MusicManiac Top 10

MusicManiac Top 10 - Pink Floyd vs. Genesis

Herzlich willkommen zum ersten Album-Battle. Es gibt mehrere Gründe, warum ich mir für diesen ersten Versuch gerade diese beiden Bands ausgesucht habe. Der triftigste wohl, dass diese gerne miteinander verglichen, gemeinhin des öfteren mit King Crimson, Jethro Tull oder Yes gerne mal als Krone des Progressive Rock tituliert werden. Ob Pink Floyd die Kriterien für eine waschechte Progband erfüllt, darüber möchte ich hier aber nicht philosophieren. Ach ja, der andere Grund: Beide Gruppen fielen dieses Jahr mit überraschenden Ankündigungen auf: Während es bei Genesis nur eine wenig ergiebige Best-Of Scheibe war, veröffentlichen Pink Floyd heuer mit The Endless River ihr erstes Album nach zwanzig Jahren. Genug gequatscht, auf ins Vergnügen und viel Spaß mit einigen der schönsten Artworks aller Zeiten!


Pink Floyd - Animals

 

Animals

 

Pink Floyd

1977

 

Eigentlich sollte hier gar kein elfter Platz stehen, aber das Album mit dem großartigen Cover darf dann doch nicht fehlen, wenn es um meine Lieblinge geht. Hier war bereits eine Band am Werk, deren Marschrichtung von einer Person, Roger Waters, vorgegeben wurde. Trotzdem hört man eine intakte Gruppe, die sich George Orwells 'Animal Farm' annimmt.

 

Überragender Track: Sheep


 

10.

 

Nursery Cryme

 

Genesis

1971

Genesis - Nursery Cryme

Der erste Meilenstein im Schaffen der Briten, der erste in der berühmten Besetzung Gabriel, Hackett, Banks, Rutherford und Collins. Hier wurden die Weichen gelegt für die spätere Glanztaten, mit der aufwendigeren Instrumentation, die auch ihre Live-Auftritte stark prägen sollten, näherte man sich auf Nursery Cryme dem Prog weiter an. Die ausgefallenen, fantasievollen Geschichten über Fabelwesen und Mythen behielt sich das Quintett ebenfalls, brachte mit The Musical Box den ersten All-Time-Favourite für Genesis-Fans rund um den Globus und konnte auch sonst erstmals auf Albumlänge überzeugen.

 

Überragender Track: The Fountain Of Salmacis


 

9.

 

The Lamb Lies Down On Broadway

 

Genesis
1974

Genesis - The Lamb Lies Down On Broadway

Scheinbar habe ich es nicht so ganz mit dem Konsensgefühl. Dass das bekannteste, beliebteste und erfolgreichste Genesis-Album schon jetzt auftaucht, ist aber nur der starken Konkurrenz geschuldet und darum beileibe kein Beinbruch. Auf The Lamb gipfelte die Kreativität der Band, auf 23 Tracks oder knapp 95 Minuten wird hier die surreale Geschichte eines fiktiven, puertorikanischen Jungen geschildert. So banal das Konzept, bei dem es bis heute noch unzählige Interpretationen gibt, klingt, so großartig sind seine Einzelstücke. Das Quintett war auf ihrem Höhepunkt an Bekanntheit und Ideenreichtum. Nach der anschließenden Tour war aber Schluss, epische Stücke wie The Lamia oder The Colony Of Slippermen sollte man von Peter Gabriel nie wieder hören.

 

Überragender Track: The Carpet Crawlers


 

8.

 

Meddle

 

Pink Floyd
1971

Pink Floyd - Meddle

Die Blaupause für die Pink Floyd, die Mitte der Siebziger Millionen absetzen konnten, und somit das Pendant zu Nursery Cryme. Die psychedelischen Sixties waren endgültig passé und mit ihrem sechsten Studioalbum machte die Band einen riesigen Schritt in Richtung Mainstreamdefinierung. Zwischen sanftem Pop von A Pillow Of Winds und den später charakteristischen Gitarrensounds vom epischen Echoes, das mit 23 Minuten das Sinnbild für einen gelungenen Floyd-Track darstellt, präsentierte sich die Gruppe zum letzten Mal als wirklich funktionierende Einheit, bei dem jedes Mitglied seinen Beitrag zu den Lyrics tätigen konnte und vor allem 'durfte'.

