Kevin Federline - Playing With Fire

 

Playing With Fire

 

Kevin Federline

Veröffentlichungsdatum: 31.10.2006

 

Rating: 0.5 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 26.08.2016


So weit weg von jeglicher Qualität, dass selbst die Langeweile sich zu langweilen beginnt.

 

Auf dieser unserer Erde ist Platz für jeden von uns. Für manche ein wunderschönes Credo, das es zu verwirklichen gilt, aber es gibt doch auch eine Schattenseite. Man schleppt dann eben auch Leute mit, die wirklich NIEMAND da haben will. Das war alles noch einfacher, als die Erde eine Scheibe war. Da hast dir den geschnappt, der weg sollte, bist kurz ans Ende der Welt gesegelt, ein kleiner Schubser übers Ende und schon war die Sache gegessen. Aber heute? Keine Chance. Vielleicht ist das ganz gut so, immerhin scheint die Wahrscheinlichkeit, dass das aus dem Ruder läuft, ziemlich hoch. Die Liste derer, die niemandem abgehen würden, ist trotzdem ausgesprochen lang. Mittlerweile ist es über zehn Jahre her, dass sich einer komplett aus dem Nichts weit oben auf diese Liste gesetzt hat. Ganz ähnlich, wie das angeblich mit den Habsburgern abgelaufen ist, war auch Kevin Federline nur deswegen kurzzeitig im Rampenlicht, weil er richtig geheiratet hat. Britney Spears geht nur bedingt als richtig durch, für ihn war es aber auf alle Fälle ein Upgrade. Der Rest der Welt dagegen...wurde gequält.

 

Es ist ja anzunehmen, dass Federline kaum noch jemandem etwas sagt. Solche Katastrophen verdrängt man eben gemeinschaftlich. Er ist der Typ, der einfach nur Backgroundtänzer war und urplötzlich trotzdem jedem bei jeder Gelegenheit auf die Eier gehen musste. Und weil ihm das über Interviews und Reality TV noch nicht genug gelungen ist, war er ähnlich urplötzlich Rapper. Möglicherweise lohnt sich der Versuch, die Schritte, die zu diesem gigantischen Verbrechen mit Ansage geführt haben, zu rekonstruieren. Im Hintergrund tanzender Vollpfosten trifft psychisch strauchelnden Popstar. Psychisch strauchelnder Popstar verliebt sich wie wild in Vollpfosten dank komplett über Bord geschmissener Fähigkeit, klar zu denken. Selbiges Problem führt zu der Annahme von Popstar, Vollpfosten wäre ein Genie und würde überall, wo man ihn hinstellt, unerreichtes Talent beweisen. Vollpfosten freut sich, weil er jetzt tun darf, was er will, ohne irgendwas davon verdient zu haben. Und ehe man "Scheiß Idee" sagen kann, steht Vollpfosten im Studio.

 

Das hätte mit der Musik absolut nichts zu tun, wäre es nicht essenziell, um die vollkommene Leere dieser LP halbwegs verständlich zu machen. Die wirklich einzig richtige Entscheidung, die Federline in Bezug auf dieses Projekt getroffen hat, ist die für das Rappen und gegen das Singen. Nicht, dass er irgendwie rappen könnte, er ist miserabel. Aber diesen Menschen singen zu hören, übersteigt die Vorstellungskraft der größten Masochisten. Dabei hat er schon so gar keinen Flow. Die langweiligsten, uninspiriertesten Performances von Snoop Dogg oder 50 Cent bringen einen nicht einmal in die Nähe dieses rhythmusbefreiten, kraftlosen, gestelzten Gebrabbels. Das, was er im Opener The World Is Mine aufführt, erinnert an die wahnsinnig motivierten Volksschüler, die dazu verdammt wurden, vor ihren Klassenkollegen ein paar Seiten vorzulesen.

 

Es ist anzunehmen, dass unser Hirn für den Fall, dass ein Aspekt eines Albums so durchgehend versagt - zugegeben, er findet sich auf Lose Control und Privilege wenigstens ein bissl -, einfach auf andere Dinge konzentriert. Muss es eben die Musik rausreißen. Hab ich schon erwähnt, dass dieser Mensch schlicht nichts im Schädel hat? Deswegen passiert auch musikalisch genau nichts. Tracks wie Snap, A League Of My Own oder gar Playing With Fire lahmen so dermaßen, dass teilweise der Eindruck entsteht, irgendwer hätte einfach versehentlich etwas vergessen, als das produziert und gemixt wurde. Da ist nichts, nada. Ein Beat, der den Puls einer 95-Jährigen imitiert, irgendwelche komischen Synth-Brocken, die pflichtschuldig reingeschmissen wurden, indem einer der Beteiligten unmotiviert auf drei, vier Knöpfe gedrückt und ein paar Regler herumgeschoben hat. Das alles klingt so leblos, einschläfernd und aus der Hip-Hop-Resteverwertung kommend, dass sich unweigerlich die Frage ergibt: Was zur Hölle hat eigentlich das halbe Dutzend Produzenten gemacht, während dieses Album aufgenommen wurde?

