Selena Gomez & The Scene - When The Sun Goes Down

 

When The Sun Goes Down

 

Selena Gomez & The Scene

Veröffentlichungsdatum: 21.06.2011

 

Rating: 4 / 10

von Mathias Haden, 13.08.2015


Die Suche nach sich selbst führt über holprige Pfade zwischen Aktualität und fragwürdiger Inspiration.

 

Huch, schon wieder ein Teenstar im Fokus. Gerade erst Miley 'Hannah Montana' Cyrus und den Biebster abgewatscht, gibt es Nachschub aus dem sonnigen Hollywood. Warum man aber auch jedem süßen Lächeln, der aus dem Disney Channel herausstrahlt, ein Mikro, eigene Duftmarken und unzählige weitere Entfaltungsmöglichkeiten um die Ohren wirft - Wirtschaft rechtfertigt doch wirklich alles. Und doch, Selena Gomez ist irgendwie anders; zumindest war sie das einst. Hinter ihrer niedlich zarten Erscheinung wollte man stets mehr sehen als blankes Dollar crawling, ihr Sauberfrau-Image konnte sich das ehemalige Disney-Prinzesschen im Gegensatz zu beiden oben genannten noch behalten. Mittlerweile sieht alles freilich anders aus, der Name längst nicht viel mehr als eine lukrative Marke. Verdruss? Keineswegs, dem gemeinen Musikkritiker hatte die Amerikanerin ohnehin wenig zu sagen. Mit ihrer Backingband The Scene trieb sie einige Jahre ihr juveniles Unwesen, ehe sie sich dieser entledigte. Wie üblich für einen Teenie unserer Zeitalters stand die Zusammenarbeit in einem elektronischen Licht, die fast obligatorische Dance-Pop-Mischung mit Elementen aus Pop-Rock, EDM und dezentem Disco-Feeling sollte zum Markenzeichen der Mannschaft werden.

 

Diese Ansätze sind es auch, die auf der vorerst finalen Veröffentlichung der Truppe, dem 2011 erschienenen When The Sun Goes Down, zusammentreffen. Opener Love You Like A Love Song schwelgt zu einem dröhnenden Elektrobeat, während Gomez zum gefühlt x-ten Mal ihrer favorisierten Emotion die Ehre erweist. Ihre Stimme wirkt verbessert, gut gealtert, nicht mehr so dünn und ausdrucksstärker, die gewöhnungsbedürftige, billige Elektronik, die schon die vorangegangenen LPs immer wieder im Schwitzkasten hatte und hier forciert wird, dazu ihre wenig versierten Fähigkeiten als Songwriterin, haften ihr aber weiterhin dicht an den Fersen.

Nur allzu gerne würde man behaupten, nach zwei Studioalben voll mit den üblichen Teenager-Thematiken rund um boyfriends, crushs, nicht endenden Sommern und bittersüßen Liebesgedanken wäre es langsam Zeit für einen Blick über den Tellerrand der pubertären Schwerelosigkeit - der 19-jährigen, vermutlich frei von jeglichem Einflussbereich agierenden Sängerin aber einen Vorwurf zu machen, kommt hier jedoch nicht in Frage. Wenn sich die Protagonistin aber zu den garstig zischenden Synthies von Whiplash einer banalen, in gescheitertem Bemühen nach einem Hauch von Laszivität völlig wirkungslosen Performance hingibt und nicht viel mehr tut, als kostbare Zeit totzutrampeln, dann sei eine ernsthafte Warnung ausgesprochen. Noch schlimmer sind nur die einleitenden, semierotischen Schmunzler von Bang Bang Bang. Während die Band hier erstmals erfrischend packende Elektronik aus dem Hut zaubert, klingt Gomez gesanglich noch weniger wie sie selbst, als es die ohnehin nicht besonders ausdrucksstarke Stimme überhaupt zulassen würde (der ermüdende Text tut sein Übriges).

