Mando Diao - Ode To Ochrasy

 

Ode To Ochrasy

 

Mando Diao

Veröffentlichungsdatum: 25.08.2006

 

Rating: 8 / 10

von Mathias& Kristoffer Leitgeb, 06.03.2014


Eine Hand voll schwedischer Underdogs zeigt eindrucksvoll, worauf es ankommt.

 

Als eine der sträflich unterbewerteten Bands westlich des Nordatlantik, mussten sich die Schweden um Gustaf Norén und Björn Dixgård außerhalb ihrer Heimat lange Zeit damit zufrieden geben, lediglich im deutschsprachigen Raum eine Rolle zu spielen. Eigentlich ist das ja bis jetzt noch so, obwohl die Gruppe einige ihrer frühen Singles sogar in den UK-Charts platzieren konnte. Aber lässt man den Blick dann kurz Richtung Westen wandern... Fehlanzeige! Mit der Bezeichnung 'sträflich unterbewertet' lag ich ja noch meilenweit daneben, in den Staaten kennt die schlicht kein Schwein.

 

Und das zu Unrecht, wie uns das dritte Album der Skandinavier beweist. Seit ihrem Debüt Bring 'Em In war man sich und seinem bodenständigen Rock stets treu geblieben, erweiterte seinen Sound aber um die eine oder andere Pop-Facette und haute dazu noch mit You Can't Steal My Love oder Mr. Moon wahre Hymnen raus. Die finden sich auch auf Ode To Ochrasy, ob nun in Form einer trockenen Rock 'n' Roll Scheibe wie in Killer Kaczynski oder einer berührenden Ballade wie Josephine. Und obwohl hier nichts irgendwie Anspruch auf Innovationsgeist innehat und man mittlerweile ja schon alles irgendwo gehört hat, kommen die fünf Schweden ungemein sympathisch und authentisch rüber, spielen mit viel Freude und unterhalten beinahe über die gesamte Spielzeit.

 

Man werfe doch nur einen Blick auf The Wildfire (If It Was True). Mit Trompete und Saxophon ohnehin schon großartig arrangiert und von kraftvollen Drums angetrieben, punktet der zusätzlich noch durch einen eingängigen und ebenso mitreißenden Refrain. So verhält es sich auch mit den anderen Rocknummern, liefert die Band mit Welcome Home, Luc Robitaille, Long Before Rock 'n' Roll, Tony Zoulias (Lustful Life) oder Song For Aberdeen Hit um einwandfrei produzierten Hit. Und wenn sich dazu noch umwerfende Balladen wie das honigsüße The New Boy schwindeln, kann man von einem abwechslungsreichen Hochkaräter sprechen. Und auch wenn die Texte, die von Terroristen, Junkies und anderen Gestalten auch nichts Weltbewegendes darstellen, so machen sie immerhin mehr Spaß als alles, was die Genrekollegen und Mitskandinavier (jaja, das gibt es nicht) The Hives in all den Jahren so verzapft haben.

Dafür beweisen die Nordeuropäer mit dem countryesken Good Morning, Herr Horst noch eine ordentliche Portion Humor, widmen einem Obdachlosen (wieder so eine Randgruppe) einen dynamischen Mitgrölhit.

 

Das einzige was man Björn, Gustaf und Co. (so sympathisch, dass man da schon die Vornamen benutzen muss) vorwerfen kann, ist schlussendlich nur, dass man sich dann für den einen oder anderen Füller entschieden hat, der nicht ganz das Niveau der anderen halten kann. Namen vermag ich an dieser Stelle aber keine nennen, denn kein Track verdient es hier, als Negativbeispiel herausgehoben zu werden.

Ansonsten ist hier alles fein positioniert, mit Anfang, Mittelteil und Ende. Das Konzept funktioniert und die Songs sind wie ich bereits erwähnte, einwandfrei produziert (allein schon diese wundervollen Streicher in The New Boy); besonders im Vergleich zum 2009 erschienen Give Me Fire! (Sorry guys, das war nix!)

 

Nein, Mando Diao revolutionieren nicht die Popkultur und werden auch nie den Zuspruch erhalten, den sie verdienen. Aber der dritte Longplayer der Band besticht durch eine wunderbare Konstanz und unterhält vom ersten bis zum letzten Ton. Eine Eigenschaft, die man in der Pop- und Rockmusik anno 2006 leider viel zu selten sieht. Da bleibt mir nur mehr eins zusagen, ehe mich mein Kollege in der Luft zerpflückt: Bra gjort!

