Alkbottle - Hier Regiert Der Rock 'n' Roll

 

Hier Regiert Der Rock 'n' Roll

 

Alkbottle

Veröffentlichungsdatum: 02.05.2008

 

Rating: 2 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 31.07.2015


Die Antwort auf eine Frage, die Österreich offenbar im Vollrausch gestellt hat...

 

Herr im Himmel, Maria Mutter Gottes, Josef und Ned Flanders! Was ist das?! Oh, warte, ist nur das Hundsvieh vom Nachbarn. Man entschuldige die kurze Aufregung, aber das Ding schaut aus wie eine Kreuzung aus Zwergpudel und Frankensteins Monster. Aber jetzt, Ruhe im Saal, auch auf den billigen Plätzen, und alles nochmal auf Anfang:

Herr im Himmel, Maria Mutter Gottes, Josef und Bugs Bunny! Was zur Hölle ist das?! Es dürfte menschlichen Ursprungs sein und irgendwas mit Musik zu tun haben, aber so ganz will man es dann doch nicht identifizieren. Und das, obwohl das Ding sogar mit Namensschildchen ankommt. Wenigstens das erklärt einiges, denn wo Alkbottle draufsteht, ist Alkbottle drin und das heißt a priori einmal nichts Gutes. Dafür ist der Ruf der Band zu etabliert und die promillegetränkte Fahne der Herren auch eindeutig zu lang. Während man sich nämlich mit AC/DC soundtechnisch ganz gut verstanden hätte, haben die Jungs aus Australia denen aus Austria immerhin voraus, dass man sich nicht nur auf den Alkohol zu beschränken wusste, sondern Sex und Rock 'n' Roll auch ausreichend einbauen konnte. Bei Wiens Rock-Legenden will selbst das irgendwie nicht und nicht gelingen.

 

Eine Lanze wird vorweg trotz allem gebrochen, sie gebührt dem Leadgitarristen Christian Zitta. Auch hier eine Parallele zu den stromdurchwirkten Ikonen aus dem Süden, das Talent versammelt sich fast ausschließlich im Mann an den sechs Saiten. Der ist pfundig unterwegs, bringt die Band in Reichweite zum Heavy Metal und haut einem ein Solo nach dem anderen um die Ohren, ein paar wenige davon sogar durchaus wirksam. Kernige Riffs sind also schon vorprogrammiert, genauso wie die prüden und manchmal auch müden Drums und ein Sänger, der ziemlich sicher nicht singen kann. Eh perfekt für so einen glorreichen Hard Rock-Moment, der nach testosterongefüllten Arterien schreit und nüchternen Seelen das Existenzrecht abspricht. Genauso ist es dann auch mit dem eröffnenden Titeltrack, der sich als klassisch banale Genrehymne präsentiert, aber irgendwie den Fuß nicht aufs Gaspedal bekommt und deswegen mit halbgarer Performance an allen Ecken und Enden, sowie leicht beunruhigenden Zeilen aufwartet. Leicht beunruhigend, weil sie einem nur einen scheuen Einblick in die textlichen Künste von Roman Gregory gewähren, dementsprechend defensiv und aber auch vorerst noch unbedenklich sind. Und während sich Zitta im Solo ein erstes ordentliches Stelldichein gibt, wird einem schnell bewusst, dass einem die Nummer nie die Anwesenheit in den Bierzelten dieses Landes schmackhaft macht, auch wenn dort wohl ihr Stammplätzchen ist.

 

Es könnte besser werden, ja, natürlich, wer's glaubt, wird nüchtern. Nein, keine Sorge, die peinlichen Alkoholexzesse und sexuell untergriffigen Sprücherl, sie treffen einen schon noch wie ein Vorschlaghammer. Jetzt sagt man dem Wienerischen üblicherweise etwas Blumiges, fast Romantisches nach in seiner rohen Form und so ohne jedem Blatt vor dem Mund. Das ist zusammen mit dem schwarzen Humor das, was den Wiener Grantler aus- und erträglich macht und ihn mit dem Namen Mundl vielleicht gar Kult werden lässt. Und obwohl sich auch bei Gregory das berühmt berüchtigte Meidlinger L manchmal durchsetzt und er sich nicht scheut, auch die tiefsten Tiefen im tiefsten Dialekt zu beackern, will der Funke nicht überspringen. Vielleicht ist das so, weil sich der Mensch wenigstens zum Ziel setzt, dem Primaten intellektuell etwas voraus zu haben und deswegen die grenzdebil infantilen Auswüchse der trägen Metal-Ode Der Tuat Nix (Der Wü Nur Spühn) nicht greifen. Man könnte das Gehörte auch gesunde Härte nennen, immerhin hallen die Riffs immer noch in spröder Aggressivität nach. Doch die müdeste Rhythm Section seit eigentlich eh immer und die höllischen Zeilen, mal an des Menschen besten Freund gerichtet, dann doch wieder mit schlimmem sexuellem Unter-, Mittel- und Überton, vergellen einem das ordentlich. Das tut auch die musikalisch ähnlich angehauchte Säuferhymne Nirvana, die keinen Hehl daraus macht, dass das sprengen jeglicher Promillegrenzen eigentlich eh ur super ist und dem daraus folgenden Schicksal der schweren Hörbarkeit auch mit Zittas ganzer Gitarrengüte in allen Formen vom atmosphärischen Zupfen, über griffige Up-Tempo-Riffs bis zum sphärischen Solo nicht entkommt.

