Flogging Molly - Float

 

Float

 

Flogging Molly

Veröffentlichungsdatum: 04.03.2008

 

Rating: 5 / 10

von Kristoffer Leitgeb & Mathias Haden, 16.10.2014


Abgeklärt und ohne Überraschungen. Es ist Standard, aber guter Standard.

 

Was der Alkohol...ähem...der Erfolg natürlich nicht alles aus Menschen macht. Da ist man plötzlich selbstsicher, gesittet, ruhig und traut sich, nicht viel Neues zu bieten. Man fragt sich, ist es ein Symptom all jener, die einmal die Top 10 der US Charts erreichen? Möglich, immerhin war das auch für die Iren der Knackpunkt, an dem aus einer energetischen Band ein folkiger Haufen in den Vierzigern wurde. Nicht die schlimmste Entwicklung, wie sich zeigen sollte.

 

Denn hinter "Within A Mile Of Home" steckte eine unnatürliche Soundvielfalt und Ordnungsflucht. Diesmal gibt's dafür ein allzu geordnetes, allzu berechenbares Werk, dass sich in seiner vordergründigen Bequemlichkeit aber bald zum netten Irland-Trip entwickelt. Opener Requiem For A Dying Song steht als blendendes Beispiel für den wenig angriffigen, von Country und Folk durchdrungenen Sound der LP. Luftiger Mid-Tempo-Rock ist es diesmal statt schnellem Punk. Und auch wenn dem Song gewichtige Argumente als Fürsprecher fehlen, bleibt eine ordentliche Performance rund um Akkordeon und Violine übrig. So ist's, so bleibt's im Groben auch. Punch Drunk Grinning Soul oder Between A Man And Woman steuern ähnliche Gefilde an. Allen gemein ist, dass ihnen das Zeug zum Klassiker mit Sicherheit fehlt. Trotzdem bleibt man mit Wohlwollen zurück, lässt sich doch auch bei weniger Energie im Song genauso gut mit dem Fuß mitstampfen und mitsingen.

 

Leider fehlt aber eben doch oft zu viel auf die guten alten Tage. You Won't Make A Fool Out Of Me ist der Inbegriff der Durchschnittlichkeit, besticht nur dadurch, dass er eine offensichtliche Aufbereitung früherer Songs ist. Die Balladen werden wieder zur Achillesferse, vor allem The Story So Far wird zum überdramatisierten Schläfer als unrühmlichem Ende. Eine altbekannte Schwäche, sind doch die ruhigen Momente noch selten zum wirklichen Genuss geworden, wenn der Name Flogging Molly darauf stand. Viel eher wird's zur langweiligen Nullnummer wie Us Of Lesser Gods.

 

Um aber meinem Rating gerecht zu werden, braucht's schon auch die gute Seite. Die bietet schon mit No More (Paddy's Lament) eine erste Rückbesinnung auf aktivere Tage, bringt eine Spur Punk zurück und wirkt auch als Plädoyer gegen den irischen Religionskonflikt kraftvoller als so manch anderes hier. Wirklich gut gelingen aber vor allem The Lightning Storm und Man With No Country. Beide schaffen den Spagat aus altgedientem Punk und neuerem Folk und während ersterer in alten Tagen starker Mitläufer gewesen wäre, hätte Man With No Country mit seinem Top-Refrain und dem markanten Banjo auch Jahre früher einen Favoritenstatus inne gehabt. So weit geht's beim Titeltrack nicht, der überzeugt jedoch auch als akustische Melancholiker-Nummer weitestgehend. Insbesondere ist das dem stetig voller werdenden Sound im Song und Dave Kings starker Gesangsperformance zu verdanken.

 

Zwiespalt scheint also das Motto der LP zu sein. Allerdings versammelt sich in Wahrheit viel im Rahmen des moderat Guten, des locker leicht Genießbaren. Auch deswegen ist "Float" nicht gerade ein Fehlschlag, vielmehr ist es eine nötige Konsolidierung nach dem schwierigen Vorgänger. Vielleicht sind auch dort die Gründe zu suchen, warum hier eben nichts riskiert, sondern viel mehr auf die sichere Seite gebaut wird. Man gibt sich eben abgeklärt und gesittet dieser Tage im Hause King: "So don't, no don't sink the boat that you built to keep afloat!"