 

Immerhin weiß sie diese immer wieder ganz gut in Szene zu setzen. Das leicht moralinsaure, in Richtung Born This Way von Lady Gaga gehende Who Says, auf dem die Sängerin die aufbauende Stimme aus dem Hintergrund mimt, steht ihrem kleine, liebe Schwester-Image, das an Beth von Louisa May Alcotts Klassiker 'Little Women' erinnert, verdammt gut, zeigt, was in gesanglicher Hinsicht möglich wäre und bietet obendrein einen exzellenten Popsong mit insgesamt doch hübscher Message. Ausgerechnet auf der potenziellen Club-Hymne und Sommernachtstraum We Own The Night gelingt Gomez ihr zweiter Streich. Mit erneut abgespeckterer Elektronik und smoothem Zusammenspiel aus Rhythmussektion und fast schon jangelnden Gitarren bieten Selena und ihre Scene zusammen mit Gastsängerin Pixie Lott eine packende Show ab, zelebrieren sanfte Pop-Kunst und schmettern mir nichts, dir nichts direkt die zweite Killer-Hook hin.

 

Leider zieht sie diese Trumpfkarte der verhältnismäßig luftigeren Arrangements viel zu selten. Die Dominanz der Synthies vom Vorgänger scheint ein wenig verblasst zu sein, der dröge 80s-Dancefloor-Elektroniksound mutet oftmals ungut an. Bang Bang Bang bedient sich schamlos bei La Roux, fährt in seiner Synthpop-Experimentierfreudigkeit musikalisch wie erwähnt besser als erwartet, Hit The Lights mutiert dementgegen nach abwartendem Beginn zur hämmernden Eurodance-Bombe, die auch in einem Helene Fischer-Set nicht fehl am Platz wäre, in diesem Kontext aber gewaltig übers Ziel hinausschießt. Als mühsam entpuppt sich auch das verruchte Outlaw, das in ferne, spacige Sphären entführen soll, dem in seinem Refrain mit quäkender Stimme und polterndem Beat aber bereits wenige Meter nach der Ausfahrt der Sprit ausgeht.

 

Der Rest bewegt sich irgendwo zwischen ordentlich und mäßig. My Dilemma mit seinen flimmernden Keyboards und seiner bestimmten Sängerin macht einiges dafür, dem Album ein spätes Highlight zu bescheren, dem vielversprechenden That's More Like It macht sein lächerlicher Text einen Strich durch die Rechnung und Closer Middle Of Nowhere verliert sich trotz bravem Gesang und fetter Hook in seiner aggressiven Weinerlichkeit. Und wenn dann auch der Titeltrack nicht die erforderliche Trendwende bringt, dann balancieren Selena Gomez, The Scene und When The Sun Goes Down doch deutlich unter der Durchschnittslatte hindurch. Vieles an Arrangements und Gomez' Performance als Sängerin und partieller Songschreiberin wirkt verbessert, lockerer und einfach reifer. Selbst die gewünschte Erweiterung des Horizonts wurde erfüllt und doch... irgendwie mangelt es dem dritten Album an etlichem. Ob es nun die zugegeben infantilen, aber überwiegend mitreißenden Pop-Rock-Hymnen des Debüts sind, der leidenschaftliche Dance-Pop des pubertären Vorgängers oder einfach nur der an allen Ecken mangelnde Spaß, der sich seltener als zuvor einstellt, sind, die fehlen, darüber lässt sich nur spekulieren. Gomez wirkt jedenfalls, als hätte sie sich anno 2011 noch nicht wirklich gefunden und hämmert einfach durch die Bank alles auf die Scheibe, das sich mit Trends und Inspirationsquellen rechtfertigen lässt; fragt sich nur, wie lange noch. Wohl bekomm's...

 

Anspiel-Tipps:

- Who Says

- We Own The Light

- My Dilemma