Brad Fiedel - Terminator 2: Judgement Day

 

Terminator 2: Judgement Day

 

Brad Fiedel

Veröffentlichungsdatum: 01.07.1991

 

Rating: 5.5 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 18.07.2015


Industrielle Fertigung ohne Drang zur Musikalität, dafür mit durchdringender maschineller Kälte.

 

Terminator for President! Also wegen dem Arnie wär's. Der darf ja nicht, weil er blöderweise eine steirische Eiche ist und keine amerikanische. Der Terminator ist dafür aus 100 Prozent US-Fertigung und nachdem die dortige Verfassung nichts über zu viele Schaltkreise oder metallisches Skelett sagt, wäre er wohl wählbar. Immerhin darf auch Donald Trump kandidieren. Und spätestens seit dem cinematographisch großartigen Auftritt im zweiten Teil der Cyborg-Saga darf man ihn sogar mögen, denn da hat er dem kleinen John Connor ja das Leben gerettet und ist zum großen Helden mutiert. Und solch Konzept, so alt und ausgelutscht es auch sein mag, wird mit Protagonisten, die zur Hälfte Metallhaufen sind, gleich eine ganz andere Geschichte. Erstens heißt es Unmengen an Geld aus dem Fenster zu schmeißen für coolste Special Effects, zweitens und damit endlich bei der Sache wird das auch musikalisch ein gutes Stück schwieriger mit dem richtigen Feeling. Brad Fiedel probiert sich daran und serviert qualitativ eine gemischte Platte.

 

Dabei weckt es natürlich doch ein gewisses Interesse, wenn man sich quasi gegen jede Form klassischer Instrumentierung entscheidet, dafür dem Filmcredo folgend voll auf die synthetische Schiene setzt. Mischt man das mit knochigem Industrial-Charme, so ist zwar anheimelndes Feeling außer jeglicher Reichweite, die kühle Aura dieser Mischung verspricht aber schon einmal einiges. Der eröffnende Main Theme zeigt sich dann auch gleich von der passenden Seite, holt den legendären Theme-Track des ersten Teils in die 90er und versetzt ihn mit abgehackter Percussion, die sich als metallisches Getrommel aus der Drum Machine ausreichend dynamisch gibt. Abgesehen von kurzem, elektronischem 'Gejaule' mittendrin bleibt aber nur der markante Keyboard-Sound, dessen allenorts bekannte Melodie auch ohne zu viel Schnickschnack drumherum Wirkung zeigt und mit hämmerndem Beat finalisiert wird.

 

Soweit zu den ersten zwei Minuten, über 50 weitere warten noch. Und das ist der Anfang aller Probleme. Schon das folgende Sarah On The Run zeigt sich trotz interessanten, fast flötenähnlichen Blips und spröder, nadelstichartiger Percussion von einer zahmen Seite, die noch allzu oft Überhand nehmen soll. Eigentlich probiert Fiedel anfangs noch genug, versucht sich an verschiedenen atmosphärischen Sounds, doch die wenigsten seiner Kompositionen tun über die gesamte Länge genug, um aus ihrer gewollten Unrhythmik mehr zu machen als reine Hintergrundbeschallung für den Film. Attack On Dyson hat da zum Beispiel nicht viel mehr als die kurze, elektronische Imitation altbekannter Fax-Geräusche und lange, lange vor sich hinstampfenden, trägen Beat, gepaart mit eher mickrigen Keyboardlines, die sich betont atmosphärisch geben wollen, dabei aber an einem massiven Melodie- und Tiefenwirkungsmangel leiden. Our Gang Goes To Cyberdyne schwimmt ähnlich mäßig vor sich hin, versinkt ein bisschen in minutenlangem Zusammenspiel schussartiger Percussion und einer markanten Synthie-Line. Und so wird viel Zeit verschwendet mit Erwartungen schürenden Titeln wie Swat Team Attack oder Hasta La Vista, Baby, die aggressive Soundexplosionen mit aller industriellen Härte vermuten ließen, letztlich aber nur den durchschnittlich endenden Versuch von durchdringender Atmosphäre bieten.

