3 Feet Smaller - Insert Album Title Here: ...

 

Insert Album Title Here: ...

 

3 Feet Smaller

Veröffentlichungsdatum: 01.09.2002

 

Rating: 5 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 23.11.2013


Die schwierige Fortsetzung als Mischmasch der großen Kollegen.

 

Allererste, allzu offensichtliche Frage: Habts a Wette verloren? Gut, Cover wäre ausreichend beschrieben, schreiten wir zur Musik. Österreichs Pop Punk-Lieblinge in ihren Lehrjahren. Vor ebendenen standen schon ganz andere, sei es das allmächtige Triumvirat von Green Day oder aber NOFX - letztere mittlerweile im geschätzten fünfzigsten Jahr ihrer Lehre. Es sind schwierige Zeiten und doch ach so spannende. Alles ist neu, Soloflüge enden ähnlich wie anno dazumal Ikarus' Begegnung mit der großen gelben Scheibe am Himmel oder die ersten Versuche der Gebrüder Wright. Oder man schwingt sich einfach eines Adlers gleich in die Lüfte und macht auf protzig. Made in Austria ist weniger ehrgeizig, ein bisschen Spaß haben lautet deswegen das offensichtlichste Motto, die Qualität bleibt dabei bisweilen ein Stiefkind des Bandfokus.

 

Andererseits tut man sich ein bisschen schwer damit, Vorwürfe wirklich griffig anzubringen, stellt sich doch bald einmal die Frage, wie hoch hinaus es für die Wiener zu diesem Zeitpunkt überhaupt gehen kann. Mitten in die zweite Hochphase des Pop-Punk und dem ersten Abflachen des Emo Punk stürzt man sich in eine Flut an Einflüssen aus allen Ecken Nordamerikas und versucht tapfer, dem Ganzen den ureigenen Charme mitzugeben. So geht's dann eben mit einer Beziehungskrise im High-Speed-Stil los, ganz wie es Tom, Mark und Travis vorgezeigt haben. Dancing In The Rain macht sich dahingehend als energetische Eröffnung mit prominent simpler Bassline vielversprechend, lässt ähnliche Kraftausbrüche wie jene des Debüts erwarten. Diesmal sogar mit deutlich verbesserter Produktion und einem Sänger, der sich nicht ab und an im Hintergrund der gesamten Instrumentierung wiederfindet.

 

Und trotzdem heißt es bald, der Schein trügt! Denn im Gegensatz zum allzu geradlinigen Erstling, wartet diesmal endlose Abwechslung, die kaum einmal zwei Songs wirklich in die gleiche Richtung zieht. Man hat sich einen Namen gemacht - hierzulande spricht man davon, wenn einen etwa 500 Leute kennen - und diesen gilt es nun zu erweitern. Deswegen wird das Grundgerüst um die treibenden Drums und Marcus Smallers damals noch markant hohe Stimme ständig ausgebaut, findet sich in allerlei Genres wieder. Es winken ein paar Ska-Einflüsse, das Keyboard schummelt sich hier und da hinein und sogar dem Country nähert man sich ein-, zweimal an. So kommt keine Langeweile auf, so wirklich zum Jubeln ist einem dank der Umsetzung aber auch kaum. Das knappe El Feo Perro macht sich mit seiner grässlichen Bridge zwischen Rap und Reggae wenig Freunde, das gitarrenlastige Drumherum wirkt wenig animierend. Nur bedingt besser ergeht es Car Or Bike, das zwar dank starkem Ska-Bass für gute Rhythmen sorgt, mit grässlichem Stimmeinsatz von der Hinterbank und wenig ergiebigen Dialogfetzen jedoch stark an Drive verliert.

