Papa Roach - Metamorphosis

 

Metamorphosis

 

Papa Roach

Veröffentlichungsdatum: 24.03.2009

 

Rating: 3 / 10

von Mathias Haden, 25.04.2015


Weichgespülter Rock und leere Versprechungen - die Abwärtsspirale dreht sich weiter.

 

Meine Güte, jetzt haben die es auch schon zum dritten Eintritt bei uns gebracht - Kaliforniens ganzer Stolz meldet sich mit LP Nummer 6 zum Rapport: Papa Roach und etwas, das nach Aufbruchsstimmung riechen könnte, das Hoffnung schürend betitelte Metamorphosis. Drei Jahre waren seit der letzten Veröffentlichung von Jacoby Shaddix und seiner wilden Gefolgschaft vergangenen, eine Zeitspanne, die uns immerhin in den Genuss der essenziellen MTV-Serie 'Scarred' brachte und uns wünschen ließ, der extravagante Sonderling würde uns für immer in dieser Rolle als hammerharter Sprücheklopfer mit den präzisesten One-Linern erhalten bleiben. Aber der vergänglichen Natur des Lebens entsprechend, war diese fruchtbare Symbiose der Extraklasse nur von temporärer Beschaffenheit und Shaddix zog es bald zurück zu seiner wahren Berufung als Rock-Messias. Bevor ich im Folgenden den Ironie-Modus wieder auf ein gesundes Maß herunterschraube und hoffentlich bald zum Wesentlichen voranschreite, nun ein kurzer Schweigemoment auf krasse Unfälle, zweifelhaft überdrehte Helden und den guten Geschmack.

 

Nun gut; Augen und Ohren sind wieder voll konzentriert und in aller Unbefangenheit auf das heute besprochene Werk gerichtet, los geht's mit Metamorphosis! Dabei ist der Name alles andere als Programm. Statt einer Inszenierung, die man auch nur im entferntesten mit dem Begriff 'Entwicklung' in Verbindung bringen könnte, rocken sich die 'Kakerlaken' in alter und bewährter Manier durch die Tracklist und knüpfen direkt an ihren charakteristisch werdenden Sound an, der sich vom frühen, dynamischen Nu Metal einem glatteren Alternative-Rock angenähert hat. Apropos Tracklist: Dieser verdankt der in vorsichtiger Neugier verharrende Hörer ebenfalls einen kleinen Hoffnungsschimmer. Mit einem instrumentalen Opener (Days Of War) und dem anschließenden Titel Change Or Die deutet kurzzeitig tatsächlich einiges auf Fortschritt und Weiterentwicklung hin. Bereits die ersten Sekunden von besagtem, letztgenannten Track führen diese Überlegung aber ad absurdum, mit gesunder Härte und erfreulich energetischem Zusammenspiel fährt der aber einen überraschenden Sieg ein. Da tut es auch nichts zur Sache, dass man schon genug von ihren einfallslosen Titeln (wir erinnern uns an Do Or Die) und Songtexten hat.

 

Es wären aber doch nicht Papa Roach, würden sie sich auf ihren früh gezückten Lorbeeren ausruhen - schlimmer noch, trampeln sie die Bedecktsamer mit einer beinahe beachtlichen Sorgfalt geradezu in den Boden. Konkret heißt das: Nach dem gelungenen Auftakt herrscht lange Zeit leidige Tristesse. Lead-Single Hollywood Whore bildet mit seiner knüppeldicken Abrechnung mit Paris Hilton, Nicole Richie - und wie sie alle heißen mögen - den Soundtrack für rebellisch pubertäre Teenager, bleibt mit seinem vor Klischees triefendem Text und seinen weichgespülten Riffs aber rasch auf der Strecke: "Hollywood whore, passed out on the floor / I'm sorry but the party's over" - Oh yeah! Besser wird es auch in der Folge nicht, I Almost Told You That I Loved You ist zwar mit seinem stampfenden Beat und halbwegs bissigem Riff einigermaßen gut bedient, kann es aber mit seinem peinlichen Text erneut nicht vermeiden, die üblichen Fettnäpfchen frontal zu erwischen: "I'm the hardest motherfucker to please".

So zieht sich die Geschichte bis zum Ende hin wie ein alter Kaugummi, zwischen Pseudo-Hard-Rock (Into The Light) und kantenlosem Pop (Carry Me) verkommen Papa Roach zur gesichtslosen Rockband, die es alten Fans ebenso recht machen will wie neuen und auch die Billboard-Charts keine Sekunde aus den Augen verliert, gleichzeitig aber ihr bis dato schlechtestes Album zusammenzimmert. March Out Of The Darkness sorgt im spärlich gehaltenen Akustikgewand für erfreulich abwechslungsreiche Momente - zumindest kurz, bevor eine wenig harmonische Mischung aus leise und laut, sanft und hart einsetzt, Carry Me ist eine schwächere Version der mittelmäßigen Nickelback-Popballaden. Leider Gottes nehmen die fundamentalen Fehlentscheidungen hier kein Ende, die beiden längsten und mitunter trägsten Stücke am Ende zu platzieren ist nur die Kirsche am biederen Pseudo-Hard-Rock-Sahnehäubchen. Während sich die Band bei Nights Of Love wieder einmal nicht so recht entscheiden kann, ob sie beim lauwarmen Pop-Song oder der müden Rock-Ballade bleiben soll, gibt es mit dem unglaublich unspektakulären State Of Emergency eine banale Standard-Bandnummer mit faden Strophen, unpassend wilden Refrain-Ausbrüchen und letztlich nur dem adäquaten Abschluss eines selbst für ihre Verhältnisse erschreckend belanglosen Albums.

 

Dass dieses letzten Endes nicht zum völligen Debakel ausufert, verdankt es Schützenhilfe aus einer unerwarteten Ecke, der Pop-Rock-Hymne Lifeline. Diese funktioniert mit ihren sonnigen Riff, ihrer schwungvollen Melodie und einer Leichtigkeit, die dem Rest der LP abgeht, und sticht als kleiner, in der Endabrechnung aber wesentlicher Lichtblick heraus.

In dieser steht das sechste Studioalbum der Kalifornier trotzdem auf verlorenem Posten, wie lediglich zweieinhalb brauchbare Stücke und einiges, das man mit Bauchweh durchwinken könnte, recht eindrucksvoll belegen. Mit Metamorphosis liefern Papa Roach nach drei Jahren und etlichen Narben somit eine LP, die mit ihrem Titel praktisch nichts gemein hat und mit ihrem halbherzigen Mix aus Pseudo-Metal und softem Rock niemals einen homogenen Kompromiss findet, indes aber den ersichtlichen Abwärtstrend weiter prolongiert.

 

Anspiel-Tipps:

- Change Or Die

- Lifeline