Maximo Park - Our Earthly Pleasures

 

Our Earthly Pleasures

 

Maxïmo Park

Veröffentlichungsdatum: 02.04.2007

 

Rating: 6.5 / 10

von Mathias Haden, 01.05.2014


Größerer Sound und gewohnte Ohrwurmqualität - Das britische Quintett nimmt den nächsten Karriereschritt, bleibt sich selbst aber treu.

 

Man musste wahrlich kein Anhänger des oft proklamierten Post-Punk/New Wave-Revivals der frühen Noughties sein, um Maxïmo Parks ersten Gehversuchen etwas abgewinnen zu können. Da war viel Pop, eine quirlig verspielte, beinahe schon etwas überdrehte Band mit Feuer unterm Hintern und ein funktionierendes Songwriter-Team in Form von Gitarrist Duncan Lloyd und charismatischem Frontmann Paul Smith. Das Konzept ging auf, die Band begeisterte mit Hymnen über die Vorzüge und Frustrationen der Jugend und überzeugte mit ihrem dynamischen Zusammenspiel. Gewiss nichts neues, aber doch irgendwie packend.

Für den Nachfolger wurde mit Gil Norton ein namhafter Produzent (Pixies, Foo Fighters) ins Boot geholt, um den ohnehin schon recht atmosphärischen Sound (man höre nur Acrobat vom Debüt) um die eine oder andere Facette zu erweitern. Was mit dem dritten Longplayer Quicken The Heart noch weiter forciert wurde und schließlich gehörig daneben gegangen ist, funktioniert hier eigentlich ganz gut. Klar, unter der dickeren Produktionsdecke geht die Dynamik des Debüts schon mal flöten, trotzdem haben die Newcastler genug mitreißende Melodien geschrieben, um dieses Manko auszugleichen.

 

Außerdem durchbricht die Energie immer mal wieder die Wände aus Synthesizern, schon auf Opener Girls Who Play Guitar rockt sich die Gruppe in eine kleine Ekstase. Mit seinem kraftvollem Gitarreneinsatz hätte der auch gut aufs Debüt gepasst, selbiges gilt für Leadsingle Our Velocity, das schon mit seinen ersten Zeilen ("I'm not a man / I'm a machine / Chisel me down until I am clean / I buy books I never read / And then I tell you some more about me!") recht schwachsinnig daherkommt, aber in seiner ungestümen Aufdringlichkeit irgendwie sympathisch wirkt. Den Sympathiefaktor kann man zumindest auch Smiths markant britischer Stimme nicht absprechen, den Wiedererkennungswort ohnehin nicht.

Und auch wenn die Soundexpansion nicht immer Früchte trägt (zu den fauligen kommen wir allerdings noch zurück), steht sie Tracks wie dem vom Piano getragenen Your Urge, das sich zwischen softer Ballade und rasantem Rock bewegt, oder dem flotten Sing-Along By The Monument ausgesprochen gut, hier meistert das Quintett den Spagat zwischen Debüt und dem 'neuen', gereifteren Maxïmo Park.

 

Leider verliert sich die Gruppe nach ambitioniertem Start im Mittelteil immer häufiger in belanglosem Songwriting, wenig erquickenden Keyboardsounds und lauwarmen Geplätscher. Bei Cuts wie dem überambitionierten Russian Literature, das in seiner Funktion als clevere Minirockoper (so munkelt man) nie über seine Ansätze hinauskommt, dem eindimensionalen Up-Tempo Rocker The Unshockable, der wahrlich nicht zu schocken oder gar Interesse wecken vermag, oder das wilde A Fortnight's Time, dessen liebevoller Text ("In a fortnight's time you will be mine / I'll bide my time / You're a paradigm of womankind / You could be mine / I disgust myself, but I've got to try… / I catch your eye") von der ungestümen Darbietung der Band beinahe erdrückt wird. Und auch wenn keiner der zwölf Tracks in unbarmherzige Torturen abdriftet, die erinnerungswürdigen Melodien ebenso vorhanden sind wie packende Hooks, irgendwie laufen die Nummern nicht so reibungslos ineinander wie noch zwei Jahre zuvor.

 

Gegen Ende fängt sich das Ensemble wieder, gerade auf Closer Parisian Skies spielt es seine Stärken gekonnt, hübsche Melodie trifft ordentliche Balance aus Sehnsucht und Energie, liefert einen wahrlich gelungenen Abschluss und die berührendsten Zeilen der LP:

 

"Parisian skies

Shadows beneath your eyes

We always slept so well

The present casts a spell

 

You said we never talked

But there's a lightness that it brought

Refracting all my sins

We never lacked a thing..."

 

Zu guter Letzt muss man den Briten noch ein Kompliment zollen, mit der Auswahl an Singles, sprich: Our Velocity, Books From Boxes und Girls Who Play Guitar hat die Band ein zielsicheres Händchen bewiesen. Die letzte, Karaoke Plays, ist dagegen zwar kein Beinbruch, aber nicht halb so interessant.

 

Paul Smith und Konsorten erfinden sich mit ihrem zweiten Longplayer nicht neu oder marschieren in andere musikalische Terrains. Die Newcastler liefern eine weitere bestandene Talentprobe ab, scheitern im Gegensatz zu Genrekollegen wie den Kaiser Chiefs nicht am Zweitwerk, erweitern ihren bandtypischen Sound nur um den einen oder anderen Keyboardton und bleiben sich weiterhin treu. Die besseren Tracks überzeugen weiterhin mit memorablen Melodien, die schwächeren sind immerhin akzeptabel, auch wenn die Konstanz vom Debüt etwas abhanden gekommen scheint. Fans des britischen Gitarrenrocks der 2000er kann man Our Earthly Pleasures bedenkenlos ans Herz legen, ansonsten reichen die essentiellen Tracks, die wir unten immer zum Besten geben, vollkommen aus. Eine Eintagsfliege sind/waren Maxïmo Park jedenfalls nicht.