Gorillaz - Demon Days

 

Demon Days

 

Gorillaz

Veröffentlichungsdatum: 23.05.2005

 

Rating: 7.5 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 02.11.2013


Ein Ausbund an Kreativität und Emotion, bestreut mit etwas Gesellschaftskritik und verdammt viel Talent.

 

Da draußen trieben und treiben sich ja so manche außergewöhnliche Bands herum. Und zwar auf unterschiedlichste Arten. Zum Beispiel die, die mit schrägen Bühnenshows Aufsehen erregen. Oder jene, die es schaffen, die Musikwelt in ihren Grundfesten zu erschüttern, vielleicht sogar ein ganzes Genre zu begründen. Ab und an trifft man dann auch auf die, die weniger durch ihren Sound, sondern eher durch ihr Aussehen auffallen. KISS wurden mit ihren fünf Schichten Schminke im Gesicht berühmt, die Beatles machten die Pilzfrisur plötzlich modisch und die White Stripes waren schon beinahe obsessiv, wenn es um ihr Faible für die Farben Rot und Schwarz ging. Noch viel exklusiver ist allerdings der Look der Gorillaz, denn wenn einem vier talentierte Musiker begegnen, dann sind die selten nur gezeichnet.

 

Vielleicht sollten wir aber doch zurück zur Musik. Denn über die lässt sich schon genug schreiben. Damon Albarn hat 2001 mit dem selbstbetitelten Debüt der Band bereits bewiesen, dass er ein Faible für Sound-Experimente hat. Vielgelobt und doch ziemlich zerfahren war es, aber zumindest war die Richtung eindrucksvoll. Und in diese Richtung wird konsequent weitermarschiert. "Demon Days" bietet weiterhin starke elektronische Beats, gepaart mit Top-Bass-Lines und einer minimalistischen, aber guten Gitarrenarbeit. Dazu gesellt sich Albarns bei Zeiten mächtiger Gesang und der ein oder andere Gast-Rapper. Schon kann die Party losgehen.

 

Zwar bringen einen die Gesellschaftskritik und die düstere Aura von Tracks wie Kids With Guns oder Feel Good Inc. nicht in Feierlaune, dafür bieten hier aber viele Minuten etwas zum Genießen. Denn Albarn zeigt hier weit mehr Fingerspitzengefühl als vier Jahre vorher. Gerade die Leadsingle Feel Good Inc. beweist das mit ihrer perfekten Kombination aus genialem Bass, dem simplen Beat im Hintergrund und dem unorthodoxen, aber gelungenen Zusammenspiel von Albarns ruhiger Stimme und der Rap-Combo De La Soul. Ein besonderer Höhepunkt wartet in der Bridge mit dem kurzen Akustik-Gitarren-Part, der Rest des Songs kann aber nicht weniger.

 

Und es warten weitere Top-Momente. Dirty Harry überzeugt mit ähnlichen Eigenschaften, präsentiert sich als wohl tanzbarster Anti-Kriegs-Track aller Zeiten und beweist einmal mehr Albarns stimmliches Talent. Dazu kommt der gelungene orientalische Sound im Rap-Part und die konträren lockeren Keyboard-Klänge im Refrain. Oder aber Fire Coming Out Of The Monkey's Head, das zu einem schrägen Duett von Dennis Hopper und Albarn mutiert. Ersterer hält in den Strophen einen eindrucksvollen Monolog, der Refrain darf doch wieder, von Akustik-Gitarren begleitet, gesungen werden. So nebenbei bleibt noch Kids With Guns, das mit dezent mehr Gitarre aufwartet und zudem die nächste eindrucksvolle Kombination aus simplem Keyboard, dem unersetzlichen Bass und starken Gesangs bietet.

 

Auf der ruhigeren Seite verbirgt sich mit dem Titeltrack noch eine weitere, diesmal von Streichern und Background-Chor verstärkte, Glanzleistung von Albarn. Der trumpft hier überhaupt auf, wie es ihm kaum zuzutrauen war. Abgesehen davon, dass er letztlich die einzige Person ist, die hinter der Musik der Gorillaz steht, sind seine gesanglichen Darbietungen hier erstklassig. Dabei blieb bis jetzt die alles überstrahlende Perle noch völlig unerwähnt. El Mañana heißt sie und komprimiert all das, was der Rest der LP anbietet in knapp vier Minuten. Hier treffen ein genialer Beat, atemberaubender Gesang, großartige Keyboards sowie Streicher und eine ziemlich subtile, gerade deswegen aber tolle Liebesbotschaft aufeinander. Es ist so mit das Beste, was mir bisher zu Ohren gekommen ist.

 

Wenn das auch (klarerweise) ein Einzelfall bleibt, so schert doch nur wenig nach unten aus. Denn selbst wenn ein Song einmal musikalisch etwas störrischer ist, so wie im Falle von Last Living Souls oder Every Planet We Reach Is Dead, dann bleibt einem noch immer Albarn und vor allem der Text, den er einem vorsingt. Während andere mit einer 'In Your Face'-Einstellung an das Projekt Gesellschaftskritik herangehen, kommt seine Kritik auf nette Art unaufdringlich und subtil daher, zeigt ab und an auch erst beim zweiten Hören ihr wahres Gesicht. So bleibt ein mehr als angenehmer Spielraum für Interpretationen und schlicht Zeit zum Genießen.

 

Zu bemängeln bleibt nun lediglich, das jedoch leider in etwas größerem Ausmaß, dass man auch diesmal nicht von musikalischen Merkwürdigkeiten verschont bleibt. Da wäre der überladene Mix aus hartem Beat, Synthies und Chor in O Green World, die einschläfernde Hip-Hop-Nummer November Has Come, die beweist, dass die Gast-Auftritte bei den Gorillaz nicht immer Treffer sind, oder aber das von anstrengenden Synthies und verzerrten Stimmen geplagte All Alone.

 

Es gelingt Damon Albarn also wieder nicht, die Stärke, die er in einigen Songs bietet, aufs gesamte Album auszubreiten. Und trotzdem sitzt man am Ende vor einer CD, die ihr Geld auf alle Fälle wert war. Denn das riesige Talent, das er zweifelsohne mitbringt, äußert sich hier auf eindrucksvolle Art und Weise und insbesondere weit öfter als auf dem Vorgänger. "Demon Days" ist nicht perfekt, in Wirklichkeit ist es auch nicht sehr nahe dran, aber es ist ein Ausbund an Kreativität und Emotion. Dass beides die längste Zeit in die richtige Richtung weist, ist bei Gott keine Selbstverständlichkeit, hier ist es der Fall.

 

Anspiel-Tipps:

- Dirty Harry

- Feel Good Inc.

- El Mañana