Der einzige von den Vögeln, der einigermaßen etwas getan zu haben scheint, ist Bosko. Keine Ahnung, wer das ist, aber er verschafft Federline mit den G-Funk-Gitarren in Privilege den einzigen ordentlichen Moment und lässt auch den Gastauftritt von Britney - juhu, die wollten wir alle hören - im peinlichen "Liebesduett" Crazy mit ganz dezenten orientalischen Einflüssen überleben. Nicht nur das, er ist mit seinem Beitrag für Privilege auch ein rappender Lichtblick, der dem banalen Drogentrack wenigstens ordentlichen, entspannten Flow beschert.

 

Völlig überraschend überzeugt einen aber die Musik trotzdem nicht wirklich. Also so gar nicht. An diesem Punkt ist "Playing With Fire" so langweilig, dass einem außer dilettantisch kein anderer Begriff mehr einfällt, um das Ding zu beschreiben. Es entbehrt einfach jeglicher Eigenschaften, abgesehen von seiner komatösen Aura und der Absenz von allem, was man gemeinhin als gut klingend bezeichnet. Aber keine Angst, es warten noch genug Gelegenheiten, um ein paar Adjektive anzubringen. Denn es gibt hier Texte, das heimliche Heiligtum vieler Rapper. Und Kevin Federline hat der Welt offenbar einiges mitzuteilen. Hauptsächlich, wie geil er und sein Leben nicht sind. Sowas kennt man von manchen Rappern, aber das verhält sich dann schon ähnlich wie mit der Arroganz: Man muss doch etwas vorweisen können, um mit sowas daherzukommen. Und Federline hatte selbst auf seinem Zenit nichts außer einer Hochzeit mit einem Superstar und der Chuzpe, der Welt andauernd Dinge zuzumuten, ohne Talent für irgendwas davon zu haben.

So nebenbei hat er auch keines für das Schreiben von Texten. The World Is Mine, sein allererstes Plädoyer für die Großartigkeit des Kevin Federline, beinhaltet die Zeilen: "Create my own style, I ain't never been a bad guy /
Tell the media I'm really not a bad guy."  Welcher bescheidene "style" ist das, bei dem man "bad guy" auf "bad guy" reimt? Der muss das limitierte Vokabular eines 6-Jährigen haben, um wirklich keine Alternative zu finden. Mein Problem ist jetzt, diese Lyrics sind so voll mit vollkommen hirnverbranntem Müll, dass der allein einen ganzen Review füllen könnte. Deswegen muss eine einzige Zeile reichen, die ultimative Form der Selbstdeskription des in Wahrheit besten Rappers aller Zeiten: "Yeah, I'm as hot as a pizza oven."

 

Und wer sowas schreibt, der ist sich entweder bewusst, wie unbeschreiblich lächerlich es klingt, und heißt dementsprechend wahrscheinlich Weird Al Yankovic oder er ist einfach komplett hin in der Marille. Bei Federline ist es noch schlimmer, bei dem dürfte nie viel in der Marille drin gewesen sein. Mit dem im Hinterkopf werden sich jetzt manche fragen, warum dann überhaupt ein Review für den Schmock?! Ganz einfach: Es drängt sich im Lichte dieses Machwerks unweigerlich die Frage auf, warum zur Hölle ich noch von niemandem gebeten wurde, doch bitte ein Album aufzunehmen. Ich kann genauso wenig rappen, wahrscheinlich besser singen, hab mehr Gefühl dafür, was annehmbar klingt und kann unter Garantie Texte schreiben, die infinit besser sind als dessen Geschwurbel. "Playing With Fire" gibt mir die Gelegenheit, gleiches Recht für alle - nein, wurscht, nur für mich zu fordern, damit auch ich ein Album aufnehmen kann, das am Ende keine Sau kauft. Zeit wird's!

 

Anspiel-Tipps:

- Privilege

- Crazy