Francesco Gabbani - Eternamente Ora

 

Eternamente Ora

 

Francesco Gabbani

Veröffentlichungsdatum: 12.02.2016

 

Rating: 6.5 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 02.03.2019


Synthaffiner Indie-Pop, dem die radikale Verknappung gut tut.

 

Die Globalisierung der Musik hat, ich hatte es schon das eine oder andere Mal erwähnt, den interessanten Nebeneffekt, dass sich klanglich sehr überschaubare Unterschiede zwischen einem popmusikalischen Erzeugnis aus den Weiten Nordamerikas, der verdichteten Urbanität Japans oder der künstlerischen Einöde Hinterstoders ergeben. Ein probates Mittel, um zur Einzigartigkeit zu gelangen, ist da natürlich die Stimme, die eine der letzten Bastionen der überdeutlichen Regionalität in der Musik ist. Das hat zwar den blöden Nebeneffekt, dass die ganze Welt Andreas Gabalier sehr leicht nach Österreich zurückverfolgen kann, es bietet aber an anderer Stelle gute Gelegenheiten zur wohlklingenden Akzentuierung selbst im einigermaßen stromlinienförmigen Pop. Insofern ist es gut, dass Francesco Gabbani Italiener ist und eine dieser Herkunft entsprechende Stimme mitbringt, ansonsten wäre es schlecht bestellt um die leichte Erkennbarkeit seines internationalisieren Synth Pop. "Eternamente Ora" bietet genau das und überzeugt damit, auch dank der Präsentation in ultimativ verdichteter Form.

 

Denn es sind nur acht Songs, die einen über eine knappe halbe Stunde tragen und dementsprechend zusammen eher im Sektor der Mini-LPs beheimatet sind. Das macht aber wenig, im Gegenteil dürfte es sogar hilfreich sein in Anbetracht dessen, dass der Italiener ein Jahr vor seinem Durchbruch in der Heimat noch ein bisschen mit den Varianten geizt. Und das, obwohl er schnell hörbar viele Register des klassischen Pop-Handwerks zieht. In Kombination mit der Gabe, eingängige Hooks zu harmonischen Refrains zu formen, gleichzeitig seine Songs aber dank mancher Finesse nicht zum reinen Ohrwurmdasein verkommen zu lassen, bedeutet das einen Haufen starker Vorstellungen, die mit La Strada auch eine entsprechend würdige Eröffnung finden. Wie geschrieben, wer revolutionäres oder extravagantes Liedgut erwartet, dürfte eine Enttäuschung erleben. Der Rest kann aber gefallen finden an der zwar aufpolierten, aber angenehm unaufdringlichen Art, mit der der Italiener seine Mid-Tempo-Tracks ausgestaltet. Die Synthesizer sind letztlich allgegenwärtig, werden meistens von eher spröden Beats begleitet, dank kristallklaren Klaviernoten und gutem Bass macht das in der sphärischen Eröffnung allerdings wenig.

 

Natürlich hilft es, dass Gabbani mit einem rauchigen Organ hausieren geht, wie man es sich eben von einem Italiener erwartet. Diese Stimme ist trotz offensichtlichster gesanglicher Limitierungen ein wunderbarer Kontrast im Zusammenspiel mit dem mitunter glatten Anschein, den seine Songs erwecken. Umso besser kommt sie allerdings im gemütlichen Gitarren-Pop des Titeltracks zum Tragen, was durchaus daran liegen kann, dass sich da Gabbani selbst dazu berufen fühlt, sich mehr als sonst anzustrengen und entsprechend stark klingt. Zur Höchstform läuft der Toskaner aber, wie sich auch auf dem Nachfolger zeigen sollte, erst dann auf, wenn er es auf eindrucksvolle Art zusammenbringt, seine Indie-Wurzeln mit dem Synth Pop zu vermählen. Das gelingt ihm hier nur einmal vollends, nämlich mit dem großartigen In Equilibrio, das die pulsierenden Synths in den Strophen ideal einsetzt und vor allem zu einem verführerisch schimmernden Refrain werden lässt. Die Leichtigkeit, mit der da musiziert wird, lassen die übrigen Songs vermissen.

Was nicht a priori gegen den einen oder anderen davon sprechen soll. Per Una Vita oder das finale Il Vento S'Alzerà bewegen sich gekonnt zwischen klassischem italienischem Pop und modernem Elektronik-Pop und zementieren die wohl größte Stärke des Singer-Songwriters ein, nämlich sein Gefühl für die richtigen Hooks. Und dann wäre dann noch Amen, das ihm den Sieg beim San Remo Festival gebracht hat und seinen dezent kryptischen feierlichen Lyrics mit einem simplen, aber effektivem Gemisch komplett synthetischer Ausstattung unterlegt.

 

Während er also insgesamt unspektakulär, aber mehr als solide durch den elektronisch verstärkten Pop pflügt, sodass man ihm fast eine routinierte Performance vorwerfen könnte, obwohl wir erst von Gabbanis zweitem Album reden, bleibt die Idee einer Ballade oder eines irgendwie anders gearteten, deutlichen musikalischen Tapetenwechsels ein rotes Tuch für ihn. Abgesehen vom endgültig dem Electro Pop ergebenen Software, dessen Stimmmanipulationen und kantigen Klängen, bleibt es Previdibili vorbehalten mit niedrigerem Tempo und hymnischem Touch für Abwechslung zu sorgen und dahingehend zu enttäuschen. Denn abseits dessen, was man die meiste Zeit zu hören bekommt, wartet anscheinend fast nur die Trägheit, die sich daraus ergibt, dass Gabbani nicht viel mehr macht, als arrangementtechnisch genau das zu bieten, was drumherum auch zu hören, nur eben langsamer und damit eher lähmend als sonst etwas.

 

Da sind wir aber auch an dem Punkt, wo es doch ziemlich intelligent vom Italiener war, einfach nach acht Songs einen Cut zu machen und "Eternamente Ora" entsprechend kurz und knackig zu halten. Alles andere wäre tödlich gewesen in Anbetracht der Tatsache, dass von der melodischen und klanglichen Vielfalt von "Magellano" noch relativ wenig zu hören ist. Stattdessen ist das, was einem hier geboten wird, grundsolide und mit offensichtlichen Stärken gesegnet, ohne aber abseits vom markanten Stimmchen mit Reizen aufzuwarten, die den Großteil des Gebotenen einen speziellen Touch geben würden. Einmal gelingt ihm so ein Ausreißer, interessanterweise ohne markant von der alles bestimmenden Soundformel abzuweichen, sieht man vom Tempo und den Gitarren ab. Dass das schon reicht, ist aber auch ein Hinweis darauf, dass das, was sich rundum abspielt, womöglich ein paar Ecken und Kanten vermissen lässt, deswegen aber nicht ohne Charme und musikalische Finesse daherkommt.

 

Anspiel-Tipps:

- La Strada

- Amen

- In Equilibrio