 

Den vermisst man auch in manch anderer Minute, wie das träge Snore beweist. Dreht die Band auf, wartet man dafür vergebens auf das nötige Extra, dass sie zu mehr als dem üblichen Durchschnittstrack machen würde. One Time Young oder die grässlich betitelte Hasstirade I Hear My Ass Farting Your Name können zwar musikalisch mit ihrer Energie punkten, zeigen aber textlich kaum im Positiven Flagge und verzücken auch mit ihrer Gitarrenarbeit nur oberflächlich. Man würde ihnen etwas mehr Mut wünschen, aus den Songs wirklich das herauszuholen, was drinsteckt. Ein bisschen an den Riffs geschraubt, vielleicht die ein oder andere Zeile zum Kopfschütteln eingemottet und es würde mehr Licht auf diese Minuten scheinen.

 

Die Band bewahrt sich aber doch höchstselbst vor einem wirklichen Flop. Signature Song One Night Stand macht da zum Beispiel ordentlich was her. Eines der wenigen Male, dass der gewöhnungsbedürftige Humor der Band wirklich zieht, zeigt sich doch eindrucksvoll, dass auch die Männer so ihr Problemchen mit zum Frühstück verloren gegangenen Beischlafpartnerinnen haben. Dazu kommen die einfache, aber wirkungsvolle Keyboard-Begleitung und der starke Riff, der sich im Zusammenspiel mit den guten Drums als großartiger Antrieb erweist. Ansonsten fährt man überraschenderweise in ruhigeren, auch ernsteren Gewässern hier sicherer. Recover lässt ein klein wenig Country herein, macht sich als schnelle, aber doch etwas verweichlichte Abrechnung mit dem Tourleben ganz gut, ähnlich wie die süßliche Romantik in der Pop Punk-Nummer Up To The Stars. Ein bisschen Enttäuschung kommt mitunter trotzdem auf, wartet man doch vergebens auf den lauten, schnellen Knall, den auf dem Vorgänger All The Time zumindest angedeutet hat.

 

Aber geschulte Psychologen, wie es die Wiener eben sind, wissen sie um den immensen Einfluss des letzten Eindrucks Bescheid und setzen die besten Songs glatt ans hintere Ende der LP. Kein kraftvoller Ausbruch, sondern gelungene Ausflüge in Richtung Power Pop, die den gesetzteren Ton so manches Tracks hier gut zusammenfassen. Sorry und On & On werden zu einem großartigen Finale, das sich musikalisch äußerst stimmig präsentiert und dank altgedienter Herzschmerz-Thematik auch emotional nicht in die Nähe des Versagens kommt. Textliche Einfachheit hin und her, da man netterweise in Sorry darauf verzichtet balladesque Züge anzunehmen, stattdessen riff-lastig ein bisschen aufs Tempo drückt, ist das Schnulzenpotenzial entsprechend gering. Selbiges gibt es sicher in der Mid-Tempo-Nummer On & On, ist aber wurscht. Die wieder mal gute Performance am Schlagzeug und Smallers gar nicht mal schlechte Vorstellung als Sänger lassen da wenig Kritik zu, die markante Bass/Gitarren-Kombination tut Ihriges zur äußerst starken Power-Ballade.

 

Ein trügerisches Ergebnis. Wir erwehren uns aber natürlich etwaiger Verblendungen durch die altbekannte Peak-End-Rule, allein schon weil der grässliche Hidden Track da störend einwirkt. Stattdessen wird das Fazit nicht allzu rosig. 3 Feet Smaller lassen Präzision und wirklich lohnende Ideen zu oft vermissen, um ihren wenigen Treffern mehr als altbekannten Durchschnitt und eigenwillig miese Soundausflüge entgegenzustellen. Deswegen müssen die starken Momente viel eher den Totalausfall verhindern, als dass sie "Insert Album Title Here: ..." zu einer wirklichen Verbesserung machen könnten. Das schaffen sie dann aber auch sicher und so bleibt nur das zu sagen, was hunderte miserable Schüler in ihrem Leben schon gehört haben: Es war bemüht!

 

Anspiel-Tipps:

- One Night Stand

- Sorry

- On & On