Wanda - Ciao!

 

Ciao!

 

Wanda

Veröffentlichungsdatum: 06.09.2019

 

Rating: 5 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 15.03.2020


Vereinzelte Lichtblicke in der gewohnt trüben Indie-Suppe.

 

Die Sinnfrage ist eine ganz wichtige im Leben. Wahrscheinlich stellt sie sich jeder irgendwann einmal und während es viele bei einem Schulterzucker belassen, ein paar dafür wirklich etwas Sinnvolles anstellen, wird es auch einige geben, die die Sinnlosigkeit als ultimative Wahrheit erkennen wollen. Dementsprechend könnte auch das Reviewschreibertum als fundamental sinnbefreit erachtet werden, wenn man es denn mal aus der Distanz betrachtet. Auf die Spitze getrieben wird das, wenn man auf so etwas wie Wanda stößt, wo sich das mit dem Rezensieren nach ein paar Jahren endgültig ad absurdum führt. Die österreichische Version einer kommerziell günstig verwertbaren Rockband legt weder die nötigen Entwicklungsschritte für eine notwendige Erörterung dieser hin, noch klingt sie a priori gut genug, um einfach generelle Beachtung rechtzufertigen. Insofern führt uns "Ciao!", die mittlerweile vierte Langspielplatte dieses unheiligen Gespanns, an den denkwürdigen Punkt, wo ein sinnloser Review über ein ziemlich sinnloses Album zu schreiben ist. No, schauma moi, wie des wird...

 

Die Schwierigkeiten beginnen dort, wo man ziemlich überzeugt davon sein kann, dass über Wanda mittlerweile so ziemlich alles gesagt ist, was man über sie sagen könnte. Nicht wegen jahrzehntelanger Berühmtheit oder unfassbarem, die Generationen beschäftigenden Einflusses, sondern aufgrund der monochromatischen Eindimensionalität ihres Schaffens, das aber nicht nur des gebotenen Variantenreichtums ermangelt, sondern auch in der Einförmigkeit keine unbändige Stärke findet, wie das AC/DC oder Bad Religion zeitweise hinbekommen haben. Stattdessen wirken die Österreicher einfach nur träge und zäh und ideenlos und von relevanten Inhalten oder Stärken befreit. Das kann seine Vorteile haben, sorgt oft genug für ein entspanntes Verdauen des Dargebotenen. Im Falle Wandas ist wiederum das immer so eine Sache, weil dieses Gemenge aus Penetranz, Seichtigkeit und dem abgestandenen Geruch immergleicher Melodien kaum von den Beinen kommt. Komischerweise gelingt es mit Ciao Baby!, der Leadsingle, ausgerechnet im seit dem Bandursprung bekanntesten Stil. Es ist ein erneuter Versuch, Bologna wieder aufleben zu lassen, der wieder einmal in Maßen funktioniert, auch wenn nachweislich nichts die spürbare Frische und die damit verbundene Energie des Durchbruchshits mitbringt. Den von Frontmann Marco Michael Wanda über hell runtergeschrammelte Riffs gekrächzten Refrain nimmt man trotzdem gerne mit, allein schon weil es das offensichtliche Heimspiel des Sängers ist. Dort und nur dort geht die Rechnung mit seinem markanten, oft deplatzierten Gesang wirklich auf.

 

Nach dieser archetypischen Eröffnung steht man aber bald den üblichen Problemen gegenüber. Die gemächlich-müden Schunkelmelodien der Band befördern alsbald Ein Komischer Traum, S.O.S. und insbesondere das einschläfernde Der Erste, Der Aufwacht ins Nirvana. Nichts davon kann etwas, das sich gesonderte Erwähnung verdient, außer man findet schon ereignisarmes Dahindümpeln spannend. Dass man sich produktionstechnisch langsam, aber doch sicher, in die richtige Richtung bewegt, dementsprechend instrumentale Akzente zunehmend deutlicher aus der unspektakulären Indie-Melange herausstechen, hilft dabei allein schon deswegen nichts, weil die versuchte Akzentsetzung fast ausfällt. Ein paar Streicher hier, ein kurzer schräger Keyboard-Einsatz da, ein bisschen Klaviergeklimper wieder woanders. All das wäre potenziell dazu geeignet, dem ganzen mehr Leben und Esprit zu verleihen, würde es sich aus dieser unsagbaren Banalität herausbewegen und so wenigstens irgendwann den Eindruck erwecken, es wäre wirklich nützlich. Stattdessen ist das alles - so viel ist es ohnehin nicht - einfach nur da, ohne irgendetwas zu bewirken, das sich bemerken oder gar benennen ließe. Ergo ist man die meiste Zeit relativ gelangweilt, auch wenn man netterweise selten belästigt wird. Eigentlich passiert das nur bei Vielleicht, das eine genuin peinliche Annäherung an so etwas wie die Beatles sein dürfte, dabei aber in einer unfassbar schläfrigen Pseudo-Emotionalität ertrinkt, die sicher nicht dadurch zu retten ist, dass hinter Wandas monotonem, dümmlich-kitschigen Gerede - Singen passiert nicht - die lethargischste mir vorstellbare Mischung aus den ewiggleichen Klavierakkorden, müden Drums und so etwas wie Gitarreneinsätzen steckt. In Wahrheit dramatisch, wie mies das wirklich wirkt.

