Copy! Right?

Anfang April diesen Jahres von mir gestartet, hat das Projekt "Copy! Right?" zum Ziel, heimische Musiker nach deren Meinung zum neuen EU-Urheberrecht zu befragen und entsprechende Rückmeldungen der Künstler zusammenzufassen. Hintergrund ist der, dass von den Befürwortern der Reform oft genug eine faire Entlohnung von Künstlern und der Schutz von deren intellektuellem Eigentum als Motivation hinter den Reformplänen genannt wurden, gleichzeitig aber in meinen Augen keine Anstrengungen unternommen wurden, um die Ansichten der betroffenen und vermeintlich profitierenden Künstler zu diesem Thema zu erfragen. Das möchte ich zumindest teilweise und damit vor allem unter österreichischen Musikern nachholen, weswegen ich eine Vielzahl davon angeschrieben und um Stellungnahmen gebeten habe. Alle bisher eingelangten, aussagekräftigen Statements sind unten in alphabetischer Reihenfolge angeführt.

 

Sollte Interesse bestehen, auch selbst etwas zu diesem Thema loszuwerden, dann bitte nicht zögern und entweder über das Kontaktformular oder die Mailadresse leitgeb.musicmaniac@gmx.at bei mir melden. Vielen Dank dafür im Voraus!

 

Letztes Update: 28.06.2019

Blinded By Stardust:

 

Das aktuell angewandte Urheberrecht ist in die Jahre gekommen, eine Anpassung an die heutigen Bedürfnisse ist deshalb sicherlich notwendig. Generell sollten einerseits Rechtsverletzungen verhindert und andererseits kreatives Eigentum und das freie Internet geschützt werden. Keine Zensur, keine Einschränkungen und keine Bevormundung. Ob aus dem neuen Urheberrecht wirtschaftliche Vorteile für Künstlerinnen und Kulturschaffende entstehen, bleibt fraglich und Kritik daran, durch die Gefahr der Einschränkungen der freien Internetznutzung, berechtigt.


Chronic City:

 

Aus unserer Sicht sollten Firmen, deren Geschäftsmodelle auf der Distribution von Content basieren, auch dafür verantwortlich sein - und die Urheber bzw. daran Beteiligten entsprechend vergüten. Copyright- bzw. Leistungsschutzrechtsverletzungen haben sich mangels Gesetzgebung als Norm für Musikschaffende und Produzenten etabliert. Ein eigentlich haarsträubender Zustand, der vor allem den schweren Mühlen der Gesetzgeber geschuldet ist.

 

Beeindruckend ist, was für panische Polemiken in dieser Diskussion ausgetauscht werden: Manche sprechen von "Zensurfiltern" und dem "Ende des Internet" oder der "freien Meinungsäußerung". Andere sehen Musiker als gierige Megareiche oder - als krasser Gegensatz dazu - arme Staatskünstler. Ein interessantes Bild, wenn wir daran denken, dass Konzerne wie Google (mit YouTube) deutlich weniger für einen Play zahlen als etwa Spotify und Co. (Nicht, dass das wiederum für's Leben reichen würde).


Electric Indigo:

 

Offen gestanden hab ich mich nur am Rande mit der Novelle auseinandergesetzt und mir keine Meinung dazu gemacht. Ich bin so mit Arbeit und Reisen eingedeckt, dass diese Gesetzesänderung, die ich gar nicht direkt beeinflussen kann, ganz weit unten auf meiner Prioritätenliste steht.

 

Grundsätzlich informiere ich mich über solche Angelegenheiten am liebsten bei iRights.info:

https://irights.info/

Ich sehe mich tendenziell eher auf der Copyleft, denn auf der Copyright-Seite und finde es interessant, z. B. mit Creative Commons zu experimentieren. Dennoch ist meine Haltung nicht unbedingt 100%ig stringent, denn ich bin z. B. auch Mitglied bei der GEMA.


