Queens Of The Stone Age - Rated R

 

Rated R

 

Queens Of The Stone Age

Veröffentlichungsdatum: 06.06.2000

 

Rating: 6.5 / 10

von Mathias Haden, 10.04.2015


Mit regulierter Härte und frischen Ansätzen gelingt der Schritt in die richtige Richtung.

 

Während der Kollege diese Woche entgegen seiner aggressiven Natur verhältnismäßig sanfte Pfade beschreitet, gehe ich den entgegengesetzten Weg und bringe wieder etwas gesunde Härte ins Spiel. In den Fokus geraten dabei Josh Homme und seine Steinzeitköniginnen, mit ihrem zweiten Album Rated R und den neuen, vielversprechenden Mitgliedern Nick Oliveri und Mark Lanegan. Dass zweitere, höchst interessante Personalie auch Solo schon für Furore sorgen konnte, kam unserer liebsten Stoner Rock-Band aus der kalifornischen Wüste bestimmt nicht ungelegen, mit ihm sollte man aber spätetestens am Nachfolger noch nach höheren Sphären streben.

Wie kaum eine andere Band wurden die Queens of the Stone Age zeitens dieser Veröffentlichung mit Lobeshymnen und Superlativen überhäuft, zur größten Hard-Rockband unserer Generation gekrönt und in nahezu jeder professionellen Jahresendliste aufgeführt. Wie das aber mit solchen Kritikerlieblingen nun einmal so ist: Es steckt immer etwas Wahrheit in der argen Übertreibung - so auch bei Rated R.

 

Bereits der Auftakt kann sich nämlich mehr als sehen lassen. Mit Opener Feel Good Hit Of The Summer, dessen düsterer Drive und sein lediglich aus einer Aufzählung an Drogen bestehender Text mit seinem Titel einen erfrischenden Kontrast bilden, startet die Band mustergültig. Der mehrstimmige Gesang im Refrain, der sogar Judas Priest himself, Rob Halford, für sich gewinnen konnte, tut sein Übriges. Den unheilvollen Vibe bewahrt sich die Band auch in der Folge: das erfreulich zynisch betitelte The Lost Art Of Keeping A Secret, bis heute größter Hit der Band, punktet erneut mit einem starken Riff, verdeutlicht aber dementgegen Hommes Verständnis für Pop-freundliche Melodien - eine Note, die durch die Absenz seines Songwriting-Partners Nick Oliveri am ersten Album noch gänzlich ausblieb.

Das psychedelisch anmutende Better Living Through Chemistry sucht mit grandiosem Riff ebenfalls sofort den direkten Weg ins Ohr, hält mit seiner abwechslungsreichen Mischung aus Percussions und warmen Gitarrenklängen trotz knapp sechs Minuten Spieldauer den Spannungsbogen hoch.

 

Soviel zu den beeindruckenden Momenten, die man der LP durchaus zugestehen muss. Im Gegensatz zur darauffolgenden schleichen sich hier aber immer wieder Ungereimtheiten ein, über die man sprechen sollte. So sehr man sich auch mit der Musik, die jene Stücke mit Oliveri am Mikro bieten, anfreunden möchte bzw. auch kann, so sehr fängt man indes an, Frontmann Homme für seinen Gesang zu schätzen. Während letzterer sowohl in härteren, als auch in sanfteren Augenblicken stets mit einer bemerkenswerten, smoothen Abgeklärtheit glänzt, mutiert ersterer im Rampenlicht zum Psychopathen auf Ecstasy. Die Mischung macht's, dürften sich einige nun denken - und damit bestimmt auch recht behalten; wenn Oliveri aber ansetzt, um sich im passend betitelten Quick And To The Pointless die Seele aus dem Leib zu krächzen, ist es jedenfalls vorbei mit der wünschenswerten Offenheit. Auch sein Tension Head bleibt musikalisch anspruchsvoll, mit seinem schiefen Gesang aber klar auf der Strecke. Aber auch Homme hat seine Ausrutscher. Ohnehin mehr kompetenter Frontmann als virtuoser Songschreiber, verzettelt er sich im skurrilen Monster In The Parasol ganz ordentlich, mehr als die auf makabere Art und Weise humorvolle Zeile "You've got a monster in your parasol" hat dieses kleine Nümmerchen auch musikalisch tatsächlich nicht zu bieten.

 

Der Rest liegt irgendwo dazwischen, meistens aber eher auf der Seite der ordentlichen, aber wenig essenziellen Tracks. Mit In The Fade hat eingangs erwähnter Lanegan noch seinen Auftritt, meistert ihn nicht unbedingt überraschend souverän und liefert noch ein letztes Ausrufezeichen einer LP mit starken Ansätzen und durchwachsener Umsetzung. Zudem verleiht er dem depressiven Track mit seinem Gesang noch eine leicht bluesige Note, wenn er Zeilen wie "Losing a feeling / That I couldn't give away / Counting and breathing / Disappearing in the fade..." von sich gibt. Erwähnenswert bleibt auf jeden Fall noch das ambitionierte, aber irgendwie unpassende Instrumental Lightning Song, das trotz seiner wärmenden Natur und abwechslungsreichen Zurückhaltung mit einem Gemisch aus akustischen Gitarren, Piano und Percussions nicht so recht zünden will.

 

Während sich die Welt noch in nachklingender Euphorie über das Millennium befand, das Wort 'Terrorismus' noch einen nicht vergleichbaren Stellenwert genoss und Wolfgang Schüssel erst kürzlich das Zepter als Bundeskanzler in die Hand genommen hatte, sollten die Queens of the Stone Age mit Rated R einen großen Meilenstein ihrer Karriere hinlegen. Die sandige Härte des Vorgängers wurde etwas zurückgeschraubt, dafür durften weitreichendere Einflüsse das Spiel der Band bereichern. Als Ergebnis präsentieren Josh Homme und Co. ein sehr ordentliches Werk, dessen Mut zur Entwicklung und zum Überschreiten von Grenzen durchaus fröhlich funkelt. Dennoch gibt es trotz überwiegend souveräner musikalischer Unterlage immer wieder Schwächen im Songwriting, im Gesang von Oliveri und grundsätzlich in Sachen Song per se. Letztlich bildet das zweite Album aber ohnehin 'nur' das Aufwärmen für den überlegenen Nachfolger und einen großen Schritt in die richtige Richtung, deswegen kann man mit dem Gezeigten durchaus zufrieden sein.