Jack Johnson - On And On

 

On And On

 

Jack Johnson

Veröffentlichungsdatum: 06.05.2003

 

Rating: 5 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 28.09.2013


Mister Folk Pop macht das, was er immer macht: Folk Pop.

 

Zzzzzzzzzzzzzzzz…oh…ja…aufwachen, Review schreiben, natürlich. Aber er macht’s einem nicht ganz so leicht. Denn "On And On" ist bei Gott kein Feuerwerk, es ist kein Überangebot an innovativen Ideen. Nein, es ist einfach ein Typ, der mit seiner Gitarre dasitzt und sich sein Lebensglück von der Seele singt.

 

Das allein ist ja jetzt kein Ausschlusskriterium für gute Musik, das beweisen schon seine späteren LPs. Immerhin ist es ganz schön etwas gute, lockere 'Feel Good'-Stimmung geliefert zu bekommen in einer Zeit, in der die US-Einwohner allgemein als 'american idiots' dastehen, wir von allen Seiten erzählt bekommen, wie unfair wir nicht mit dem Planeten umgehen, und sich eine nicht ganz so kleine Wirtschaftskrise weltweit breit macht. Da sind Nummern wie das träumerische Holes To Heaven, das einen in die eigene Kindheit zurückführt, oder Anti-Eifersuchts-Track Cupid schon eine nette Abwechslung.

 

Dass einen Johnson mit seinen Drei- manchmal Vier-Akkord-Liedern sehr selten zum Dahinschmelzen bringt, ist allerdings auch bekannt. Das schafft er hier auch bestenfalls bei drei Songs. Zum einen bei Gone, dem 'all-time favourite', der mittlerweile weniger 'favourite' und noch weit weniger 'all-time' ist. Trotzdem, so eine Nummer, die sich gegen den globalen Materialismus wendet, die hat schon etwas. Denn die Songs des Hawaiianers haben schon immer dann am besten funktioniert, wenn ein bisschen Melancholie mitschwingt und genau das gelingt hier. Bei Taylor hilft dagegen vor allem die Erinnerung an Ben Stillers Auftritt im dazugehörigen Video und die seltene Eigenschaft des Ohrwurms unter den Johnson-Liedern. Ja, der bleibt hängen. Die Nummer 3 heißt Rodeo Clowns, ist vor allem humortechnisch ein kleiner Farbtupfer im Album und dürfte neben den zwei Erstgenannten der einzige Track sein, der ein wenig nachhallt, nachdem "On And On" vorbei ist.

 

Abseits davon plagen das Album allerdings markante Probleme. Oder vielleicht eher die nicht so markanten. Denn so oft kann man das Album wohl kaum hören, damit einem wirklich ein großer Teil der Songs in Erinnerung bleiben würde. Nahezu nichts trennt Traffic In The Sky von Cocoon oder Times Like These von Cookie Jar. Es ist eben schon eine ziemliche Kunst, beinahe nur gestützt auf die Akustik-Gitarre 16 einzigartige Nummern abzuliefern und Jack Johnson beherrscht sie nicht. Die längste Zeit ist "On And On" nett, schwingt so leicht vor sich hin und bietet den perfekten Hintergrund für einen lauen Sommerabend. Die längste Zeit sind es aber auch uniforme Songs, die einem bei genauerem Hinhören nichts Spezielles offenbaren könnten.

 

Problem Nummer 2 ist die nicht enden wollende gute Stimmung von Johnson. Mag sein, dass die Welt nicht ein einziges Hundstrümmerl ist und dass das Leben ja doch ein ganz schönes sein kann. Aber diese LP funktioniert nach dem Motto: "Alle sind freundlich, alle sind happy, alle sind froh" (Die Ärzte - Hurra). Nicht einmal Bob Marley hätte je ein Album abgeliefert, das sich so eindimensional anfühlt, wenn es um die Stimmung geht. Man kann das natürlich machen und dafür wird's auch immer ein Publikum geben, besser wäre es aber, man könnte die eigene Musik dann doch so interessant gestalten, wie es eben Marley gelungen ist.

 

Großer Vorteil von "On And On" ist natürlich die Tatsache, dass es erfreulich dezent ist. Heißt also, selbst wenn da nichts Besonderes zu finden ist, es geht doch immer, denn sonderlich nervenaufreibend ist ein Durchgang des Albums sicher nicht. Viel mehr ist er eine Übung in buddhistischem Gleichmut oder, etwas zynischer, in musikalischer Gleichförmigkeit. Man kann sagen was man will über den Johnson Jack, aber er ist kein genialer Musiker. Und trotzdem, irgendwo versteckt sich in "On And On" eine sympathische Seite.

 

Anspiel-Tipps:

- Taylor

- Gone

- Rodeo Clowns