Crazy Frog - Crazy Frog Presents Crazy Hits

 

Crazy Frog Presents Crazy Hits

 

Crazy Frog

Veröffentlichungsdatum: 25.07.2005

 

Rating: 0.5 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 16.12.2013


ICH WAR DABEI................................................................................................................Leider.

 

Es kann nicht viele Gründe geben, diesem Album tatsächlich so viele Zeilen zu widmen, wie es denn letztlich wohl werden. Einer so offensichtlich sinnfreien, musikalisch beinahe unerträglichen, von reiner Geldgier zerfressenen Platte wie dieser hier. Aber die Begründung ist eine weniger ehrenvolle, als vielleicht gedacht. Denn abseits der Leichtigkeit, die hinter so einem Review liegt - nichts geht leichter von der Hand als vernichtende Kritik -, ist die simple, wenig erfreuliche Ursache dafür folgende: Ich hab da dazugehört. Anno 2005 fand ich den Remix von Axel F stark und ich habe tatsächlich diese LP besessen. Nicht als Geschenk eines mit ziemlich schwachem Humor ausgestatteten Freundes, sondern mit eigenem Geld erworben (das Geld war wahrscheinlich irgendwann mal das meiner Eltern und Großeltern, aber trotzdem). Eine Tatsache, die alle übrigen Reviews plötzlich in ein ganz anderes Licht rückt, oder?

 

Na gut, sehen wir über diese törichte Verfehlung hinweg und widmen wir uns der 'Musik', die hinter dem blauen Frosch ohne Hose steckt. Nicht davonlaufen, es muss ja sein. Aber in Wahrheit geht das Ganze kurz und schmerzlos. Denn die großen künstlerischen Errungenschaften hinter dem Kurzzeit-Star beschränken sich im Großen und Ganzen auf zwei Bereiche: Zum einen hätten wir die ins 21. Jahrhundert geholten Dance-Klassiker, die die Elektronik-Abteilung hinter der animierten Figur tatsächlich nicht völlig zerstören konnte. Die andere Seite bietet dafür genug Gelegenheit für einige Minuten betroffenes Schweigen, entgleisende Gesichtszüge und möglicherweise auch länger anhaltende Ohrenschmerzen. Dort finden sich nämlich die Eigenproduktionen der Crazy Frog-Truppe, deren Eindruck von skurril lästig bis zu erschreckend grausam reichen.

 

Nehmen wir uns doch zuerst die 'gute' Seite vor. Da finden sich alte Bekannte. Weithin bekannt wäre da zum Beispiel der durchaus ordentliche Remix des 'Beverly Hills Cop'-Themes Axel F, starke Dancefloor-Nummern wie I Like To Move It, Don't You Want Me oder Get Ready For This, die zumindest nicht zur Gänze das verlieren, was sie irgendwann einmal zu großen Hits gemacht hat. Am besten äußert sich die Remix-Wut der Produzenten aber wohl beim 90er-Hit der Belgier von Technotronic, Pump Up The Jam. Was ganz augenscheinlich sehr zum Erfolg oder Misserfolg all dieser Wiederaufbereitungen beiträgt, ist das Maß, in dem sich der Frosch in die Geschichte einmischt. Je seltener die pseudo-lustigen Geräusche der schwedischen Kreation in einem Track vorkommen, desto besser wirkt dieser. Es ist keine hundertprozentig treffsichere Aussage, allein Get Ready For This beweist aber, dass zu viel des Crazy Frog auch einem Klassiker schaden kann.

Allerdings retten sich nicht einmal hier alle Tracks in die Arme der Mittelmäßigkeit oder zumindest der mühsamen Belanglosigkeit. Denn unter den Myriaden an möglichen Eurodance-Tracks der 90er wird da ausgerechnet der Song We Like To Party von den Vengaboys recycelt. Ein Song, der einem grundsätzlich schon die Haare aufstellt, diesmal auf die Spitze getrieben durch die Geräusche des Froschs. Aber es geht ja immer schlimmer. Und so kommt einem erst gegen Ende der absolute Gipfel der Geschmacklosigkeit entgegen. Einen Remix bekommt hier allen Ernstes: Der 'Dallas'-Theme-Song. Wer es nicht mehr weiß, 'Dallas' war die Kultserie der 70er mit der weltbekannten einleitenden Melodie, die, wie wir dank dem Crazy Frog jetzt wissen, in einer Eurodance-Version so grässlich klingt, dass einem die Idee für einen neuen Paragraphen in der UNO-Menschenrechtskonvention kommt: Schlechte Musik sollte, erreicht sie ein Maß an Grässlichkeit wie in diesem Fall, in allen Fällen zu einer Ächtung des Musikers führen. Im Zuge dessen muss der Geächtete entweder sein Leben lang täglich seine eigene Musik hören oder aber ins Exil, sofern möglich auf eine verlassene Forschungsstation in der Antarktis.

 

Es könnte durchgehen...

 

Nun aber - ja, jetzt kommt sie endlich - zur schlechten Seite. Denn unter den selbsterdachten Titeln des Albums, so sie denn wirklich welche sind, gibt es gerade einen, der zumindest daran kratzt mehr als erträglich zu sein. In The 80's heißt der Song und irgendwie hält er, was der Titel verspricht. Man fühlt sich so ein bisschen in die Disco-Zeit der späten 80er zurückversetzt, auch wenn man sie nicht kennt. Und, kaum zu glauben, der Crazy Frog läuft zur Höchstform auf, ist hier nur halb so nervtötend wie auf den übrigen Tracks. Dafür gelingt es irgendwie sogar den Dallas Theme zu toppen und mit 1001 Nights den absoluten Tiefpunkt zu präsentieren. Die orientalischen Sounds kombiniert mit einer Extra-Portion des Crazy Frog bringen in diesen paar Minuten eine Mischung zusammen, die das Äquivalent zu geschätzten 3000 an einer Tafel kratzenden Fingernägeln ist. Gerade zwei Tracks sind mir in meinem Leben untergekommen, die schlechter sind. Zumindest einer findet sich hier.

 

Für diesen gibt es sogar einen eigenen Absatz. Als großen Abschluss unserer Reise durch die Crazy Hits bekommen wir was? Den Crazy Frog in einer 'A Capella'-Version. Das heißt, über drei Minuten bekommt man nichts, außer die gesammelten Sounds des blauen Ungetüms in komprimierter Grässlichkeit. Es sind, mit Verlaub, sehr schwierige Minuten, nein, sogar Sekunden. Denn die lyrische Tiefe übersteigt nie das "Ding-Ding-Dong" oder "Boomsch-Boomsch" oder aber auch "Bam-Bop-Bam-Bop" der vorherigen Songs. Fragen wie die nach dem Sinn des Lebens müssen denen weichen, die endgültig die Existenz eines Gottes anzweifeln, und einer ganz wichtigen: Was zur Hölle denken sich die Auftraggeber, die Macher, die Konsumenten und allen voran die Eltern der Macher, wenn sie so etwas hören?

 

Nein, wir enden nicht mit einer unbeantworteten Frage. Dafür mit dem Fazit, dass die "Crazy Hits" fast gänzlich unerträglich sind, weniger als null Wert haben und einen Beweis für grässlichen Geschmack einiger Menschen und die ziemlich skrupellose Geldgier ein paar anderer Menschen darstellen. Kurz: Das ist echt scheiße!

 

Anspiel-Tipps:

- Axel F

- Pump Up The Jam