The Black Eyed Peas - Monkey Business

 

Monkey Business

 

The Black Eyed Peas

Veröffentlichungsdatum: 25.05.2005

 

Rating: 4 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 02.08.2014


Wenigstens wissen sie mittlerweile, dass sie nur Partys beehren dürfen und sonst nichts. Das reicht für ein paar nette Minütchen.

 

Kennt man ja schon zur Genüge von Artists aller Couleur. Wenn sie groß werden, dann werden sie auch wirklich groß. Wer erkennt den Unterschied? Niemand? Ok, Erklärung folgt. Wann immer nämlich dem Pop zugeneigte Musiker zu der Ehre kommen, ordentlich Schotter mit ihrer Art der Kunst anzuhäufen (groß #1), dann wartet auf die Fans fast unweigerlich eine aufgeblasene, überproduzierte und bei Zeiten gar an Hochverrat der eigenen Prinzipien grenzende Fortsetzung (groß #2). Und ich will es mir bitte nicht ankreiden lassen, dass ausgerechnet das Bohnen-Quartett wieder als Negativbeispiel herhalten muss. Immerhin gehört die Band zu denen, die in beeindruckender Manier konstant an ihren musikalischen Wurzeln vorbeiarbeiten - es ist der Hip-Hop, ja, wirklich - und somit nur entweder Hass oder Häme von geschulten Ohren einstecken dürfen. Ich traue mich aber zu sagen, "Monkey Business" hätte wirklich stark werden können.

 

Vornehmlich dann, wenn nicht BEP dahinter stehen würden. Denn die Präpotenz eines will.i.am, die nuttige Art von Fergie und die in Sachen Gehirnzellen nicht gerade bevorzugte Gesamtbesetzung lassen sich kaum ausmerzen. So ungefähr als würde man die neu gekaufte Hose daheim anprobieren und merken, es zwickt eben doch hier und dort und so super schaut's dann eigentlich auch nicht mehr aus, das Teil. Um aber endlich zur Musik voranzuschreiten, soll gesagt sein, dass diesmal ein Schritt in die richtige Ecke gelingt. Mittlerweile scheint man nämlich erkannt zu haben, welches Publikum man denn anspricht, und so stellt das Album einen großen Versuch dar, perfekt zusammengeklöppelte Dance-Hits zu bewerkstelligen. Das, verfeinert mit einer Flut an unterschiedlichen Genre-Einflüssen und dem ein oder anderen relaxten Popsong, gibt doch ein sympathischeres Bild als zwei Jahre früher.

 

Immerhin darf man nämlich den Singles Don't Phunk With My Heart und Don't Lie zugestehen, dass sie als animierende und gleichzeitig nicht zu aufdringliche Sommerhits bestens geeignet sind und noch dazu Fergie diesmal einen unendlich besseren Job erledigt und ihrem Ego in den Refrains auf die bessere Art freien Lauf lässt. Beide sind nicht ungroovig, tragen ihre stimmigen Beats nicht mit voller Wucht in alle Ohren und sind ein Beweis dafür, dass das gekünstelte Duo Fergie/will.i.am doch recht ordentlich harmonieren kann. Zwar wird man das Gefühl nicht los, an produktionstechnischer Politur und einem Maß Monotonie wäre nicht gespart worden, aber es klingt nach einer Band, die ihren Platz gefunden hat. Die zurückgelehnte Stimmung tritt die Band glücklicherweise auch nicht ewig breit. Das Jack Johnson-Sample in Gone Going sorgt für ebensolche Minuten, genauso wie die ordentlich gerappte jazz-angehauchte Nummer Like That mit allerlei Unterstützung von Talib Kweli bis John Legend.

 

Doch abseits davon gibt's doch gute Abwechslung, vor allem in Form der stupiden Party-Tracks Pump It und Dum Diddly und obwohl ich kaum glaube, dass ich das schreibe, gerade Letzterer schafft's Spaß zu machen, auch wenn man gar nicht darüber nachdenken muss, was hinter dem Titel steckt - welch Überraschung, es ist: Nichts. Aber der Beat ist so abgehackt wie möglich, schafft es trotzdem nicht brachial zu wirken und die pseudo-funkige Art, die die Band immer schon vor sich her getragen hat, macht zumindest hier mitsamt Reggae- und Dancefloor-Enschlag keinen schlechten Eindruck. Insofern kann man den Jungs und dem Mädel vor allem für die Wahl der Singles gratulieren, denn immerhin drei davon gehören allemal hier zum Rettungsanker der LP.

