noch viel Pathos wartet, auf der vergleichsweise reduzierten Ballade mit Streichern und Klavierbegleitung erstmals aber so etwas ähnliches wie Gefühl durchschimmert. Späte Reue, immerhin!

 

Das reicht natürlich beileibe nicht, um auf einer unglaublich (nun, nach Happiness konnte ich es eigentlich schon glauben) belanglosen LP für Rehabilitierung im größeren Umfang zu sorgen. Hutchcraft und Anderson sind nach wie vor viel zu beschäftigt damit, sich selbst spitze zu finden und lassen uns weiterhin darauf warten, ihrem abgestandenen, bombastischen Synthpop eine erträgliche Note auf den Weg zu geben. Ach ja, die Gründe meiner Befassung: zum einen natürlich das Interesse an neuen musikalischen Erfahrungen, in diesem Fall aber auch ein weiterer, weitaus eigennützigerer. Denn die größten Vorzüge der Engländer, sieht man mal von dem einen oder anderen passenden Hit für betrunkene Nächte im Club ab, liegen wohl darin, dass sie einem vermeintlich Banales plötzlich unglaublich schmackhaft machen können und sogar "Songs" wie That Cough Came With A Prize oder The Ten Coolest Things About New Jersey der Bloodhound Gang wie kleine musikalische Wunderwerke erscheinen lassen. Ich denke, damit ist alles gesagt.

 

Anspiel-Tipps:

- Lights

- Wish