Bloodhound Gang - Hard-Off

 

Hard-Off

 

Bloodhound Gang

Veröffentlichungsdatum: 18.12.2015

 

Rating: 2.5 / 10

von Kristoffer Leitgeb, 29.07.2017


Da soll noch einer sagen, infantilster Humor und umfassende Langeweile könnten nicht miteinander.

 

Yeah, Comeback-Time! ..... Comeback-Time ..... ComeBACK-Time ..... Comeback-TIME ..... Warum reagiert hier niemand? Die Betonungsvarianten werden nicht mehr, wissts? Ah, doch: COMEback-Time! So müsste zumindest Jimmy Pop jubeln. Wer den nicht mehr kennt, gehört wahrscheinlich der Generation nach der meinigen an oder hat sein Gedächtnis erfolgreich rebootet und von unnützem Ballast befreit. Der Rest kennt ihn noch, irgendwo im Hinterkopf schwebt er, als der Typ im Affenkostüm, der mit der Aussprache Probleme hat und an thematischer Verengung leidet, wie es Mario Barth nie schaffen würde. Das zündet alles nicht mehr, eine Tragödie. Die Bloodhound Gang ist aber ein Stück Zeitgeschichte, wenn auch ein verdammt unrühmliches. Wer allerdings eine Dekade verstreichen lässt, nachdem er sich mit einem beschissenen Album verabschiedet hat ohne die nötigen Abschiedsworte, der verdient es vielleicht nicht anders, als dass keiner mehr nach einem fragt. Wer "Hard-Off" macht, noch eher.

 

Gerade da liegt ja der Rottweiler begraben. Diese LP ist scheiße. Wundern kann es ja sowieso keinen, aber ich kann mich wirklich nicht mehr erinnern, wann die simple Sinnfrage hinter einem Album so verdammt unbeantwortbar war wie in diesem Falle. Nicht nur, dass die Band schon 2008 mit Lüpüs Thunder den einzigen Pfosten mit erkennbaren instrumentalen Fähigkeiten abgeben musste, "Hefty Fine" war ja schon echt...heftig. Weil es die Absenz beinahe jeglicher humoristischen Note mit einer musikalischen Nichtig- und Einfallslosigkeit gepaart hat, dass man sehnsüchtigst an die alles andere als glorreichen Vorgänger zurückgedacht hat. Diesmal schafft man es fast, den heftigen Vorgänger annehmbar wirken zu lassen. Wobei die Mixturen auf musikalischer Ebene ähnliche sind wie damals. Rap-Rock ist ja Geschichte, schon verdammt lange und im Falle dieser US-Amerikaner ist das nichts Gutes. Der Ersatz, abwechselnde Auswüchse lahmsten Alt-Rocks und weit eher gelungener Parodien auf die Dance-Allgegenwart, ist wie ein Stachelschwein ohne Stacheln. Hässlich und ohne jegliche Waffen. My Dad Says That's For Pussies, sowas lässt man sich als Opener zum Aufwärmen ja noch einreden. Es sind schläfrige Riffs, die diesen Rock mit seiner kraft- und kantenlosen Natur in Richtung Ziel bringen sollen. Aber sie tun einem nicht weh, weil sie eine Melodie ihr Eigen nennen und risikolos dahinplätschern. 

 

Wobei Risikolosigkeit und Bloodhound Gang im Verbund für sich schon schwachsinnig wirkt. Das wäre wie Bad Religion ohne Politik. Wozu dann das Ganze?! Für eine Folk-Persiflage der mäßigeren Art, die aus dem Nichts das Klavier ins Spiel bringt, ohne es übelst zu missbrauchen. Für ein Dance-Duo mit monotonen Beats und den rudimentären Überbleibseln von Jimmy Pops Stimmakrobatik. Viel mehr gibt es zu den passablen Minuten der LP nicht zu sagen, vielleicht abgesehen von der Tatsache, dass die Retro-Synths von Diary Of A Stranger zusammen mit dem dämlichen Akzent das Potenzial für einen der besten Songs der Band bereithielten. Dimes zeigt eigentlich auf, wie das aussehen könnte und krönt sich damit schon zum einsamen Albumtrumpf. Vielleicht kommt es daher, dass die Wurzeln dieses fünfköpfigen Übels in der relativen Nähe zum Hip-Hop zu suchen sind, deswegen also die kaum einmal von Gitarren gestörte, stampfende Rhythmusbrachiale, die der Track darstellt, den Mannen und vor allem dem mit dem Mikrofon eher liegt. Was so weit führt, dass man der gesanglichen, eigentlich eher sprachlichen Eintönigkeit des Jimmy Pop im Kontext des spätberufenen Dance im 90er-Stil eher zujubeln würde als in Momenten vermeintlich rockigen Naturells. Auf alle Fälle zieht der einigermaßen, wie sonst nur mehr Chew Toy, wobei die offensichtlichste Parodie moderner Musiktrends in Form minimalistisch-billiger Elektronik mit sperrigem Beat und verzerrter Saxophon-Hook im Refrain sogar als genuin gelungen bezeichnet werden darf. Ändert nichts an der müden Präsentation, aber immerhin besser als Uhn Tiss Uhn Tiss Uhn Tiss.