 

Wer sich nämlich gefragt hat, warum bei dem Rating doch alles so positiv wirkt, wird nun eines Besseren belehrt. Denn der mit Abstand größte Fehler hier ist eine Länge von über einer Stunde, die für genug Momente zum Kopfschütteln und Einnicken sorgt. Jedem sollte ja auch der Ausbund an infantiler Blödheit bekannt sein, den die Band My Humps getauft hat. Eine sexistische und stupide Frechheit, aufgebaut auf einem komplett nutzlosen Beat mit Minimalistenleistung drumherum und einer unausstehlichen Performance vom vorher gelobten Lead-Duo. Ähnlich banal gibt sich Disco Club, in dem außer Beat und Claps dann überhaupt Leere herrscht, auch dank der peinlichen lyrischen Ausdünstungen. Und zumindest in der Langweilerfraktion, wenn auch dann mit weniger anstößigen Texten, gibt's genügend Gesellschaft. Denn der störrische, unrhythmische Synthie-Sound von Ba Bump mit miesem R'n'B-Sample kann kaum überzeugen, genauso wie die an Vorgänger "Elephunk" erinnernde 08/15-Nummer Feel It, die zwar smoothe Clubstimmung aufbaut, aber nie auf irgendeiner Ebene aufgeweckt wird.

 

Zur Rettung heranschreiten sollten die namhaften Gäste und Sample-Hilfen. Der Folk-Sunnyboy Johnson durfte schon, Funk-Legende James Brown darf noch. Dessen Mind Power versteckt sich in They Don't Want Music und sorgt dort tatsächlich mal für ein funkiges Feeling in einem Track, der von starker Percussion und stark eingesetzem Bläser-Sample lange gut getragen wird. Blöd nur, dass auch lange nicht genug ist für die fast sieben Minuten Laufzeit und so trotz gutem Saxophon-Solo mehr Anstrengung zurückbleibt, als eigentlich nötig gewesen wäre. Ganz abgesehen davon, dass ein Song mit dezenter Kritik am Wert heutiger Musik wohl dann doch nicht unbedingt von den Black Eyed Peas kommen muss. Und so wird auch daraus kein Hit. Genauso wenig wie aus der Rückkehr von Justin Timberlake oder einer merkwürdigen Englishman In New York-Leihgabe von Sting für den Closer Union.

 

Was ihnen so allerdings dezidiert nicht vorzuwerfen ist, ist es nicht versucht zu haben. Denn hier spielt sich fast in jedem Song Neues ab, überall gibt's andere Genres und die Gaststars stapeln sich teilweise. Der kolossale Fehler dabei ist und bleibt aber der Main Artist, allen voran will.i.am, unter dessen Ägide sich diese LP zu einer Fülle an Dance-Tracks entwickelt hat, die alle doch bitte Tag und Nacht in jedem Club zu laufen haben. Dass so aus wirklich vielen guten Ansätzen allzu oft nur lauwarme, manchmal wirklich grausige Minuten entstehen, wird wohl niemandem überraschen.

 

Aber trotz einer keineswegs geänderten inhaltlichen Leere, bis hin zu Kopfschüttel-Zeilen, und massig Wegwerfmaterial schaffen die Peas hier einen Schritt nach vorn. Sie haben nämlich auf das Pferd der Catchyness gesetzt und auch wenn das nicht immer aufgeht und man nicht umhin kommt, die Länge von 66 Minuten in Frage zu stellen, gibt's die kurzweiligen Songs, die lockeren Radiohits, sogar die ambitionierten lassen sich finden. Kein Grund zum Jubel und eine Fehlerquote wie jedes Windows-Betriebssystem ist augenscheinlich, aber man ist ja dieser Tage leicht zufrieden, wenn groß so oft auch groß bedeuten muss.