 

Wie es richtiger ginge, hört man aber trotz allem noch mancherorts. Die Zutaten sind auch dann immer noch die gleichen, doch vor allem ein aggressiverer Ton scheint dem leblosen Sound urplötzlich mehr Vitalität zu verpassen. Das bekommt man früh genug mit, wenn sich Escape From The Hospital mit hämmerndem Brachialbeat und schwelenden Keys präsentiert. Doch die angriffige Art verschafft nicht nur dem Altbekannten mehr Charakter und eine drückend-unheilvolle Qualität, spätestens ab Trackmitte erlebt man auch urplötzlich die präzise, rasante Soundfolge, die dem Industrial-Sound entgegenkommt. Ein sich überschlagender Beat, schneidende, höchsten Streicher-Noten gleichende Synthies, die prägnant eingestreut sind, und unterschwellige Key-Lines. Auf die Art steckt genau die Art mechanischen Lebens in dem Track, die quasi Quintessenz der Filmreihe ist. Ein überraschendes Hoch erlebt diese Qualität noch einmal mit dem frenetischen Tankerchase, das genau diese Formel noch einmal in kurzer, knackiger und letztlich vor allem lauterer Form präsentiert.

 

Dass auch anderes geht, kann Fiedel nur selten zeigen. Die anhaltend pulsierenden Synthies von I'll Be Back schaffen trotz oder gerade wegen ihrer unglaublichen Eintönigkeit eine leicht hypnotische Stimmung, die sich auch dank eines kurzen Wutausbruch zum Ende nicht ganz so tot läuft, wie man denken möchte. Positiver und vor allem abwechslungsreicher präsentiert sich die ruhige Desert Suite. Eine ganz dezent eingesetzte Akustikgitarre begleitet aufs Minimum reduzierte Keyboard-Töne, die in ihrer sanften Art fast Ambient-Charakter haben und damit den vielleicht atmosphärischsten Moment der LP besorgen, wohl aber auch einen ziemlich langwierigen, der in der Menge elektronischer Tracks verloren wirkt wie sonstwas.

 

Ansonsten passiert verdammt wenig, das einen vereinnahmen könnte. Vor allem die finalen Momente, die den langwierigen Endkampf zwischen den Connors und Arnie einerseits, dem T-1000 andererseits begleiten, tun das auf unerwartet defensive Art. Vielleicht sorgt nur die ohnehin schon lang andauernde Beschallung mit Fiedels Elektronik-'Feuerwerk' für eine wirksam werdende Übersättigung, aber obwohl insbesondere die Synthesizer endlich einen griffigeren Ton gefunden haben und mehr Kraft in den Arrangements steckt, springt der Funke nicht mehr über. Man nimmt die unheilvollen Töne von Terminator Impaled wohlwollend zur Kenntnis, genauso wie man die schrägen Blips von T-1000 Terminated nicht schlecht findet und trotzdem kann das Ende bald einmal kommen.

 

Wenn es denn geschafft ist, bleibt immer noch die Aufgabe, das Gehörte irgendwie entsprechend zu beurteilen. Und das ist schwierig. Denn Brad Fiedels Methoden haben ihm Ruhm eingebracht und die Synthies in den 80er-Soundtracks mehr denn je etabliert. Mitnichten sind sie wirklich falsch, gerade der 'Terminator'-Reihe steht ein solch unnatürlicher Klang klarerweise prächtig. Aber abseits des Films wird bei den Tracks zu "Terminator 2: Judgement Day" vor allem klar, wie wenig sie eigentlich die meiste Zeit für die Qualität eines solchen Klassikers geleistet haben. Das heißt noch nicht das Schlimmste, denn tatsächlich stecken in dem Soundtrack einige nette Spielereien und hin und wieder sogar eindrückliche Darbietungen. Doch die längste Zeit mangelt es dem Album trotz des so markanten Stils an wirklichem Charakter und Nachdruck, sodass das Meiste eher den Weg des mühsamen Mittelmaßes geht. Da hält es sich dann bei einer knappen Stunde instrumentaler Musik wirklich nicht allzu leicht durch.