Angels & Airwaves - Love: Part Two

 

Love: Part Two

 

Angels & Airwaves

Veröffentlichungsdatum: 01.11.2011

 

Rating: 4 / 10

von Mathias Haden, 28.11.2014


Müde Wiederverwertung der eigenen Diskographie.

 

Die Karriere von Tom DeLonge und Handlangern alias Angels & Airwaves lässt sich am besten mit einem Wort beschreiben: _______. Welches hier hineingehört, das könnt ihr selbst, jeder für sich, entscheiden. Meine Wahl fiele wohl auf selbstgefällig. Nicht viele andere Gruppen seit dem Millennium scheiterten derart darin, mit den Einschätzungen über die eigene Musik so sehr am Kritikerkonsens vorbeizuschrammen. Die Geschichte von der "best music in decades" ist ja hinreichend bekannt, auch wenn man sie immer wieder gerne heranzieht.

Am nächsten war man diesem Versprechen mit dem 2010 veröffentlichten Love gekommen, auf dem man seine Vision vom 'spacigen' Sound erstmals einigermaßen erzielen konnte. Knappe eineinhalb Jahre später brodeln die Social-Network-Seiten der Band wieder, kommt die mittlerweile vierte LP in die Läden. Nach dem bärenstarken Vorgänger durfte man gespannt hoffen, geworden ist es - das sei hier vorweggenommen - nicht viel.

 

Das liegt allein schon daran, dass es sich bei Love: Part Two viel mehr um Wiederverwertung des Vorgängers bzw. des gesamten Katalogs der Band handelt als um ein eigenständiges Werk. Dass man nach drei Alben nämlich schon mal an die eine oder andere Passage im bandeigenen Schaffen erinnert wird, wäre ja kein Beinbruch. Aber da haben wir die Rechnung ohne Tom DeLonge gemacht! Der hat es nämlich geschafft, dass man zu praktisch jedem der elf Tracks die passende Vorlage in der A&A-Diskographie vorfindet. Kostprobe gefällig? Gerne! Nehme man sich nur Surrender zur Brust, das sich beim eigenen Track Sirens unverblümt bedient. Wäre allerdings auch kein haarsträubendes Problem, ist nämlich mit stampfendem Beat und euphorischen Synthesizern ein ganz ordentlicher Track geworden. Wirklich pikant wird das Ausmaß der Peinlichkeit erst, wenn man den Text zurate zieht, der bei meinem Kollegen K immer wieder aufs Neue den berühmten Kragen platzen lässt: "When God falls fast asleep/The kids still move to a steady beat/Even if it’s bombs landing at their feet". Belassen wir es mal dabei.

In dieser Gangart geht es jedenfalls weiter. Ähnlich schamlos bestiehlt Opener Saturday Love den Riff von Heaven, kopiert Dry Your Eyes den großen Hit Everything’s Magic, recycelt A&A sich selbst. Der große Vorteil: spart Zeit, Ideen und Angst vor möglichen Plagiatsvorwürfen anderer Bands.

 

Denn unter diesen Gesichtspunkten klingt der vierte Longplayer freilich wie ein typischer der Band. Neben den unliebsamen, aber einigermaßen verschmerzbaren Wiederverwertungsaktionen und dem gewohnt triefenden Pathos sind es vor allem alte Schwächen, die sich bemerkbar machen. Mit langsamen Nummern hatten es DeLonge und Co. ja noch nie so richtig, auch wenn Ausnahmen gerne die Regel bestätigten. Das tun sie hier nicht, sowohl die müde und ereignisarme Midtempo-Ballade Moon As My Witness, als auch der überlange, überlangsame und überlangweilige Closer All That We Are verenden in kaum erträglicher Belanglosigkeit, wobei das auch schon wieder eine Kunst ist. Nicht fundamental besser ist The Revelator, der abseits von seinem starken Basseinsatz nicht wirklich positiv auffällt. Keine Ahnung was in DeLonges Kopf so vor sich geht, wenn er auf die "hounds of hell" wartet, einprägsame Hooks und Melodien retten jedenfalls nicht jede unsinnige Darbietung. Der Rest der Platte ist mit zweitklassigen Routineübungen der Gruppe zugekleistert. Schmerzt nicht, braucht man aber genauso wenig.

 

Die wirklich essentiellen Momente - sofern man das bei einem Pseudo-Remixalbum wie diesem behaupten kann - lassen sich ohnehin an einer Hand ablesen. Saturday Love käme da mit seinen lockeren Keyboardsounds, seinem mitreißendem Rhythmus und einem starken Sänger in den Sinn, ist zwar die typische A&A-Midtempo-Nummer, aber wen kümmert’s! Anxiety überzeugt mit kraftvollem Riff, schöner Melodie und effektiven Synthieeinsätzen, während One Last Thing nicht nur aufgrund seiner auffallend kurzen Spieldauer unter drei Minuten erfreulich kurzweilig bleibt. Hier wird gehörig experimentiert, das Ergebnis mit starken Drums und dröhnenden Gitarren kann sich letztlich doch sehen lassen.

 

Wer 1 und 1 zusammenzählt, kommt letzten Endes nicht nur auf die Zahl 2, sondern auf ein Album, das vom ersten Ton weg zum Scheitern verurteilt ist. Klar lässt sich Love: Part Two über weite Strecken problemlos hören, dafür sind Angels & Airwaves ja schon ein paar Jahre im Geschäft, um ihre Alben nicht ins Bodenlose abdriften zu lassen und die eigenen Stärken auszuspielen. Leider hat man ebendiese schon so oft gehört, teilweise ja wirklich eins zu eins auf den Vorgängern. Immerhin hat es diesmal noch zu drei starken Cuts gereicht, somit fällt das übliche Brainstorming (=Auslosen) für die Anspieltipps reichlich kurz. Da nimmt man es mir auch nicht übel, den Umfang nicht gerade gesprengt zu haben, right?

 

Anspiel-Tipps:

- Saturday Love

- Anxiety

- One Last Thing


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