The Fray - Scars & Stories

 

Scars & Stories

 

The Fray

Veröffentlichungsdatum: 07.02.2012

 

Rating: 4.5 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 09.12.2013


Vier Soft-Rocker zelebrieren die Mittelmäßigkeit als Erfolgsmodell.

 

Bei dem Erfolg so mancher Künstler muss man sich schon fragen, wo denn eigentlich die ganzen kaufwütigen Menschen herkommen, die sich auf schnellstem Wege deren Alben besorgen müssen. Schon klar, bei der Zahl an Musikern, die sich da draußen tummelt, ist es ganz logisch, dass jeder von uns auch unter den weniger gefeierten seine Favoriten findet. So entsteht eben ein breites Spektrum. Warum aber in einem Genre wie dem gewöhnlichen, komplett überlasteten, wenig anspruchsvollen, 'Romantisch-kitschige-Serien-Momente-Soundtrack'-produzierenden Pop-Rock auch immer wieder frisch fröhlich neue Bands auf der Bildfläche erscheinen, bleibt dann doch irgendwie ein Rätsel. So kommt's dann aber, dass das Quartett aus Colorado mit ihrer dritten LP schon fast zum alten Eisen gehört. Das Erfolgsmodell bleibt das gleiche: Konstante Mittelmäßigkeit als leichte Pop-Kost.

 

Denn gerade die Jungs rund um Isaac Slade haben einen, wenn überhaupt, nur ein einziges Mal vom Hocker reißen können. Ihr bis heute größter Erfolg, die gleichnamige Single zum Debüt, "How To Save A Life", war tatsächlich so etwas wie die perfekte Umsetzung der typischen 'Grey's Anatomy'-Schnulze. Mit dezentem Gitarren- & Drum-Sound im Hintergrund war genug Platz für Slades durchaus ansehnliches Klavier-Geklimper und seine nicht unsympathische Stimme. Das Problematische an dieser Top-Nummer war, dass alles, was nachher kam, eine lauwarme Fortsetzung dieses Beginns war. Manchmal durchaus ansehnlich (Hundred, Heaven Forbid, You Found Me), im Gesamten aber viel Mäßiges.

 

Dieses unfreiwillig gewählte Konzept findet hier eine Fortsetzung. Lead-Single Heartbeat, schwacher Erfolg und trotzdem eine goldene Schallplatte, bietet da einen blendenden Einstieg in das Album. Mit erfreulich nichtssagenden Lyrics ("If you can love somebody, love them all the same / You gotta love somebody, love them all the same / I'm singing, oh, I'm feeling your heartbeat"), einem trägen Gitarren-Riff und dem faden Getrommel von Ben Wysocki im Hintergrund kommt gerade genug zusammen, dass man dem Track so etwas wie nette Charakterlosigkeit attestieren kann. Alles, was einem in Erinnerung bleibt, ist Isaac Slades unverändert guter Gesang, der einem allerdings auf der LP ab und an deplatziert vorkommt.

 

Der Grund dafür ist schnell gefunden: Die Band versucht mehr als früher Rock-Musik zu fabrizieren, anstatt bei der Kurzzeit-Erfolgsformel des Klavier-getragenen Balladen-Pop zu bleiben. Hauptindiz dafür ist die Produktion von Brendan O'Brien, der in den letzten Jahren immerhin auch AC/DC und Billy Talent assistieren durfte. Dem ist es auch zu verdanken, dass die Gitarren von Dave Welsh und Joe King etwas crunchiger klingen, ab und an so etwas wie Härte vermuten lassen. Das steht im direkten Wiederspruch zum Songwriting. Denn abseits von den wenigen starken Momenten in Form von Turn Me On und Here We Are scheint das doch alles in Richtung Mid-Tempo-Ballade zu gehen. So gehen gerade die Gitarren in Tracks wie The Wind oder Rainy Zurich unter, so bleibt am Ende nichts übrig. Die Songs laufen ohne Eindruck zu hinterlassen an einem vorbei, die Texte genauso.

 

Überhaupt denkt man beim Hören kaum einmal daran, sich darauf zu konzentrieren, was denn gesungen wird. Auch keine wirklich schlechte Sache, denn die Zeilen von Slade passen sich auf wenig berauschende Art an die Musik an, bieten leichteste Kost, meistens in recht inhaltsloser Form. Da denkt man dann erst recht wieder etwas wehmütig ans beileibe nicht perfekte Debüt zurück, dass in all seiner Melancholie doch so manch gute Zeile hervorgebracht hat. Diesmal gibt's weniger Melancholie, leider auch weniger eindringliche Piano-Minuten. Zwar darf sich Slade auch hier ab und an um die schwarzen und weißen Tasten kümmern, im Falle von Run For Your Life und 1961 passiert das aber mit bedenklich wenig Emotion. Große Ausnahme ist in diesem Punkt der Closer Be Still, der als reine Klavier-Ballade zum Albumfavoriten wird. Dort kann man auch dank Slades starker Gesangsperformance von Gefühl im Song sprechen.

 

Abseits davon gibt's dann eigentlich nichts wirklich Erwähnenswertes. Die genannten Ausreißer heißen Turn Me On und Here We Are. Ersterer bietet einen gar nicht so kleinen Funk-Rock-Anteil und schielt so dezent in Richtung des Maroon 5-Debütalbums. Bei Here We Are darf man dafür das einzige Mal wirklich von einem Rock-Song sprechen, auch wenn einem bis zum Ende kaum klar wird, was Slade denn mit seinen Sätzen inmitten eines ordentlichen Riffs und ansprechender Drums eigentlich sagen will. Alles übrige, egal, ob es nun Munich, The Fighter oder 48 To Go heißt, ist in Wahrheit auch für die nicht gerade mit hohen Ansprüchen ausgestatteten Adult Contemporary-Charts nicht gut genug. Ertragen lässt sich hier aber dann doch alles.

 

Da wären wir dann aber auch beim einzigen wirklichen Plus-Punkt für "Scars & Stories". Es ist nämlich eine LP, die zwar ohne große positive Ausreißer auskommen muss, dafür aber auch nie allzu weit ins Nirvana absinkt. Grässliche Minuten bleiben einem so erspart, das allein rechtfertigt dann aber sicher keine Empfehlung. Tatsächlich beweisen die vier Mannen aus Denver hier nur, dass sie nicht zur Crème de la Crème ihrer Zunft gehören. Irgendwo gibt es sie sicher, die Fans von The Fray. Dass mit ihren Alben aber keine Lieder für die Ewigkeit entstehen, muss allen klar sein. Da sind keine kompletten Einfaltspinsel am Werk, aber auch keine begnadeten Genies.

 

Anspiel-Tipps:

- Turn Me On

- Here We Are

- Be Still


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