The New Pornographers - Together

 

Together

 

The New Pornographers

Veröffentlichungsdatum: 04.05.2010

 

Rating: 6 / 10

von Mathias Haden, 01.02.2016


Trotz schwindender Inspiration charmieren die Kanadier weiterhin mit leichtfüßigen Pop-Hymnen.

 

Seit den 60ern ein gängiger Begriff, hat sich der Terminus 'Supergroup' bis in die Neuzeit gerettet. Gemeint ist eine Gruppe/Band, deren Mitglieder bereits vor der Gründung (erfolgreich) auf eigenen Pfaden unterwegs waren. Mit 'super' hat das zwar nicht immer viel zu tun, wir erinnern uns da gern an Box Car Racer oder Lindemann (an die dann doch nicht so gern, stimmt's Kris?), doch sind die Erwartungen logischerweise meist hoch, wenn sich renommierte Musiker zusammenschließen, um ein bisschen auf den Putz zu hauen. Gefeierte Acts wie Crosby, Stills, Nash & Young oder Cream haben immerhin auch unter Beweis gestellt, dass diese nicht immer ungerechtfertigter Natur sind. Eine meiner liebsten Supergroups der letzten 20 Jahre, obwohl offiziell gar nicht als solche bekannt, ist unter all den irrwitzigen Konstellationen das kanadische Power Pop/Indie-Rock-Ensemble The New Pornographers. Wer die göttliche Neko Case in seinen Reihen weiß, der hat ohnehin schon gewonnen, mit Dan Bejar, den man besser als Kopf von Destroyer kennt und A.C. Newman neben anderen hat man da schon eine schlagfertige Truppe beisammen. So verliefen die ersten Jahre auch nach Wunsch und ließen so manchen Kritiker ins Schwärmen kommen. Als auch die Solokarrieren langsam zu florieren begannen, stellte sich das kreative Leuchtfeuer vorerst auf Sparflamme.

 

Das bringt uns auch schon direkt ins Jahr 2010, in dem der fünfte Longplayer Together den Weg in die Plattenläden finden sollte. Albumtitel und Artwork versprechen ein gesundes Klima innerhalb der Band, freilich keine Selbstverständlichkeit bei unterschiedlichen Charakteren. Leider stellt sich das Gefühl, die Pornographers würden noch so harmonieren, wie noch ein halbes Jahrzehnt zuvor, nicht mehr ganz so schnell ein wie damals. Während sich Case wie meistens im Bandoutput in ihrer Stimmgewalt und den Solo praktizierten Country-Noir-Tönen zurückhalten muss, auch seit dem Debüt keinen Song für die Band geschrieben hat, ist es primär der Destroyer-Frontmann Bejar, der mit seinen eigenwilligen Songideen und der unverkennbaren, quietschigen Stimme die Aufmerksamkeit auf sich ziehen will. Den Auftakt macht trotzdem der primäre Songwriter Newman - und das mit Erfolg. Zuerst mit dem hymnenhaften Moves, einer wohldosierten Mischung aus knackigem Riff, Streichern, Killer-Hook und guest vocals von Okkervil River-Chef Will Sheff; danach mit dem von Case vorgetragenen Crash Years, das mit den Rezepten des Vorgängers kocht, in sämtlichen Belangen aber Überlegenheit ausstrahlt. 

 

Apropos hymnenhaft: Auf die Zuweisung dieses Adjektivs legen die Kanadier besonderen Wert, kaum ein Refrain, mag er auch noch so wenig catchiness versprühen, lässt die Stimmen der Protagonisten nicht verschmelzen, den mitreißenden Charme des Power-Pop hochleben. Das hat auf Together letztlich aber auch den faden Beigeschmack, dass einige Songs ein bisschen arg flach ausfallen. Single Your Hands (Together) geht da mit bestem Beispiel voran, fusioniert drückende Drums mit straightem, überflüssig hartem Gitarrensound und garniert es mit ödem Gebell: "Put-put-put your hands together / For the silver bullet make me / Put-put-put your heads together / For the cause and cure we're waiting". Auch Up In The Dark brennt sich dank seines eingängigen Refrains tief in die Gehirnrinden, letztlich ist es aber lediglich Case' starker, melodiöser Harmoniegesang, der lobende Worte abringen kann.
Überhaupt fällt es wieder schwer, die Singer-Songwriterin trotz überwiegend gehemmter Gangart - man will den Kollegen ja nicht die Show stehlen - nicht wieder als großen Lichtblick der LP herauszuheben. My Shepherd, auf dem sie wieder ein bisschen mehr Raum für ihre kräftige Stimme erhält, wird durch diesen auch auf ein Niveau gehoben, für das der von Newman geschriebene Song gar nicht konzipiert war. Fast wie Valkyrie in the Roller Disco, das seinem schwachsinnigen Titel zwar, Gott sei es gedankt, nicht annähernd gerecht wird, neben hervorragender Produktion mit schönem Zusammenspiel von akustischen und elektrischen Gitarren mit sanften Klaviertupfern wiederum durch den feinen Harmoniegesang von Newman und vor allem Case profitiert.

 

Gegen Ende darf sie sich wieder etwas zurückziehen, mit - aber nicht nur wegen - ihr auch die Qualität der Platte. Das liegt u.a. daran, dass Bejar kurz vor Schluss mit Daughters Of Sorrow, das abseits ein paar netter Bläser überhaupt keinen Drive entwickelt, die schwächste seiner drei Kompositionen in den Ring wirft und mit dem endlosen, elendig langweiligen Closer We End Up Together mit erwähnenswerten Streichern, ansonsten eher apathischen Beiträgen seiner sonst so bemühten Musiker ein Schlussstrich gesetzt wird. Unter ein Album, das die Vorzüge einer funktionierenden, weil letztlich doch harmonierenden Einheit erneut in den Fokus rückt. Von den drei Hauptcharakteren wäre höchstens Newman auf die Zusammenarbeit angewiesen, so können sich im freundschaftlichen Gedudel ungezwungen exzellente Pop-Hymnen aus dem Boden stampfen lassen. Leider hat das auf Album #5 mittlerweile den Effekt, dass sich Bejar mittlerweile seine starken Songs für die Solokarriere aufhebt und Newman nicht mehr die songwriterische Finesse der frühen Jahre ausstrahlt. Wie auch immer, Together weiß dank einer Handvoll packender Pop-Perlchen noch positiv zu stimmen, stellt demnach eine ordentliche Ergänzung zum Bandkanon dar und bestätigt immerhin die eingangs aufgestellte These, dass nicht immer alles super sein muss, bei diesen Supergroups.