Rihanna - A Girl Like Me

 

A Girl Like Me

 

Rihanna

Veröffentlichungsdatum: 10.04.2006

 

Rating: 4 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 13.06.2014


Dröge Beats treffen langweiligen Gesang: SOS, please someone help her...

 

Da kann man schon neidisch werden. Barbados, beliebter Urlaubsort unter Kennern, dem durchschnittlichen Ösi aber doch recht unbekannt. Das ganze Jahr über warm mit geringen Temperaturunterschieden, einfach ein hübsches kleines Inselchen in den Kleinen Antillen. 'Ist das alles?', höre ich euch fragen. Nun, nicht ganz. Unter den Bürgern des nicht mal 300 000 Einwohnern - was etwa der Bevölkerung von Graz entsprechen würde - umfassenden Staates findet sich immer wieder mehr Prominenz, als im 8,5 Millionenstaat Österreich. Zumindest in der Popmusik wird der Unterschied besonders eklatant, haben wir doch global gesehen mit Falco, Opus, Christina Stürmer und Conchita Wurst (das musste doch noch kommen) eine recht dürftige Ausbeute. Dem gegenüber stehen mit dem in Barbados geborenen Grandmaster Flash, dem ersten Hip-Hopper in der Rock 'n' Roll Hall of Fame und Rihanna, dem von Rekord zu Rekord eilenden Dukatenesel beachtliche Kaliber entgegen.

Um Letztere geht es heute. In nicht einmal zehn Jahren hat es die heute 26-jährige geschafft, sich unter die bestverkauften Interpreten aller Zeiten zu katapultieren, neben Kanye West und Lady Gaga gehört sie zu den einflussreichsten Künstlern ihrer Generation.

 

Nachdem nicht mal ein Jahr zuvor Debütsingle Pon De Replay zum Sommerhit des Jahres avancierte und Dancehall international wieder cool machte und überhaupt das ganze Einstiegswerk von einem sommerlichen Flair durchzogen war, das zwischen Club und Strand pendelte, ist A Girl Like Me noch wesentlich urbaner angehaucht. Die Reggae- und Dancehall-Einflüsse vom Debüt sind in kaum abgeschwächter Form noch vorhanden, räumen Pop und R&B aber mehr Platz ein und stilistisch bietet die Barbadierin sowohl Partyhymne als auch erstmals (vorwiegend) Herzschmerzballade. Die Songs handeln von den Erfahrungen und den typischen Alltagssorgen junger Frauen, darunter auch jene der etwa 18-jährigen Rihanna selbst, darum spricht die Chanteuse auch von einem sehr persönlichen Album.

Leadsingle und Opener SOS knüpft nahtlos an den Spirit von Pon De Replay an, sampelt Soft Cells' klassische 80s-Version von Tainted Love und wurde mit seinem mitreißenden Beat zum Kracher auf jeder Fete. Gerade die Verarbeitung des Samples wurde von Kritikern mit Handküssen aufgenommen und Fans taten ihr Übriges, um Rihanna zu ihrer ersten Nummer 1 in den USA zu verhelfen. Lässt man aber die vielschichte Produktion mit Synthies und dem anderen Schnickschnack beiseite, bleibt nur der übliche Kitsch übrig: "S-O-S, please someone help me / It's not healthy for me to feel this / Y-O-U are making this hard / You got me tossing and turning can't sleep at night".

 

Überhaupt ist das zweite Album der Mittlerweile-Provokateurin ähnlich dem Vorgänger eine recht zerfahrene Angelegenheit. Nur allzu oft drängt sich bei der dreizehn Stücke fassenden Tracklist der ungewünschte Begriff 'Filler' auf. Weder auf den Nummern, die ihre karibische Herkunft unterstreichen, noch auf den kommerzielleren, geradlinigeren, kann sie ihr Potential ausspielen. Was nicht im Geringsten daran liegt, dass die Produktion unfassbar schlecht wäre oder die Sängerin selbst eine schwache Performance ablegt. Es sind lediglich die Songs, die sich in einer beeindruckend konstanten Belanglosigkeit sonnen. Wie so oft, wenn ein umfassendes Songwriter-Team im Hintergrund die Fäden zieht, nimmt man der Protagonistin ihre Worte nicht immer ab. Weder auf dem romantischen A Million Miles Away, dem Schmerz von Final Goodbye oder dem Selbstbekenntnis Selfish Girl kommen die Botschaften beim Hörer an. Was aber auch daran liegt, dass sich die junge Rihanna den Vorwurf gefallen lassen muss, nicht die Intensität und Emotion anderer Sängerinnen aus dem Soul/R&B-Bereich in den Auftritt einfließen zu lassen. Viel zu brav säuselt die Barbadierin zu ebenso braven Beats und geht nur selten den schweren Weg.

 

Den gelungensten gibt es auf der erfolgreichen, vom Kollegen Ne-Yo verfassten Single Unfaithful, wo sie ihre Stimme gut einsetzt und die üppige Produktion aus Klavier und Streichern, die dem Song eigentlich gar nicht schmeichelt, aber in seiner eher düsteren Gesamtheit überraschend funktioniert, auf Distanz hält. Angenehm auch die zurückgelehnte Mid-Tempo Ballade We Ride, die von leeren Versprechungen und Jugendträumen erzählt und auf dem sich mit softem Beat und gutem Groove ein wenig Rihannas R&B-Seite in den Fokus bewegt. Der letzte Track, der eine positive Erwähnung verdient, ist der Dancehall-Burner mit elektronischem Reggae-Beat, Break It Off. Der kickt von der ersten Sekunde weg, mit viel Dynamik und endlich mal ein wenig Mitreißpotential. Blöd nur, dass Sparringpartner und Genreheld Sean Paul ihr komplett die Show stiehlt und sich den Track zu Eigen macht. So läuft es auch auf Dem Haters, auf dem ihr Landsmann und unbeschriebenes Blatt Dwaine Husbands den Rang abläuft und der Künstlerin zeigt, wie man gefühlvoll singt.

 

Zweiter Anlauf, zweite Pleite. Denn genau so wenig, wie das Cover einen erotischen Effekt innehat, kann A Girl Like Me auf musikalischer Ebene überzeugen. Dröge Beats, langweiliger Gesang und die typischen Teeniegeschichten für pubertierende Mädels. Dass Rihanna hier das totale Debakel abwenden kann, ist nur einem Umstand geschuldet: Hier agiert eine junge Künstlerin, die wenigstens den Eindruck vermittelt, dass sie singen kann. Sie tut es hier nur viel zu selten. Vielleicht hat sich Jay-Z ja doch die richtige Schülerin angelacht...

"Mirror Mirror on the wall

Catch me now before I fall

I wish I may, I wish I might

Find the Answer here tonight"

 

Anspiel-Tipps:

- Unfaithful

- We Ride

- Break It Off