The B-52's - Cosmic Thing

 

Cosmic Thing

 

The B-52's

Veröffentlichungsdatum: 27.06.1989

 

Rating: 6 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 21.06.2014


Das Erfolgscomeback für das schrägste, was New Wave anzubieten hat. Leider nicht angriffig und nicht schräg, aber immerhin kurzweilig.

 

So unsympathisch es manchen Menschen macht, so sehr kann einen Musik überzeugen, wenn sie komplett sinnfrei daherkommt. Seien wir ehrlich, altgediente Partyhits wie Pump Up The Jam oder Macarena sind nicht wegen ihrer gewichtigen Botschaft weltbekannt - auch nicht wegen ihrer musikalischen Tragweite, aber das ist eine andere Baustelle - und was wäre das heutige Dance-Zeitalter ohne Songs wie Moves Like Jagger oder Pharrell Williams' Happy, beide alles andere als tiefgründig. Genau deswegen dürfen auch die bunten Vögel von den B-52's sein, was sie sind, eine reine Partytruppe. Und, so konsequent sind sie dann doch wieder, "Cosmic Thing" versucht in keinster Weise an diesem Image zu schrauben.

 

Aber wer kann es ihnen auch verdenken? Der lange Zeit bekannteste Song heißt Rock Lobster, zählt allerlei Strandgetier und 100 weitere Schwachsinnigkeiten auf und steht trotzdem in der heiligen Rolling Stone-Liste. Genauso wie Love Shack. Der bis heute größte Hit der Band verleitet auch 1989 zum Feiern, ist das beste Beispiel für die großen Vorzüge der Band. Das markante Gesangstrio Fred Schneider, Cindy Wilson und Katy Pierson besticht durch eine merkwürdig sprunghafte Performance, eine geniale Harmonie, die dem Track großartige Dynamik verleiht. Auch dank tatkräftiger Unterstützung von Keith Strickland, dem der großartige Funk-Riff und der geniale Beat zu verdanken sind. Mehr braucht's nicht für einen Ohrwurm.

 

Doch die Single legt nicht alles hier offen. Opener Cosmic Thing schlägt in die gleiche Kerbe, wirkt weniger ausgewogen, spielt dem Quartett aber doch wieder in die Hände. Diese eigenartige Energie, die von dieser Band ausgeht, streift einen abseits davon aber leider zu selten. Zu oft schießen einem Phrasen wie 'playing it save' oder 'taking a back-seat' in den Kopf. Zu wenig Dampf und zu wenig Ideen stecken in Songs wie Dry County oder Deadbeat Club. Dort ist das Tempo draußen und alles zählt auf die schrägen Percussions und die Charakterorgane der drei Sänger. Im Fall von Dry County funktioniert das noch als pseudo-misanthropische Langschläfernummer, vor allem weil sowohl Bass als auch Keyboard für etwas Leben sorgen. Ähnlich wie bei der zweiten Erfolgssingle, Roam, kommt aber nicht so wirklich Freude auf. Obwohl, gerade Roam beginnt mit Minimal-Psychedeliceinfluss stark und kann mit lockeren Gitarren und den markanten Claps im Hintergrund punkten. Allerdings ist es nicht das falsche Konzept, das die Performance in den ruhigeren Nummern drückt, sondern deren Länge. Fast alles hier schielt in Richtung Fünf-Minuten-Marke und leidet unter einem etwas gleichförmigen, zähen, für B-52's-Verhältnisse langweiligen Sound. Besonders trifft das Deadbeat Club und Junebug, bei denen man zwischendurch schon etwas auf die Uhr linst und ein Ende, wenn schon nicht herbeisehnt, dann doch nicht ablehnen würde.

 

Dass sie genau diese zurückgelehnteren Songs auch draufhaben, beweisen spät aber doch Bushfire und Topaz. Ersterer erinnert mit dem markant rockigeren Sound an Hero Worship vom Debüt, schlägt erfolgreich die Brücke zwischen Entspannung und animierender Performance. Topaz dagegen gibt sich gänzlich Ersterem hin, überzeugt als psychedelisch angehauchte, gewohnt unverständlich getextete Reise durch die Welten eines Ecstasy-Trips. Es scheint eine Art Lucy In The Sky With Diamonds im Stile der New Wave-Veteranen zu sein und auch wenn hier keine Rede von Beatles'schem Talent sein kann, überzeugt der Song als überraschend ausgewogene und insbesondere nicht leblose Wiederholung dessen, was in der ersten Hälfte der LP weniger gut geklappt hat.

 

Dass allerdings die hyperaktive Seite der Band immer die bessere sein wird, belegt Channel Z eindrucksvoll. Was mit dem Titeltrack und Love Shack schon angedeutet wird, findet hier die endgültige Bestätigung: Auch nach ihrem Comeback können die Amerikaner ihren Paradesound noch bestens abliefern. Schneider, Wilson und Pierson sind so perfekt im Einklang, dass jede einzelne schräge, ins Nichts gerufene Zeile gefällt und mit einer genialen Bassline, dem nächsten Top-Auftritt von Gitarrist Strickland und dem Stop-and-Go-Stil des Songs werden diese Minuten zu den kurzweiligsten und mit Sicherheit lohnendsten auf diesem Album. Bedingt auch dadurch, dass der Nonsens-Charme des Debüts in diesem Song in Bestform zurückkehrt und einem unter anderem folgendes bereithält:

 

"Hamburger ads! - Pop up in my head

On the edge of Aquarius - I'm living on the edge

Secret wars! - Take my money away!"

 

Keine Ahnung worum's geht? Gut so. Es sind genau diese 'what the hell'-Momente für die man die Truppe aus Athens (beinahe-Nachbarn von R.E.M.) einfach mögen muss, wenn man auch nicht immer daran vorbei kommt, ihren Humor mit einem großen Stirnrunzeln zu quittieren.

 

Kurzum, hinter einer B-52's-Platte verbirgt sich auch nach dem Comeback noch das Gleiche wie vorher. Der unerwartete Tod von Gitarrist Ricky Wilson hat der Band eine Zwangspause beschert, so wirklich geschadet hat sie aber immerhin ihrem Sound nicht. Zumindest dann nicht, wenn sie sich auf ihre altbekannten Stärken besinnt und im Gleichschritt musikalisch und textlich in ihre ganz eigenen verqueren Welten entschwebt. Das macht das Quartett hier zu selten, um groß aufzutrumpfen. Zu normal sind sie diesmal fast schon. Oft genug schimmert aber noch die Durchgedrehtheit durch, die sie Anfang der 80er bekannt gemacht hat.

 

Anspiel-Tipps:

- Love Shack

- Channel Z

- Topaz