Hard-Fi - Killer Sounds

 

Killer Sounds

 

Hard-Fi

Veröffentlichungsdatum: 19.08.2011

 

Rating: 5 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 01.11.2013


Ein letztes Aufbäumen gegen den Untergang, aber es geht unausweichlich abwärts.

 

Manchmal hat man einfach Pech. So wie Pete Best, den die Beatles losgeworden sind, kurz bevor es ganz, ganz steil nach oben ging. Oder Weezer, deren kommerzieller Flop "Pinkerton" dazu geführt hat, dass aus einer damals perfekten Band ein mieser Pop-Haufen wird. In unbekannteren Sphären auch Saves The Day, deren Major Label-Debüt "In Reverie" vom eigenen Label als unverkäuflich bezeichnet und komplett fallen gelassen wurde. Irgendwo in dieser langen Reihe finden sich auch die Jungs von Hard-Fi. Denn als sie 2005 ihr Debüt veröffentlichten, da waren die Briten hin und weg, kauften genug, um es an die Chart-Spitze zu hieven. Und dann kommt einfach so eine talentiertere, aggressivere und witzigere Band mit dem blöden Namen Arctic Monkeys daher und stiehlt ihnen im eigenen Genre die Show. So hat es das Quartett nie so ganz von der Insel runter aufs europäische Festland geschafft, mit "Killer Sounds" wartet jetzt die wohl letzte Möglichkeit, das zu schaffen.

 

So wird das aber nichts. Nachdem die Jungs aus Staines 2007 mit "Once Upon A Time In The West" einen überraschend starken, aber eben doch zu konformen zweiten Versuch abgeliefert haben, muss diesmal etwas Extravagantes her. Das passiert auch. Denn Hard-Fi versuchen sich an Neuem, bringen so viel Synthesizer in die Songs wie nur möglich und sorgen so unfreiwillig für eine radikale Annäherung an die Killers. Wenigstens scheint Richard Archer aber als Frontmann nicht so exzentrisch zu sein, wie das sein Kollege Brandon Flowers ist. Deswegen gibt's hier zumindest keine aufgebauschten Stadion-Hymnen, dafür die ein oder andere Disco-Nummer, die aber genauso wenig funktioniert.

 

Vor allem beim ersten Reinhören hat man dieses 'Verdammte scheiße, was soll denn das'-Gefühl, das einen über alle elf Songs verfolgt. Denn insbesondere im zweiten Teil der LP kommen einem mit Stay Alive, Love Song oder Sweat schon ziemliche Synthie-Hämmer entgegen. Und man muss dann doch sagen, das Gefühl der Band dafür ist ein eher beschränktes. Selten funktionieren die Elektronik-Hilfen mal wirklich. Zu Beginn scheint noch viel in Ordnung, denn der synthetische Beat von Fire In The House zusammen mit den vergleichsweise leichten Keyboard-Klängen klappt ähnlich gut wie der quirlige Sound von Give It Up mit dem wohl besten 'Sing-along'-Refrain des Albums.

 

Was in den Anfangsminuten aber auch ganz eindeutig von Vorteil ist, ist die Präsenz von den Gitarren, die Archer und Ross Phillips bearbeiten. Denn auch wenn sie nicht ganz so leicht herauszuhören sind wie früher, die knackigen Riffs der alten Tage sind immer noch da. In Wirklichkeit sogar besser in Szene gesetzt als auf dem schwach produzierten Debüt. So sticht dann vor allem Bring It On positiv heraus, wenn es mit dem pulsierenden Bass und der starken Hook zu Beginn loslegt. Beim Opener Good For Nothing, dem lange Zeit einzigen Track, der ohne wahrnehmbare Elektronik auskommt, wäre das noch eher möglich. Der starke, dezent funkige Riff überlebt allerdings das schwierige Tempo nur bedingt. Noch dazu steht Archers Stimme vor allem hier zu sehr im Vordergrund und erdrückt so die Musik.

 

An diese Minuten wird man aber noch sehnsüchtig zurückdenken. Denn wenn auf der 5 Feels Good wartet, dann ist für die LP schon fast alles verloren. Die besten Momente hat die Band hinter sich. Zuerst begegnet einem eine schräge Combo aus Sitar, Synthesizer und Archers Versuch sowohl anstrengender als auch kitschiger als Brandon Flowers zu wirken. Und es wird mit den untragbaren Elektronik-Ungetümen von Excitement oder Sweat nicht besser, denn da versagt auch der Rest der Musik völlig. Letzterer bietet außer massig Synthie- & Keyboard-Sounds ohnehin nur mehr Drummer Steve Kemp und Archer, wird so zu kaum erträglichem Dance-Pop. Bei Excitement trifft dagegen ebendieser Dance-Pop auf einen schrägen Metal-Riff und ein merkwürdiges, pseudo-rockiges Solo. Eine Kombination, die keineswegs im Himmel erdacht wurde. Abseits davon kommen wenigstens erträgliche, wenn schon keine wirklich guten Minuten mehr. Stay Alive und Love Song sind trotz schwachsinnigster Texte zumindest musikalisch keine Totalversager, bieten sozusagen Disco-Flair in annehmbar und Stop ist mit dem letzten hörbaren E-Gitarrenauftritt eine schwächere Fortsetung des Beginns, durchaus energetisch und sympathisch, aber übermütig.

 

Die einzigen bisher nicht erwähnten Minuten sind die von Album-Sonderling Killer Sounds. Gerade der Titeltrack passt mit Akustik-Gitarre und Klavier so gar nicht ins Bild, bietet einen positiven Abschluss. Leider fällt es einem da aber auch schon weniger als nötig auf. Denn bis dahin wird man von miserablen Texten - die aber wenigstens konstant im Hintergrund verschwinden -, erdrückenden Synthies und Archers mittlerweile etwas mühsam wirkendem Gesang erdrückt. Wenigstens zu Beginn scheint dieses große Experiment, das letztlich doch keine musikalische Revolution darstellt, in die richtige Richtung zu laufen. Aber wenn man in einem Labyrinth einmal vom Weg abkommt, dann ist wieder hinaus finden kaum noch möglich.

 

So in etwa lässt sich "Killer Sounds" wohl erklären. Es liegt nicht daran, dass die Band stehen bleibt, ganz im Gegenteil. Ein Verweilen bei dem, was auf dem Vorgänger geboten wurde, wäre wohl die weisere Entscheidung gewesen. So schaffen die Briten nicht nur nicht den ersehnten internationalen Durchbruch, nein, sie versinken sogar in der Heimat etwas in Bedeutungslosigkeit. Vier Jahre Pause zwischen zwei Alben und ein musikalische 180°-Wende sind eben keine gute Mischung. Normalerweise würde man mehr Glück beim nächsten Mal wünschen, nur stellt sich die Frage, ob man davon überhaupt noch etwas mitbekommt.