The Black Eyed Peas - The E.N.D.

 

The E.N.D.

 

The Black Eyed Peas

Veröffentlichungsdatum: 03.06.2009

 

Rating: 2.5 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 08.06.2015


Three strikes, then you're out!

 

Natürlich, man könnte mir jetzt vorwerfen, den Bogen zu überspannen mit der dritten beschissenen Black Eyed Peas-LP. Warum denn so viele Zeilen für diese offensichtlich äußerst unertragreiche Truppe? Tja, kurz umrissen, ist "Elephunk" das Album, über das man stolpert, "Monkey Business" ist das, das man wegen der Ohrwurmsingles mitnimmt, und bei "The E.N.D", da will man nur mehr wissen, wie schlecht sie denn wirklich sind. Das hat doch etwas, wenn man mit dem Gefühl hineingeht, es könnte ein epischer Misshit werden, der einen da erwartet. Ok, auf die Musik fährt man nicht ab, aber wenigstens bleibt nachher das Wissen, ich hab auch das gehört. Blöd jetzt, das ist immer noch reichlich unbefriedigend für euch alle, hab ich recht? Machen wir's so: Jeder, der den Review bis zu Ende liest, darf nachher will.i.am einen Kinnhaken verpassen. Das muss als Motivation reichen, denn dessen Verbrechen verschonen auch das fünfte Album der Band nicht im Geringsten.

 

Was jetzt wenig verwundert, nimmt man kurz einmal in Augenschein, was so die großen 'Leckerbissen' waren, die man im Vorhinein serviert bekommen hat. Boom Boom Pow und I Gotta Feeling, oida Vodda. Wie wir alle wissen, ist es geballte Pop-Power, die sich vor uns aufbaut, um uns vollends von diesem Projekt zu überzeugen. Sie äußert sich auch beinahe schon irgendwie positiv, nimmt man den synthetischen Minimalismus der Leadsingle mal ganz unvoreingenommen hin. Zumindest wirkt die Sache zu Anfang futuristisch, viel mehr steckt in den pulsierenden Beats und den ersten Elektronik-Spielereien auch nicht wirklich. Wer nämlich bei dem Titel große textliche Finessen erwartet, der muss sich mit der Zeile "I'm so three thousand and eight / You so two thousand and late" begnügen.

Trotzdem eine vergleichsweise hoffnungsfrohe Sache, verfolgt man dann das Geschehen von I Gotta Feeling. Man muss sagen, dank Kabinenparty, Party Rock Anthem und vielen anderen könnte die Verleihung des Preises fast zur umstrittenen Sache werden, doch BEP bemühen sich wirklich sehr um den Brainlass Party Song Award. Nicht nur, dass der stampfende, monotone Beat umgehend das Innenohr findet und selbiges ordentlich malträtiert. Zusätzlich ist der draufgepackte Text so verdammt schlecht, dass sich wirklich nur die nicht schämen dürfen, ihn zu mögen, die dank des Alkohols bereits seit Stunden nicht mehr Autofahren dürften.

 

Aber keine Sorge, es wird schon. Noch schlechter natürlich. Denn zu dem Zeitpunkt, als die faden Beats und die elendiglichen, immer wieder einsetzenden Synthiewände gerade erste Kopfschmerzen verursachen, stürzt die LP wirklich beinahe ins Bodenlose ab. Im Angebot hätte das Quartett Imma Be, eine noch schlechtere Version des altbekannten Hits My Humps - ja, das geht. Oder aber das dröhnende Party All The Time, dessen unsagbar banaler und fader Sound, natürlich aus zu 100% synthetischen Stoffen, auf so penetrante Art alles zertrümmern will, was er findet, dass es wirklich beginnt weh zu tun. Was aber noch fast verblasst gegen die großartige Zurschaustellung aller lyrischer Finessen, Ring-A-Ling. Es bräuchte ein Stumpf-o-Meter, um genau zu benennen, wie schlimm die grässlichen, sexistischen Zeilen dieses Tracks wirklich sind, verstörend ist es aber auch so. Zu dem Zeitpunkt scheint Hopfen und Malz verloren, weil auch die debile Feel-Good-Nummer Alive mehr nervt als sonstwas und die wirklich beeindruckend gefühlvolle Sehnsuchtsnummer Missing You in grundlos eingeworfenen Synthiewänden der lauteren Sorte untergeht.