 

M-Rating: 9 / 10

 


Schwedens Indie-Rocker spielen ihre Stärken nur kurz voll aus.

 

Na, alter Schwede! Man verzeihe mir diesen zweitklassigen Gag auf Kosten der Heimat von IKEA, dort angebotenen Fleischbällchen und eben auch den Indie-Rockern von Mando Diao. Apropos zweitklassig, das Gespann als sträflich unterbewertet zu bezeichnen entbehrt nicht jeglichem Humor. Denn "Ode To Ochrasy" hält so manch starke Minute bereit, mehr als man vielleicht sogar erwarten würde, ist aber in seiner Gesamtheit doch eher anspruchsvolles Stückwerk als eine mächtige Einheit.

 

Vielleicht mögen einen da die ersten Minuten etwas blenden. Denn da zeigt die Band ein Gesicht, das nur gestandenen Rockern gehören kann. Mit Welcome Home, Luc Robitaille, Killer Kaczinsky und Long Before Rock 'n' Roll breitet das Quintett seine ganzen Stärken vor einem aus, bietet einen Top-Riff nach dem anderen, dazu geniale Beats und einen äußerst ansprechenden Abstecher in den Rock der 60er, dann in die härtere Punk-Ära der frühen 80er und mit Long Before Rock 'n' Roll dazu noch einen Song, der mehr als jeder andere 'Indie Rock' in die Welt hinausschreit.

 

Nach diesem eindrucksvollen Kraftakt müssen die Schweden aber leider öfter mal verschnaufen. You Don't Understand Me und Amsterdam sind lediglich lauwarme Fortsetzungen dessen, was man bereits gehört hat, The Wildfire und Song For Aberdeen sind musikalisch mit den Bläsern einerseits und der starken Percussion andererseits ergiebiger, halten ihre Spielzeit aber trotzdem nicht ganz durch. Die besseren Momente sind dann eindeutig die, die mit einem ordentlichen Schuss Humor aufwarten, so wie die Ode an den Obdachlosen Good Morning, Herr Horst oder TV & Me. In puncto Sound verpasst die Band später aber abgesehen vom starken Tony Zoulias (Lustful Life) allzu oft den Absprung nach ganz oben. Entweder klingt das ganze Schauspiel nach einer müden Wiederholung des Beginns oder aber es begegnen einem fragwürdige Balladen. So oder so, der Punch ist nach zehn Minuten verlorengegangen.

 

Trotzdem sind das lockere The Wildfire oder der schräge Pseudo-Country von Good Morning, Herr Horst willkommene Ausreißer. Gilt für das lächerliche Duo Josephine und The New Boy - das als umwerfende Ballade zu bezeichnen, ist unter deinem Niveau - nicht annähernd. Nicht nur, dass die ruhigen Nummern mitten im Album jegliches Momentum abtöten, sie sind noch dazu ungeheure Schmalz-Schleudern, die textlich eher an die zahlreichen miesen Versuche der Killers auf diesem Gebiet erinnern als an irgendetwas anderes. Wenn schon ruhig, dann doch bitte wie im Akustik-Closer Ochrasy, der dank großartiger Gesangsleistung und der beschriebenen Fantasiewelt weit mehr Sympathiepunkte bekommt.

 

Tja, ich muss die Euphorie eben doch wieder etwas bremsen. Falsch verstehen darf man mich aber nicht. Die Schweden wissen schon wie man die Begriffe 'gut' und 'Musik' erfolgreich miteinander verbindet, sie wollen es einem eben nur nicht in jeder Nummer hier zeigen. Dass sie mehr Spaß machen als ihre entbehrlichen Landsmänner von den Hives bestreit ich nicht, eine exorbitant große Leistung stellt das aber auch nicht dar. Nix da, unterbewertet - bekannter könnten sie sein, da geb' ich dir schon Recht -, Mando Diao sind schon genau dort, wo sie hin gehören: In den riesigen Welten zwischen 'Is okay' und 'Boah, geil'.

 

K-Rating: 7 / 10