 

Schlimm, schlimm wird das erst so richtig - ja, das war's tatsächlich noch nicht -, wenn man sich im Pseudo-Blues Die Tochter Vom Wirtn einer Form der Romantik annimmt, die auf wenige Resonanz trifft. Natürlich kann man sich nicht einer gewissen Rührung erwehren, wenn Gregory bekennt, dass die "Prinzessin beim Glas'l woschn" die Einzige war, die er jemals wollte. Dramatische Wendungen verschönern das Schauspiel und doch fehlen ganz eindeutig fünf Doppler, um auf den gebotenen Graus einzusteigen. Im Spirituosen-Viertel sollte man eher daheim sein, doch auch das Anrufen des Alkochrist sorgt nur für bedenkliches Kopfschütteln. Immerhin gibt man sich dabei auf lyrischer Ebene aber auch wirklich alle Mühe:

 

"Ich hab ein Wirtshaus errichtet auf Erden

Wo alle Engel abgefüllt werden

Und am morgen, da hört man sie lallen

Wenn sie besoffen vom Barhocker fallen"

 

Bekomme ich ein gemeinschaftliches "Na, oida..."?!

 

Ein bissl versucht man sich daran, diese monochrome Präsentation zu durchbrechen und gibt sich bei Zeiten immerhin auf erträgliche Art scheu, wenn man sich in biederer AC/DC-Manier dem heimischen Rockerleben widmet oder aber einen Anti-Skifahrer-Aprés-Ski-Song zum Besten gibt. Da ist man dann wenigstens nur unspektakulär und dezent peinlich, macht aber weniger falsch. Gegen Ende lässt man überhaupt einmal die Zügel los und prescht mit Bottlehead musikalisch so drauf los, dass man fast an eine bandeigene Sternstunde glauben könnte. Als Instrumental wäre die Sache dann doch weniger lächerlich geworden, denn gesanglich wird es da ganz, ganz schlimm.

So wirklich lohnend präsentiert man sich deswegen eigentlich nur zwei Mal, auch wenn bereits dieses Zugeständnis ob der Form der Ausreißer ein schwieriges ist. Aber sei's, wie's sei, ein Track namens Wo San De Weiber macht tatsächlich etwas her, weil man sich mit den Tempowechseln einen dynamischen Gefallen tut, Gregory zu einer abgespeckten Topform findet und in den Zeilen genau die Selbstironie steckt, die man ansonsten in der humoristischen Sahel-Zone drumherum vergeblich sucht. S' Ollagreßte sorgt für ähnliche Lockerheit und ist als Siegeshymne der anderen Art vielleicht sogar dazu in der Lage, nüchterne Menschen zum Mitgrölen zu bewegen, ein bisserl Sauerstoffmangel könnte es aber trotzdem noch brauchen.

 

Da mag manch einer mehr Gutes in diesem Review gelesen haben, als ratingtechnisch zu erwarten gewesen wäre. Wenn dem so ist, dann heißt das Motto eindeutig, man darf nie die Tragweite beschissener Texte unterschätzen. Ok, wer wirklich nur auf die Musik schaut, für den gibt es das Eingeständnis, dass eigentlich ein Haufen ziemlich ordentlicher Instrumentals herausgeschaut hätten, immerhin ist vor allem in puncto Gitarrenarbeit wenig zu bemängeln. Aber jeder, der zwei seiner Gehirnzellen auf die beigefügten und zudem in den Vordergrund geklatschten Zeilen richtet, wird sich resignierend abwenden. Denn der Humor, so es denn einer ist, ist wirklich fernab jeglicher IQ-Skala. Würde man die Herren an Würstelständen und in Gasthäusern fragen, die mit dem Motto 'Immer besoffen ist auch ein geregeltes Leben', dann kämen wohl genau solche Texte heraus. An dieser Stelle sagt man üblicherweise irgendwas mit 'wem's gefällt' am Anfang. Also wem's gefällt, der muss sich bitte eine andere Website für Gleichgesinnte suchen. Hier herrschen die unanonymen Abstinenzler und die finden Alkbottle vertrottelt.

 

Anspiel-Tipps:

- Wo San De Weiba

- S' Ollagreßte