 

Was aber dann doch noch passiert, ist so etwas wie Konsolidierung. Wobei der Begriff einem Euphemismus gleich kommt, wenn es eher zu vergleichen wäre mit der panischen Rettung von Passagieren der Titanic, als dass wirklich noch das Schiff selbst seetauglich gemacht werden könnte. Und doch ist man überrascht als mit der funky Bassline und den rhythmischen Retro-Synthies von Out Of My Head passable Minuten warten. Die gibt's auch deswegen, weil tatsächlich Fergie das Ruder übernimmt. Für viele der Sargnagel der Band, ist ihre rauchige Stimme in Wahrheit das Einzige, was hier hin und wieder so etwas wie Natürlichkeit verspüren lässt und dem Rest halbwegs auf die Beine hilft. Genau so hat sie schon vorher die verblödete Pseudo-Romantik von Meet Me Halfway am Leben erhalten und ein bisschen Eindringlichkeit mitgegeben. Und mit dem heuchlerischen, mit Mundharmonika versetzten Anti-Kapitalismus-Track Now Generation und dem recht animierenden Friedensgedudel von One Tribe wirft die zweite Hälfte noch ein paar mehr zumindest durchschnittliche Momente ab. So wenig jede einzelne Zeile dieser LP zu gebrauchen ist, wenigstens soundtechnisch gelingt da ein sympathisches Upgrade, wenn es sich auch vor allem dadurch auszeichnet, dass es wenigstens nicht folterähnliche Formen annimmt.

 

Aber reicht das für irgendwas? Nein, natürlich nicht. Es ist auch nicht alles, denn bisher in der Versenkung geblieben sind die zwei Songs, für die es sich allen Ernstes sogar lohnt, dranzubleiben. Der eine macht eigentlich ganz früh Lust auf mehr, präsentiert sich als überdrehte Party-Hymne. Rock That Body heißt er. Dessen größtes Asset ist, allen vorherigen Gegenaussagen zum Trotz, seine unablässige Aufdringlichkeit mit den massiven Vocoder-Verzerrungen, den dauernd auftauchenden Samples und dem mit großem Abstand frischesten Beat des ganzen Albums. Soundmanipulation in gut eben. Auf der anderen Seite steht das unerwartet natürlich wirkende Showdown, das neben dem eingängigen Refrain auch mit den einzigen ordentlichen Rap-Passagen aufwarten kann, sofern der Begriff Rap überhaupt noch zulässig wäre.

 

Wenig überraschend dürfte jetzt aber sein, dass auch das nicht für sonderlich viel reicht. Man strampelt sich wenigstens noch irgendwie aus dem Abgrund rauf zu einem nicht völlig vernichtendem Urteil. "The E.N.D" hat nämlich abseits seiner zugegebenermaßen ab und zu futuristisch anmutenden Klänge wenig zu bieten. Müde Beats und Synthesizer, die einen entweder einschläfern oder wie ein nasser Fetzen im Gesicht treffen, prägen die Sache, miserable Texte vollenden sie. Das Leben, das im Album steckt, verteilt sich auf einige wenige Tracks, die nicht in die Nähe kommen, die fast 70 Minuten ausreichend auszufüllen. Allein schon deswegen, weil auch dort von musikalischen Großtaten wirklich tunlichst Abstand genommen wird. Es wird also die letzte LP der Black Eyed Peas bei uns bleiben, es war ganz eindeutig der dritte Strike.

 

Anspiel-Tipps:

- Rock That Body

- Showdown