Gnackwatschn:

 

Danke, dass du dir die Zeit nimmst und einmal nachfragst. Schade, dass nicht die Entscheidungsträger im Vorhinein kurz nach der Meinung der Betroffenen und vermeintlich "Profitierenden" fragen.

 

Wir finden es prinzipiell sinnvoll, eine zeitgemäße Regelung über die Urheberrechte durchzusetzen, allerdings hilft die beschlossene Regelung im Entwurf Artikel 17 nicht den Künstlern, sondern nur einigen wenigen großen Konzernen, was unserer Meinung nach das eigentliche Ziel verfehlt und wieder mal nur Gschäftlmacherei ist. Wir fühlen uns auch als Künstler etwas instrumentalisiert und bevormundet, weil man uns für so etwas immer wieder als Argument vorschiebt und, wie du schon sagst, im Vorfeld niemand gefragt hat, was überhaupt unsere Bedürfnisse in dieser Sache sind, geschweige denn eine mögliche Lösung zusammen mit Urhebern entwickelt hat. Es ist schade, dass nun so eine halbgare Lösung durchgesetzt wird, die das Internet schlechter macht, wenn es so eine tolle Möglichkeit gewesen wäre, etwas für die Kunstschaffenden, Medien und in weiterer Folge auch für große Konzerne zu tun.

Uns ist momentan nicht einmal klar, ob wir überhaupt profitieren oder sogar noch negativ davon beeinflusst sind, wie es sich im Endeffekt ergeben wird, wie man selbst dafür sorgen kann, dass die eigenen Inhalte nicht durch Dritte verteidigt werden, wo sie nicht verteidigt werden müssten,... alles sehr undurchsichtig momentan. Was man aber schon mitbekommt, ist, dass Unsicherheit und Angst herrscht, was immer negativ ist.


Daniel Rumpel - Hunger:

 

Es kommt wie immer sehr darauf an, WIE und WAS letztendlich umgesetzt wird.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es ja schon eine Art "Uploadfilter". Wir können z.B. auf YouTube einsehen wenn jemand unsere Werke verwendet und können diese Verwendung sperren, freigeben oder monetarisieren. Das ist nicht schlecht aus unserer Sicht.

 

Ich denke, es trifft eher andere, z.B. die Content-Produzenten, die Musik verwenden wollen.

Im Großen und Ganzen ist uns wichtig, dass unsere Musik verfügbar ist für Content-Produzenten, wir aber den Überblick haben und ggfs. monetarsieren können.

Dafür müssen aber alle großen Plattformen mit den großen Verlegern, Labels zusammen arbeiten und Deals abschließen, die auch eine finanzielle Abgeltung für die Musikschaffenden beinhaltet. 

 

Die Googles & Co wollen natürlich möglichst viel freie Verfügbarkeit von Musik und anderen urheberrechtlich Geschützen Inhalten…

Fluch und Segen würde ich mal sagen. Spotify ist da wohl das beste Beispiel wie beide Welten gut zusammen funktionieren.


Alf Peherstorfer - Kommando Elefant:

 

Vielen Dank für deine Anfrage und dein Engagement!

Ich muss aber ehrlicherweise sagen, dass ich mich damit gar nicht näher (über die Medien hinaus) beschäftigt habe, da es mich aktuell eigentlich nicht betrifft. Ich lebe zwar nun seit einigen Jahren als Musiker, hier ist es aber so, dass ich entweder direkte Gagen bekomme (Theatermusik) oder von der Live-Situation der Band lebe: Gagen für Gigs und Live Verkäufe der Alben. Verkäufe im Handel haben sich bei uns immer im sehr kleinen Bereich abgespielt, sodass für meine/unsere Arbeit eine Verbreitung im Netz eigentlich wichtiger ist, um Bekanntheitsgrad zu erlangen, als hier auf Rechtefragen zu schauen.

