Kid Rock - The History Of Rock

 

The History Of Rock

 

Kid Rock

Veröffentlichungsdatum: 30.05.2000

 

Rating: 2 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 01.12.2013


Ein Mahnmal für alle Hip-Hop-Neulinge späterer Jahre, wie man es bitte nicht machen soll.

 

Warum? Man beantworte mir auf der Stelle diese Frage! Wieso existiert so etwas? Man muss sich das erst einmal vorstellen. Da kommt irgendein komischer Typ daher, der offensichtlich nicht viel kann und sich deswegen in den Kopf setzt, er probiert's mal mit Musik. Diese im Grunde genommen lächerliche Person bekommt aber tatsächlich irgendwann einen Plattenvertrag und darf, wenigstens fernab von medialer Aufmerksamkeit, drei Alben aufnehmen. Nachdem die Kombination aus hartem Rock und Hip-Hop gerade im Trend ist, hat der dann aber auch noch Erfolg damit. Und der macht MILLIONEN. Was ist denn das für eine Frechheit. Immerhin ist Kid Rocks größte Leistung wohl auch bis heute noch, dass er für ein halbes Jahr mit Pamela Anderson verheiratet war.

 

Okay, lassen wir diese Objektivität völlig außer Acht lassende Eröffnung mal hinter uns. Aber es ist ja doch ein unbegreifliches Phänomen, dass diese Witzfigur, irgendwo zwischen dem absoluten Cliché-Rockstar und einem drittklassigen Rapper, der zu viel MTV gesehen hat, für "Devil Without A Cause" heute elf Platin-Schallplatten daheim herumstehen hat. Dass er danach eine Pseudo-Compilation von all dem herausbringt, was Jahre früher niemanden interessiert hat, ist dann weniger verwunderlich, auch wenn der Titel "The History Of Rock" schon wieder ziemlich irritierend ist. Aber Größenwahn unter Hip-Hoppern ist ja doch nichts wirklich Neues und als mäßiges Wortspiel geht das Ganze dann doch irgendwie durch.

 

Man sieht, so wirklich wird nicht über die Musik geredet. Tut man auch nicht gerne, denn im Großen und Ganzen setzt sich Kid Rocks Gesamtwerk zur damaligen Zeit aus drei sehr einfachen Teilen zusammen: Da hätten wir einerseits die wirklichen Hip-Hop-Nummern, die so ziemlich alles an nötiger Energie vermissen lassen und, ganz egal was da gesampelt oder im Original zusammengespielt wird, musikalisch kaum nach einem zweiten Durchgang lechzen. Dann gibt's die omnipräsenten Samples von Rock-Songs aller Generationen, deren Qualität man dem Mann aus Michigan ja kaum vorwerfen kann. Blöd ist eben nur, dass die wirklich durch die Bank das Beste sind, was diese LP zu bieten hat. Egal, wo man hinschaut, wann immer man auch denkt: 'Hey, das klingt aber eigentlich ganz gut!', ist es letztendlich nicht vom großen Kid Rock eingespielt. Nummer drei und absoluter Höhepunkt der künstlerischen Sphären des Robert James Ritchie (ja, seine Mutter hat ihn nicht wirklich Kid Rock taufen lassen) sind dessen Texte, deren Güte der werten Leserschaft natürlich nicht vorenthalten wird.

 

Aber, gehen wir nochmal einen Schritt zurück. Die Musik ist nämlich weniger amüsant, da haken wir die doch zuerst ab. Weniger amüsant bedeutet hier jedoch auch, dass sie der eindeutig bessere Teil der ganzen Geschichte ist. Wie bereits gesagt, ist das allerdings großteils den Samples zu verdanken. Da sich Kid Rock natürlich mit nichts Zweitklassigem begnügt, gibt sich hier die Rock-Elite ein Stelldichein. Deep Purple, Black Sabbath, Metallica und sogar dreimal darf man Led Zeppelin genießen. Wobei das Genießen dann doch etwas schwierig wird. Während nämlich so bei Tracks wie American Bad Ass, Prodigal Son oder Dark & Grey dank der musikalischen Leihgabe anderer geniale Gitarrensounds auf einen warten, muss man Kid Rock auch hier ein paar Pünktchen abziehen. Denn letztlich findet sich hier keine Minute, die nicht im Original um zumindest eine Klasse besser geklungen hätte. Völlig egal, wann Kid Rocks Rhymes einem dann doch entgegenspringen, man erwartet sie immer mit einem 'Geh, ich wollt' das noch zu Ende hören'-Gefühl, anstatt sie freudig zu begrüßen.