 

Überragender Track: Echoes


 

7.

 

Wind And Wuthering

 

Genesis
1976

Es herbstete im Genesislager, als Wind And Wuthering im Dezember erschien, nicht nur aufgrund des herrlichen Artworks. Nicht lang darauf strich Gitarrist Steve Hackett die Segel und für viele versiegte nach der darauffolgenden ...And Then There Three...-LP (für mich bereits nach seinem Abgang) die Magie, die dieses Album noch so auszeichnet. Songs wie Blood On The Rooftops oder Afterglow gehören zum Schönsten, was die Gruppe in ihrer gesamten Laufzeit geschrieben hat und das Album zeichnet sich durch eine ganz eigene Ästethik aus, die zwar zu jeder Jahreszeit fesselt, im Herbst aber zu keiner anderen Platte greifen lässt.

 

Überragender Track: One For The Vine


 

6.

 

A Trick Of The Tail

 

Genesis
1976

Genesis - A Trick Of The Tail

Mastermind Peter Gabriel hatte sich nach einer kraftzehrenden Tournee und dem bis dato aufgeblähtesten Album verabschiedet, um die Batterien in ruhigeren Gefilden aufzuladen und etwas Abstand zu gewinnen. Die Band wollte weitermachen, castete etliche Gesangstalente, die den vakanten Posten hinterm Mikro nur zu gerne eingenommen hätten und entschied sich schlussendlich für den eigenen Drummer. Eine Erfolgsgeschichte in vielerlei Hinsicht, die auf der ersten LP mit Collins als Frontmann ihren Ursprung hat und einige der stärksten Kompositionen versammelt, die die Briten während ihrer langen Laufbahn auf die Beine gestellt haben.

 

Überragender Track: Dance On A Volcano


 

5.

 

The Dark Side Of The Moon

 

Pink Floyd
1973

Pink Floyd - The Dark Side Of The Moon

Zeit für das mit Abstand bekannteste Werk dieser zwei in höchstem Maße erfolgreichen Koryphäen. Egal, wen man fragt, die liebe Oma oder den Müller-Buam von der nächsten Ecke, zumindest das Artwork ist geläufig. Kein Wunder, fünfzig Millionen abgesetzte Tonträger sprechen da schon eine deutliche Sprache. Auch beim Inhalt schaut's erfreulich aus, wer das überragende Time schon einmal gehört hat oder das instrumentale The Great Gig In The Sky, der hat bereits Blut geleckt. Abseits seiner starken Einzelteile, die leider nicht allesamt grandios sind (mit Money hatte ich immer schon meine Probleme), wird diese LP besonders für seine einflussreiche Produktionstechniken vergöttert. Overrated? Slightly. Still great? Hell, yeah!

 

Überragender Track: Time


 

4.

 

Selling England By The Pound

 

Genesis
1973

Genesis - Selling England By The Pound

Ach wie überkommt mich hier das Wohlbehagen, schwelge ich in Gedanken an die schönen Pianopassagen von Tony Banks, im sanften Firth Of Fith. Mit I Know What I Like (In Your Wardrobe) gibt's sogar die erste Hitsingle im ansonsten sehr proglastigen Programm. Jede Nummer ist ein Gewinner, egal ob die Geschichte vom Moonlit Knight, von der epischen Schlacht im Epping Forest oder der romantischen Romeo und Julia-Hommage The Cinema Show. Mittlerweile erlangte die Band in England nach und nach Berühmtheit, konnte sich in Ruhe auf den großen Triumphzug im Jahr darauf vorbereiten. Eines ist Selling England By The Pound aber jedenfalls nicht: Nur das 'Album vor The Lamb'.

 

Überragender Track: Dancing With The Moonlit Knight


 

3.