 

Generell sehe ich aber schon, dass es eine Haltung gibt, die meint, dass kreatives Schaffen und die daraus resultierenden Produkte gratis sein sollen - diese Haltung finde ich nicht gut. Als KünstlerIn kreiert man Werke, die KonsumentInnen in welcher Form auch immer unterhalten (und sei es, dass man sich darüber aufregt) - das muss adäquat gewürdigt und auch vergolten werden.


Manu Mayr - Kompost 3:

 

Keiner von uns weiß genau, was die Richtlinie in der Praxis oder für unsere Akm Abrechnung für Auswirkungen haben wird.

 

Wir befürworten grundsätzlich den Schutz von Urheberinnenschaft.

 

Wir wissen auch, dass durch die Richtlinie politische Berichterstattung auf Social Media, etc. erschwert werden kann.

Das befürworten wir natürlich nicht.

 

Grundsätzlich gilt:

 

Kleine bzw. unabhängige Künstlerinnen leiden unter undurchsichtigen, international variierenden Tantiemenabrechnungsregelungen.


Michael Semler - LEONS MASSACRE:

 

Persönlich bin ich ein großer Verfechter der Freiheit des Internets. Über Jahrzehnte war es ein Netzwerk, das ohne Reglementierungen vielen Personen eine Möglichkeit der Präsentation und Verwirklichung gegeben hat. Das Internet mit all seinen Inhalten und Informationen war maßgebend für unsere Generation, da mittlerweile niemand mehr in einen Plattenladen gehen muss, um sich den neuen Release seiner Lieblingsband anhören zu können. Was natürlich auf der einen Seite in einem gewissen wirtschaftlichen Verlust mündet, ist auf der anderen Seite eine enorme Chance durch den einfachen Zugang zu den Inhalten eine enorme Reichweite zu generieren. Durch die Digitalisierung haben sich einfach die Vertriebskanäle verändert, diesen Wandel darf man als Content-Ersteller auf keinen Fall ignorieren.

 

Auf der anderen Seite soll nun die Wirtschaftlichkeit für Kreativschaffende und deren Intellectual Property (IP) durch Artikel 13 wieder angekurbelt werden, was grundsätzlich auch einen wichtigen Schritt für die zukünftige Verwertbarkeit darstellt. Einem erstmals übergeordneten bzw. staatlichen Eingreifen in die Freiheit des Internets und deren Inhalte sehe ich dennoch kritisch entgegen, da nicht klar ist, wie solche Lizenzabkommen im Endeffekt aussehen. Hier wurde etwas beschlossen, das einen großen Teil der für das Internet wichtigen „Uploader“ betrifft, jedoch ohne Informationen wie diese Pläne konkret aussehen werden. (Vielleicht wurde dies auch nicht richtig kommuniziert)

 

Ich habe Artikel 13 auch nur sehr oberflächlich verfolgt. Dennoch habe ich die gespaltenen Meinungen der Kreativ-Welt gesehen. Ich denke hier fehlt eine gewisse Klarheit, wie dieser „Spagat“ zwischen einem freien Internet mit all den Möglichkeiten, die dieses für Kreativschaffende mit sich bringt, und einem System, das für eine angemessene Verwertbarkeit durch reglementierendes Eingreifen sorgt, nun tatsächlich umgesetzt wird.


Management - The Makemakes:

 

Prinzipiell ist es so, dass aus Blickwinkel der Musikindustrie zu fragen ist, ob diese Entwicklung nicht viel zu spät kommt und ob nicht viele alternative Vermarktungsmethoden, die als Reaktion auf die unkontrollierte Nutzung und Verbreitung entstanden sind und heute zum Alltag der erfolgreichen Musikpromotion gehören, davon Schaden nehmen werden.


Harry Gandler - MASTIC SCUM:

 

Ich bin grundsätzlich für den Schutz der Urheberrechte, aber zugleich auch Verfechter der Freiheit des Internets. Die neue Reform ist leider etwas undurchsichtig. Eine zeitgemäße und faire Regelung bzgl. der Nutzung und der Finanzierung ist schon lange überfällig.


