The Blues Brothers - The Blues Brothers

 

The Blues Brothers

 

The Blues Brothers

Veröffentlichungsdatum: 20.06.1980

 

Rating: 7 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 05.08.2016


Klassiker-Stunde inmitten vieler Blechschäden. Die Gastfreundschaft macht dabei den Unterschied.

 

Schon ganz interessant, wie sich der Blick auf manche Begriffe oder Aussagen mit der Zeit ändert. Den Umständen geschuldet natürlich, die Begriffe selber sind ja nur da. Aber der Blickwinkel ist eben ein anderer, was unter anderem dazu führt, dass man psychiatrische Phänomene nicht mehr einfach Geisteskrankheit nennt und der Negerkuss irgendwie nicht mehr so genannt wird. Die Gründe sind offensichtlich. Und auch die Blues Brothers hätten ein offensichtliches Problem, würden die heute mit dem Trademark-Satz "We're on a mission from God." daherkommen. Ganz schlechter Beigeschmack anno 2016. Dabei war das alles so harmlos damals, sieht man von der exorbitant hohen Zahl an Totalschäden und dem Naziauflauf im Film ab. Eigentlich nur eine gediegene Verfolgungsjagd mit dem Ziel, dem Blues ein kleines Mahnmal zu setzen. Letzteres sollte musikalisch passieren, wurde auch so gehandhabt. Und obwohl sich die Band allerlei klassisches Material herausgepickt hat, reicht es nicht so ganz zum Klassiker.

 

Überhaupt lässt sich leicht sagen, dass die erste Studio-LP der Blues Brothers Band auf einer Ebene eine Enttäuschung ist. Auf jener nämlich, die die beiden Leithammel Dan Aykroyd und John Belushi selbst ins Rampenlicht rückt. Von unbändiger Energie und nicht enden wollendem Charisma ist insbesondere zu Beginn wenig zu spüren. Gut, dass der Peter Gunn Theme zu einer zähen Angelegenheit wird, kann man beiden nicht vorwerfen. Der entpuppt sich auf fast vier Minuten ausgewalzt als das, was er ist: Ein legendäres, aber eben doch banales Instrumental. Da helfen alle Versuche, mit den Bläsern atmosphärische Klänge und leidenschaftliche Soli einzubauen, nichts. Das lahmt einfach. Ähnlich wie She Caught The Katy und sogar Hitsingle Gimme Some Lovin', die beide niemanden am richtigen Fuß zu erwischen scheinen. Die besten Virtuosen an Gitarre, Drums, Bass und Saxophon ändern wenig daran, dass das nicht nach einem wilden Ritt, sondern nach einer netten Sonntagsausfahrt klingt. Durch die Bläsersätze, das Mundharmonika-Solo von Aykroyd oder die knackigen Riffs fallen keine Wände, es wird nur Legenden gehuldigt.

 

Da kann es einfach nicht überraschen, dass die LP genau dann aufwacht, wenn mit Ray Charles eine dieser Legenden ihren Auftritt hat. Mit dem an vorderster Front, vor allem aber dank der viel leichtfüßigeren Trompeteneinsätze klingt das Cover von Shake A Tail Feather wie ein Spätstart für den Blues-Motor, den Belushi mit seinem Auftritt nicht wirklich zum Laufen gebracht hat. Die Gaststars bleiben auch die Hauptverantwortlichen für die besten Minuten der LP. Über allem thront Aretha Franklins Neuaufnahme von Think. Deren überwältigende Stimmgewalt dominiert nicht nur ihre in 60er-Manier eingespielten Background-Sängerinnen, sondern auch die eigentlich so formidable Rhythm Section, die einen fast vergessen lässt, dass da Keyboard und Saxophon auch noch dabei sind. Ein Auftritt der Extraklasse, wohl aber auch generell die beste Komposition dieser elf Tracks. Was den Rest jetzt nicht ganz abwerten soll, aber Cab Calloways Jazz-Klassiker Minnie The Moocher ist als zweiter Standout-Moment viel eher seiner genialen Performance - auch im Schlagabtausch mit dem Live-Publikum - und dem sympathischen Big-Band-Gewand zu verdanken, weniger der Finesse des Stücks an sich.

 

Damit aber die eigentlichen Helden, die beiden Komiker im schwarzen Anzug, nicht gar so schlecht wegkommen, seien Everybody Needs Somebody To Love und der Rawhide Theme erwähnt. Die sind frisch, energiegeladen und versprühen den Charme und Witz, den man sich von Beginn an erwartet hat. Natürlich ist nicht so ganz sicher, ob man der Band wirklich dabei zuhören will, wie sie sich im Western-Terrain abstrampelt. Andererseits besitzt Aykroyds tiefe Stimme den nötigen komödiantischen Charakter, um solch einen Ausritt gelingen zu lassen, umso mehr weil Belushis sporadische Einwürfe ihn ins beste Licht rücken. Dass die beiden als wirkliches Duo überhaupt am besten funktionieren, zeigt einem Everybody Needs Somebody To Love schnell genug. Unterbrochen von Aykroyds sich überschlagenden Sprechbeiträgen, wirkt Belushi mit seinem kernigen Gesang hier das einzige Mal so, als würde er wirklich in den Blues-Rock hineinpassen. Wahrscheinlich hilft es da schon sehr, dass drumherum alle Geschütze aufgefahren werden, die Band in voller Mannstärke auf allen Zylindern fährt und die Background-Sängerinnen den nächsten starken Auftritt hinlegen.

 

Und so ist man trotz Respektabstand zu einem wirklich großen Album irgendwann ziemlich zufrieden mit dem, was die Blues Brothers so anzubieten haben. Sogar die elendiglich lange, zum Ende hin lahmende Rendition von Sweet Home Chicago lässt man sich gefallen, weil drumherum nicht nur die Hingabe zum altehrwürdigen Blues überdeutlich wird, sondern manchmal auch die richtigen Leute dafür da sind. Selbst dann, wenn James Browns Gospel-Schauspiel zum charismatischen, aber unflüssigen Chaos mutiert. Obwohl die Beiden mit der Sonnenbrille sporadisch andeuten, dass sie auch musikalisch zu höherem berufen sein könnten, ist es die illustre Gastschar, die eine LP vor dem Schicksal bewahrt, einfach eine von talentierten Musikern gemütlich runtergespielte Hommage zu sein. Deswegen und nur deswegen darf es heißen: Mission erfüllt. Aber lassts nächstes Mal trotzdem die himmlische Märchenfigur aus dem Spiel.