 

Man muss also wieder mal auf die Suche nach den brauchbaren oder vielleicht gar guten Klängen gehen. Der eher angestaubte Indie-Pop von Nach Hause Gehen ist es dank funkiger Arbeit an der Gitarre und dem Bass sowie dem dazugebastelten Synths immerhin musikalisch. Ein Schneller Tod dank wacher Rhythmusabteilung und dahinrollenden Drums im Refrain genauso, auch wenn man sich frappant an frühere Erzeugnisse erinnert fühlt. Am ehesten kommt man noch bei Das Erste, An Was Ich Denk ins Schwelgen, weil es die gewohnten Muster so lebhaft gestaltet, dass man sich ein bisschen an die guten Seiten des Debüts erinnert fühlt. Das heißt sogar, dass der nunmehr altbekannte, mit Klavier verzierte Pop-Rock der Band hier nicht nur gut mit Wandas Stimme harmoniert, sondern beides im Tandem sogar für ein bisschen spürbare Euphorie und Emotion sorgt. Ansonsten heißt es etwas länger zu warten, bis man wieder etwas loben darf. Zu Wem Oder Was ist zwar bei genauerem Hinhören erschreckend leer auf textlicher Ebene, bringt aber musikalisch den oben beschriebenen Drive mit, setzt stärker auf das Klavier, kann aber gleichzeitig mit starken Einlagen an den Drums und an der Gitarristenfront gegen Songende aufwarten.

Die eigentliche Überraschung wartet allerdings ganz zum Schluss, wenn Alma als Closer wartet und man sich plötzlich fühlt, als wäre man auf "Led Zeppelin III" gelandet. Dass das nur eineinhalb Minuten dauert, ist ewig schade, das Instrumental wird aber auch so mit zum Besten, zum Harmonischsten und Interessantesten, was Wanda bisher zu bieten hatten. Dass da auf einmal vollends in den klassischen Folk Rock eingetaucht wird und zu luftigen Akustikzupfern lediglich noch die Streicher als malerische Unterstützung dazukommen, erwischt einen in äußerst positiver Weise am falschen Fuß. Da sollte vielleicht Bassist Reinhold Weber öfter um einen songwriterischen Beitrag gebeten werden.

 

Da das hier natürlich sonst nirgendwo passiert, bleibt "Ciao!" in seiner Gesamtheit relativ blass und allzu sehr im gewohnten Terrain. Weil man sich aber wenigstens zentimeterweise soundtechnisch in die richtige Richtung bewegt, einen unerwarteten Höhepunkt zum Finale nachschießt und die Erinnerungen an die relative Frische des Debüts nicht mehr gar so spärlich ausfallen wie auf dem Vorgänger, wird es doch irgendwie etwas mit dem besten Album, seit damals Bologna ums Eck gekommen ist. Das ist jetzt nicht allzu viel, aber womöglich ist wenigstens das Tal der endlosen Ausrechenbarkeit durchschritten. Andererseits macht die Band hier verdammt wenig, um einen davon zu überzeugen, dass aus ihr irgendwelche Ideen sprudeln könnten. Stattdessen ist es ein bisschen wie das aufgewärmte Essen von gestern, das aber da schon nicht so prickelnd geschmeckt hat. Ob das wirklich das Ziel war, wage ich einmal ganz vorsichtig zu bezweifeln.