Foo Fighters - Wasting Light

 

Wasting Light

 

Foo Fighters

Veröffentlichungsdatum: 12.04.2011

 

Rating: 7.5 / 10

von Mathias Haden, 06.08.2017


Let there be rock... again.

 

Es dürfte sich scheinbar bis zu Dave Grohl herumgesprochen haben, dass seine Foo Fighters kurz davor standen, Ende der vergangenen Dekade in der kompletten künstlerischen Bedeutungslosigkeit zu versinken. Bizarr, weil sich in den Noughties Grammys und Platin-Zertifizierungen häuften, die Band als einer der letzten Big Player des Rock gefeiert wurde. Besuchte man die Gigs der US-Amerikaner, konnte man sich von ebendem selbst überzeugen, auf Vinyl gepresst hatte das, von wenigen Ausnahmen wie der Härte des Pretender abgesehen, längst nichts mehr mit dem zu tun, was das Genre einst hochleben hatte lassen. Kurz gesagt: Mit Verlauf des Jahrzehnts mutierten die Foo Fighters mehr und mehr zu einer langweiligen Truppe, die ihre Alben wie eine gesättigte Altherrengruppe einspielte und deren Altherrenfrontmann seinen letzten exquisiten Auftritt am Songs For The Deaf-Album der Queens of the Stone Age hinlegte. Noch kürzer: es fehlte an frischem Wind. Und so führte ihn die Dekade kurz vor ihrem Ende direkt in die Arme jenes Mannes, der ihn und seine Nirvana-Freunde Kurt Cobain und Kris Novoselic einst zu Superstars und Grunge-Göttern gemacht hatte: Butch Vig. Nachdem man sich von diesem ein Greatest Hits-Album produzieren ließ, war man endlich bereit für Perspektiven; für eine Rückkehr zu Kraft, Dynamik und einem raueren Sound - für Wasting Light.

 

Davon gibt es auf dem siebten Studioalbum tatsächlich reichlich. Begünstigt von diversen Faktoren, allen voran den günstigen Aufnahmebedingungen (analog in Grohls Garage) und der Rückkehr von Pat Smear als zusätzlicher Gitarre, knüpfen die Foos allein schon wegen dem erdigen Klang der LP an ihre Wurzeln an. Das beginnt direkt bei Opener Bridge Burning, der eine längst vergessene, natürliche Härte heraufbeschwört und mit seinen wuchtigen Gitarrenwänden fast schon in Richtung epischer Klangwelten abrauscht. Dieser gewonnene Spielraum durch die ergänzte Gitarre ist generell einer der großen Trümpfe des Albums. Wann auch immer die Riffs sich mit- oder gegeneinander in einen Rausch spielen, erreicht die Scheibe ihre nachhallendsten Minuten. So gehört eben auf Bridge Burning, aber auch auf Lead-Single Rope, deren elektrisierende Performance samt vitaler Drums noch nicht einmal im abfallenden Refrain von ihrer Eindringlichkeit einbüßt, oder so ziemlich jedem anderen Track bis hin zum abschließenden Walk, das kämpferisch verlautbart: "Learning to walk again / I believe I've waited long enough / Where do I begin?".

 

Für ruhigere Töne ist bei aller entfesselten Wucht zwar allein schon der Abwechslung halber gesorgt, doch driften diese nicht in so Feuerzeugschwenkballaden ab, wie das noch zuvor, besonders auf dem streichelweichen In Your Honor samt Akustik-LP gang und gäbe war. Trotzdem lassen sich die auch hier als vermeintliche Schwachpunkte ausmachen, wie das mit Kumpel Novoselic geschriebene I Should Have Known, das besonders zu anfangs nur schleppend in die Gänge kommt. Genauso wie sich auch die klassische Mid-Tempo-Ausschussware der Marke A Matter Of Time oder (partiell auch) Miss The Misery wieder durch die Hintertür reingeschmuggelt hat und versucht, mit packend eingängigen Hooks zu punkten, trotzdem über weite Strecken langweilig bleibt. Generell bewegt sich das Album auf der zweiten Hälfte unterschwellig immer mehr in Richtung generischem Rock.

 

Dass diese Auftritte aber trotzdem in der Minderzahl bleiben sorgt zwar dafür, dass Wasting Light zum facettenärmsten Foo Fighters-Album seit vielen Jahren wird, dafür aber zur in sich geschlossenen, homogensten Veröffentlichung der Band. Und dass sich in Grohls Garage auch genug Platz für Experimente und Gastauftritte finden ließ, bezeugt alleine schon das Zutun von Bob Mould, dem Mastermind von Hüsker Dü und damit eine der großen Inspirationsquellen des Frontmanns, der auf dem hochmelodiös eleganten Dear Rosemary und auf dem gescholtenen I Should Have Known ein kleines Stelldichein als zweite Stimme gibt. Oder aber White Limo, das mit seinen stürmisch rotierenden Gitarren und Grohls energetischem Gekreische das vielleicht größte Bekenntnis an seine Vorliebe für Hardcore-Punk darstellt. Und wenn daneben noch für richtig große Hooks gesorgt wird, wie im hervorragend aufgebauten Arlandria oder dem simplen, aber effektiven Back & Forth ("Now show a little backbone, why don’t you?"), dann kann man in der Tat von einer sehr guten Foo Fighters-LP sprechen.

 

 

Vielleicht sogar ihrer besten, wenn man den Blick allein auf die herrlich austarierte Produktion richtet. Die Songs sind ebenfalls wieder tighter, für akustische Eskapaden und Weltschmerz ist kein Spielraum mehr, dafür ist die schmerzliche vermisste Spielfreude und ein volles Adrenalin-Fass back in the game. Wer mit den Foo Fighters noch nie etwas anfangen konnte, wird sich auch mit Wasting Light und seinem energetischen Charme überwerfen, alle anderen dürfen ein spätes Karrierehighlight bejubeln. Über allem sollte es die siebte LP der Band zudem bewerkstelligen, Zuhörer zu motivieren, wieder selbst die Gitarre zu entstauben und draufloszujammen. Etwas, das man im Rock schon lange nicht mehr gehört hat und das Wasting Light prompt zu einer der wichtigsten Genre-Veröffentlichung des laufenden Jahrzehnts macht.