 

Allerdings gibt es eine zweite Hälfte und die lähmt einen. Vor allem das Hirn versetzt sie in eine erschreckende Paralyse. Socially Awkward Penguin kommt über den starken Titel nicht hinaus, zerbricht sogar an den dadurch gestiegenen Erwartungen. Spätestens da ist man nämlich des tempofreien Gesangs und der kraftlosen musikalischen Begleitung überdrüssig. Eigentlich ohnehin schon vorher, aber da wird es dann einfach mühsam, sich dieses von allen interessanten Klängen, Textzeilen und Gags befreite Kunstwerk zu geben. "Hard-Off" ist in diesem Sinne beinahe leer. Kaum einmal grausam, eigentlich das nur im Falle von Think Outside The Box, das den Sager "Ask not what your cunt can do for you, ask what you can do for your cunt" - schon beim ersten Hören ein Kopfschüttler - bis zum Exzess und kompletten Verdruss wiederholt. Abseits davon wird man vermeintlich verschont mit Exzessen der Bodenlosigkeit, allerdings nur ohne die Feststellung, dass letztlich auch veritables Nichts irgendwann eine bodenlose Frechheit darstellt. Das vor allem, weil die Band anscheinend dazu verdammt ist, ohne Witz und Originalität auch gleichzeitig jede Fähigkeit zu einer nicht scheintoten Umsetzung einbüßt.

 

Deswegen zieht sich die LP wie ein Shyamalan-Film und ist auch ähnlich bizarr. Letzteres vor allem wegen zwei Aspekten, nämlich einerseits der absoluten Unvereinbarkeit mancher Songtitel mit dem Inhalt. So zum Beispiel We're Gonna Bring The Party To You, das dank schleppendem Beat und ähnlich lebhafter umgebender Rock-Instrumentierung jede Partytauglichkeit sofort von sich schiebt, stattdessen dank der miserablen Qualität einem Hip-Hop-Trauermarsch ähnelt. Andererseits spart Jimmy Pop erwartungsgemäß nicht mit sexuellen Innuendos und (prä-)pubertären Wortspielchen, die aber in ihrer Präsentation und Ausformung jeden Überraschungseffekt, jeden Esprit - passt das Wort überhaupt irgendwie zu der Band? - vermissen lassen. Die Zeile "As your biggest fan I must demand you let me eat your ass" ist durchaus zum Lachen, sie ist aber auch fünfzehn Jahre älter als alles auf "Hard-Off" und stammt aus The Ballad Of Chasey Lain. Was Jimmy Pop anno 2015 so allgemein zu bieten hat? "This Fairtrade coffee tastes like gay", "Camping with your bros, as your playoff beard grows / Ain't gonna get your wack ass laid", "But my bros all call me Itch / (With the silent B) / But that spells Bitch."

 

Das erlaubt dann wirklich nur mehr ein leichtes, ernüchtertes Seufzen, wenn das erinnerungswürdigste Stück Text die erste Zeile von Diary Of A Stranger und damit "I came from Düsseldorf" ist. Das übrigens nur wegen der auf ewig genialen Aussprache dieser Stadt durch anglophone Menschen. Wofür reicht so etwas? Olymp, Hades, einen Rundflug mit Ikarus? Nein! Die Bloodhound Gang bleibt auf der Erde und zwar unter den Sterblichen. Dort ist es auch vorhersehbar scheiße und latent hoffnungslos. Nirgendwo sonst könnten die US-Amerikaner besser aufgehoben sein. "Hard-Off" ist schmerzhaft, allerdings primär wegen seiner kompletten Unnötigkeit. Nichts hier verleiht der LP eine wirkliche Daseinsberechtigung. Vermisst hat sie ja sowieso quasi niemand, aber das fünfte Album der ewig 14-Jährigen geht weit genug, dass selbst die auf ein Minimum geschrumpfte Fangemeinde die Frage stellen wird, wo die Band geblieben ist, die irgendwann einmal Ohrwürmer zwischen Provokation, Dämlichkeit und verschämten Lachern geliefert hat. Ich sage es euch: Sie ist zwei Generationen vor der jetzigen verloren gegangen.

 

Anspiel-Tipps:

Dimes

Chew Toy