Kaiser Chiefs - Off With Their Heads

 

Off With Their Heads

 

Kaiser Chiefs

Veröffentlichungsdatum: 20.10.2008

 

Rating: 5.5 / 10

von Mathias Haden, 29.03.2017


Erkennbar verbessert und endlich dort, wo man hingehört: Im biederen Mittelmaß.

 

Nach jeweils weit über zweihundert verfassten Reviews dürfte klar sein: ich bin der gute Cop hier. Gut, weil ich immerhin dafür sorge, dass die 60er und 70er nicht nur auf den müden Schultern von Dylan, Beatles und Marley ruhen. Gut, weil ich in den durchschnittlichen Bewertungen gefühlt ein ordentliches Stück über dem Kollegen liege. Und gut, weil letzteres mitunter auch daran liegt, dass Kaliber wie Kev Federline oder brokeNCYDE gar nicht erst meinen Weg kreuzen. Wobei das selbstverständlich Auslegungssache ist, denn: Wem gebührt mehr Respekt als dem, der für euch, werte Leser, den Crazy Frog bändigt? Relativiert den guten Cop dann vielleicht doch etwas. Zumal ich so weit weg vom Sündenfall selbst nicht bin, immerhin auch maßgeblich daran beteiligt war, den einen oder anderen Stinker durch die Hintertür hereinzulassen. Und während die im Zuge dieses Namedroppings gefallenen Namen vor allem eines, nämlich Reibepunkte und damit fast schon kontrovers sind, scheint bei Langweilern wie den Kaiser Chiefs jedes ausgesprochene Wort bereits eines zu viel zu sein. Besonders, wenn man ein Album wie Off With Their Heads heranzieht, das nach einer intensiven, aber kurzen Phase im weltweiten Rampenlicht veröffentlicht wurde und trotz respektabler Chartergebisse da wie dort in Wirklichkeit nicht einmal auf der Insel irgendein Schwein interessiert hat.

 

Damit könnte man den Engländern sogar tatsächlich Unrecht tun, denn der dritte Longplayer unter der Moniker Kaiser Chiefs hat auf jeden Fall mehr zu bieten als der weichgespülte Bestseller Yours Truly Angry Mob. Das ist allein schon dem Umstand geschuldet, dass hier wieder vermehrt auf alte Tugenden gesetzt, sprich der Dynamik des Quasi-Debüts Employment gegenüber der statischen Synth-Affinität des Zweitwerks der Vorzug gegeben wird. Mehr I Predict A Riot als Ruby also. Zumindest wissen die Jungs auch, auf falsche Fährten zu locken. Die Härte von Opener Spanish Metal, welcher zwar Gott sei Dank nicht tatsächlich mit ebendiesem Genre flirtet, nichtsdestotrotz mit einem ungekannt kraftvollen Riff von Andrew White und Nick Hodgsons polternden Drums charmiert, findet man auf der LP sonst eigentlich nicht. Wobei Leadsingle Never Miss A Beat ja ebenfalls auf gediegene Gitarrenarbeit setzt, mit dem Mix aus eingängiger Hook und dynamischer Performance an die Singles des Debütalbums erinnert. Die Keyboards sind zwar etwas cheesy, dafür kann man sich über dezente Background-Vocals von Lily Allen freuen, die auch auf Always Happens Like That zu hören ist, das mit seiner zurückgelehnten Melodie wohl nicht von ungefähr zu den besseren Cuts der LP zählt.

 

Man darf mich nicht falsch verstehen, die Kaiser Chiefs aus Leeds werden immer eine langweilige Kapelle bleiben. Off With Their Heads könnte allerdings ihre konstanteste LP sein. Konstant allein schon deshalb, weil sich weder (zugegeben nicht erstklassige, aber immerhin) Reißer wie I Predict A Riot oder Modern Way, noch musikalische Verbrechen wie Ruby auf der Trackliste finden. Wiewohl zwar bemüht energisch und bei Zeiten sogar hymnisch unterwegs, rauschen die meisten Nummern wie so oft in der Vergangenheit einfach an einem vorbei. Powervolle Nummern wie Can't Say What I Mean - hier von einer starken Rhythmusabteilung angetrieben - kennt man mittlerweile einfach zu gut von den Briten. Unter anderem, weil sie immer derselben Formel folgen und in vielen Fällen wie auch diesem hier den ätzenden Hintergrundgesang von Drummer Hodgson bemühen, dem ich nach wie vor mein Ruby-Trauma zu verdanken habe. Und wenn Nick Baines Keyboards vermehrt zum Einsatz kommen, dann darf man sich ohnehin auf ambivalente Gefühle einstellen. Mit dem cool betitelten Tomato In The Rain ("Like a tomato in the rain / I've got that feeling again / Like a grey hound in a race / I've got a rabbit to chase") beweist die nach der südafrikanischen Fußballmannschaft Kaizer Chiefs benannte Band, dass in ihr ja doch ein verstecktes Gefühl für wohldosierte Arrangements steckt. Weit weniger gelingt das auf den anderen Keyboards-getragenen Stücken, die wie Good Days, Bad Days bereits die erste Ausfahrt in Richtung erdrückendem Kitsch nehmen.

 

Und weil der Rest nur dieselbe Ambivalenz in einem größeren Rahmen widerspiegelt, pendelt sich Off With Their Heads exakt in der Mitte ein. Zugegeben, die anderen Tracks würden durchaus eine Erwähnung verdienen, doch der Pomp vom orchestralen Like It Too Much oder der Rap-Gastauftritt von Sway DaSafo auf Half The Truth ist letzten Endes genauso wenig erquicklich, wie die karibischen Vibes von Addicted To Drugs oder die sanfte Melodie von Remember You're A Girl nicht infektiös sind. Und da abgesehen von den Dutzenden an Gästen und Kollaborateuren nahezu alle relevanten Namen genannt wurden, hier noch der des Sängers: Ricky Wilson heißt er und macht meistens einen ordentlichen Job. Zuhören möchte man ihm aber trotzdem nicht so gerne, ein Wort zu viel über ihn verlieren schon gar nicht. Letztlich wohl ein Problem, das die ganze Band, nicht aber den Crazy Frog betrifft. Insofern: Alles richtig gemacht, werter Kollege!