Stefan Poiss - mind.in.a.box:

 

Ich halte gar nichts davon. Diese "Urheberrechtsreform" ist ein weiterer Schritt Kontrolle über den Content des Internets zu erlangen.

Es wird ein schön sanft klingender Titel gewählt der von dem eigentlichen Sinn dahinter ablenkt.

Es geht um Macht und Kontrolle. Wie fast immer.


Dauawizzy - PerVers:

 

 

Natürlich war das bei uns auch Thema.

 

 

 

Wir sind eine relativ kleine Band und Tantiemen spielen bei uns, leider, noch keine Rolle.

 

Aber sollte der Artikel 13, so wie er anscheinend ist, tatsächlich umgesetzt werden, ist das

sicher auch für uns ein Problem. Gerade im "klassischen Hip Hop", wo auch gesampelt wird.

 

 

Wir haben nicht die Mittel, um alles klären lassen zu können, auch für Mixtapes, eine gute Form von Promotion für einen Artist. All das könnte man so dann nicht mehr machen. 

 

Oder ein Video, wenn da zufällig irgendwo, ganz klein, ein Logo ins Bild kommt, unabsichtlich, würde es wahrscheinlich erkannt werden von einem Bot und das Video würde gesperrt werden.

 

YouTuber werden Europa, soweit sie die Mittel dazu haben, verlassen oder aufhören müssen.

 

Wichtige Medien wie das Backspin Magazin könnten keine Promo mehr für einen neuen Artist machen, außer sie klären vorher die Rechte.

 

Es ist also unserer Meinung nach eher ein Schuss nach hinten als eine gute Sache für "normale" Artists, die versuchen, hoch zu kommen oder sich über Wasser zu halten. 

 

Dieses Gesetz wurde ja angeblich schon vor Jahren gemacht, von Leuten die sich wenig bis garnicht auskennen und vor Instagram. 

 

Solange da nichts daran wenigstens verändert wird, ist das auf jeden Fall keine gute Sache.

 


Georg Neuhauser - Serenity:

 

Generell finden wir die Urheberrechtsreform nicht schlecht - allerdings wird diese Änderung keine ganz großen Verbesserungen für uns Musiker bringen. Die Wertschätzung von Seiten der Konsumenten muss sich wieder ändern... und das wird schwierig... für eine Packung Zigaretten 6 Euro bezahlen ist kein Thema - für ein zeitloses Album 10 Euro eine unzumutbare Summe.....


Phil Vanderkill - Sergeant Steel:

 

Die Debatten rund um die Urheberrechtsreform haben wir nicht im Detail mitverfolgt. Jedoch können wir uns nicht vorstellen, dass Upload-Filter der richtige Weg sind.

 

Die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass technische Einschränkungen, Kriminalisierung und das Sanktionieren von Konsumverhalten keine nachhaltigen Erfolge bringen.


Marco Pogo - TURBOBIER:

 

Dass sich jemand um a faire Vergütung von Künstlern bemüht, wär mir neu.

Generell ändert der Passus nix in mei’m Schaffen - i tua a sicher nach wie vor das, was i will;

ob das jetzt mehr oder weniger oder auch keine Kohle bringt, is net mei Motor.


Wendja:

 

Vielen Dank für Dein Mail.

 

Ich muss Dich aber bzgl. Deiner Umfrage enttäuschen. Klar könnte ich irgendwelche Meinungen "copy pasten", dafür oder dagegen...

Aber es wäre falsch vorzugaukeln, ausreichend informiert zu sein, denn das bin ich nicht. Ist ja auch nicht so ganz einfach dem allen zu folgen in einer Zeit, wo so gefinkelt politisiert wird, dass man nicht mehr weiß, wo man als Künstler und Urheber jetzt wirklich stehen kann.

Deswegen kann ich nicht wirklich mehr dazu sagen. Es wird sich zeigen.