 

Was auch dadurch bedingt ist, dass dieser Mann verantwortlich ist für Zeilen, die durchaus als Verbrechen gegen die Menschlichkeit durchgehen könnten. Hier ein kleiner Streifzug durch Paid, Early Mornin' Stoned Pimp und Fuck You Blind.

Ersterer bietet einen der wohl durchdachtesten Refrains der Musikgeschichte mit den vieldeutigen Zeilen: "Kid Rock an' I got all the hoes sayin' / Fuck me baby, Kid Rock come fuck me baby / Fuck me baby, fuck me baby all night long", die gegen Ende zu einem lyrischen Höhepunkt gebracht werden: "Come on and do me daddy all night long / Come on and do me daddy all night long." Dazwischen hört man allerlei Schwachsinn darüber wie geldgeil der Mann nicht ist und wie sehr er nicht trotzdem das Motto 'keepin' it real' hochhält.

Beispiel Nummer zwei bietet einen Gastauftritt von Kid Rocks tatsächlich kleinwüchsigem Rap-Kumpel Joe C., dessen einziger Input in über einer Stunde unter anderem folgendes beinhaltet: "So stick it up your ass where the sun don't shine / I'm verticly challenged, your verticly blind / I'm 3 foot 9, it's 10 foot long / I'm gonna smack that ass after I pack this bong." Allein für den peinlichen "I'm 3 foot 9, it's 10 foot long"-Müll sollte man den Mann schon Richtung Guantanamo abschieben.

Das vielleicht größte Feuerwerk an gewichtigen Worten erwartet einen aber in Fuck You Blind, dessen Titel schon alles sagt. Nein, wirklich, denn die Zeile "I'll fuck u blind bitch" kommt dort gefühlte 50, gezählte 24 mal vor, wird aber noch gesteigert durch die Strophe: "I'll fuck you blind leave you face down in the ditch / Thought you'd get rich straight fuckin with the player / I'm the pimp of the nation yeah the pussy surveyor hey."

 

Ok, man kann da natürlich von künstlerischer Freiheit sprechen, dass das allerdings als scheiße angesehen wird, muss man dann auch hinnehmen - gerade fällt mir ein, dieser Review ist übrigens nicht jugendfrei (sowieso zu spät für alle 10-jährigen, die das lesen, aber naja). Abseits davon finden sich die üblichen genretypischen Textzeilen, die einem zeigen, was für ein selbstverliebter Sack man wohl als erfolgreicher Rapper sein muss. Dazu ein bisschen Drogen hier, die ein oder andere Party dort und ein wenig mit den eigenen Rap-Künsten prahlen. Einzige ziemlich überraschende Ausnahme bietet das musikalisch Unspektakuläre Abortion, in dem Kid Rock seine ungeborene Tochter besingt. Etwas gar wenig Ausbeute für mehr als eine Stunde Spielzeit.

 

Wie gesagt, so gern widmet man sich hier nicht der Musik. Viel lieber verliert man sich in einer Mischung aus Lachanfällen, geschocktem Kopfschütteln und Hass-Tiraden, wenn es um eine LP wie "The History Of Rock" geht. Da gibt's nichts zu feiern, nichts zu bejubeln, lediglich drei, vier Nummern, die wenigstens keinen schlechten Eindruck hinterlassen. Insofern muss man Kid Rock fast dazu gratulieren, mit dem einzigen gänzlich neuen Track, American Bad Ass, dank dem Sad But True-Sample auch gleich den besten zusammengebracht zu haben. Abseits davon ist diese nicht ganz eindeutige Mischung aus Studio-Album und Compilation weit mehr als ein Fehlschlag. Vielmehr sollte es ein Mahnmal für alle Hip-Hop-Neulinge späterer Jahre sein, wie man es bitte nicht machen soll.