Eels - Daisies Of The Galaxy

 

Daisies Of The Galaxy

 

Eels

Veröffentlichungsdatum: 28.02.2000

 

Rating: 7.5 / 10

von Mathias Haden, 05.07.2014


Leichtfüßiger und mit positiverem Elan als je zuvor - die Kehrtwende des Mark Everett ... oder doch nicht?

 

Vorhang auf für die nächste sonderbare Kapelle. Wieder so eine amerikanische Band, die sich einen Spaß daraus macht, sich nach einem Tier zu benennen. Diesmal stehen also Aale im Fokus und immerhin mal keine Vogelgattung. Nanu? Ein Blick in die Credits des dritten Studioalbums Daisies Of The Galaxy zeigt allerdings, dass hier nicht wirklich von einer Band die Rede sein kann. Lediglich zwei Mitglieder scheinen unter der Besatzung namens Eels auf, daneben noch einige Begleitmusiker unter die sich immer wieder auch bekannte Namen wie Peter Buck (R.E.M.) oder John Sebastian (Lovin' Spoonful) mischen. Zum einen natürlich Protagonist und Mastermind E., stellvertretend für die Gruppe, und dann noch der gute alte Butch an den Drums.

Nach dem Melancholiebomber Electro-Shock Blues dürfte es wohl auch Mark Oliver Everett, wie E. bürgerlich heißt, gedämmert haben, dass diese Richtung kein gutes Ende nehmen kann. Also die Kehrtwende einläuten! Dies ist dem Exzentriker auch augenscheinlich gelungen.

 

Vorbei die Zeit der ansteckenden Depression, vorbei jene der kargen Trostlosigkeit. Statt tieftraurigen Songs über die Suizid begehende Schwester des Sängers gibt es nun ein fröhlich beschwingtes, kindlich ausgeschmücktes Album voller lieblich instrumentierter Kompositionen. So merkwürdig das auch klingen mag, ein Blick auf das hübsche Artwork, das eher nach Kinderbuch als nach Selbsttherapie aussieht, genügt. Und so ganz nimmt man E. den Stilwechsel ja auch nicht ab. Da ist viel Sarkasmus und Zweckoptimismus unter den 15 Tracks enthalten, richtig glücklich klingt der Typ ja ohnehin nie. Bereits der Opener Grace Kelly Blues zündet mit seinem opulenten Bläserintro ein Feuerwerk der Gefühle an, danach geht es mit hübscher Melodie, der Hauptwaffe auf der LP, und spitzzüngigen Lyrics bezüglich der bekannten Schauspielerin/Prinzessin von Monaco weiter:

 

"The cut-rate mime walking through the dirty street

Of Paris in the hot August heat

Sun melting the fake smile away

Just looking for a place to stay

 

The actress gave up all her old dreams

And traded up, now she is a queen

Royal familys don't have time for that shit

Your crystal ball, you keep it hid"

 

Die Neugierde des Publikums scheint geweckt, nun nicht vom Kurs abkommen. Multiinstrumentalist E. macht einen guten Job, seine Songs gleichzeitig in fröhliche Arrangements zu stecken und trotzdem traurig klingen zu lassen. Die ironisch betitelte, vom Piano getragene Ballade It's A Motherfucker wird mit ihren Streichern und berührenden Zeilen ("It's a motherfucker / Being here without you / Thinking 'bout the good times / Thinking 'bout the bad / And I won't ever be the same") zum - nach eigenen Angaben - kitschigsten Song der 'Band'. So offen ehrlich und traurig erscheint im ersten Moment nur noch das sanfte Selective Memory, das sich an die Erinnerungen an seine verstorbene Mutter anlehnt, zu sein. Auch der Titeltrack überzeugt mit melancholischer Atmosphäre, das fröhlich beschwingte A Daisy Through Concrete punktet dafür genau in der entgegengesetzten Richtung. Eine Lanze brechen möchte ich auch für das herrlich skurrile Tiger In My Tank, auf dem E. auf der Orgel zum Berserker wird und auf dem das Ensemble noch als wirkliche Band durchscheint.

 

Den Vogel schießt der bärtige beinahe-Solokünstler im passend betitelten I Like Birds ab, in dem er verkündet: "I can't stand in line at the store / The mean little people are such a bore" und schließlich, auf eine Eminem als weißem Rapper Konkurrenz bereitende Art, reimend konkludiert: "But it's all right if you act like a turd / 'Cause I like / Birds". Da kann man nur schmunzeln. Gegen Ende erschöpft sich das überraschend kurzweilige aber simple Konzept der sanften Pop-Songs dann ein wenig, ohne dass man einen Track als Negativbeispiel hervorheben möchte. Anders sieht es bei den rockigeren Nummern aus. Weder das flippige The Sound Of Fear, mit seinem unpassenden Refrain, noch Flyswatter, mit seinem fetzigen Rhythmus, der mich unerklärlicherweise immer an James Bond erinnert, können auf mehreren Ebenen überzeugen.

 

Mit Hidden-Track und Vorabsingle Mr. E's Beautiful Blues, den E. nur unter der Bedingung, dass er eben als Hidden-Track erscheint, schließt sich der Kreis. Mit Blues startet das Album, mit Blues endet es. Dass diese Nummer weit lebensbejahender daherkommt als der Rest tut nicht viel zur Sache, eher erfreut es, dass noch eine derart tanzbare und mitreißende Hymne auftaucht. "Goddamn right, it's a beautiful day".

 

Mark Everett alias Eels ist zurück. Leichtfüßiger und mit mehr positivem Elan als je zuvor. Dass das nicht unbedingt viel heißen muss, stellt die insgesamt fünfte (zwei als E.) LP des Mannes mit dem schrägen Humor auf beeindruckende Weise dar. Ebenso klar ist es, dass da nicht alles reibungslos von statten geht. Dennoch, Daisies Of The Galaxy überzeugt insbesondere im Kontext als ironisches Nachfolgewerk einer persönlichen Schmerzodyssee. Sein Gespür für schöne Melodien und fein produzierte Kompositionen lässt ihm jedenfalls auch eine Zukunft als Komponist für Kinderlieder oder Film-Scores offen.