Yeah Yeah Yeahs - Fever To Tell

 

Fever To Tell

 

Yeah Yeah Yeahs

Veröffentlichungsdatum: 29.04.2003

 

Rating: 7.5 / 10

von Mathias Haden, 06.04.2014


New Yorks heiße Aktie auf Karusselfahrt zwischen dynamischem Punk und melodiöser Ballade.

 

Karen O ist eine coole Sau! Nein echt. Karen Lee Orzolek, Tochter einer Koreanerin und eines Polen (cooler Mix), hat alles, was einen modernen Popstar auszeichnet: Selbstvertrauen, Charisma und Wiedererkennungswert in Aussehen und Stimme und, und, und. Dazu kommen noch ausgefallene Kostüme à la Björk oder Lady Gaga und natürlich zwei talentierte Mitstreiter, mit denen sie seit Anfang des Jahrtausends das dynamische Trio Yeah Yeah Yeahs bildet. Diese Kollegen heißen der Vollständigkeit halber übrigens Nick Zinner (Gitarre) und Brian Chase (Drums). Kennengelernt hatte man sich noch als Studenten, kurze Zeit später erweiterte man sein musikalisches Spektrum (Folk) um ein bisschen Punk und Einflüsse aus dem Kunststudium, tourte unter anderem als Support-Act für die White Stripes und nahm zuerst zwei EPs, und danach das erste Studioalbum auf.

 

Dieses erschien im April 2003 unter dem Namen Fever To Tell und erlangte auf Anhieb viel Medienpräsenz. Rasch wurden die Amerikaner im selben Atemzug mit anderen Bands des aktuellen Garage-Rock/Post-Punk-Revival Hypes genannt und wurden zu einem wichtigen Bestandteil der New Yorker Musikszene.

 

Viel wurde im Vorfeld spekuliert, ob das Debütalbum denn an die vorausgegangenen, positiv aufgenommenen EPs anknüpfen könnte und ob sie diese Leistungen auch auf Albumlänge abrufen konnten. Aber hallo, und wie! Bereits mit Opener Rich und seinem Riff wird klar, dass hier keine Band spielt, die sich auf ihren Lorbeeren ausruht. Von der ersten Sekunde spielt sich das Dreiecksgespann in einen Rock'n'Roll-Rausch der angenehmen Sorte. Auf der ersten Hälfte fühlt man sich stellenweise noch an den Punk der Debüt-EP erinnert, besonders auf den energetischen und ebenso kurzen Man oder Tick, auf dem sich Karen O in einer überraschend ertragbaren Kreischekstase verliert. Primär sind es aber die krachenden Date With The Night und Black Tongue, die zum Ausrasten am Dancefloor einladen. Auf ersterem spielen die drei Jungspunde auf beeindruckende Weise zusammen, Zinner würgt alles Mögliche aus seiner Gitarre raus und die anderen beiden gehen das beachtliche Tempo gerne mit.

 

Auf die größten Zuckerl muss man zwar zeitlich nicht besonders lange warten, allerdings befinden sich diese - derer drei - allesamt auf der zweiten Hälfte der LP. Genaugenommen sogar die letzten drei. Zuerst einmal die melodische, wunderbar vorgetragene Liebesballade Maps, die sich mittlerweile als Indie-Hymne etabliert hat und gerne als hellste Stunde der Band herhalten muss ("Wait, they don't love you like I love you"). Kann man eigentlich bedenkenlos unterschreiben, bis - ja bis - der gleich darauffolgende Track einsetzt. Y Control vereint alle Stärken der Band, das starke Zusammenspiel der drei Freunde, eine großartige Melodie und Orzoleks anspruchsvollen Gesang. Dazu gräbt die Band noch tief im Post-Punk von Spät-Siebziger- und Achtziger-Gruppen wie Siouxsie and the Banshees. Und 'retro' und 'vintage' sind doch immer cool, oder?

 

So rockt das melodische Dreiergespann also wohlwollend und beachtenswerterweise wieder ohne Bassist dahin. Lange Zeit im hauseigenen - man spricht hierbei wohl gern von 'Art-Punk' - Terrain, ehe man dann auf den letzten Tracks die Drehzahl ein bisschen herunterschaltet, einen sanfteren Grundton anschneidet und sich im finalen Stück, der Ballade Modern Romance gänzlich der zuckersüßen Melodie hingibt. Und das funktioniert tatsächlich, das hätte man Karen O nach dem leicht verstörenden Anfall in Tick gar nicht mehr zugetraut. Aber wie ich bereits anfangs erwähnte, hier ist eine ganz besondere Person hinterm Mikro. In ihrer lieblichsten Stimme säuselt sie die letzten Minuten (lässt man den Hidden-Track Poor Song mal beiseite) und man frisst ihr jede Silbe aus den Händen:

 

"Time

Time is gone

It stops, stops who it wants

Well I was wrong

It never lasts

And there is no

This is no

Modern romance"

 

Somit endet die kleine Rundfahrt, die mit selbstbewusstem Punk schließlich in betrübten Realitätsverweisen endet, durchaus positiv. Nicht alles was das Trio anfasst, wird zu Gold. Zu unzwingend teilweise und leider nicht immer konstant. Auf ihrem ersten Longplayer rufen sie ihr unbestreitbares Potenzial damit noch nicht ganz ab, kleine Ausrutscher wie das unpassend überlange und unspektakuläre No No No verzeiht man aber mit einem frechen Augenzwinkern.

 

Immer wenn man bereits glaubt, alles gesehen zu haben, kommt eine frische, kreative und unverbrauchte Band daher, nur um in längst da gewesenen zu fischen, seine eigenen Ideen damit zu vermischen und schließlich wie etwas vollkommen Neues zu klingen. Die Yeah Yeah Yeahs schlugen Anfang des Jahrtausends mit ihrem einzigartigen Stil, der die anderen Bands dieser Ära (z.B. die Strokes) eiskalt stehen ließ und ihrem Gefühl für schöne Rhythmen und einer beeindruckenden Gruppendynamik ein wie eine Bombe. Kommen wir zu guter Letzt noch zum Fazit: Ja, Karen O ist zum einen wirklich eine coole Sau. Und obwohl die emanzipierte Dame sinnbildlich für die ganze Band steht, sind die YYYs aber alles andere als eine One-(Wo-)Man-Show. Dran bleiben, dann entsteht noch etwas ganz Großes!

 

Anspiel-Tipps:

- Maps

- Y Control

- Modern Romance