 

K-Rating: 6 / 10

 


Die Luft ist scheinbar draußen bei den vormaligen Genreüberfliegern.

 

Vielleicht liegt’s an der mangelnden Konkurrenz, dass Flogging Molly auf ihre 'alten' Tage gemütlicher geworden sind und ihr Ding lieber 'safe' runterspielen. Wer fällt dem Otto-Normalmusikhörer, der seinen Hip Hop-Bedarf mit Macklemore und sein Verlangen nach Countrymusik mit Taylor Swift deckt, denn ein, wenn er Lust auf ein wenig Celtic Punk verspürt? Womöglich kennt er ja die Dropkick Murphys oder die legendären Pogues, die Antwort müsste aber folgerichtig Flogging Molly heißen.

Dabei wird er aber hoffentlich nicht zu Float, dem mittlerweile vierten Studioalbum, greifen. Denn viel ist nicht übrig geblieben von der alten Magie, Punk ist sowieso längst dead.

 

Aber bleiben wir zuerst bei den erfreulichen Dingen. Opener Requiem For A Dying Song legt ordentlich los, kann das Tempo und die Energie (der nicht zu Unrecht als Liveband geschätzten Gruppe) aus den Bühnenauftritten freilich nicht halten, bewegt sich aber mit seinem präsenten Akkordeon immer in Wohlbehagen erzeugenden Sphären. Ansonsten kann ich ganz gut leben, mit den vom Kollegen hervorgehobenen Tracks. Float ist zwar keine Offenbarung, kann mit seinem starken, im wahrsten Sinne des Wortes 'fließenden' Aufbau und der schönen Violine letztlich doch punkten und The Lightning Storm und Man With No Country sind immerhin wieder näher dran am vermissten Sound. Produktionstechnisch ist das überhaupt schon ziemlich ordentlich, was uns das Septett hier mit einer großen Palette an Instrumenten vorsetzt. Für eine zünftige Barschlägerei, für die sich die Musik der frühen Alben ja immer ganz gut anbot, ist sie allerdings zu aufpoliert und nicht kantig genug.

 

Viel mehr Positives gibt es nicht mehr dazu zu sagen. Wem es reicht, einfach nur ein bisschen mitzustampfen und -zusingen, der kann ja gerne auf Between A Man And A Woman zurückgreifen. Oder auf die Aufnahme des letzten Musikantenstadls. Closer The Story So Far hat der Kollege ja schon sehr gut beschrieben, nur wirklich unrühmlich endet es mit dieser Überdosis Kitsch gar nicht erst. Davor mischen nämlich schon einige faulige Früchte mit. Das vom Vorsprecher als 'Inbegriff der Durchschnittlichkeit' titulierte, durchaus schwungvolle You Won’t Make A Fool Out Of Me ist tatsächlich nicht viel mehr als das, bringt es dadurch aber immerhin noch zu einem Highlight der LP. Mit From The Back Of A Broken Dream covert sich die Band fast selbst, hat aber wenig überraschend auch hier nichts zu sagen, Us Of Lesser Gods ist einfach nur stinklangweilig und der Rest, der sich zwischen Reminiszenzen an die glorreiche Vergangenheit und den neuen Folk- und Country-Anleihen einpendelt, ist nicht wesentlich spektakulärer.

 

Es scheint, die Luft ist draußen bei den Iren. Anders kann man es sich jedenfalls nicht erklären, dass nach Genre-Kapazundern wie Swagger oder Drunken Lullabies ein ärmliches Werk wie Float herausschaut. Und das immerhin schon beim vierten Album. Man kann nur hoffen, die Ex-Punker überdenken ihr Konzept. Und ganz egal in welcher Richtung die Ursachenforschung auch anschlägt, eines ist klar: Das Boot ist schwer am Sinken.

 

M-Rating: 4 / 10