 

Wish You Were Here

 

Pink Floyd
1975

Pink Floyd - Wish You Were Here

Die Bronzemedaille geht an die floydigste aller Floydscheiben, an das makellose Wish You Were Here. Kein anderes Album schafft es, Gesellschaftskritik und die Hommage an einen Freund (und Ex-Kollegen Syd Barrett) so unglaublich konsequent zu verknüpfen und dazu noch ehrlich zu klingen. Die vielleicht größte Überraschung: Mein persönlicher Vorzug für die unentbehrliche, berührende 26 Minuten-Suite Shine On You Crazy Diamond und das herrlich offensive Welcome To The Machine, mit den vielleicht stärksten Synthesizern aller Zeiten, gegenüber dem vielgeliebten Titeltrack, der natürlich auch große Klasse ist. Schade nur, dass derjenige, dem das Album gewidmet ist, das alles gar nicht mehr richtig mitbekommen hatte. "Come on you miner for truth and delusion, and shine!"

 

Überragender Track: Shine On You Crazy Diamond


 

2.

 

Foxtrot

 

Genesis
1972

Genesis - Foxtrot

Wir nähern uns der Entscheidung. Der zweite Platz für das atemberaubende Foxtrot, das mir einst die Türen für die (Gabriel-Ära-) Band öffnete, die sich seither nie wieder schließen sollte. Ich erinnere mich gut, als ich die Scheibe kurz vor der Hochzeit meines Onkels einlegte und bereits nach bzw. schon während des Opener ganz aus dem Häuschen war. Bis heute ist sowohl das Album als auch die besagte Eröffnungsnummer, das kolossale Watcher Of The Skies, bei dem man den verkleideten Gabriel immer vor Augen hat, in der Pole Position in Sachen Genesis. Sämtliche Ideen des Vorgängers Nursery Cryme wurden hier forciert und zu Ende gedacht, das hochkomplexe Megaepos Supper's Ready, mit all seinen Tempo- und Stimmungswechseln und biblischen Anspielungen, ist eine der Landmarkenaufnahmen des Prog-Rock.

 

Überragender Track: Watcher Of The Skies


 

1.

 

The Piper At The Gates Of Dawn

 

Pink Floyd
1967

Pink Floyd - The Piper At The Gates Of Dawn

Surprise, surprise, welch Überraschung! Der Wettkampf zwischen zwei der größten Bands der Siebziger geht natürlich an das einzige Sechzigeralbum in dieser Liste. Wer hier am Ende The Wall erwartet hat, der hat sich wohl geschnitten. Habe ich Prog deswegen einfach nicht verstanden oder liegts nur an diesen magisch verträumten Pop-Songs, die sich der frühere Frontmann Syd Barrett hier ausgedacht hat? Egal eigentlich, das Debütalbum der Floyd ist einfach eines der schönsten und verspieltesten seiner Zeit. Auch heute klingt dieser traumhaft mysthische Mix aus Psychedelic und Pop noch taufrisch, mit Interstellar Overdrive konnte man auch die späteren Proggies schon mal neugierig machen. Die Arrangements sind umwerfend und Barrett ein einmaliger Leader, um den man nach Songs wie Flaming oder Matilda Mother noch mehr trauern möchte. Und auch wenn die Piper nicht gerade das Album ist, nach dem ich in dieser Auswahl am häufigsten greife, so ist es aber jenes, das mich mit jedem Spin am meisten beglückt. God bless Syd.

 

Überragender Track: The Scarecrow


Schlusswort:

... Und so endet der erste Album-Battle zwischen zwei recht ebenbürtigen Bands mit einer zahlenmäßigen Überlegenheit für Genesis, dem Siegeralbum jedoch auf Seiten von Pink Floyd. Fakt ist aber, dass mir erstere Band mittlerweile doch um einiges mehr bedeutet, nach hinten hinaus auch mit dem nicht erwähnten Duke etwa noch viel Freude bereiten kann. Auch in Sachen Spätphase bedeutet mir der Collins'sche Pop-Rock immer noch einen Hauch mehr als alles von Pink Floyd nach 1977. Weder die übertriebene Waters'sche Textlastigkeit, noch die Gilmour'sche 'Textlosigkeit' wussten da nachhaltig zu gefallen, früher hatten sie sich so toll ergänzt. Wie auch immer, es war mir wieder eine Gaudi, euch neuerlich ein paar persönliche Eindrücke aus dem eigenen Plattenregal vermitteln zu können und ich hoffe, ihr hattet Spaß beim Lesen.

 

Mathias Haden, Gelegenheits-Proghead