Michael Nesmith & The First National Band - Nevada Fighter

 

Nevada Fighter

 

Michael Nesmith & The First National Band

Veröffentlichungsdatum: ??.??.1971

 

Rating: 7 / 10

von Mathias Haden, 19.09.2016


Die langsame Abwärtsspirale kommt am letzten gemeinsamen Album zum Stillstand.

 

Trilogien sind dieser Tage ja das Maß aller Dinge in Sachen Beliebtheit beim Volk. In Zeiten, in denen jeder Blockbuster vor Beginn der Dreharbeiten schon als potenzieller Dreiteiler gehandelt wird und "Star Wars" als Trilogie an Trilogien überhaupt ein Sonderstatus in dieser Rückbesinnung an die Vorzüge der Heiligen Dreifaltigkeit zukommt, ist die Zahl 3 mittlerweile wohl prominenter als lucky number 7. Einer, der unfreiwillig diese Entwicklung des Beliebtheitszuwachses begünstigte, bevor diese überhaupt in Sicht war, ist der gar nicht so heimliche Visionär Michael Nesmith. Der hatte zwar nicht vor, eine Trilogie an Alben zu veröffentlichen und einfach aus alten Tagen viele unverwendete Songideen übrig, andererseits kauften seine Platten anno 1970/71 ohnehin nur ein paar eingefleischte Monkees-Fans oder unverbesserliche Patrioten, die den Artworks seiner LPs mit seiner First National Band einiges abgewinnen konnten.

 

Gut, den satirischen Teil der Einleitung braucht man nicht allzu ernst zu nehmen. Michael Nesmith darf sich, allein schon für seine besondere Rolle in der Entstehung von Musikvideos und MTV, zwar tatsächlich einen Visionär nennen, seine Platten mit der First National Band sind aber trotz aller Experimentierfreude nicht zu musikhistorischen Meilensteinen herangewachsen. Was natürlich nichts daran ändert, dass es sich um feine Werke handelt - so auch die letzte gemeinsame Arbeit, Nevada Fighter. Wie bei den meisten Alben aus der Zunft des Ex-Monkees spielt auch hier eine gewisse Exzentrik eine präsente Rolle. Hantierte Nesmith am Vorgänger Loose Salute noch mit Elementen aus Funk, R&B oder Latin und bewies damit auch dort wieder großen Innovationsgeist, geht es auf Nevada Fighter wieder etwas gesitteter zu. Dabei macht es Sinn, die Besprechung der Platte in zwei Teile, genauer gesagt in zwei LP-Hälften zu teilen. Denn die erste Seite ist lediglich mit aus den eigenen Gehirnwindungen entstammenden Stücken gefüllt, während die zweite zur Gänze aus, teils obskuren, Cover-Entscheidungen besteht.

 

Wenig überraschend ist es die A-Seite, die den besseren Eindruck hinterlässt. Zwischen dem obligatorisch gewordenen Country-Rocker, der hier in Fan-Favorit Grand Ennui und dem unbarmherzig voranpreschenden Titeltrack samt mächtiger Orgel und schrulliger Textzeilen ("And the bygone, half-grown, high-flown cyclone rides") seine Repräsentanten vorfindet und den gewohnt jauligen Balladen, die oftmals nur haarscharf an der Grenze zum Kitsch vorbeischrammen, sucht der Musiker auch auf der dritten LP sein Heil. Viel zur Güte des Albums trägt Propinquity (I've Just Begun To Care) bei, einer der besten Songs aus Nesmiths Feder. Wie sich Papa Nez Stimme hier wieder windet und wie sich die Pedal Steel an diese anschmiegt, ist verdammt klasse, dazu findet der Sänger wie so oft die richtigen Worte für eine Situation, die so mancher vermutlich kennen dürfte:

 

"I know I've been blind
To not have loved you all this time
But the image of you wasn't clear
I guess I've been standing too near"

 

um schließlich zum Fazit zu gelangen:

 

"Yes, I've known you for a long time
But I've just begun to care"

 

Auch die anderen beiden ruhigeren Nummern, Here I Am und Only Bound verdeutlichen wie schon Joanne oder Lady Of The Valley zuvor, dass Nesmith immer für starke Balladen zu haben ist. Vor allem, wenn seine Stimme von Wehmut gezeichnet, eine dezente Note der Brüchigkeit adaptiert.

 

Von der ist auf der zweiten Hälfte nicht allzu viel zu hören. Was auch damit verbunden ist, dass hier eine heterogene Auswahl an Covers vertreten ist. Die beste ist zugleich die älteste. Tumbling Tumbleweeds, ein populärer Cowboy Song aus den 30ern, mutet mit seinem eingangs fast psychedelisch verzerrten Gesang merkwürdig an, reift aber zu einer durchaus brauchbaren Hommage heran. Daneben stehen mit I Looked Away von Eric Clapton und Rainmaker von Harry Nilsson zwei countryfizierte Pop-Songs zu Buche. Klingt merkwürdig, ist es bei Nesmiths Vergangenheit als Pop-Monkee mit Hang zu countryesken Stücken aber gar nicht. Essenziell sind beide Nummern indes nicht, aber solide vorgetragen und recht gut umgemünzt. Dazu gibt es noch das ordentlich einlaufende, in seinem Verlauf aber immer träger werdende Texas Morning und ein redundantes Instrumental.

 

Was beide Seiten eint, ist neben einem starken, aber im Vergleich zu den beiden vorigen LPs seltener brillanten Protagonisten wieder einmal der Pedal Steel-Spieler O.J. Rhodes, der den Unterschied macht und nicht umsonst einer der allergrößten seiner Zunft ist. Der darf zwar für den unnötigen Instrumental-Closer René verantwortlich zeichnen, ist aber wie auf allen gemeinsamen Alben Nesmiths größter Trumpf. Ihm gelingt es immerhin, auch den spannungsbefreiten Minuten einiger Covers das nötige Leben einzuhauchen. Dadurch kann er zwar nicht verhindern, dass das Album gegen Ende immer mehr abbaut, aber er verlangsamt die Abwärtsspirale, die sich in der gemeinsamen Arbeit bemerkbar macht, deutlich. Letztlich trennt Loose Salute und Nevada Fighter zwar nur ein halber Punkt, doch gehen die Tendenzen bei beiden in entgegengesetzte Pole. Nesmith selbst wusste jedenfalls, dass es Zeit für Veränderung war. Und so war die Second National Band bald geboren. Die dritte lässt knapp fünfundvierzig Jahre später jedenfalls noch auf sich warten...