The Monkees - More Of The Monkees

 

More Of The Monkees

 

The Monkees

Veröffentlichungsdatum: 09.01.1967

 

Rating: 6 / 10

von Mathias Haden, 01.12.2014


Weitere Hits und einige starke Momente von den TV-Affen.

 

Obacht, liebe Pop-Freunde; Bühne frei für die Monkees! Seinerzeit als Pop/Rock- und TV-Stars zu Ruhm gekommen, stehen Micky Dolenz, Peter Tork, Michael Nesmith und der kürzlich verstorbene Davey Jones heute für die Blaupause aller Castingbands. Mit ihrer Fernsehserie 'The Monkees' erreichten sie ein Millionenpublikum, ihre Alben sollten nicht minder erfolgreich bleiben. Ihr Ziel, den Beatles Paroli zu bieten, verfehlten die Amerikaner zwar deutlich, dennoch darf man die Transformation von Laienschauspielern zur funktionierenden Band durchaus mit Respekt goutieren.

Nach dem erfolgreichen, selbstbetitelten Debüt im Herbst 1966 und der 'Monkeemania', die vom Album und der Single I'm A Believer losgetreten wurde, wurden die vier schnell wieder von den Produzenten ins Studio geschickt, um in Windeseile Nachschub zu liefern. Bei den resultierenden Sessions, in denen der Band wie schon am Erstwerk fast ausschließlich nur die Rolle der Gesangsstimmen zuteilwurde, war das Quartett immerhin noch anwesend. Als das Album nämlich Anfang '67 erschien, war alles - von der Songauswahl bis zum Artwork - bereits vom Produzententeam arrangiert worden, die Bandmitglieder erfuhren eher zufällig, dass ihre zweite LP schon in den Läden stand. Das hatte natürlich großen Ärger und Frust zufolge, besonders der wütende Nesmith ließ sich zu einer mittlerweile berühmten Aussage hinreißen, als er More Of The Monkees mit "probably the worst album in the history of the world" beschrieb.

 

Ganz so schlimm ist es freilich nicht geworden, wobei man den Ärger der Band natürlich nachvollziehen kann. Dass das zweite Album zu ihren besten gezählt wird, ist dennoch fragwürdig.

Das liegt allein schon an so mancher lausigen Nummer, zwei davon weit abgeschlagen. Zum einen wäre da das 'ulkige' Laugh, dessen Text mehr aussagt als tausend Gitarren:

 

"Laugh (oh, ha ha ha)

When you lose all your money (oh, ha ha ha)

Or you can't find your shoes (oh, ha ha ha)

To cover your feet (oh, ha ha ha)"

 

Autsch. Die andere wäre der von Jones auf schmalzigste Art und Weise vorgetragene Spoken Word-Track The Day We Fall In Love, der über zweieinhalb Minuten nur triefenden Kitsch mit Streichern abliefert und einfach nur tierisch nervt.

 

Ich bin allerdings - wie ich bei diesem Longplayer immer wieder bemerke - vielleicht der falsche Maßstab, die angeblich besten Tracks erkenne ich jedenfalls nicht als solche. Mit dem Überhit der Band, dem von Neil Diamond geschriebenen I’m A Believer, werde ich nicht erst seit 'Shrek' nicht warm, den winke ich mit seinem flotten Drive und der eingängigen Hook gerade mal als durchaus okayen Song durch, der von der Band stark eingespielt ist. Selbiges gilt für dessen Flipside und zweiten Fanliebling, dem kraftvollen (I'm Not Your) Steppin' Stone, dem ich abseits seiner kurzen Orgelpassagen ebenfalls nicht allzu viel abgewinnen kann. Naja, Hits eben.

 

Dafür gibt es anderswo reichlich hübsche Momente zu entdecken. Ganz vorne: Das einzige von Nesmith gesungene (und auch von ihm geschriebene) The Kind Of Girl I Could Love, das wie schon Papa Gene's Blues des Vorgängers seine vom Produzententeam offensichtlich nicht sonderlich geschätzten Country-Einflüsse wieder einfließen lässt, denen er sich nach seiner Zeit bei den Monkees weiter widmen sollte. Herrlich beschwingte Nummer, exzellent vorgetragen und mit toller Rhythmussektion und Nesmith an der Steel Guitar ordentlich arrangiert. Look Out (Here Comes Tomorrow) ist trotz banalem Text über die schwierige Entscheidung zwischen zwei Mädchen (und romantischer Gedankenschwelgerei) ein Gewinner, funktioniert diese Mid-Tempo Ballade doch besonders dank Jones' beherztem Gesang und seinem mitreißendem Rhythmus.

Wie auf fast jeder erfolgreichen Sixties-Pop-LP gibt’s natürlich Platz für die obligatorische Goffin-King Komposition. Diesmal heißt das Stück Sometime In The Morning, auch hier zählt es mit seinen janglenden Gitarren und einem Dolenz, der vielleicht die beste Gesangsperformance des Albums erzielt, zu den stärksten Cuts. Zu guter Letzt noch die zweite von der Band eigens verfasste Scheibe: Mary, Mary. Auf diesem wenig überraschend ebenfalls von Nesmith verfassten Teil sind es primär die Studiomusiker, die sich mit viel Groove durchrocken und den Äffchen die Show stehlen.

 

Der Rest der LP liegt irgendwo zwischen ordentlichem und überflüssigem Füllmaterial, missen möchte man auf den 33 Minuten aber nur die eingangs als Negativbeispiele herausgehobenen. Denn ganz egal, ob man das Quartett in seinen Anfangsjahren als wirkliche Band bezeichnen möchte oder sich einfach nur an dem minimalen Input der Mitglieder stören will, die Musik spricht über weite Strecken einfach für sich.

Trotzdem kommt More Of The Monkees weder an seinen konstant guten Vorgänger, noch an die besseren seiner Nachfolger ran, dafür mangelt es einfach an durchwegs starken Songs und Durchschlagskraft. Was bleibt, ist eine ordentliche Pop-LP mit starken Momenten, hübschen Melodien und viel, viel Mitleid für die (eigentlichen) Protagonisten, die sich die Kopien vom eigenen Album während ihrer Tour selbst kaufen mussten.